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"sponsored by Oceania Cruises" - was bedeutet das für cruisetricks.de?

Gambling: Sind Kreuzfahrtschiffe das neue Las Vegas?

Es ist ein sehr amerikanischer Trend am US-Markt, der die Kreuzfahrt aber in Teilen nachhaltig verändern könnte: Die Casinos auf Kreuzfahrtschiffe konkurrieren immer mehr mit Las Vegas als Gambling-Paradies.

Spielcasinos auf Kreuzfahrtschiffen werden größer, der Umsatz dort wird unter anderem durch striktere Raucher-Regelungen optimiert, insbesondere für asiatische Kundschaft werden VIP-Bereiche eingerichtet, Kooperationen mit großen Casinobetreibern an Land geschlossen. Es ist unübersehbar, dass Kreuzfahrtschiffe für Spieler immer attraktiver werden.

Casino der Eurodam
Casino der Eurodam

Zugleich sind die Zahlen in Las Vegas deutlich rückläufig. Im Sommer 2025 verzeichnet die Wüstenstadt in Nevada einen Besucherrückgang von elf bis zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In absoluten Zahlen: Im Juni 2024 kamen rund 400.000 Touristen und Spieler weniger nach Las Vegas als im Juni 2025. Experten sehen als Gründe vor allem den allgemeinen Rückgang im Tourismus in den USA (mit Ausnahme des Kreuzfahrt-Tourismus) und die sehr deutlich gestiegenen Preise für Getränke, Restaurants und Hotelübernachtungen in Las Vegas.

Eine direkte Korrelation mit der Kreuzfahrt ist nicht nachweisbar. Es gibt keine Untersuchungen, die zeigen, das vormalige Las-Vegas-Urlauber nun stattdessen auf Kreuzfahrt gehen. Auch in der Kreuzfahrt steigen die Kosten und Preise, allerdings nicht so deutlich wie an Land.

Casino der MSC Splendida
Casino der MSC Splendida

Auffällig ist aber das in jüngster Zeit noch intensivere Bemühen der US-Reedereien um Gambling-Kunden – intensiver als schon zuvor, denn Gambling war für die Kreuzfahrtanbieter schon immer ein großes Geschäft.

Wie groß, darüber schweigen sich die Reedereien allerdings aus. Die Bilanzen weisen die Casino-Umsätze nicht separat aus und auch in unabhängigen Studien oder Statistiken finden sich keine konkreten Zahlen. Einen vorsichtigen Blick auf die Dimensionen des Gamblings an Bord von Kreuzfahrtschiffen zeigen aber Steuerdaten aus Alaska. Dort gibt es nämlich eine 33-prozentige Steuer auf die Bruttoeinnahmen der Spielkasinos an Bord von Kreuzfahrtschiffen in den Hoheitsgewässern Alaskas. Im Jahr 2024 zahlten die Reedereien dort allein 26,9 Millionen Dollar an Glücksspiel-Steuern.

Royal Caribbean plant größtes Casino der Flotte

Gerade erst hat Royal Caribbean angekündigt, bei der anstehenden Renovierung („Amplification“) der Harmony of the Seas das bislang größte Spielkasino der Flotte einzubauen. Wenn die Harmony of the Seas nach dem Werftaufenthalt am 21. Mai 2026 in Barcelona startet, erstreckt sich das „Casino Royale“ dann zusätzlich auf den bisherigen Comedy Club „The Attic“ und die „Crown Lounge“ und breitet sich damit auf den gesamten Raum des „Entertainment Place“ auf Deck 4 aus. Bereits bei einem früheren Umbau hatte Royal Caribbean hier den ursprünglichen Jazz-Club durch ein neues Nichtraucher-Casino ersetzt. Die Casino-Fläche steigt damit auf der Harmony of the Seas um mehr als 40 Prozent.

Casino der Icon of the Seas
Casino der Icon of the Seas

Für das dritte Icon-Class-Schiff, die Legend of the Seas, erweitert die Reederei das Casino sogar auf zwei Ebenen, berichtet Royal Caribbean Blog. Auch auf anderen Royal-Caribbean-Schiffen ist zu beobachten, dass weniger beliebte oder weniger umsatzstarke Bereiche zu Gunsten von mehr Raum für das Casino aufgegeben werden.

Und Royal Caribean ist natürlich nur ein Beispiel. So wirbt ganz aktuell auch Princess Cruises für die neue Star Princess mit dem bislang größten Casino der Flotte mit „Vegas-caliber gaming“.

Treueprogramme und Kooperation mit Casino-Unternehmen an Land

Kreuzfahrtschiff-Gambler leben schon beinahe in einer eigenen Welt. Denn wer an den Spieltischen und Slot-Maschinen genug Umsatz macht, bekommt von den Casino-Betreibern auf den Schiffen zahlreiche Vergünstigungen bis hin zu kostenlose Kreuzfahrten – ganz ähnlich wie Casino-Hotels in Las Vegas ihre besten Kunden, die „High Roller“, kostenlos in großen Suiten logieren lassen, um sie bei Laune und bei der Stange zu halten.

Neben den normalen Kundentreue-Programmen gibt es bei den großen Reederei-Unternehmen jeweils weitere Treueprogramme für die Spielkasino-Kunden an Bord derer Schiffe, beispielsweise „Club Royale“ bei Royal Caribbean, „Blue Chip Club“ bei Celebrity Cruises, „Carnival Players Club“ bei Carnival Cruise Line oder „MSC Signature Player Rewards“ bei MSC Cruises. NCLH hat sogar ein Markenübergreifendes Programm namens „Casino at Sea Rewards“ für NCL, Oceania und Regent Seven Seas.

Sammelt man genügend Umsatzpunkte, gibt’s beispielsweise kostenlose Getränke im Casino oder sogar kostenlose Kreuzfahrten. Das muss für den Passagier übrigens kein Verlustgeschäft sein: Was zählt, ist nur der Umsatz, und nicht, wieviel man beim Spielen verliert oder gewinnt.

Casino der Sun Princess
Casino der Sun Princess

2024 haben sowohl Royal Caribbean und Celebrity Cruises als auch Carnival Cruise Line große Partnerschaften mit Spielkasinobetreibern in den USA an Land vereinbart – Royal Caribbean und Celebrity mit Hard Rock International, Carnival mit Bally’s und bereits 2022 für weitere Carnival-Marken mit Bet MGM. Dazu gehört beispielsweise ein Status-Match für Kunden beider kooperierender Unternehmen mit den damit verbundenen Annehmlichkeiten und Leistungen.

Norwegian Cruise Line Holdings hat für seine drei Kreuzfahrtmarken schon seit einiger Zeit eine Partnerschaft mit Cesars Entertainment. Und Carnival Corp. wurde kürzlich sogar Mitglied der mächtigen, amerikanischen Gambling-Lobbyorganisation American Gaming Association (AGA) – als erste und bislang einzige Reederei.

Trend zu Nichtraucher-Casinos

Interessant ist auch ein weiterer Trend auf großen Kreuzfahrtschiffen: In den Casinos wird das Rauchen zunehmend eingeschränkt sowie eigene Nichtraucher-Casinos eingerichtet.

Oft ist das Rauchen in den Casinos auch nur noch für aktive Spieler gestattet. Damit wollen die Reedereien verhindern, dass die Casinos als heimliche Raucherzone im Innenbereich des Schiffs genutzt werden und letztlich diese Raucher den Casinobetrieb beeinträchtigen, ohne Umsatz zu generieren.

Trend zu Kurzreisen mit Megaschiff-Neubauten

Und noch ein Trend spielt der Beliebtheit bei Gamblern in die Karten: Kurzkreuzfahrten mit ganz großen und neuen Kreuzfahrtschiffen ab Florida. Denn solche Reisen entsprechen stark dem Las-Vegas-Erlebnis, mal schnell übers Wochenende, mit erstklassigem Entertainment, den hochbeliebten Privatinseln als oft einziges Ziel, und mit entsprechend großen Casinos an Bord.

Angestoßen hat diesen Trend Royal Caribbean, die mit der Utopia of the Seas erstmals eines der ganz großen Mega-Kreuzfahrtschiffe direkt als Neubau auf Kurzkreuzfahrten ab Florida einsetzen und jetzt auch die Wonder of the Seas auf Kurzreisen schickt. Carnival Cruise Line setzt die große, neue Mardi Gras für Kurzreisen zur Privatdestination Celebration Key auf Grand Bahama ein, MSC Cruises macht es mit der MSC Seaside und der Privatinsel Ocean Cay.

Kreuzfahrtschiffe im Vorteil gegenüber Las Vegas

Um es deutlich zu sagen: Es gibt keine nachweisbare Bewegung von Touristen weg von Las Vegas und direkt hin zur Kreuzfahrt. Und Las Vegas hat in seiner Geschichte schon zahlreiche Krisen überstanden und sich immer wieder neu erfunden. Aber die Kreuzfahrt wird nicht nur bei Touristen, die Highend-Entertainment und unbeschwerten „Fun“ suchen, eine immer ernstere Konkurrenz, sondern auch im Gambling-Bereich.

Casino der MSC World America
Casino der MSC World America

Unabhängig von Las Vegas ist aber ein deutlicher Trend in der Kreuzfahrt erkennbar: Gambling wird für die Reedereien und ihre Kunden vor allem am US-Markt immer wichtiger. Und gegenüber Las Vegas haben die Casinos auf den Schiffen auch noch einen weiteren Vorteil: In internationalen Gewässern spielen die an Land meist relativ strengen Glücksspielgesetze kaum eine Rolle, Auszahlungsquoten und Gewinnwahrscheinlichkeiten können die Casinos stärker zu ihrem eigenen Vorteil gestalten.

Für Reedereien ist das Gambling aber auch deshalb attraktiv, weil vor allem das amerikanische (und asiatische) Publikum Gambling als hochwertiges Entertainment betrachtet. Anders als aufwändige Shows, Live-Musik und andere Entertainment-Angebote an Bord wirft das Spielkasino jedoch hohe Gewinne ab, statt ein Kostenfaktor zu sein.

Und was bedeutet dieser Trend für europäische und deutsche Kreuzfahrt-Urlauber? Das Spielkasino ist selbst auf Kreuzfahrtschiffen, die sich vor allem auf den US-amerikanischen Markt fokussieren, nur ein kleiner Teil des Entertainment-Angebots an Bord. Wer mit Spielkasinos nicht anfängt, kann sie getrost ignorieren.

Auf deutschsprachigen Schiffen haben Casinos ohnehin nur eine geringe Bedeutung und sind sehr klein oder gar nicht erst vorhanden. Und es gibt auch internationale Reedereien, die ganz auf Gambling verzichten, wie etwa Azamara oder Disney Cruise Line.

Historie: Spielkasinos auf Schiffen in den USA

Interessantes Detail am Rande: Spielkasinos auf Schiffen haben in den USA durchaus schon eine längere Geschichte. Spätestens seit dem Kinofilm Maverick von 1994 mit Mel Gibson, Jody Foster und James Garner kennt jeder die Geschichten von Spielern und Falschspielern auf den Mississippi-Radampfern im 19. Jahrhundert. Casinos im heutigen Sinne gab es auf diesen Schiffen freilich nicht.

Riverboat Gambler sind ein beliebtes Klischee in den USA: Spielkarten-Magier Bodine Balasco mit Autor Franz Neumeier (Archivbild von 2005)
Riverboat Gambler sind ein beliebtes Klischee in den USA: Spielkarten-Magier Bodine Balasco mit Autor Franz Neumeier (Archivbild von 2005)

Doch in den frühen 1990er-Jahren erlebten Riverboat-Casinos eine neue Blütezeit. Zwar war Glücksspiel an Land in nahezu allen US-Bundesstaaten verboten, mit Ausnahme von Nevada (Las Vegas) und in den Native American Reservations. Die die Staaten suchten nach neuen Einnahmequellen und so legalisierte Iowa als erster Stat 1989 das Glücksspiel auf Flussschiffen. Illinois, Missouri, Indiana und Lousiana folgten bald.

Casinoschiff Isle of Capri in Natchez, Mississippi
Casinoschiff Isle of Capri in Natchez, Mississippi

Und schon bald blühte eine neue Gambling-Branche: Auf historisch getrimmte Raddampfer wurden mit Spieltischen und Slotmachines ausgestattet und sobald die Schiffe für ein paar Stunden ablegte, konnte der Spielbetrieb beginnen.

Das hielt gut zehn Jahre lang an, bis in immer mehr Staaten auch landbasierte Casinos legal wurden, oder die Schiffe zumindest nicht mehr ablegen mussten. Das trieb teil absurde Blüten: Die Schiffe waren teils voll fahrtauglich und mussten mit nautischer Crew inklusive lizensiertem Kapitän bemannt sein – legten aber nie ab.

Casinoschiff Grand Victoria II in Rising Sun, Indiana, am Ohio RIver
Casinoschiff Grand Victoria II in Rising Sun, Indiana, am Ohio River

Heute gibt es solche Casinos auf Schiffen nicht mehr. Teils sind Casinos direkt an Land legal, teils wurden die Casinos so gebaut, dass sie formell auf dem Fluss liegen, also quasi auf Stelzen im Wasser stehen, aber eben keine Schiffe mehr sind, was im Betrieb deutlich günstiger ist. Die romantische Riverboat-Optik hat sich bei vielen Casinos aber bis heute als Fassade gehalten.

4 Kommentare

Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

4 Gedanken zu „Gambling: Sind Kreuzfahrtschiffe das neue Las Vegas?“

  1. Hallo Franz, wieder ein interessanter Artikel, vielen Dank. Ich selber mache um Casinos, egal ob an Land oder auf einem Kreuzfahrtschiff, einen großen Bogen. Schon die Beleuchtung und die Geräusche sind für mich Reizüberflutung total. Vom Suchtpotential ganz zu schweigen – das man nicht mal gewinnen muss um Benefits zu bekommen sondern der Umsatz zählt macht es nicht meiner Meinung nach nicht besser bzw. ungefährlicher. Mir bleibt ein Eindruck von einer Transatlantik-Reise auf der Adventuere otS vor etlichen Jahren in Erinnerung, wo ich mir das Casiono einmal angeshen hatte. Dort saß eine ältere Dame vor einem „einarmigen Banditen“, die ich eine Weile beobachtet hatte, wie sie stoisch und mit leerem Blick diesen immer wieder gefüttert hatte. Das wirkte auf mich schon etwas befremdlich.
    Aber wie du ja auch schreibst kann man dem ja auch gut aus dem Weg gehen und das ist auch gut so. Für die Reedereien, insbesondere die amerikanischen, scheint das doch ein sehr lukratives Geschäft zu sein. Und hier an Land in D verdient der Staat ja auch kräftig mit.

  2. Ich denke, man sollte nicht übersehen, dass Gambling in den USA kulturell anders verwurzelt ist und anders gesehen wird als bei uns. Dort gilt das wirklich für viele Menschen als echtes Entertainment. Die Menschen spielen, weil sie Spaß daran haben.
    Ich hatte mal auf einer Reise auf einem Luxus-Schiff am Alleinreisenden-Tisch eine ältere Dame, mit der ich mich länger dazu unterhalten habe. Sie verabschiedete sich regelmäßig gleich nach dem Dessert, um eine Stunde an den Roulette-Tisch zu gehen und als ich sie danach fragte, meinte sie, es würde ihr einfach riesig Spaß machen und sie habe für jede Reise ein Budget von 800 Dollar, das ihr dieser Spaß wert sei. Sie betrachtete es also überhaupt nicht als Negativ und als Verlust, diese 800 Dollar ggfs. zu verlieren, es war quasi der Preis, den sie für dieses Entertainment zahlte. Und wenn sie gewann, natürlich umso schöner, aber darum ging’s ihr überhaupt nicht.
    Und dann gibt’s die „Profis“, die sich die Regeln der Bonusprogramme der Schiffskasinos genau ansehen und es gezielt darauf anlegen, die nächste Kreuzfahrt günstiger zu bekommen, als wenn sie sie regulär buchen würden. Nach dem Prinzip: „Wenn ich 3.500 Dollar im Casino verspiele, dafür aber die Punkte bekomme, mit denen ich eine 4.000-Dollar-Kreuzfahrt buchen kann, dann habe ich faktisch 500 Dollar gewonnen.“ Das funktioniert, solange es genug andere gibt, die nicht systematisch vorgehen und so viel verlieren, dass sie quasi den Profit dieser Spezialisten mitfinanzieren und sich das in der Gesamtrechnung für die Reederei / das Casino trotzdem (enorm) lohnt.

  3. Ich gestehe, dass ich im Rahmen einer Kreuzfahrt auch das Casino besuche (ansonsten sieht mich kein Casino von innen). Es wird ein festgesetzter Betrag von mir eingesetzt, wenn der weg ist, ist Schluss. Gerade an Seetagen ist das manchmal eine willkommene Abwechslung. Mir geht es wie der von Herrn Neumeier zitierten Dam, nämlich um Spaß. Wenn man geschickt ist, rechtzeitig aufhört und nicht um allzu große Beträge spielt, kann man ein paar Tage spielen, ohne viel bzw. gar kein Geld zu verlieren. Was mich allerdings dabei extrem stört, sind die Raucher. Auf mein Schiff 4 ist eine Lounge-Bar in das Mini-Casino integriert. Dort halten sich viele Passagiere auf, die den Casinoraum nur dazu benutzen, um Rauchen zu können. Das war teilweise unerträglich, zumal – wie erwähnt – der Raum/das Casino ziemlich klein ist. Nach meiner Erinnerung wurde das Rauchen im Casino bei Costa abgeschafft.

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