Seine Princess (Bild: Croisi Europe)

Umweltfreundliche Treibstoffe und Akku-Technik auf Flusskreuzfahrtschiffen

Nach erfolgreichen Tests setzt Croisi Europe auf einigen Flusskreuzfahrtschiffen den umweltfreundlichen Alternativ-Kraftstoff GLT ein. Bei Scylla wird dieser Kraftstoff schon seit einigen Jahren verwendet. A-Rosa wird bei dem für 2021 geplanten Neubau – Projektname „E-Motion Ship“ – erstmals am Fluss einen Hybrid-Antrieb mit Dieselgeneratoren und Akkus nutzen.

In der Diskussion um die Umweltfreundlichkeit von Kreuzfahrtschiffen kommen Flusskreuzfahrtschiffe selten vor, meist nur in der Lokalpresse in besonders stark von Flussschiffen frequentierten Städten wie etwa Regensburg oder Passau. Doch auch in der Flusskreuzfahrt verändert sich bei diesem Thema derzeit einiges.

Synthetischer GTL-Kraftstoff bei Croisi Europe und Scylla

Croisi Europe hat auf den drei Flusskreuzfahrtschiffen Renoir, Botticelli und Seine Princess mit GTL-Technik (Gas-to-Liquids) einen synthetischen Treibstoff getestet, der nun dauerhaft auf diesen Schiffen zum Einsatz kommen soll. Auch Scylla setzt diesen Treibstoff schon seit einiger Zeit auf Schiffen in Frankreich ein.

GTL gehört zur Gruppe der paraffinischen Kraftstoffe und wird durch eine chemische Transformation von Gas in flüssigen Kraftstoff erzeugt. Grundlage dafür kann Erdgas, aber auch ein anderer gasförmiger Energieträger wie Biogas sein. Der Kraftstoff hat dabei vier wichtige Vorteile, die in der Flusskreuzfahrt besonders zum Tragen kommen:

  • GTL erzeugt bei der Verbrennung weniger gesundheitsgefährdende Schadstoffe, Stickoxide, Feinstaub und Ruß als Marine Gas Oil (MGO) sowie nahezu keine Schwefeloxide. Der Hersteller Shell (PDF-Link) rechnet beim Einsatz von GTL im Marine-Sektor mit 6 bis 13 Prozent geringerem NOx-Ausstoß und 15 bis 16 Prozent weniger Partikel.
  • Wegen der saubereren Verbrennung ist auch die Geräuschentwicklung niedriger. Laut Shell liegt dieser Vorteil beim Einsatz von GTL im Marine-Sektor bei etwa acht Dezibel.
  • GTL ist weitgehend ungiftig und besser biologisch abbaubar. Laut Shell sind GTL-Dämpfe nicht giftig, der Kraftstoff baut sich schneller ab als herkömmlicher Diesel. OECD-Tests haben demnach ergeben, dass GTL im Erdreich nach 51 Tagen im Erdreich nicht mehr nachweisbar ist.
  • GTL ist in herkömmlichen Dieselmaschinen ohne oder mit nur geringfügigen Modifikationen verwendbar und damit auch auf bestehenden Schiffen einsetzbar. GTL wird als Beimischung beispielsweise auch für PKW-Diesel verwendet.

Die CO2-Bilanz entspricht bei Einsatz von Erdgas als Basis in etwa der von herkömmlichem Diesel. Bei regenerativem Ausgangsmaterial wie Biogas fällt auch die CO2-Bilanz deutlich besser aus als bei fossilem Ausgangsmaterial wie Erdgas. Die genaue Reduzierung hängt von der verwendeten Energie zur Herstellung des GTL-Kraftstoffs ab.

Schwierig ist nach wie vor die Verfügbarkeit und die verfügbaren Mengen von GTL. Scylla setzt GTL aus seinen Flusskreuzfahrtschiffen in Frankreich auf der Seine und Rhone schon seit September 2015 ein und hatte geplant, dies auf weitere Schiffe auszuweiten. Mangels verlässlicher Verfügbarkeit des Kraftstoffs in anderen Fahrtgebieten sei das bislang aber nicht möglich, erklärt ein Sprecher von Scylla gegenüber cruisetricks.de auf Nachfrage.

Hybrid-Antrieb und Akkus bei A-Rosa

A-Rosa will mit einem Neubau 2021 das erste Flusskreuzfahrtschiff mit Hybrid-Antrieb in Dienst stellen. Jetzt hat A-Rosa dazu etwas mehr technische Details bekannt gegeben.

Die Akkus des neuen Schiffs mit dem Projektnamen „E-Motion Ship“ sollen eine Leistung von 1,2 Megawatt-Stunden haben. Mit Peak-Shaving-Technik können damit die Dieselgeneratoren dauerhaft im optimalen Drehzahlbereich und somit geringstmöglichen Emissionen laufen und auch den CO2-Ausstoß reduzierten. Die Energie der Akkus soll genutzt werden, um Lastspitzen auszugleichen, vor allem aber – zumindest für einen gewissen Zeitraum – für einen emissionsfreien Betrieb beim An- und Ablegen sowie im Hafen. A-Rosa geht aktuell von einer Betriebszeit mit Akku-Energie von etwa einer Stunde aus, rechnet aber mit einer weiteren Steigerung dieses Wertes, bis der Schiffsneubau tatsächlich in Dienst geht. Bietet der jeweilige Anleger einen Landstrom-Anschluss, können die Akkus darüber zusätzlich aufgeladen werden.

Im Hochsee-Bereich sind solche Hybrid-Systeme bislang bei Hurtigruten (Roald Amundsen) und Nicko Cruises (World Explorer) im Einsatz, bei Hurtigruten ist ein weiterer Neubau sowie drei Umrüstungen bestehender Schiffe geplant, bei Nicko Cruises ein weiterer Neubaut sowie drei zusätzliche Schiffe für deren Schwestergesellschaften Mystic Cruises und Mystic Cruises USA.

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