Carnival Horizon, Pooldeck

Was genau macht den amerikanischen Flair der Carnival Horizon aus?

Carnival Cruise Line ist ein wenig anders als die übrigen Massenmarkt-Reedereien, auch wenn sie auf den ersten Blick ähnlich große Schiffe bauen, ähnliches Entertainment, Attraktionen und Restaurants an Bord haben. Warum das so ist, versuche ich anhand meiner Erfahrungen auf der Carnival Horizon und vor zwei Jahren auf der Carnival Vista näher zu erkunden.

Eines ist klar: Carnival Cruise Line ist eine amerikanische Reederei, vielleicht die amerikanischste von allen. Dieses amerikanische Flair ist durchaus positiv, wenn man sich darauf einlässt oder ohnehin zu den Menschen gehört, die ihren Urlaub nicht mit anderen Deutschen verbringen wollen.

Um zu verstehen, warum diese klare Ausrichtung auf den amerikanischen Markt durchaus positiv ist, sollte man zunächst Vorurteile über die USA und „die Amerikaner“ ausblenden. Denn sonst sieht man wegen der vorgefassten Meinungen die Vorzüge eines sehr amerikanischen Schiffs nicht.

Was mein persönliches, sehr positives Erleben der Carnival Horizon ausmacht, ist eine Kombination mehrerer Faktoren, die sich teils nur in Details und Nuancen zeigen, zusammengenommen aber einen großen Unterschied machen. Das sind Details beim Essen und Service, bei der Preispolitik an Bord, aber auch Besonderheiten in der Schiffsarchitektur, die gegen den allgemeinen Trend beispielsweise frei zugängliche Außendecks nach vorne hat.

Traditionen der modernen Kreuzfahrt

Viele, schöne Kreuzfahrt-Traditionen werden hier noch deutlich stärker gepflegt als anderswo. Ich meine damit nicht Ocean-Liner-Romantik von vor 50 Jahren, sondern die Traditionen der modernen Kreuzfahrt: Handtuchtiere am Bett, Waschsalons für Gäste, Gala-Abend mit Hummer im Hauptrestaurant, guter und herzlicher Service, halbwegs vernünftige Getränkepreise und Spezialitätenrestaurants mit sehr gutem Essen zu fairen Preisen.

Handtuchtier am Bett
Handtuchtier am Bett

Dass die Begrüßung an Bord herzlich und fröhlich ausfällt, durch den Cruise Director persönlich, habe ich bereits im ersten Teil des Beitrags zur Carnival Horizon angesprochen. Ich kann nicht beschwören, dass der Cruise Director wirklich alle 4.000 Passagier persönlich begrüßt. Vielleicht wechselt er sich auch mit anderen Offizieren oder Leuten aus seinem Entertainment-Team ab. Entscheidend ist: Man fühlt sich vom ersten Moment an zu Hause und willkommen. So kenne ich das sonst nur von Disney Cruise Line und von deutlich kleineren Schiffen, insbesondere im Luxus-Segment.

Ein Lächeln macht viel aus

Der Service ist auf der Carnival Horizon nicht signifikant besser als bei vergleichbaren Reedereien – schließlich hat auch Carnival Cruise Line keine geheime Quelle für das in heutigen Zeiten weltweit knappe Personal. Aber wirklich jedes Crew-Mitglied begegnet einem mit einem Lächeln und grüßt freundlich im Vorbeigehen. Das ist längst nicht bei allen internationalen Reedereien so.

Ein Lächeln für den Gast: die offene Küche des Ji-Ji Asian Kitchen
Ein Lächeln für den Gast: die offene Küche des Ji-Ji Asian Kitchen

Kurz: In vieler Hinsicht kann man sich noch als willkommener Gast fühlen und nicht nur als Zielperson einer auf Umsatz optimierten Maschinerie. Ich mache mir dabei keine naiven Illusionen: Natürlich will auch Carnival Cruise Line in erster Linie Geld verdienen. Aber so fühlt es sich als Passagier einfach besser an. Eine süße Täuschung ist mir da im Urlaub lieber als säuerlicher Realismus.

Amerika-Vorurteile über Bord werfen

Die Abneigung vieler Deutscher gegenüber „den Amerikanern“ habe ich persönlich noch nie wirklich verstanden. Ich kenne die USA und viele Amerikaner von zahllosen Reisen sehr gut und glaube, dass die Gründe vor allem Vorurteile und Unwissenheit sind. Manchmal auch auf mangelnde Selbstwahrnehmung: bei anderen das ankreiden, was bei einem selbst ganz ähnlich ist.

Ein Thema ist für mich das Paradebeispiel für dieses Phänomen: „Da sind so viele fette Menschen, das kannst Du Dir gar nicht vorstellen“. Es ist kein Thema, das ich grundsätzlich diskutieren will und vielleicht ist der Anteil übergewichtiger Menschen auf amerikanischen Schiffen tatsächlich höher. Wichtiger ist: Auch auf deutschen Schiffen sollte man diesbezüglich einmal genau hinsehen – ohne Ami-Vorurteil-Brille. Noch wichtiger aber: Warum sollte ich deshalb nicht auf einem solchen Schiff fahren wollen? Was betrifft mich das überhaupt?

Wer Klischees sucht, findet sie auch, beispielsweise in der Sports Bar ...
Wer Klischees sucht, findet sie auch, beispielsweise in der Sports Bar …

Nebenbei angemerkt: Auf keinem Schiff habe ich morgens auch nur annähernd so intensiven Rush-Hour-Verkehr auf der Joggingbahn erlebt, wie auf der Carnival Horizon. Auf deutschen und europäischen Schiffen treiben längst nicht so viele Menschen Sport wie hier.

... aber eben auch das Gegenteil.
… aber eben auch das Gegenteil.

Perfekt ist nichts und wenn man etwas sucht, wird man überall etwas zum Meckern finden. Aber blendet man ein paar Kleinigkeiten aus, die vielleicht nicht wirklich unserer deutschen Lebensart oder unserem persönlichen Geschmack entsprechen, hat die Carnival Horizon einige starke Vorzüge, die es sich lohnt, genauer zu betrachten.

Carnival – sind das nicht die mit den lauten Party-Schiffen?

Stimmt, Animation am Pool und Party-Stimmung in vielen Bars am Abend gehört zu Carnival Cruise Line dazu. Da tanzen am Einschiffungstag, quasi zum Aufwärmen, schonmal ein paar Hundert Passagiere am Pooldeck zu lauter Musik den Moves des Cruise Directors nach. Aber zwingt einen irgendjemand, genau zu dieser Zeit am Pooldeck zu sein? Und ist das nicht bei einigen europäischen Reedereien ganz ähnlich?

Animation am Beach Pool
Animation am Beach Pool

Der zentrale Pool ist auf der Carnival Horizon von zwei Sonnendeck-Ebenen umgeben. Das ist nicht nur praktisch, weil es auf der ersten Ebene viele Schattenplätze gibt und der Wind abgehalten wird. Es dämpft auch den Schall vom Pool, sodass man – anders als auf den meisten größeren Schiffen – die Musik vom Pooldeck auf den Kabinen-Balkonen kaum hört.

Am Heck gibt es mit dem „Tides Pool“ einen zweiten Pool – ein Trend, der auf neuen Schiffen wieder zurückkommt. Dort herrscht Ruhe, dort gibt es keine Animation. Gleiches gilt für die breite Promenade auf Deck 4.

Tides Pool
Tides Pool

Entgegen dem Trend in der Kreuzfahrt hat die Carnival Horizon ein für alle (erwachsenen) Passagiere kostenlos zugängliches Sonnendeck mit Blick nach vorne: den für Erwachsene reservierten Serenity-Bereich ganz oben auf Deck 15. Und weil Amerikaner eher nicht dazu neigen, schon morgens um 5 Uhr alle Liegen zu belegen, findet man dort durchaus einmal ein freies Plätzchen, mit Glück sogar eine der bequemen Liegemuscheln.

Serenity Retreat (ab 21 Jahre)
Serenity Retreat (frei zugänglich für alle ab 21 Jahre)

Der Animation und dem Trubel kann man also ganz gut aus dem Weg gehen, wenn man seine Ruhe haben will. Oder mitmachen und Spaß haben, wenn man möchte.

Faire Preise bei Restaurants und Cocktails

Das Essen in den kostenlosen Hauptrestaurants ist auf der Carnival Horizon okay und vergleichbar beispielsweise mit dem bei Norwegian Cruise Line oder Royal Caribbean International. Die Portionen sind ein wenig klein, aber es spricht ja nichts dagegen, zum Satt werden mehrere Gänge zu bestellen. Und am Gala-Abend gibt es ohne Aufpreis Hummer. Das gibt es kaum noch irgendwo. Der Hummer ist recht klein, aber sehr gut.

Hummer im Hauptrestaurant
Hummer im Hauptrestaurant

Zum Frühstück gibt’s kein Bircher-Müsli und auch keine große Auswahl an Wurst und Käse, wie viele Deutsche das bevorzugen. Aber, Überraschung: Es gibt Nutella. Das stehen Amerikaner nämlich drauf. Und klar, sofort fällt einem ein Vorurteil ein, warum das so ist.

Exzellent ist das Essen in den Spezialitäten-Restaurants, und das zu vergleichsweise günstigen Preisen. Wir konnten auf der Carnival Horizon sowohl „Ji Ji Asian Kitchen“ als auch „Cucina del Capitano“ ausprobieren. Für pauschal 15 Dollar gibt es hier jeweils mehr Essen, als man bewältigen kann. Sowohl beim Asiaten als auch beim Italiener kommen die Gerichte dem Original recht nahe, sind also keine zu sehr amerikanisierte Version der jeweiligen Küche.

Zum Vergleich ein paar Preis-Beispiele: Die Italiener Giovanni’s Table und Jamie’s Italian kosten bei Royal Caribbean das Doppelte und die Qualität ist in den Carnival-Restaurants tendenziell besser. Die Preise fürs Teppanyaki sind bei Carnival um fünf Dollar niedriger, im Steakhaus in etwa gleich. Gute Burger gibt’s bei Carnivals „Guy’s Burger Joint“ kostenlos, die RCI schlägt „Johnny Rocket’s“ mit knapp zehn Dollar zu Buche.

Vernünftiger Umgang mit Sicherheitsvorkehrungen

Was ebenfalls auf der Carnival Horizon auffällt: Für Attraktionen wie den Sky Ride oder den Hochseilgarten müssen die Passagiere nicht erst eine mehrseitige Haftungsfreistellung unterschreiben, bevor sie loslegen dürfen. Kurzer Check auf feste Schuhe und keine losen Gegenstände und schon geht es los. Nicht die vermeintlich typisch amerikanische Prinzipienreiterei (verbunden natürlich mit den hohen Haftungssummen in den USA), sondern gesunder Menschenverstand überwiegt hier.

Hochseilgarten - auch ohne mehrseitige Haftungsfreistellungserklärung nutzbar
Hochseilgarten – auch ohne mehrseitige Haftungsfreistellungserklärung nutzbar

Carnival stellt auch keine in Baywatch-Kostümen verkleidete Crew-Mitglieder mit Rettungsboje unterm Arm als Bademeister an die Pools – der neueste Trend bei US-Reedereien. Ein Crew-Mitglied ist aber immer da und beobachtet den Pool, unauffällig und ohne große Show.

Amerikanische Anwälte würden das vermutlich als Leichtsinn brandmarken und sagen, die Reederei würde die Sicherheit ihrer Passagiere zu Gunsten des „Fun“-Konzept opfern. Aus europäischer Sicht, wo wir weniger Formalismen und mehr Eigenverantwortung gewohnt sind, ist das dagegen vollkommen in Ordnung.

Fazit: interessante Alternative jenseits des europäischen Tellerrands

Die Carnival Horizon ist kein Schiff für jeden, aber eben doch eine interessante Alternative für manche.

Wer kaum oder kein Englisch spricht, bekommt zwar deutsche Speisekarten und deutschsprachige Unterstützung an der Rezeption. Aber: Durchsagen an Bord sind ausschließlich in Englisch – durchaus sehr angenehm – und auch sonst kommt man ohne Grundkenntnissen in Englisch nicht sehr weit. Wer jedoch gerne auch mal international unterwegs ist, sollte eines der neuen Carnival-Schiffe mit in die Auswahl nehmen.

Die Reederei-Farben sind wohl nicht nur nicht zufällig identisch mit denen der US-Flagge.
Die Reederei-Farben sind wohl nicht nur nicht zufällig identisch mit denen der US-Flagge.

Schade ist allerdings, dass die strikte Ausrichtung auf den amerikanischen Markt auch bedeutet, dass die Schiffe der Carnival Cruise Line nur sehr selten in Europa fahren – eigentlich immer nur ein paar Wochen lang direkt nach ihrer Indienststellung. Aus Unternehmenssicht ist die Ausrichtung verständlich: Einerseits hat das Mutterunternehmen Carnival Corp. in Europa und Deutschland einige starke Marken: AIDA für den deutschen Markt, Costa für den europäischen Markt, P&O Cruises in Großbritannien sowie Cunard Line, Holland America Line und Princess Cruises im Premium-Segment und Seabourn für Luxus-Kunden.

Auf großen Schiffen immer seltener: offene Decks mit Blick nach vorne
Auf großen Schiffen immer seltener: offene Decks mit Blick nach vorne

Schiffe der Carnival Cruise Line nah Europa zu schicken, würde sowohl bedeuten, die Präsenz der Marke in den USA zu reduzieren, als auch Kompromisse an Bord erzwingen, um sich dem europäischen Publikum anzupassen. Beides wäre unsinnig, solange der amerikanische Markt weiter wächst und die bereits in Europa etablierten Marken von Carnival erfolgreich sind.

So muss, wer Carnival Cruise Line fahren will, eben in die USA fliegen und dort von einem der vielen möglichen Häfen zu den Bahamas oder Bermudas, in die Karibik, an die mexikanische Riviera oder nach Alaska fahren.

Anmerkung*: Cruisetricks.de fuhr auf der Carnival Horizon vier Tage lang auf Einladung von Carnival Cruise Line und ihrer deutschen Vertretung Inter-Connect Marketing.
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1 Kommentar

1 Kommentar zu “Was genau macht den amerikanischen Flair der Carnival Horizon aus?

  1. Die Schiffe von Carnival sind auch für mich noch ein „weißer Fleck“, den ich unbedingt mal mit eigenen Erfahrungen „ausmalen“ muss. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich die Schornsteinform so abgrundhässlich finde, aber das sollte natürlich kein Vermeidungsgrund sein. Auch auf dem Pooldeck guckt man da ja nicht immer hin, und vielleicht ist das seitliche Ausströmen der Abgase sogar hilfreich bei der Vermeidung von Rußflocken am Heck. Mein Interesse ich jesenfalls geweckt und warum nicht mal eine Kurzfahrt anschließen, die man oft für’n Appel und ’n Ei buchen kann in Miami?

    Die Fans der „Teutonenkutter“ von AIDA und TUI kann man immer nur wieder dazu ermuntern, mal über den deutschen Tellerrand zu schauen. Viele können es sich offenbar gar nicht vorstellen, wie interessant es sein kann, mit echten Menschen aus Argentinien, Südafrika, Irland, Kanada etc. am Dinnertisch zu sitzen. Wie immer gilt: Achtung, es besteht akute Gefahr der Revidierung eigener Vorurteile… Das Thema wäre jedoch nicht zu Ende gebracht, wenn man nicht noch über die Service Charge sprechen würde, mit welcher sich besonders die Geizhälse und Sparbrötchen äußerst schwer tun, wie man den zahlreichen Kommentaren zu entsprechenden Beiträgen immer wieder entnehmen kann. Das Scheinheilige „ich bestimme selbst, wem ich was gebe“, was letztendlich aber nur verschleiern soll, dass für die 14tägige Karibikkreuzfahrt eben nicht 392 USD persönlich verteilt werden, sondern nur ein Bruchteil dessen, ist vermutlich so urdeutsch wie die Sehnsucht danach, seine Vorurteile wieder und wieder bestätigt sehen zu wollen.

    Das mit der Übergewicht in den USA ist leider kein Vorurteil, sondern es lässt sich durch Zahlen belegen. Die USA sind das westliche Industrieland Nummer Eins beim starken Übergewicht (BMI größer als 30), getoppt nur von einigen Südseeinseln, Qatar und Saudi Arabien. Die USA liegen mit einem Bevölkerungsanteil von knapp 34% auf Platz 18. Deutschland liegt mit 20% auf Platz 94. Vierzehn Prozentpunkte mehr in dieser Größenordnung bedeutet auch: in den USA liegt der Anteil der Übergewichtigen um fast 75% höher als bei uns.

    Was ebenfalls deutlich höher liegt und sich mit meinen Erfahrungen deckt, ist der Umstand, dass die Zahl der extrem Übergewichtigen sehr viel höher liegt in den USA als bei uns. Ich denke, es sind speziell diese Menschen, die uns besonders auffallen, weil sie sich nicht mehr auf den Beinen halten können oder wollen und daher mit Elektrowägelchen herumrollen. Auf meiner letzten Reise mit der Anthem of the Seas mussten die Kellner die vielen Elektroscooter zum „Parken“ weg fahren, weil kein Platz mehr im Restaurant war. Extrem anders ist in Nordamerika der Blick auf Übergewichtige. Während man in Deutschland gern mit einer Mischung als Mitleid, Unverständnis und dem Vorwurf der Maßlosigkeit, Verwahrlosung und Fresssucht auf Menschen mit 200 kg Körpergewicht schaut und darüber auch gern ablästert, ist dieses „Body Shaming“ in Nordamerika ein gesellschaftliches Tabu. Die Menschen werden nicht als „fat“ oder „obese“ bezeichnet, sondern als „big“ (groß). Nur ganz diskret hinter vorgehaltener Hand dürfen Normalgewichtige, wenn kein Dicker dabei ist, mal einen Spruch lassen. Aber auch hier kann man ins Fettnäpfchen treten, man sollte immer vorsichtig ergründen, wie der Gesprächspartner darüber denkt, bevor man sich auf dieses glatte Parkett begibt. Stark Übergewichtige finden zudem eine Infrastruktur vor, die ihnen zum einen das Dickwerden erleichtern bzw. das Schlankbleiben erschweren wie z.B. die Nichtverfügbarkeit vernünftiger Lebensmittel in Regionen mit hohem Anteil Ärmerer und natürlich die exzellente Ausbau der KFZ-Infrastruktur, die hohe Verfügbarkeit von Mobilitätshilfen wie Elektroscootern überall, z.B. auch im Supermarkt, wo schon die nächste XXL-Packung überzuckerter Schokoriegel und der 10-Liter-Eimer Eiscreme locken.

    Die Gründe für wachsenden Anteil Übergewichtiger in fast allen Gesellschaften sind ganz ordentlich erforscht, aber es fragt sich unter dem Strich: welche Beeinträchtigung erleide ich denn durch das Körpergewicht meines Kabinennachbarn und kann es mir nicht im Hinblick auf die Urlaubsfreude völlig egal sein? Könnte vielleicht die 180-kg-Dame an meinem Tisch ein Quell erfrischender Heiterkeit sein?

    Es ist natürlich sehr deutsch, um nicht zu sagen piefkehaft kleinkariert, aus solchen Umständen Ausschlusskriterien extrahieren zu wollen und wer dieses immer wieder so handhabt, fürchtet sich vermutlich am meisten von der Widerlegung seiner Vorurteile. Wenn es denn so sehr schmerzt seine Meinung zu ändern, dann möge man doch bitte weiter in seiner Teutonenmonokultur bleiben. Das hätte dann für mich den Vorteil, dass ich im Urlaub den notorischen Nörglern und berufsmäßig Schlechtgelaunten nicht begegnen muss. Vielleicht fahre ich deswegen so gern mit internationalen Schiffen?

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