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Sea Cloud Spirit (Bild: Sea Cloud Cruises)

Sea Cloud Spirit: „Modern interpretierte Privatyacht als Alternative für Kreuzfahrer“

Sea Cloud Cruises startet am 6. August 2021 wieder neu. Am 14. September geht mit der Sea Cloud Spirit auch der seit insgesamt zwölf Jahren geplante, dritte Kreuzfahrt-Windjammer in Dienst. Cruisetricks.de hat im Interview mit Sea-Cloud-Geschäftsführer Daniel Schäfer über das neue Schiff, den Neustart sowie die Veränderungen für Sea Cloud Cruises und die Kreuzfahrtbranche durch die Corona-Pandemie gesprochen.

Überraschenderweise genau zur richtigen Zeit, trotz Pandemie, sei der Neubau Sea Cloud Spirit fertig, sagt Daniel Schäfer. Die beiden Sea Clouds seien vor der Pandemie unter voller Auslastung gefahren und die Nachfrage sei auch jetzt schon wieder sehr hoch.

Und: „Wir haben das Schiff Ende April übernehmen dürfen und mussten, weil wir erst im September starten, nicht mit dem üblichen Termindruck umgehen und von der Werft Qualitätseinbußen akzeptieren, sondern wir konnten dieses Schiff sehr ruhig und gelassen zu Ende bauen.“

Sea Cloud Spirit
Sea Cloud Spirit (Bild: Sea Cloud Cruises)

Mit der Sea Cloud Spirit will die Hamburger Luxus-Reederei auch Ihre Zielgruppe erweitern: um Kreuzfahrer, die bislang auf eher größeren Premium- und Luxusschiffen in Suiten reisen und nun nach einem individuelleren Urlaub auf kleineren Schiffen suchen. Die Sea Cloud Spirit sei die „moderne Interpretation einer Privatyacht als Alternative für Kreuzfahrer“, sage Schäfer.

Sea Cloud Spirit: Windjammer mit Kreuzfahrtschiff-Qualitäten

Die Sea Cloud Spirit wird – für ein Segelschiff recht ungewöhnlich – einen großen Anteil an Balkonkabinen haben. Fitness-Studio, Spa- und Wellnessbereich sollen ebenfalls dazu beitragen, klassischen Kreuzfahrtschiff-Kunden die Annehmlichkeiten zu bieten, die sie von den größeren Schiffen gewohnt sind.

Weitläufige Decks und viel privaten Freiraum führt Sea Cloud Cruises als besondere Kennzeichen des neuen Segel-Kreuzfahrtschiffs auf, ebenso ein Bistro an Deck als legere Alternative zum Fine-Dining-Restaurant.

Die Sea Cloud Spirit sei dafür ausgestattet, gewisse Berührungsängste zu Segelschiffen und der sehr familiären Atmosphäre an Bord der kleinen Sea-Cloud-Schiffe abzubauen, wie Schäfer in unserm Interview ausführt:

„Wir eröffnen uns damit die Möglichkeit, hier einen neuen Marktkreis, eine Einstiegsmöglichkeit zu bieten und vom Thema Segeln und von der Atmosphäre zu überzeugen. Jedes unserer Schiffe hat seine eigene Persönlichkeit, seine eigene Art und seinen eigenen Charme und auch einen eigenen Kundenkreis.  Insofern glauben wir auch, dass sich da eine Wechselwirkung ergeben wird.“

Und in Hinblick auf die Corona-Pandemie: „Diese Reiseform ist eigentlich genau das, was alle Leute jetzt suchen. Ganz unabhängig vom Schiff, dieses regionale, individuelle, authentische – das ist doch das, was die Leute suchen. Und das können sie jetzt sogar auf dem Wasser haben.“

Sea-Cloud-Geschäftsführer Daniel Schäfer (Bild: Sea Cloud Cruises)
Sea-Cloud-Geschäftsführer Daniel Schäfer (Bild: Sea Cloud Cruises)

Wo sehen Sie neues Kundenpotenzial für Sea Cloud Cruises?

Daniel Schäfer: Die Sea Cloud Spirit spricht mit ihrem Konzept und der Ausstattung auch klassische Kreuzfahrer an. Wir sehen auf jeden Fall eine Schnittmenge, insbesondere mit der Europa 2. Aber beispielsweise eben auch mit den Suiten-Gästen von Premium-Reedereien, ob das jetzt TUI Cruises, AIDA oder in Teilen MSC ist.

„Ich glaube an ein Umdenken der Leute, die nicht mehr mit schlechtem Gewissen nach Hause kommen wollen.“

Da glaube ich auch an ein Umdenken der Leute, die eben nicht mehr mit schlechtem Gewissen nach Hause kommen wollen. Also: Jemand kommt nach Hause und hört negative Kommentare wie ‚was Du warst auf Kreuzfahrt?‘

Aber in dieser Zielgruppe müssen wir erst einmal die Produktwahrnehmung auffrischen, beziehungsweise überhaupt erstmal herstellen.

Was hält Kreuzfahrer denn davon ab, mit einem der Sea-Cloud-Schiffe zu fahren?

Daniel Schäfer: Es geht um eine Einstellungsfrage. Es gibt ja auf unseren Schiffen ein persönliches, familiäres Miteinander an Bord. Wenn man diese Atmosphäre als Gast noch nicht kennt, kann es im Vorfeld schwierig sein, sich darauf einzulassen. Es gibt durchaus einige Gäste, die am Anfang sagen: ‚Damit will ich eigentlich gar nichts zu tun haben.‘ Wenn sie es dann erlebt haben, ist das interessanterweise genau das, was sie unbewusst jahrelang gesucht haben.

Insofern muss man mit Begriffen wie ‚familiär‘ ein bisschen aufpassen; aber letzten Endes ist es das, was unser Angebot auszeichnet. Es ist eine sehr hochwertige Form, leger Urlaub zu machen. Segelschiffe haben einen ganz besonderen Nimbus – nicht umsonst haben die eine lange Tradition. Der Geist, die Seemannschaft sind etwas Besonderes. Das ist Segeln, das ist eine ganz eigene Welt.

Die Pandemie verstärkt den Trend zu individuellem Reisen. Das nützt Sea Cloud Cruises, oder?

Daniel Schäfer: Das ist für uns ein ganz wichtiges Kapitel. Sanfter Tourismus ist seit vierzig Jahren, also von Anfang unser Thema: Respekt vor den Menschen und ihrer Kultur in dem Segelrevier, Respekt vor der Natur. Das ist ein Teil unserer Segler-DNA.

„Darauf können wir jetzt sehr gut aufsetzen und müssen uns nur ein bisschen lauter machen.“

Man könnte sagen, dass wir der Zeit damit um viele Jahre voraus waren, gerade im Kreuzfahrtbereich. Jetzt können wir auf jeden Fall sehr gut darauf aufsetzen und müssen vielleicht nur ein bisschen mehr auf uns aufmerksam machen.

Ganz klar steht natürlich bei uns auch das Erlebnis ‚Segeln‘  im Vordergrund. Der Weg ist Teil des Ziels. Die Häfen bilden sozusagen den Rahmen, aber die Reise an sich, die Seereise ist eben Teil des Erlebnisses. Es geht dabei um Dinge, die gerade jetzt stark gefragt sind: viel frische Luft, Entschleunigung und die Möglichkeit, tatsächlich richtig Urlaub zu machen.

Auf manchen Schiffen ist der Bordalltag komplett durchgetaktet. Dem setzen wir entgegen, dass wir die Dinge bewusst etwas langsamer machen und die Gäste nicht wie ein Bustransfer von A nach B fahren.

Werden Aspekte wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Kreuzfahrt jetzt deutlich wichtiger?

Die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz lagen uns schon immer am Herzen. Nicht umsonst ist unser Hauptantrieb das Segel. Wenn immer möglich, wird bei uns gesegelt. Die Branche tat sich jahrelang sehr schwer mit dem Thema Schweröl. Dagegen ist selbst die Sea Cloud vor neunzig Jahren schon mit Marinediesel betrieben worden – immer dann, wenn kein Wind weht.

Aber Nachhaltigkeit geht viel weiter. Wir sind eine kleine, mittelständische Reederei und arbeiten vor Ort eben auch mit lokalen Strukturen zusammen. Wir machen das, weil wir an langfristige Partnerschaften glauben und weil wir uns in den Regionen verankern wollen, weil wir dort gerne gesehen sind und auch gerne gesehen werden wollen.

„Mit 60 bis 130 Gästen kommen wir mit sehr überschaubaren Zahlen und sind eben auch in Häfen wie Venedig, Barcelona oder Santorin gerne gesehen.“

Das Regionale ist für uns ein ganz, ganz wichtiger Punkt, weil wir dadurch ein authentisches Reiseerlebnis bieten können. So häufig es geht, versuchen wir, auf den Märkten lokal einzukaufen, um die Region quasi auch auf den Teller zu bringen.

Mit 60 bis 130 Gästen kommen wir in einer sehr überschaubaren Größenordnung und sind eben auch in Häfen wie Venedig, Barcelona oder Santorin gerne gesehen. Natürlich sind wir auch deshalb willkommen, weil Segelschiffe eine imposante Erscheinung sind, die zu den Städten passt.

Gerade jetzt nach dieser Pandemie suchen viele Menschen ein individuelles Produkt. Das Thema Nachhaltigkeit erfährt heute deutlich mehr Wertschätzung als noch vor ein paar Jahren. Dass das Regionale sehr, sehr wichtig ist – das ist auch im Bereich der Kreuzfahrt zu spüren. Wir freuen uns, dass wir das mit unserem ‚klein und fein‘-Konzept hinbekommen können.

Wird die Corona-Pandemie zu weiteren, dauerhaften Veränderungen in der Kreuzfahrt führen?

Daniel Schäfer: Das ist eine ganz spannende Frage, und so ein bisschen schlagen da zwei Herzen in mir. Ein Zitat von Mahatma Gandhi sagt: ‚Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt‘. Wenn man diesem Gedanken folgt, dann wird es ein ‚weiter so‘ geben. Und ich glaube, dies wird auch in Teilen so sein. Aber wir haben durchaus auch ein Umdenken in der Branche und auch bei den Menschen.

Aber es gibt es so viele Dinge, die trotzdem auch von jungen Menschen in der Welt noch erlebt werden wollen. Ehrlicherweise kann ich mir einen totalen Stopp des Reisebetriebes nicht vorstellen.  Und es wäre auch nicht gut, denn viele Destinationen leben davon. Wenn man sieht, wie viel Wertschöpfung in den einzelnen Regionen von den touristischen Dienstleistern erbracht wird und wie viel Abhängigkeiten dort bestehen, kann man keinem raten, das von heute auf morgen zu ändern.

„Ich kann mir gut vorstellen, dass im Bereich der 5.000plus-Schiffe der Kunde genauso weitermacht wie vorher auch.“

Bei der Kreuzfahrt bin ich ein bisschen ambivalent. Ich kann mir gut vorstellen, dass im Bereich der 5.000plus-Schiffe der Kunde genauso weitermacht wie vorher auch. Denn da geht’s nicht um Nachhaltigkeit, da geht’s um Spaß, um Party machen, um Destination erleben, aber da macht man sich weniger Gedanken.

Ich kann mir vorstellen, dass durchaus im Bereich der Größe unterhalb der 2.500 Passagiere ein Umdenken bei den Menschen stattfinden wird, die dort in Suiten ja einen relativ hohen Preis bezahlen. Und für die bieten wir die perfekte Plattform. Insofern spielt uns ein Umdenken an der Stelle in die Karten.

„Ein Umdenken an dieser Stelle spielt uns in die Karten.“

In Summe muss sich die Branche sicherlich noch sehr strecken. Was jetzt unter Umweltgesichtspunkt mit LNG-Antrieben und so weiter geplant wird, ist nicht einfach für die Branche. Aber dass jetzt Großreedereien meinen, sie müssen einen Green Ship Award oder ähnliches bekommen, finde ich ehrlicherweise schon ein bisschen anstrengend.

Zumindest hat aber ein Umdenken stattgefunden in der Kommunikation innerhalb der Branche. Das ist schon mal ein wichtiger Einstieg dafür, dass sich auch tatsächlich etwas ändert. Ohne Zweifel müssen wir mit unserer Umwelt behutsam umgehen. Und natürlich haben wir da als Sea Cloud Cruises viele Vorteile.

Mein Gefühl ist, dass viel stärker in dem Bereich Innovation und Antrieb investiert werden muss, und zwar gesamtpolitisch, denn wir werden über Verhaltenssteuerung keine Veränderung bewirken können. Wir müssen dahin kommen, dass Konsum, egal in welcher Form und in welcher Branche, klimaneutral wird. Das ist eine Anstrengung, die natürlich weit über die Kreuzfahrt hinausgeht.

Für Sea Cloud Cruises sehen Sie in der geringen Größe der Schiffe in der Pandemie eher Vorteile?

Daniel Schäfer: Per se hat es natürlich Vorteile, weil es viel, viel einfacher ist, einen kleinen Gästestrom, wie wir ihn haben, in den Griff zu bekommen als größere Personenzahlen. Das fängt beim Einschiffen an und hört bei einer Krisenbewältigung nicht auf.

„Kleine Schiffe sind deutlich einfacher zu handhaben, weil einfach weniger Passagiere da sind.“

Im kleineren Kreis passt man auch besser auf sich auf. Wir haben ein kulturell sehr versiertes Publikum an Bord. Und ich glaube, die Impfquote wird sehr, sehr hoch sein, schon auf freiwilliger Basis und nicht nur, weil wir eine Impfpflicht auf unseren Schiffen haben. Dazu kommt, dass die Gäste bei uns an Bord viel Zeit an der frischen Luft verbringen.

Allerdings ist vor allen Dingen die Restaurantkapazität eine kleine Hürde. Und insofern haben wir auf der Sea Cloud auch etwas größere Einschränkungen zu tragen als auf den anderen beiden Schiffen.

Aber ansonsten glaube ich, dass kleine Schiffe deutlich einfacher zu handhaben sind, weil einfach weniger Passagiere da sind. Schon allein, weil die Logistikströme anders sind.

Werden die Sea Clouds mit individuellen Landgängen für die Passagiere starten können?

Daniel Schäfer: Hierzu ist aktuell eine interessante Entwicklung im Gang. Griechenland zum Beispiel hat gerade verkündet: Individuelle Landausflüge sind erlaubt, wenn man innerhalb des Landes fährt. Das ist für uns keine Herausforderung, da wir uns zum Neustart bewusst auf eine Destination pro Schiff konzentrieren. Da folgen wir sehr stark den EU-Regularien und haben gemeinsame Protokolle mit den Agenturen vor Ort aufgesetzt. Es bleibt aber zunächst ein Lernprozess, weil die Umsetzung der Protokolle ja jetzt erst beginnt. Individuelle Landausflüge konterkarieren allerdings das Sicherheitsprotokoll, daher sind wir hier derzeit noch zurückhaltend.

„Wir haben definitiv nicht geplant, Reisen ohne Landausflüge zu machen.“

Insofern wird sich peu-a-peu zeigen, was in den Destinationen jeweils möglich sein wird, aber wir haben definitiv nicht geplant, Reisen mit reinen Panoramafahrten als Ausflüge anzubieten. Das ist auch nicht das, was die Gäste wollen. Dann würden wir eher blaue Reisen anbieten und nur segeln.

Aber die Regeln sind schon so, dass man sie auch einhalten kann. Da spielt natürlich insbesondere hinein, ob man – wie wir – mit wenigen Gästen kommt. Insofern spielt uns auch das sehr in die Karten. Die Hygienekonzepte, die wir entwickelt haben, haben wir mit unseren Agenturen abgeglichen und werden sie umgesetzt bekommen. Da habe ich gar keine Zweifel dran.

Neustart-Termine der Sea-Cloud-Schiffe

Zum Neustart hat Sea Cloud Cruises Routen entworfen, die sich in Europa jeweils innerhalb eines Landes bewegen – Griechenland, Frenkreich, Italien.

  • Sea Cloud: 6. August 2021 ab Piräus zum Peloponnes und den Kykladen
  • Sea Cloud II: 30. August 2021 ab Nizza an die Cóte d‘Azur und nach Korsika
  • Sea Cloud Spirit: 14. September 2021 ab Civitavecchia in die Toskana, nach Ligurien, Sizilien und an die Amalfiküste

Getauft wird die Sea Cloud Spirit übrigens bereits am 3. September, bevor sie nach Einführungsfahrten und der Überführung nach Civitavecchia dann in den offiziellen Passagierbetrieb gehen soll.

Im Winter 2021/22 sollen Sea Cloud und Sea Cloud II wieder in der Karibik segeln, die Sea Cloud Spirit auf den Kanaren. Und für die Karibik-Saison 2022/23 kündigte die Reederei mit den Bahamas ein neues Segelrevier an – mit der Sea Cloud Spirit ab Miami.

Für Neubuchungen seit 15. Juni 2021 gilt für die Sea Clouds eine Impfpflicht. Für die bereits davor erfolgten Buchungen werde man versuchen, mit einem „freundschaftlichen Überzeugungsprozess“ möglichst alle Passagiere davon zu überzeugen, dass die Corona-Impfung die beste Voraussetzung für eine Kreuzfahrt sei, so Sea-Cloud-Geschäftsführer Daniel Schäfer. Er geht davon aus, dass ohnehin bereits 80 bis 90 Prozent der Sea-Cloud-Kunden geimpft seien.

4 Kommentare

4 Gedanken zu „Sea Cloud Spirit: „Modern interpretierte Privatyacht als Alternative für Kreuzfahrer““

  1. WOW! Das sind ja traumhafte Bilder von gediegenem Luxus auf See. Die Frage wird sein, ob ich als mir als Stammgast von Royal Caribbean, HAL, MSC und Costa mal einen Ausflug in dieses höhere Segment gönne. Denn ich kann durchaus ohne eine Riesen-Wasserrutsche, einen Ferrari-Rennsimulator und Roboter, die mir Drinks mixen, auf dem Meer glücklich sein ;-) Bei mir haben noch immer schöne Häfen, gutes Essen und nette Mitreisende Priorität. Mir stellt sich allerdings die Frage, ob ich da nicht mit Leuten unterwegs bin, die richtig Geld haben und auch gern darüber reden. Da käme ich mir als „armer Zaungast“ dann fehl am Platze vor. Mich würde sehr freuen, wenn hier jemand seine Erfahrungen über Reisen mit teureren Schiffen teilen und mir eventuell die Bedenken nehmen würde.

  2. Hallo CHristine, ich kann Deine Bedenken ein wenig zerstreuen. Ich habe 4 Jahre auf der MS EUROPA gearbeitet und viele wirklich vermögende Gäste kennengelernt. Das Thema „Geld“ war bei dieser KLientel niemals existent, weil es vorausgesetzt wurde. Im Laufe der Jahre haben sich für mich 3 Gästetypen gebildet.
    Der angenehmste 1. Typus ist der Gast mit „altem und gewachsenem“ Geld. Er ist vermögend und hat seine Ansprüche, die erfüllt werden sollen, ist aber sehr umgänglich, höflich und nicht fordernd.
    Der 2. Typus ist der „Neureiche“, der mehr oder minder vermögend ist, schnell zu Geld kam und dies zur Schau stellt. Er ist stark fordernd und lässt dies jeden durch seine narzistische Verhaltensweise spüren. Er wird vom Typus 1 mitleidig belächelt und ein wirkliches Gespräch wird zwischen ihnen nicht stattfinden.
    Der 3. Typus ist der Gast, der lange Zeit für diese Reise gespart hat. Und das lebt er auch aus. D.h. er ist extrem fordernd und will für 1,- Euro, den er gezahlt hat, mindesten 10,- Euro Gegenleistung. Für ihn ist das Thema „Geld“ beim Umgang mit anderen Gästen nicht vorrangig, weil er weiß, dass er immer der Unterlegene sein wird. Aber man wird ihn schnell an seinem Benehmen, insbesondere der Crew gegenüber, erkennen.

    Natürlich kommen diese 3 Typen sehr slelten in Reinform vor, aber ich hoffe, Dir eine kleine Hilfe gegeben zu haben und zu zeigen, dass das Thema „Geld“ an Bord meist von den Menschen favourisiert wird, mit denen man eh nicht zusammen sein möchte.
    Viel wichtiger ist eine gute Allgemeinbildung, Benimm und die Gabe des Zuhörens, um mit wertvollen Menschen unvergessliche Stunden beim Gespräch und an Bord zu verbringen.
    Und dies ist mit noch so viel Geld nicht zu bezahlen.
    Ich hoffe, Dir ein wenig geholfen zu haben und viel Freude auf einer der Sea Clouds.

  3. Danke, Manfred, für diese klasse Einordnung! @Christine: Bei Sea Cloud kommt hinzu, dass da sehr viel Passagiere aus der Segler-Welt mitfahren, die ohnehin recht entspannt unterwegs sind und jedenfalls nicht segeln, um irgendwem irgendetwas zu beweisen. Das Publikum unterscheidet sich in dieser Hinsicht ein wenig vom „typischen“ Kreuzfahrt-Publikum, was unter den von Dir befürchteten Aspekten sehr positiv ist ;-)

  4. @ Manfred: Danke für die Klassifizierung! Um dem „klassischen Typ 3“ zu entgehen, der dann peinlicherweise auch noch Landsmann ist (Fremdschämen verdirbt mir die Kreuzfahrt), reise ich bevorzugt auf Schiffen von Royal Caribbean. Begegnungen „auf Augenhöhe“ mit der Crew, die mich umsorgt, sind für mich ein wichtiger und schöner Teil der Kreuzfahrt. Gut, wenn man dann sein Schul-Englisch über Jahrzehnte bei Urlauben im Ausland gesprochen und immer noch präsent hat. Es hat mir mal sehr weh getan, spät abends im SB-Restaurant von MSC von einem jungen Indonesier zu hören, dass er zu Beginn seiner Tätigkeit als Servicekraft im Bett geweint hat, weil ein Passagier aus einem südlichen Nachbarland ihn so herablassend behandelt hatte. Und selbst, wenn man kein Englisch (mehr) kann: Ein Lächeln ist international und wird immer verstanden. Mein „Hobby“ ist es übrigens, für jeden, der mich bedient oder umsorgt, als kleine nette Geste ein „Danke“ in seiner Sprache parat zu haben. Denke, kann inzwischen an die 20 ;-)

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