rauchender Schiffsschornstein

Neue Schutzzone Mittelmeer: Schwefeloxid-Emissionen der Schifffahrt soll ab 2025 um 80 Prozent sinken

Die Mittelmeer-Anrainerstaaten der „Barcelona Convention“ haben sich auf die Errichtung einer Umweltschutzzone im Mittelmeer geeinigt. Auf einer Konferenz in Antalya beschlossen sie die seit einigen Jahren diskutierte „Med SOx ECA“. Sie könnte am 1. Januar 2025 in Kraft treten. Der Grenzwert für Schwefeloxid-Emissionen von Schiffen müssten dann von 0,5 auf 0,1 Prozent sinken.

Als Ergänzung zur International Convention for the Prevention of Pollution from Ships („Marpol“) der für die Schifffahrt zuständige UN-Organisation IMO würde die Schutzzone „Med SOx ECA“ die Schifffahrt zu niedrigeren Schwefeloxid-Emissionen verpflichten. Eine Ausweitung des Schutzes auch auf Stickoxide (NOx) ist in dem Beschluss dagegen nicht enthalten. Das Thema soll aber weiter beraten und möglicherweise später ergänzt werden.

0,1-Prozent-Grenzwert für Schwefeloxid im Mittelmeer ab 2025

Die Schwefelgrenzwerte für Schiffskraftstoffe und die damit verbundene Begrenzung der Schwefeloxid-Emissionen in der Schifffahrt – und damit auch für Kreuzfahrtschiffe – wurde bereits mit Wirkung zum 1. Januar 2020 von 3,5 auf 0,5 Prozent weltweit gesenkt. In Schutzzonen, wie es nun sehr wahrscheinlich auch das Mittelmeer ab 2025 sein wird, gilt ein Grenzwert von 0,1 Prozent.

Schutzzonen gibt es bereits in der Nord- und Ostsee sowie entlang der Küsten der USA und Kanadas. Der 0,1-Prozent-Grenzwert gilt außerdem beispielsweise in allen Häfen der EU und rund um Island. Details dazu finden Sie in unserem Beitrag „Grenzwerte für Emissionen und Abgas-Vorschriften für Kreuzfahrtschiffe“.

Eine Ausnahme von der neuen Schutzzone im Mittelmeer soll lediglich für die Wartezone von Schiff vor der Einfahrt in den Suezkanal definiert sein.

Laut der Website des UN Environmental Program würde die Umsetzung der „Med SOx ECA“ zu einem 78,7-prozentigen Rückgang der gesamten Schwefeloxidemissionen in der Region führen. Das Mittelmeer gehört nach wie vor eine der verkehrsreichsten Schifffahrtsrouten der Welt. Im Jahr 2019 seien im Mittelmeer rund 24 Prozent der weltweiten Schiffsflotte und mehr als 17 Prozent der weltweiten Kreuzfahrten unterwegs gewesen.

Nächster Station: Environment Protection Committee der IMO

Die Delegierten der Vertragspartner der „Barcelona Convention“ beschlossen auf der COP22-Konferenz in Antalya, gegenüber der International Maritime Organisation (IMO) ein Inkrafttreten der Emissionsbeschränkungen zum 1. Januar 2025 zuzustimmen.

Vertragspartner der „Barcelona Convention“ (vollständiger Name: The Convention for the Protection of the Mediterranean Sea Against Pollution) sind die Mittelmeer-Anrainerstaaten Ägypten, Albanien, Algerien, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Frankreich, Griechenland, Israel, Italien, Libanon, Libyen, Malta, Monaco, Marokko, Montenegro, Slowenien, Spanien, Syrien, Tunesien, Türkei, Zypern sowie die Europäische Union.

Der Beschluss der der COP22-Konferenz wird nun als Vorschlag in der 78. Sitzung des Maritime Environment Protection Committee (MEPC) der IMO im Juni 2022 behandelt. Die wichtigste Hürde ist jedoch mit dem COP22-Beschluss genommen.

Nabu kritisiert Fehlen von Stickoxid-Grenzwerten

Der Nabu begrüßt den Beschluss der COP22-Konferenz. Zugleich kritisiert die Nabu-Schifffahrtsexpertin Beate Klünder allerdings: „Der Wermutstropfen der Entscheidung ist, dass wir keine wirksame Regulierung erreichen konnten, um die schädlichen Stickoxidemissionen von Schiffen zu reduzieren. Dies ist enttäuschend, da umfassende wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass nur ein gemeinsames Vorgehen gegen die umwelt- und gesundheitsschädlichen Schwefel- und Stickstoffemissionen maximale Erfolge für Natur und Gesundheit bringen.“ Nach fast zehn Jahren erfolgreicher ECA in der Nord- und Ostsee lägen genug Erfahrungen zu den positiven Effekten vor, ergänzt Klünder.

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