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"sponsored by Oceania Cruises" - was bedeutet das für cruisetricks.de?

MSC Cruises will angeblich Meyer-Werft übernehmen – ein Gerücht im Realitäts-Check

Auf den ersten Blick klingt es nach einem großen Coup: MSC verhandelt angeblich eine Übernahme der Meyer-Werft in Papenburg, statt nur die angekündigte Zehn-Milliarden-Partnerschaft zwischen der Werft und MSC Cruises mit der tatsächlichen Bestellung neuer Kreuzfahrtschiffe zu besiegeln.

Auf den ersten Blick wäre es gut für den Steuerzahler, der über die Beteiligung von Bund und dem Land Niedersachsen bei den weiterhin hohen Verlusten der Werft im Risiko ist. Je 200 Millionen Euro haben Bund und Land Niedersachsen in die Werft gesteckt.

Auf den ersten Blick wäre ein solcher Deal auch gut für MSC: Als Reederei neue Kreuzfahrtschiffe auch gleich selbst bauen zu können, klingt verlockend, in einem die relevanten Kreuzfahrtschiff-Werften über viele Jahre hinweg ausgebucht sind.

Und für Bernard Meyer würden sich neue Perspektiven eröffnen, der seine Familienwerft gerne wieder zurückkaufen würde, allerdings am Kaufpreis scheitert. Für ihn soll der angeblich verhandelte MSC-Einstieg laut NDR die Möglichkeit schaffen, seine Anteile zumindest von aktuell 20 auf 30 Prozent aufzustocken.

Es gibt für MSC aber noch ein weniger offensichtliches Argument für den Einstieg in die Werft: die Absicherung der geplanten Neubauten. Der Staat hat die Werft vor der Insolvenz gerettet und laut Unternehmensführung ist man auf einem guten Weg. Doch die Werft macht weiterhin große Verluste.

Lässt man sich als Reederei auf eine langfristige Partnerschaft mit einer Werft ein und plant Neubauten im Wert von rund zehn Milliarden Euro, dann will man sicherstellen, dass der Werft nicht auf halbem Weg die Puste ausgeht. Wie lange die Geduld von Bund und Land reichen würde, wenn sich die Lage der Werft nicht so schnell stabilisiert, wie erhofft, ist ungewiss.

Wie unangenehm es werden kann, wenn eine Werft insolvent wird, haben schon einige Reedereien erfahren müssen: Hurtigruten (heute HX Expeditions) musste 2018 für die Fertigstellung der Roald Amundsen und Friedtjof Nansen einspringen und vorübergehend die Kleven-Werft in Ulsteinvik übernehmen. Auch Scenic übernahm 2019 gleich eine ganze Werft in Kroatien mit eilends zusammengestellten, eigenen Leuten, um die Scenic Eclipse fertigzustellen und die Scenic Eclipse II zu bauen. 2013 sprang Royal Caribbean für ihr Joint-Venture-Unternehmen TUI Cruises angeblich mit Zugeständnissen ein, um die in Schieflage geratene Werft STX Finland (heute: Meyer Turku) und damit den Bau der Mein Schiff 3 und 4 abzusichern.

Was eher gegen eine Werft-Übernahme durch MSC spricht

Auf den zweiten Blick wirft eine potenzielle Übernahme der Meyer-Werft durch MSC jedoch auch ganz wesentliche Fragen auf.

Der Bau eines Kreuzfahrtschiffs bedarf der engen Zusammenarbeit von Reederei und Werft, auch den intensiven Austausch von Know-how und Innovationen. Würden direkte Konkurrenten von MSC Cruises das wollen? Würde Disney sein gesammeltes Know-how auf dem Silbertablett bei MSC abliefern wollen? Würde die enorm innovative Neubauabteilung der Royal Caribbean Group ihre Ideen direkt der Konkurrenz in die Hand drücken? Würde der langjährige Meyer-Kunde NCL, aktuell zu Fincantieri abgewandert, unter diesen Bedingungen wieder zu Meyer zurückkehren wollen?

Umgekehrt braucht MSC Cruises in Zukunft sehr große, neue Schiffe, die wegen der Limitierung in Papenburg insbesondere bei der Emsüberführung der Schiffe dort nicht gebaut werden können. Und die Schleuse im Werfthafen in Papenburg begrenzt die Schiffsbreite auf 42 Meter, die neuen Panamakanal-Schleusen erlauben aber gut 50 Meter. MSCs World-Class-Schiffe sind 47 Meter breit, die der Meraviglia-Class 43 Meter.

Wie also wäre das Verhältnis von MSC zu Chantiers de l’Atlantique und Fincantieri, wenn plötzlich nicht nur eine Reederei, sondern zugleich auch eine direkte Konkurrenz-Werft am Verhandlungstisch sitzen würde? Auch da geht es um Betriebsgeheimnisse, Know-how, Innovationen.

Wäre es für MSC wirklich eine gute Idee, bei Meyer einzusteigen?

Abgesehen von strategischen Überlegungen: Wie finanziell lukrativ wäre der Einstieg in die Werftenbranche für MSC überhaupt? Klar, direkter Zugriff auf Werftkapazitäten ist nicht unwesentlich. Aber das hat MSC auch bisher schon geschickt mit Hilfe von Bauoptionen und langfristigen Verträgen ganz gut im Griff gehabt. Nur bei geplanten Neubauten bei Meyer Turku hatte MSC zu lange gepokert und sich die Bau-Slots von Royal Caribbean vor der Nase wegschnappen lassen, was überhaupt erst zu dem Rahmenvertrag mit Meyer in Papenburg geführt hat.

Mittelfristig könnte die Konkurrenz um Bau-Slots für Kreuzfahrtschiffe sich aber zumindest etwas entspannen, denn die chinesische Staatsreederei CSSC steht in den Starlöchern, zu einer Alternative beim Bau großer Kreuzfahrtschiffe zu werden. Der Markt wird bislang von den vier europäischen Werft-Unternehmen kontrolliert: Meyer Werft in Papenburg, Meyer Turku, Chantiers de l’Atlantique und Fincantieri.

Mit der Adora Magic City hat CSSC ein größeres Kreuzfahrtschiff bereits abgeliefert, die Adora Flora City soll noch in diesem Jahr folgen. Dies auch Dank einer inzwischen beendeten Kooperation mit Fincantieri, bei der wohl viel Know-how nach China geflossen ist. Weitere Schiffe für Adora Cruises sind in Planung, und auch die etwas ominöse, neue „Nor Cruises“ hat kürzlich eine Absichtserklärung für bis zu fünf Neubauten mit CSSC unterschrieben.

CSSC wird auf absehbare Zeit vielleicht nicht die komplexesten, innovativsten und größten Schiffe der Welt bauen können. Aber weniger ambitionierte Aufträge, die dorthin gehen, machen dennoch Bau-Slots in Europa frei – und damit die Investition in eine europäische Werft weniger attraktiv.

Selbst wenn Geld bei MSC tendenziell keine so große Rolle spielt wie bei börsennotierten Unternehmen, dürfte der große Schuldenberg, den die Meyer-Werft mit sich herumträgt, keine Begeisterungsstürme in der MSC-Zentrale auslösen. Auch wenn der Genfer Schifffahrtskonzern die Übernahme der Meyer-Werft in Papenburg vor allem unter strategischen Gesichtspunkten betrachten sollte: Rechnen muss sich das Ganze dennoch irgendwie.

Wie sinnvoll wäre eine solche Übernahme also wirklich? Würde der Einstieg bei Meyer für MSC nicht womöglich mehr Probleme schaffen, als er neue Gelegenheiten eröffnet? Überflüssig zu erwähnen, dass es weder von der Werft noch von MSC irgendeine Stellungnahme zu den Gerüchten gibt.

2 Kommentare

Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

2 Kommentare zu „MSC Cruises will angeblich Meyer-Werft übernehmen – ein Gerücht im Realitäts-Check“

  1. „Mit der Adora Flora City hat CSSC ein größeres Kreuzfahrtschiff bereits abgeliefert, die Adora Flora City soll noch in diesem Jahr folgen. “
    Adora Flora City 2 mal…

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