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Choir of Men - Live from London

„The show must go on“ – Wie sich NCL mit Online-Shows auf den Neustart vorbereitet und wann es wieder losgeht

Mit „Embark NCL Spotlight“ hat Norwegian Cruise Line im November eine Reihe von Online-Produktionen begonnen: aufwändige Musik-Shows, wie Passagiere sie von den großen Theaterbühnen der NCL-Schiffe kennen. In einer Videokonferenz hatte cruisetricks.de Gelegenheit, mit NCLs Entertainment-Chef Richard Ambrose und Kinky-Boots-Sänger Alan Mingo über die Produktion zu sprechen und einen Einblick zu bekommen, wann und wie es bei Norwegian Cruise Line im Entertainment aktuell weitergeht.

„The Choir of Men – Live from London“ ist seit 19. November die erste fürs Internet-Streaming produzierte, komplette Bühnenshow von Norwegian Cruise Line. Statt auf der Theaterbühne eines der Kreuzfahrtschiffe treten die Sänger der „The Choir of Men“-Produktion in einem Londoner Theater ohne Live-Publikum auf. Über eine halbe Million Menschen haben die Show laut NCL innerhalb einer Woche gesehen. NCL plant unter dem Titel „Embark NCl Spotlight“ weitere solche Shows.

Die zweite Show gibt es ab 18. Dezember: „Live from Broadway“ (www.ncl.com/embark) mit einem Querschnitt aus NCL-Produktionen wie Kinky Boots, Million Dollar Quartet, Priscilla Queen of the Desert, Footloose, Velvet, Jersey Boys und After Midnight. Diesmal kommen die Sänger auch in kurzen Interviews zu Wort.

Richard Ambrose, Senior Vice President for Entertainment und Cruise Programming, Norwegian Cruise Line Holdings: „Wir wollten, dass die Produktion eher eine Art Cabaret-Atmosphäre wird, aber auch zeigen, wie die Darsteller die Zusammenarbeit mit Norwegian Cruise Line erlebt haben noch wichtiger: ‚Wie geht es ihnen in Zeiten der Pandemie eigentlich?‘ Also Interviews, ein bisschen plaudern, und dann Showtime für die Künstler. Es ist ein anderes Format in einem anderen Ambiente, aber die Qualität ist die gleiche (wie „Choir of Men“) und es ist eine wirklich lustige und unterhaltsame Show.“

Richard Ambrose und Alan Mingo in der Zoom-Konferenz mit Journalisten
Richard Ambrose und Alan Mingo in der Zoom-Konferenz mit Journalisten

Alan Mingo, einer der Hauptdarsteller im Musical „Kinky Boots“ sowohl am Broadway als auch bei NCL, beschreibt seine aktuelle Situation: „Nach sechs Monaten konnte ich endlich wieder singen und mit anderen Musikern zusammenarbeiten. Aber erst, wenn man mit den Proben begonnen hat merkt man, wie sehr man das wirklich vermisst hat. Schauspieler und Sänger und Tänzer, speziell Tänzer, trainieren auch, während sie am Broadway oder im West End auftreten. Diese Pandemie hat sogar das beendet. Das war sehr, sehr schwierig.“

Richard Ambrose ergänzt: „Die Pandemie ist tragisch für die Kreuzfahrtindustrie. Aber wenn man sich die Unterhaltungsindustrie ansieht, insbesondere die Live-Unterhaltung, dann ist sie katastrophal. Es gibt keine Arbeit. Die Produktion war eine Gelegenheit, alle zusammenzubringen, sie auftreten zu lassen, sie tun zu lassen, was sie normalerweise tun. Und es ist natürlich auch ein großartiges Schaufenster für das Entertainment bei Norwegian Cruise Line.“

Wie fühlt es sich an, auf der Bühne eines leeren Theaters ohne Publikum zu stehen?

Alan Mingo: „Ich war so glücklich, das zu tun, was wir normalerweise tun, nach so langer Zeit, dass es mir egal war, dass hinter der Kamera niemand ist. Ich weiß ja, dass die Leute später zuschauen werden.

„Ich war so glücklich, dass ich wieder laut singen konnte, ohne dass mich mein Hund für verrückt hält.“
Alan Mingo

Ich war so glücklich, dass ich wieder laut singen konnte, ohne dass mich mein Hund zu Hause für verrückt hält. Und auch die Gemeinschaft mit anderen Musikern: Unsere Kunst ist einen kollaborative Kunst. Die Vorproduktion, die Proben, all das lässt mich ein bisschen normal fühlen im Vergleich zu März, als das alles einfach aufgehört hat.“

Wie und wann geht es wieder los? Laufen die Proben schon?

 „An erster Stelle steht die Sicherheit unserer Besatzung und der Besetzung. Das tut sie wirklich. Und natürlich auch die unserer Gäste”, sagt Richard Ambrose.

Norwegian Cruise Line setzt auch beim Entertainment auf das Bubble-Prinzip: Eine geschlossene Umgebung mit minimalem Außenkontakt, um Ansteckungen zu vermeiden. Dazu gehören Gesundheits-Checks, mehrfache Coronatests bei der Anreise, regelmäßige Körpertemperaturkontrolle und einiges mehr – für alle Beteiligten, von den Künstlern bis zu den Backstage-Mitarbeiter.  

„The show must go on. Es ist ein Klischee, aber eben auch die Wahrheit.“
Richard Ambrose

Ein Teil der Vorbereitungsarbeiten und Proben findet in Tampa, Florida, in den Norwegian Creative Studios statt. Während der Pandemie hat NCL diesen Komplex noch einmal erweitert, sodass dort nun auf einer Fläche von knapp 10.000 Quadratmetern Probenräume sowie beispielsweise Kostüm-Näherei und -Lager untergebracht sind. Vor allem aber gibt es dort acht Studios von jeweils der Fläche der größten Theater-Bühne, die sich bei Norwegian Cruise Line auf den Schiffen der Jewel Class befinden. In diesen Studios in Tampa kann eine Show in Echtumgebung geprobt werden, bevor sie aufs Schiff geht.

Richard Ambrose ergänzt: „Auch die Kreativen, welche die Sänger und Tänzer trainieren und mit ihnen proben, werden sich in dieser Blase befinden, in derselben Wohnanlage untergebracht und mit den gleichen Transportmitteln transportiert. Denn falls, Gott bewahre, sich jemand mit Covid infizieren sollte, betrifft es eben nicht nur diese Person, sondern das gesamte Team. Alle müssen dann unter Quarantäne gestellt werden. Deshalb wollen wir alle in dieser sehr sicheren Bubble behalten.“ Und: „The show must go on. Es ist ein Klischee, aber eben auch die Wahrheit: Die Show muss weitergehen“, also tue man alles dafür, dass das möglich ist.

Wie lange wird es dauern, die Shows in Gang zu bringen, sobald die Schiffe wieder fahren?

Richard Ambrose: „Wir arbeiten noch daran, welche Schiffe wann und wo wieder in Dienst gehen. Aber wir haben von der Unternehmensführung einen Zeitraum von 90 Tagen für die Vorbereitung zugesagt bekommen. Normalerweise brauchen wir dafür mehr Zeit. Aber die Shows existieren ja schon und die Sets sind schon auf den Schiffen. Es geht also vor allem um Besetzung, Proben und Training, um das Qualitätsniveau zu erreichen, das wir erwarten und das die Gäste von Norwegian Cruise Line gewohnt sind.

Richard Ambrose, Senior Vice President for Entertainment und Cruise Programming, Norwegian Cruise Line
Richard Ambrose, Senior Vice President for Entertainment und Cruise Programming, Norwegian Cruise Line (Bild: NCL)

Aktuell (Anm.: Anfang Dezember) proben wir noch nicht. Aber wir machen, was wir Pre-Production nennen: Kostüme vorbereiten, die Probenräume vorbereiten. Aufgrund der aktuellen Covid-Pandemie unterliegen wir in den Norwegian Creative Studios in Tampa einer Reihe von neuen Regeln, Vorschriften und Verfahren, die wir einhalten müssen. Wir arbeiten uns also durch diese durch und stellen sicher, dass die Darsteller und die Techniker alle gut geschützt und sicher sind und in einer sicheren Umgebung arbeiten.

Das Ziel ist es, irgendwann im Januar mit den Proben für diejenigen Schiffe zu beginnen, die dann in Dienst gestellt werden. Da die Schiffe im Moment leer sind, haben wir den Luxus, auf den Schiffen zu proben zu können, sodass die Künstler direkt an Bord am Set proben können. Das bringt einige Schwierigkeiten mit sich, aber es ist auch ein Vorteil für die Besetzung und die Kreativen, dort zu proben.

Für Shows wie Kinky Boots müssen wir aber auch viel an Land proben. Denn da gibt größere Anforderungen an den Backstage-Bereich, vor allem die Kostüme, die Stiefel. Unsere Kostümabteilung braucht die Schauspieler und Tänzer, um die Stiefel und Kostüme anzupassen, bevor wir überhaupt aufs Schiff gehen können.“

Wie stark werden Einschränkungen durch Covid-19 das Entertainment an Bord insgesamt verändern?

Richard Ambrose: „Wenn unsere Gäste an Bord unserer Schiffe gehen, werden sie ein umfassendes Unterhaltungserlebnis haben. Werden wir 100 Prozent von dem haben, was wir vor der Pandemie hatten? Nein, am Anfang nicht. Wir und die Teams werden vier bis sechs Wochen brauchen, um alles wieder zum Laufen zu bringen, allein schon wegen der Anforderungen, die wir erfüllen müssen, und der schieren Logistik, um die Menschen an Bord zu bringen.

Früher konnten wir die Leute einfach in Massen verlegen, aber das geht jetzt nicht mehr. Wenn Kinky Boots als Einheit auf die Norwegian Encore geht, fehlt ja noch die zweite Show, Choir of Men, die dann folgen muss, oder umgekehrt.

„Sie werden nicht mit 1.000 Leuten in einem Theater sein, sondern mit vielleicht 350 oder 400. “
Richard Ambrose

Es wird in allen Bereichen Entertainment geben und als Gast werden Sie die gleiche Qualität erleben. Sie werden nur nicht mit 1.000 Leuten in einem Theater sein, sondern mit vielleicht 350 oder 400. Wir erhöhen die Anzahl der Vorstellungen, damit jeder, der die Shows sehen will, sie auch sehen kann.

Unsere anderen Entertainmentbereichen, etwa der Cavern Club oder Sid Norman’s, wird es wieder geben, aber es wird nicht das Gleiche sein, denn wir dürfen keine Vermischung zwischen Darstellern und Gästen haben. Unter dieser Maßgabe arbeiten wir daran, wie wir immer noch den gleichen Spaß anbieten können wie vorher. Das Erlebnis wird ein vollwertiges Unterhaltungsprodukt auf unseren Schiffen sein, wenn wir starten.“

Sind Anpassungen an den Shows selbst nötig?

Richard Ambrose: „Ja, es wird kleinere Änderungen an der Inszenierung geben, aber nichts, was unsere Gäste bemerken würde. Beispielsweise wird ein Sänger wie Alan in seiner Rolle in Kinky Boots nicht wie bisher direkt in das Gesicht seiner Schauspielerkollegen singen, sondern etwas seitlich vorbei. Ich denke, das  Publikum wird das gar nicht wahrnehmen.

Alan Mingo in
Alan Mingo (Mitte) als „Lola“ im Musical „Kinky Boots“ auf der Norwegian Encore, November 2019

Eines der Dinge, die wir von der CDC (Anm.: die US-Gesundheitsbehörde) genehmigt bekommen haben, ist, dass unsere Darsteller keine Masken tragen müssen. Denn das wäre natürlich sinnlos. Aber alle Techniker, die Leute in der Garderobe, alle anderen werden vollständig maskiert sein und einige werden Maske und Face Shield tragen, speziell in unserer Garderoben-Abteilung, wo es sehr enge Kontakte mit einzelnen Personen gibt. Da wollen wir alle in Sicherheit wissen und ich glaube, wir haben ein sehr robustes System, um die Schauspieler und die Crew zu schützen.“

Wie kommt man als Künstler mit den neuen Bedingungen zurecht?

„Das ist einfach die Realität.“
Alan Mingo

Alan Mingo: „Das ist die neue Welt, in der wir gerade leben. Als Künstler, der es liebt, das zu tun, was ich tue, und das seit März nicht mehr getan hat, bin ich begeistert, wieder vor ein Publikum treten zu können. Diese Anforderungen, mit denen wir umgehen müssen, sind einfach der Weg des Lebens, bis wir den Impfstoff haben. Das ist einfach die Realität, also müssen wir wieder auf die Beine kommen.“

Alan Mingo in
Alan Mingo in „Live from Broaway“ (Bild: NCL)

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