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So funktioniert Landstrom: exklusiver Blick hinter die Kulissen der AIDAnova

Landstrom reduziert die Emissionen von Kreuzfahrtschiffen im Hafen erheblich. Aber wie genau funktioniert das eigentlich? Unser Exklusiv-Video von der AIDAnova zeigt, was hinter den Kulissen im Maschinenkontrollraum und direkt am Landstrom-Anschluss passiert, wenn das Schiff nach dem Hafenaufenthalt wieder vom Landstrom getrennt, die dicken Stecker und Kabel gelöst werden.

Im Hafen von Rotterdam konnte Cruisetricks.de live beobachten und mit der Videokamera begleiten, wie die Schiffsmaschinen am Ende eines Hafenstopps hochgefahren werden, die Landstromversorgung synchron herunterfahren und schließlich auch die vier mächtigen, rund 30 Kilogramm schweren Steckverbindungen gelöst werden.

Ganz so einfach wie zu Hause das Wohnzimmerlicht ausschalten, geht das Abkoppeln der Landstromverbindung auf einem Kreuzfahrtschiff wie der AIDAnova freilich nicht vonstatten. Denn hier geht es um eine Leistung von mehreren Megawatt. Einfach den Schalter umlegen hätte sowohl für die Technik an Bord als auch das Stromnetz an Land fatale Folgen.

Landstrom-Anschluss in Rotterdam
Landstrom-Anschluss in Rotterdam, AIDAnova

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Von außen sieht die Verbindung zwischen der AIDAnova und Schiff und der Landstrom-Anlage im Hafen eher unspektakulär aus. Das Kreuzfahrtschiff liegt an der Pier, von einer Art Kranwagen führen vier dicke Kabel durch eine Öffnung in der Bordwand ins Schiff hinein. Aber wie sieht es dann im Inneren des Schiffs aus? Nun, ebenfalls unspektakuläre, und doch sehr faszinierend.

Landstrom-Anschluss in Rotterdam
Landstrom-Anschluss in Rotterdam

Im Maschinenkontrollraum erklärt Staff Chief Engineer Tobias Ziemann den Prozess: Zunächst wird die Schiffmaschine gestartet, die später die Leistung des Landstromanschlusses vollständig übernehmen soll. Dieser Start dauert weniger als eine Minute. Sobald die Maschine stabil läuft, beginnt die eigentliche Übergabe: Schrittweise wird die Leistungsaufnahme aus dem Landstrom reduziert, während die Schiffsmaschine synchron immer mehr Last übernimmt.

Maschinenkontrollraum
im Maschinenkontrollraum der AIDAnova, Staff Chief Engineer Tobias Ziemann

Erst, wenn die Schiffsmaschine die Stromversorgung vollständig übernommen hat, folgt der eigentliche Trennvorgang. Jetzt wird der Landstrom-Anschluss elektrisch abgeschaltet – gewissermaßen der „Aus“-Schalter gedrückt. Erst danach darf die Crew den Raum betreten, in dem sich die Steckverbindungen befinden.

Landstrom-Übergaberaum
Zugang zum Landstrom-Übergaberaum: Öffnen der Tür führt zu sofortigem Shutdown, wenn der Landstrom-Anschluss zuvor nicht abgeschaltet wurde.

Die riesigen Stecker sind mit Sicherungsmuttern fixiert und werden nacheinander gelöst, abgezogen und anschließend mit Schutzkappen versehen. Der Kran an der Pier hebt die Stecker und Kabel an Land.

Landstrom-Übergaberaum
Landstrom-Übergaberaum

Im Video ist dieser Vorgang als Zeitraffer zu sehen. In Echtzeit hat das vollständige Abkoppeln – vom ersten Lösen bis zum letzten Schutzdeckel – etwas weniger als zehn Minuten gedauert. Jeder einzelne der vier Stecker wiegt übrigens rund 30 Kilogramm.

Mehr zum Thema Landstrom lesen Sie in unserem Beitrag „Landstrom gegen Schadstoff-Emissionen von Kreuzfahrtschiffen“ und der Newsmeldung „EU beschließt Landstrompflicht in der Schifffahrt“.

AIDA und Landstrom

Für die Crew auf der AIDAnova, und den übrigen zehn AIDA-Schiffen sind Landstromverbindungen längst Routine. Mit der AIDAsol hatte AIDA Cruises das erste Kreuzfahrtschiff der Flotte mit einer Landstrom-Anlage ausgerüstet. 2017 ging das Schiff an der Landstromanlage in Hamburg Altona erstmals in den Regelbetrieb.

"Sphinx"-Klasse: AIDAsol in Hamburg-Altona
AIDAsol in Hamburg-Altona

Im Jahr 2025 nahmen AIDA-Schiffe nach Reedereiangaben mehr als 400-mal in einem Hafen Landstrom – und die Zahl könnte deutlich höherliegen, würden nur mehr Häfen Landstrom überhaupt anbieten. In 14 europäischen Häfen können AIDA-Schiffe laut Reederei sich mit Landstrom verbinden, darunter die deutschen Häfen Hamburg, Warnemünde und Kiel sowie weitere Häfen wie Rotterdam, Southampton, Oslo, Stockholm oder Kopenhagen.

Landstromanlage in Hamburg-Altona
Landstromanlage in Hamburg-Altona

Etwa die Hälfte aller Kreuzfahrtschiffe der in der Branchenvereinigung Clia zusammengeschlossenen Reedereien ist derzeit mit Landstrom ausgerüstet. Bis 2028 sollen es laut Clia 80 Prozent werden. In der AIDA-Flotte sind alle elf Schiffe landstromfähig, ebenso übrigens wie acht Schiffe der Mein-Schiff-Flotte bei TUI Cruises.

Weltweit boten 2025 laut Clia 33 Kreuzfahrthäfen Landstrom an, in 24 weiteren Häfen entstünden derzeit Landstrom-Anlagen. Vor allem Nordeuropa und einige Häfen in den USA sind dabei Vorreiter, aber auch im Mittelmeer wird es in absehbarer Zeit in vielen wichtigen Häfen Landstrom geben. Ob allerdings die EU-Landstrompflicht überall umgesetzt wird, wie sie die EU für 2030 beschlossen hat, scheint eher unwahrscheinlich. Denn lediglich zwei oder drei Unternehmen weltweit bauen solche Anlagen überhaupt, und die dürften die jetzt stark steigende Nachfrage nicht so schnell bedienen können.

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Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

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