Reliefband in Aktion am Handgelenk

Reliefband: elektrisches Kribbeln gegen Seekrankheit

Sanfte, elektrische Impulse am Handgelenk sollen Übelkeit und Erbrechen bei Seekrankheit verhindern. Das verspricht der Hersteller des „Reliefband“. Cruisetricks.de hat das mit inklusive Versand rund 115 Euro teure Gerät getestet.

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Ein Armband umlegen und schon ist die Seekrankheit wie weggeblasen – das wünscht sich jeder, der schon einmal unter Seekrankheit leiden musste. Tatsächlich verspricht das in den USA entwickelte „Reliefband“ genau das.

Anders als auf Antihistaminika basierende Medikamente gegen Seekrankheit hat diese Technik einen anderen Ansatz: Sie unterdrückt oder verhindert direkt den Brechreiz und das Übelkeitsgefühl.

Hinweis: Reliefband hat mir das Gerät zum Testen kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf mein Urteil und Testergebnis hat das keinen Einfluss.

Der Ansatzpunkt des Reliefbands ist wie bei Akupressur-Armbändern („Seaband“) etwa zwei Finger breit hinter dem Handgelenk auf der Arm-Innenseite. Seabands wirken mit Akupressur auf einen Punkt zwischen den beiden Sehnen.

Das Reliefband sendet dagegen leichte, elektrische Impulse an den Median-Nerv, der dort verläuft. Das macht sich in der Anwendung durch ein leichtes, elektrisches Kribbeln in den Fingerspitzen bemerkbar. Zunächst ist das etwas seltsam, man gewöhnt sich aber schnell daran.

Reliefband in Aktion am Handgelenk
Reliefband in Aktion am Handgelenk
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Je nach Hauttyp und Empfindlichkeit hat das Reliefband fünf Intensitätsstufen, wobei sich Stufe fünf schon beinahe anfühlt, als würde man einen elektrischen Viehzaun berühren. Für mich ist Stufe eins vollkommen ausreichend und nicht unangenehm. Keine Sorge übrigens. Der elektrische Impuls überträgt sich bei Berührung nicht auf andere Personen.

Damit die beiden zur besseren Hautverträglichkeit vergoldeten Elektroden auf der Unterseite des Geräts den elektrischen Impuls übertragen können, trägt man ein Kontaktgel auf. Wer etwas feuchtere Haut hat, kann darauf meiner Erfahrung nach aber auch verzichten. Denn anders als bei den Akupressur-Seabands erkennt man an dem leichten Kribbeln in den Fingern immer, ob das Reliefband ordnungsgemäß arbeitet.

Etwas teuer ist das Reliefband allerdings schon: Rund 90 Dollar plus 25 Dollar Versand plus hier in Deutschland beim Zoll zu zahlende EU-Umsatzsteuer von rund 15 Euro – umgerechnet insgesamt also etwa 115 Euro. Eine Bestellung über Amazon.com ist übrigens deutlich günstiger als über Amazon.de. Im Shop des Herstellers selbst ist nur Versand nach USA und Kanada möglich.

Hilft das Reliefband wirklich?

Ich bin selbst bin nur gering anfällig für Seekrankheit. Dass ich das Reliefband deshalb eigentlich gar nicht richtig testen kann, habe ich erst bemerkt, als ich es schon bestellt hatte. Aber auf meiner Neuengland-Kreuzfahrt mit der Mein Schiff 6 im September 2017 war eine Kollegin dabei, die am unruhigen, ersten Seetag schon morgens die WhatsApp-Nachricht „Ich bin out of order. Seekrank und Kopfschmerzen.“ schickte. Ich hatte meine Testperson gefunden!

Ihrem Bericht zufolge ging es ihr 15 Minuten nach Anlegen des Reliefbands wieder halbwegs gut. Sie behielt das Reliefband den ganzen Tag am Arm und war abends wieder mit Appetit beim Dinner dabei. Zurückbekommen habe ich das Armband von der Kollegin übrigens erst kurz vor Ende der Kreuzfahrt … Ganz offenbar hat es also gute Dienste geleistet.

Vorder- und Rückseite des Reliefbands
Vorder- und Rückseite des Reliefbands

Selbst getestet habe ich aber die Verträglichkeit des Reliefbands und wie sich die ständigen, elektrischen Impulse anfühlen. Denn zunächst hat man vor Elektrizität erst einmal einen gewissen Respekt. Aber tatsächlich habe ich mich sehr schnell daran gewöhnt und es irgendwann gar nicht mehr wahrgenommen.

Der Strom kommt übrigens aus zwei CR2025-Knopfzellen, die laut Hersteller auf Stufe 3 rund 150 Stunden halten. Ersatz sollte man auf einer Kreuzfahrt also sicherheitshalber dabei haben, vor allem, wenn man es auf höheren Stufen nutzt.

Medizinische Wirksamkeit des Reliefbands

Der Hersteller des Reliefband führt zahlreiche Studien an, die die Wirksamkeit des Reliefband belegen. Zudem ist das Gerät von der US Food and Drug Adminisration (FDA), also die Arzneimittelbehörde der USA, als Therapiegerät zugelassen. Nicht ignorieren will ich an der Stelle aber auch eine schon etwas ältere Studie, die die Wirkung von Akkupressurarmbändern und Akkustimulation unter expliziter Erwähnung des Reliefbands grundsätzlich anzweifelt. Allerdings ist die Studie auch schon recht alt, nämlich von 2004: „Efficacy of acupressure and acustimulation bands for the prevention of motion sickness”.

Angesichts meiner auch persönlich guten Erfahrungen mit Seabands und der guten Wirkung des Reliefbands bei der Kollegin auf der Mein Schiff 6 liegt für mich aber nahe, dass diese Techniken durchaus wirken – ob nun physiologisch oder wegen des psychologischen Effekts. Entscheidend ist, das man sich bei Seekrankheit deutlich besser fühlt und das ist beim Reliefband offenbar der Fall.

Die genaue Funktionsweise beschreibt der Hersteller auf einer Seite im Web, die – wohl aus amerikanischen Haftungsgründen heraus – nur für medizinisches Fachpersonal gedacht, aber dennoch frei zugänglich ist.

Soll ganz allgemein gegen Übelkeit und Brechreiz helfen

Das Reliefband soll übrigens nicht nur bei Seekrankheit helfen. Es wurde ursprünglich im klinischen Bereich entwickelt, um Chemotherapie-Patienten die Übelkeit zu nehmen und bei starker Schwangerschafts-Übelkeit zu helfen. Es hilft aber dem Hersteller zufolge aus bei Reise-Übelkeit im Auto und Flugzeug sowie bei Übelkeit, die sich bei manchen Leuten bei der Benutzung von Virtual-Reality-Brillen einstellt. Das werde ich bei nächster Gelegenheit ebenfalls noch testen und den Bericht hier ergänzen.

Ein weiter entwickeltes Nachfolgemodell basierend auf der gleichen Technik, aber optisch deutlich ansprechender, soll Ende des Jahres 2017 auf den Markt kommen.

Anmerkung*: Reliefband hat mir das Gerät zum Testen kostenlos zur Verfügung gestellt.

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