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Diamond Princess - Archiv (Bild: mstk east, CC BY 2.0)

Wachsende Kritik an Quarantäne für Diamond Princess in Japan

Die Kritik an der strikten Quarantäne für die Diamond Princess im japanischen Hafen Yokohama wächst. Einigen Experten zufolge führe die Quarantäne-Anordnung für das Schiff eher zu weiteren Ansteckungen mit den Covid-19-Coronavirus, als dass sie eine Ausbreitung verhindere. Ein Harvard-Epidemiologe verurteilt die Quarantäne sogar unethisch.

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Das Time Magazine zitiert Tom Inglesby, den Spezialisten für Infektionskrankheiten und Direktor des Johns Hopkins Center for Health Security, mit den Worten, es sei inzwischen sehr klar, dass die Quarantäne der Diamond Princess die Ausbreitung des Virus‘ auf dem Kreuzfahrtschiff nicht verhinderte und das Risiko einer weiteren Ausbreitung vorhanden sei. Dem Experten zufolge sei es viel sinnvoller, bereits negativ getestete Personen von Bord zu bringen und bis zum Ende der Inkubationszeit in einer Quarantäne-Einrichtung an Land zu betreuen.

Auf dem kanadischen Nachrichtenportal Vox wirft Steven Hoffman, Direktor des in Kanada angesiedelten Global Strategy Lab und Professor für Weltgesundheit an der York University in Toronto, der japanischen Regierung vor, mit dieser Massenquarantäne mehr daran interessiert zu sein, das eigene Land vor einer Verbreitung des Coronavirus interessiert zu sein, als das Risiko für die Ansteckung bisher gesunder Passagiere des Schiffs zu mindern.

Vorwurf: Quarantäne gefährdet Crew-Mitglieder besonders stark

Der Epidemiologe Michael Mina an der Universität von Harvard bezeichnet die Quarantäne sogar als unethisch und gänzlich unangemessen. Insbesondere sei die Quarantäne für Crew-Mitglieder inakzeptabel, weil sie mangels Einzelkabinen keinen ausreichenden Schutz vor Ansteckung hätten. Diese Kritik kommt auch deutlich von der Deutschen Seemannsmission. Auf Twitter kritisiert sie, dass Crew mit dieser Situation unvorbereitet konfrontiert sei.

Auf Twitter veröffentlichten indische Crew-Mitglieder der Diamond Princess in einem Video einen Appell an die indische Regierung und die UNO, im Interesse der Gesundheit der Crew direkt zu intervenieren: https://twitter.com/QuickTake/status/1227200665203638272

Mehrere Länder holen ihrer Staatsbürger von der Diamond Princess zurück

Die USA hat die amerikanischen Staatsbürger unter den Passagieren am 17. Februar in die USA ausgeflogen, um sie nach ihrer Ankunft dort in Quarantäne-Einrichtungen weiter zu betreuen. Gleiches will Hongkong offenbar für 330 Bürger der Stadt tun, Kanada holt den negativ getesteten Teils der kanadischen Staatsbürger zurück.

Auch Italien will seine Staatsbürger mit einem Flugzeug zurückholen, Deutschland will sich bei Italien anschließen. An Bord der Diamond Princess sind offenbar acht Deutsche, davon zwei mit dem Coronavirus infizierte.

Weniger als die Hälfte der Menschen an Bord bislang getestet

Die Tests der Passagiere der Diamond Princess auf den Covid-19-Coronavirus verlaufen offenbar schleppend. Die Japan Times, die sich auf die japanische Gesundheitsbehörde beruft, berichtete am 10. Februar, sieben Tage nach der Quarantäneanordnung seien erst 336 der insgesamt 3.711 Menschen an Bord auf das Virus getestet worden.

Laut Zeit Online sind mit Stand 16. Februar 1.219 der 3.711 Menschen an Bord getestet worden. 355 der Tests seien positiv verlaufen, 73 der Infizierten zeigten aber keine Symptome der Krankheit. Unter den positiv getesteten Passagieren der Diamond Princess sollen sich auch zwei Deutsche befinden.

Diamond Princess seit 3. Februar unter Quarantäne

Die Diamond Princess wurde in Yokohama von den japanischen Gesundheitsbehörden am 3. Februar unter Quarantäne gestellt, nachdem bei einer Passagierin einer vorausgegangenen Kreuzfahrt ein Covid-19-Test positiv ausgefallen war. Seitdem wurden auf der Diamond Princess bereits rund 300 Passagiere ebenfalls positiv auf das Coronavirus getestet. Zunächst gilt die Quarantäne für das Kreuzfahrtschiff bis 19. Februar. Allerdings müssen Passagiere wohl länger an Bord isoliert bleiben, die in Kontakt mit später positiv getesteten Personen standen.

Princess Cruises hat indes alle Kreuzfahrten der Diamond Princess bis Mitte April abgesagt. Grund sei die verlängerte Quarantäne-Zeit für später infizierte Passagiere sowie die Zeit, die man mutmaßlich brauche, um das Kreuzfahrtschiff für die erste reguläre Kreuzfahrt nach der Quarantäne vorzubereiten.

Hinweis: Über die aktuellen Entwicklungen in der Kreuzfahrt in Zusammenhang mit dem Corona-Virus halten wir Sie im Beitrag „Coronavirus und Kreuzfahrt: Aktueller Stand und wie Sie sich schützen können“ auf dem Laufenden.

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1 Kommentar

1 Gedanke zu „Wachsende Kritik an Quarantäne für Diamond Princess in Japan“

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