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Kreuzfahrt-Preise

Warum ich nicht gerne über Preise von Kreuzfahrten schreibe – und es jetzt trotzdem tue

Es ist eine einfache Frage: Was kostet eine Kreuzfahrt mit Schiff X oder Reederei Y? Eine gute Antwort ist dagegen alles andere als einfach. Denn es kommt darauf an … Lesen Sie in diesem Beitrag, warum ich die Frage nach Kreuzfahrtpreisen nicht mag. Und welcht teils komplizierten Faktoren in der Kalkulation der Reedereien eine Rolle spielen.

Der Preis einer Kreuzfahrt wichtig. Schließlich muss man sich die Traumreise eben erst einmal leisten können. Tipps zu geben, wie man eine Kreuzfahrt billiger bekommt, ist jedoch ungemein schwierig. Denn die Preise schwanken stark und sind kaum vorhersagbar. Und dann spielen bei dem Thema auch Emotionen eine wichtige Rolle.

Preise für Kreuzfahrten sind abhängig von Angebot und Nachfrage, aber auch von vielen anderen Faktoren, die ohne Insiderwissen oder sehr genaue Marktbeobachtung kaum nachvollziehbar sind.

Zugleich ist die Wahrnehmung, ob ein Preis „fair“ ist, sehr individuell. Das hängt zum einen davon ab, was das eigene Budget hergibt. Zum anderen erscheint einem eine Reise, die man eigentlich gerne machen würde, die aber nicht zum Budget passt, als zu teuer. Diese Wahrnehmung ist weitgehend unabhängig von der gebotenen Leistung, Angebot und Nachfrage.

Immer wieder erreichen mich Leserfragen oder Anfragen von Journalisten-Kollegen dazu: Wann ist der beste Buchungszeitpunkt? Wie kann ich Schnäppchen machen? Warum ist diese oder jene Reise eigentlich so unverschämt teuer?

Nur: Ich habe keine wirklich hilfreiche Antwort darauf. Mein Rat zu diesem Thema ist deshalb immer der gleiche:

  • Lassen Sie sich in einem mit Kreuzfahrten erfahrenen Reisebüro beraten. Solche Reisebüros haben engen Kontakt zu den Vertriebsmitarbeitern der Reedereien, kennen Sonderaktionen und die Feinheiten der Buchungssysteme. Und sie haben viel Erfahrung und dadurch ein gutes Gespür für Preisentwicklungen.
  • Fixieren Sie sich nicht zu sehr auf den Preis einer Kreuzfahrt. Definieren Sie Ihr Budget, das Sie sich leisten wollen und suchen sie eine dazu passende Reise. Entscheiden Sie, ob eine konkrete Kreuzfahrt Ihnen der geforderte Preis wert ist und ob Sie sich damit wohlfühlen – und grämen Sie sich nicht, wenn sie die gleiche Reise später vielleicht günstiger sehen. Das ändert nämlich nichts und verpasst Ihrer Traumreise nur nachträglich einen schalen Beigeschmack.

Wovon hängen Preisschwankungen in der Kreuzfahrt ab?

Grundsätzlich bestimmen Angebot und Nachfrage die Preise in der Kreuzfahrt. Weil Angebot und Nachfrage über die Zeit schwanken, ändern sich auch die Preise und gehen mal rauf, mal runter, oft innerhalb weniger Tage. Das kennen wir besonders ausgeprägt bei Flügen. Viele Kreuzfahrt-Reedereien haben längst ebenfalls teils erheblich schwankende Tagespreise.

Aber nicht nur direktes Angebot und direkte Nachfrage bestimmen den Preis, sondern auch eine Vielzahl anderer Faktoren, die sich teils von Reederei zu Reederei unterscheiden und für den Kunden nicht transparent sind. Das macht es so kompliziert, zu verstehen, warum sich Preise so entwickeln, wie sie es tun.

Gleiche Reise, unterschiedliche Preise in verschiedenen Ländern

Die Kreuzfahrt ist – je nach Reederei – ein sehr internationales, ein globales Geschäft. In Deutschland sind die Preise womöglich für die identische Reise höher als etwa in Italien oder in den USA – für die gleiche Kabine am gleichen Schiff zum gleichen Termin. Und bei einer anderen Reederei ist es womöglich genau umgekehrt. Die Gründe dafür können vielfältig sein:

  • Die von der Reederei für ein Land vorausgesagte oder erhoffte Nachfrage fällt anders aus als gedacht – ein Land bleibt also hinter den Erwartungen zurück; oder die Nachfrage ist höher als erwartet.
  • Ein Land ist für die Reederei strategisch wichtig und man will sich dort größere Marktanteile erobern. Dann setzt man womöglich auch mal Kampfpreise ein, um die Kunden zu Buchungen zu bringen. Einem Teil davon wird das Konzept dann so gut gefallen, dass sie zu Stammkunden werden, auch wenn die Preise später wieder höher liegen.
  • Oder ein Land ist strategisch eben nicht wichtig. Dann nimmt man mit, was der Markt hergibt, aber nur, wenn man damit guten Profit macht, sprich: sich die Kabinen zu entsprechend hohen Preisen verkaufen lassen.
  • Oder ein Land hat eine besonders schwierige Vertriebssituation, wie etwa in Deutschland wo einerseits mit AIDA und TUI Cruises zwei sehr starke, lokale Platzhirsche den Markt dominieren, andererseits sehr viel Geschäft über Reiseveranstalter läuft, die man als internationale Reederei auch erst einmal dazu bringen muss, die eigenen Kreuzfahrten in ihr Angebot aufzunehmen.
  • Und nicht zuletzt spielen auch gesetzliche Rahmenbedingungen eine Rolle. Denn EU-Reiserecht gibt dem Kunden deutlich mehr Rechte, die für Reedereien finanzielle Risiko bedeuten. In Europa gibt es beispielsweise ein Recht auf anteilige Reisepreis-Erstattung, wenn ein Hafenstopp ausfällt – unabhängig davon, ob das die Schuld der Reederei ist oder nicht. Dieses Risiko abzusichern, kostet die Reederei Geld, das in die Preise einkalkuliert wird.
  • Auch auf Zahlungsbedingungen wirken sich Gesetze aus. So ist in Deutschland nur ein relativ kleiner Teil des Reisepreises als Anzahlung zulässig, während Reedereien beispielsweise in den USA den vollen Reisepreis oder zumindest deutlich höhere Anzahlungen oft schon Monate, im Extremfall sogar ein, zwei Jahre im Voraus kassieren können.

Unterschiedliche Vertriebsstrategien der Kreuzfahrtanbieter

Reedereien verfolgen beim Vertrieb ihrer Kreuzfahrten unterschiedliche Strategien. Die einen wollen ihr Preisniveau möglichst stabil halten und fahren lieber mit einigen leeren Kabinen, als das Schiff um jeden (niedrigen) Preis voll zu machen. Damit wollen sie vor allem vermeiden, dass Schnäppchenjäger mit der Buchung einfach nur lange genug warten müssen, bis die Preise schließlich sinken. Lässt man als Reederei das allgemeine Preiseniveau deutlich sichtbar absinken, wird es immer schwieriger, später wieder höhere Preise zu erzielen.

Andere Reedereien wiederum legen vor allem Wert darauf, immer ausgebucht zu sein. Denn viele der Kosten an Bord entstehen unabhängig davon, wie viele Passagiere mitfahren. Verkauft man dann die letzten noch freien Kabinen kurzfristig zu einem Preis, der nicht einmal mehr die kalkulatorischen Kosten abdeckt, bleibt dennoch mehr Geld übrig, als wenn die Kabine leer bleibt. Kostendeckungsbeitrag nennen Betriebswirtschaftler das. Der Nachteil ist bei dieser Strategie, von den Kunden als Billigheimer wahrgenommen zu werden, die dann auch künftig niedrige Preise erwarten. Auf Dauer kann es also ziemlich schwierig werden, mit dieser Strategie Geld zu verdienen, kann aber über die Masse dennoch aufgehen.

Preisschwankungen und die Vertriebsplanung der Reedereien

Kreuzfahrt-Preise schwanken oft auch abhängig von Erfahrungswerten oder Planungsdaten in Relation zum Zeitabstand zum Start der jeweiligen Kreuzfahrt. Einfacher formuliert: Verkauft sich eine Kreuzfahrt nicht so gut wie erwartet, wird die Reederei irgendwann nervös und senkt den Preis. Allerdings muss man sich das bei den großen Reedereien nicht wie einen tatsächlich irgendwann nervös werdenden Manager vorstellen. Dies übernehmen Computersysteme ganz automatisch, künftig wahrscheinlich vermehrt auch mit Hilfe künstlicher Intelligenz.

Für solche automatischen Preisanpassungen planen die Reedereien genau voraus: Wie viele Kabinen will man in welchem Land verkaufen? Zu welchem Zeitpunkt vor der Reise erwartet man welche Vorausbuchungszahlen? Welche Märkte sind von strategischer Bedeutung und müssen deshalb ihre Zielvorgaben besonders genau einhalten? Und viele weitere Faktoren. Dann beobachtet ein Algorithmus die Buchungsentwicklung und reagiert mit Anpassungen.

Also konkret: Hatte die Reederei erwartet, 60 Tage vor der Reise 70 Prozent der Balkonkabinen bereits verkauft zu haben, der Wert liegt aber schon bei 75 Prozent, dann hebt sie die Preise merklich an. Liegt der Wert erst bei 60 Prozent, senkt sie die Preise, um aufzuholen. Noch verwirrender kann das für den Kunden werden, wenn die Balkonkabinen schon über dem Soll liegen, die Außenkabinen aber darunter. Dann sinkt der Preis in der einen Kabinenkategorie und steigt gleichzeitig in der anderen.

Strategische Preise

Preise können sogar langfristig strategisch sein: Eine Reederei ändert ihr Konzept, will beispielsweise künftig ein zahlungskräftigeres Publikum mit mehr Luxus-Anspruch ansprechen. Dann führt ein deutlich höherer Preis indirekt auch dazu, das bisherige Publikum zu vertreiben. Natürlich würde eine Reederei Kunden nicht absichtlich vergraulen. Aber der Nebeneffekt, dass hohe Preise die Zusammensetzung des Publikums an Bord verändern und damit auch ein anderes Ambiente entsteht, das eher zu diesem neuen Luxus-Anspruch passt, verstärkt eben auch die Wahrnehmung des Kunden für das neue Konzept.

Für das genannten Luxus-Beispiel deutlicher formuliert: Die eleganten Luxus-Kunden, die man mit dem neuen Konzept ansprechen will, fühlen sich an Bord wohler, wenn sie sich das Schiff nicht mit Party- und Ballermann-Publikum teilen müssen.

Auf der Strecke bleiben dabei diejenigen, die diese Reederei einst zu ihrer Lieblingsreederei erklärt haben, womöglich schon eine höhere Statusstufe im Kundenbindungsprogramm erreicht haben, sich quasi als Teil der „Familie“ betrachten – und dann über die stark steigenden Preise eiskalt abserviert fühlen.

Kreuzfahrt-Preise nicht emotional betrachten

Betrachten Sie den Preis für eine Kreuzfahrt nicht emotional. Natürlich tut es weh, wenn die Lieblingsreederei ihren Kurs ändert und plötzlich unerschwinglich teuer wird. Natürlich löst es Emotionen aus, wenn man das Gefühl hat, sich etwas, das man gerne hätte, nicht (mehr) leisten zu können.

Oder wenn der Preis einer gebuchten Reise nachträglich sinkt und man „zu viel bezahlt“ hat. Was aber nur bedingt stimmt. Denn man hat genau den Preis bezahlt, der zu Buchungszeitpunkt eben gültig war. Der jetzt niedrigere Preis basiert auf anderen Bedingungen: Flugpreise haben sich verändert, die Wunschkabine ist nicht mehr verfügbar, vielleicht haben sich geopolitische Rahmenbedingungen in anderen Märkten oder in den Zielländern der Reise geändert, sodass sich die Nachfrage nach dieser Reise verändert hat …

Dennoch: Preise emotional zu betrachten, führt zu vermeidbarem Frust. Denn ändern kann man’s ohnehin nicht. Preiseentwicklungen rational und gefühllos zu betrachten, macht es einfacher, die Mechanismen zu verstehen und letztlich die günstigsten Preise zu finden.

Marketing-Illusion der großen „Kreuzfahrt-Familie“

Oft höre ich auch ein empörtes Argument gegen hohe Preise: „Das hat doch nichts mehr mit dem realen Wert der Reise zu tun“. Emotional gesehen: nein. Wirtschaftlich betrachtet aber sehr wohl. Es ist ein Angebot der Reederei. Finden sich genug Kunden, die dieses Angebot annehmen, entspricht der Preis genau dem Marktwert der Reise. Wenn nicht, werden die Preise sinken. Oder das Schiff fährt halb leer. Oder die Reederei geht pleite. Deshalb ist auch diese gelegentlich gestellte Frage sinnlos: „Warum vergrault die Reederei ihre Stammkunden mit dieser Preisentwicklung“.

Fairerweise muss man allerdings auch zugestehen, dass Reedereien auch ganz bewusst mit den Emotionen ihrer Kunden spielen. Klar, Urlaub ist etwas sehr Emotionales. Eine Kreuzfahrt basiert zu einem wesentlichen Teil aus einer gut kalkulierten und von den Kreuzfahrt-Reedereien regelrecht perfektionierten Illusion.

Auch wenn das Marketing familiäre Atmosphäre an Bord hervorhebt, Passagiere und Crew als eine große imaginäre Familie sehen will, so geht es eben doch nur darum, Geld zu verdienen. Die emotionale Bindung der Kunden an die Reedereien ist wie die Kundenbindungs- und Statusprogramme eben auch nur eine der Strategien, um Geld zu verdienen.

Aber wenn die Reederei mich „nicht mehr mag“, sprich: immer teurer wird – vielleicht wird es dann auch Zeit, die emotionale Bindung zu lösen und Neues zu erkunden.

So mancher treue Reederei-treue Kreuzfahrer – Sie wissen schon, „einmal XY, immer XY“ – hat beim zunächst unfreiwilligen Ausprobieren einer anderen Reederei schon gemerkt, wie viel Mehrleistung anderswo geboten wird oder wie viel besser das andere Produkt zu den eigenen Urlaubsvorstellungen passt. Und dass vom Treueschwur vor allem eine Seite profitiert hat: die Reederei.

Apropos, damit hier kein Missverständnis entstehen: Mit dem zitierten Treueschwur ziele ausdrücklich ich nicht auf eine bestimmte Reederei, sondern meine das ausdrücklich ganz allgemein.

Kreuzfahrt ist ein Geschäft, Reedereien sind Wirtschaftsunternehmen

Eine Kreuzfahrt-Reederei ist ein Wirtschaftsunternehmen, das mal mehr und mal weniger auffällig Profit erzielen will, ja: muss. Das ist bei allen Unternehmen der wesentliche Zweck. Bei börsennotierten Unternehmen kommt zusätzlich der Druck und die Gewinnerwartung von Aktionären und Anlegern hinzu.

Deshalb wird eine Reederei immer das tun, was am meisten Gewinn bringt und den Fortbestand des Unternehmens sichert. Dass dies nicht immer auf direktem Weg geschieht, sondern über Umwege, welche die Gewinnerzielungsabsicht ein wenig verschleiert, darf einen nicht darüber hinwegtäuschen, dass man als Passagier schlicht einen Vertrag mit der Reederei hat: ein bestimmter Geldbetrag gegen eine bestimmte Leistung. Passt individuell die versprochene Leistung nicht zum geforderten Preis, schließt man den Vertrag eben nicht ab. So wie man beim Einkaufen im Supermarkt keine Mango für fünf Euro kauft, auch wenn man sie wirklich gerne hätte und schon seit Jahren bei diesem Händler kauft.

Warum ich also so ungern über Preise rede …

Verstehen Sie jetzt, warum ich so ungern über Preise für Kreuzfahrten schreibe und spreche? Warum ich immer ein wenig die Augen verdrehe, wenn mein Podcast-Partner Jerome Brunelle mich in einer neuen Episode zu einem Schiff nach den Preisen fragt und auf meine Antwort oft mit einem „das ist aber teuer“ oder „das könnte ich mir nie leisten“ reagiert?

Ich mag die Frage nicht, weil pauschale Aussagen zu den Preisen einfach nicht sinnvoll möglich sind. Und weil es so stark auf die individuelle Situation jedes einzelnen Lesers oder Podcast-Hörers ankommt.

Der – stark schwankende – Preis einer Kreuzfahrt drückt sich in absoluten Zahlen aus. Aber ob sich jemand diese Reise leisten will oder kann, ist sehr individuell. Wer bin ich, um zu urteilen, ob eine Reise, eine Reederei, ein Schiff „zu teuer“ ist?

9 Kommentare

Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

9 Gedanken zu „Warum ich nicht gerne über Preise von Kreuzfahrten schreibe – und es jetzt trotzdem tue“

  1. Lieber Herr Neumeier

    Ja die Preise sind schon ein Thema bei Kreuzfahrten. Wir waren u.a. schon 4 x mit Regent Seven Seas unterwegs. In den vergangenen Jahren wurden die Preise aber stark erhöht. Wir hatten Regent bereits abgeschrieben. Aber jetzt sind wir auf ein limitiertes Sonderangebot gestossen und haben folgende Kreuzfahrt auf der Voyager gebucht:
    September 2024, von Lissabon bis Rom, 10 Tage, Concierge Suite mit Vorübernachtung. alles, wirklich alles inbegriffen (ausser Anreise) für EUR 5,269.– pro Person. Man muss die Augen offen halten!

  2. Meine Strategie: Sehr früh (Monate im Voraus) oder sehr spät (max. 4 Wochen vorher dem Termin) buchen. Und natürlich das gewünschte Zielgebiet zu dem Termin und gleicher Schiffseinstufung („Economy“ oder „Premium“) bei allen verfügbaren Reedereien vergleichen. Und als Solo-Reisender den Aufpreis prüfen. Wenn eine Reederei mehr als 50% Solo-Aufpreis haben will – nicht mit mir.

  3. wir sitzen gerade im zug nach civitavecchia, wo wir am heutigen tag 7 an bord von costa smeralda ein letztes mal auslaufen werden. ihre zeilen sind wahrheitstreu recherchiert und ich verstehe manchmal die menschen nicht, die irritiert über preisschwankungen sind, die eben vielerlei einfließende faktoren beinhalten, die man als laie nun mal nicht so gut kennt, aber auch nicht begründet werden müssen. wir haben unseren reiseexperten zu einem sonderangebot befragt, welches wir online gesehen haben – er konnte uns den preis nach rücksprache mit costa ebenfalls anbieten – auch das ist manchmal möglich (wir haben nun unglaubliche 479,00 euro für unser erstes costa-erlebnis gezahlt und freuen uns sehr). hingegen müssen wir immer wieder lachen, wenn wir auf unsere buchung mit icon of the seas schauen: 3.000 euro für eine innenkabine für zwei personen (zzgl. getränken, trinkgeldern, fluganreise, transfers und vorübernachtung). aber: ein dreistöckiges townhouse an bord der icon wird aktuell für über 100.000 dollar pro woche vermarktet. wieder ein beispiel, welches zeigt: die machen sich schon gedanken und es funktioniert womöglich.

  4. @heiko: Ich denke, was bei dem Thema gerne übersehen wird ist, dass die Preise vor allem durch Angebot und Nachfrage entstehen. Reederei bietet z.B. die Riesen-Kabine auf der Icon für 100.000 Euro an – und wenn sich jemand findet, der bereit ist, das zu bezahlen, haben die beiden einen Deal. Wenn nicht, muss die Reederei den Preis senken. Aber sie wäre ja dumm, wenn sie eine Suite, die sie pro Woche nur einmal verkaufen kann, zu einem Preis anbietet, zu dem 100 oder 1.000 Leute sie buchen wollen würden. Schade sind solche Preise halt für diejenigen, die nicht die Wahl haben, mal schnell 100.000 Euro hinzublättern; aber das ist dann mit Boshaftigkeit oder Geldgier der Reederei, sondern einfache Regeln eines kapitalistisch organisierten Marktes …
    Ja, für die Icon verlangt Royal Caribbean derzeit fast unglaublich hohe Preise, das ist mir auch schon aufgefallen. Vermutlich, weil eben genug Kunden bereit sind, dafür zu bezahlen, dass sie auf diesem neuesten und größten Kreuzfahrtschiff der Welt als eine der ersten fahren können. Mit der Oasis-Class hat Royal Caribbean etwas geschaffen, dass dauerhaft große Nachfrage auslöst, mit der Icon-Class setzen sie das nun offenbar fort. Das Erstaunliche an der Oasis Class ist aber vor allem auch, dass die Schiffe dieser Schiffsklasse selbst 14 Jahre nach dem Start der Oasis of the Seas immer noch deutlich höhere Tagesraten erzielen als andere Schiffsklassen, obwohl der „Reiz des Neuen“ da längst verflogen ist.
    Ein anderes Beispiel ist Disney Cruise Line, die ebenfalls sehr hohe Preise erzielen und nahezu nie Rabatte oder Sonderaktionen fahren. Die Schiffe verkaufen sich zum Katalogpreis und sind immer voll. Zumindest bislang. Ob sich das durch die großen, neuen Schiffe wie Disney Wish und Disney Treasure mit der Zeit ändert, weil schlicht das Bettenangebot pro Woche deutlich steigt, wird sich noch zeigen müssen. Aber bislang ist da eben die Nachfrage so hoch, dass sich bei knappem Angebot eben hohe Preise erzielen lassen, weil genug Kunden bereits sind, das eben zu bezahlen.

  5. Lieber Franz,

    ein vortrefflicher Artikel, dessen Inhalt ich zu 100% zustimmen kann. Ich gehöre in den letzten Jahren aufgrund meines beruflichen Engagements, das stark an lange im Voraus feststehenden fixen Terminen hängt, bei Reisen > 5 Nächten gezwungenermaßen zu den (Sehr-) Frühbuchern. In der Regel habe ich damit auch unter dem Preis-Leistungsvergleich gute Erfahrungen gemacht. Und noch ein weiterer Aspekt zählt: die Vorfreude, die ist im Grunde unbezahlbar.

    Ein Gedanke noch zu Eurer Royal Caribbean Diskussion oben. Im Sommer war ich 14 Tage auf der (unrenovierten) Celebrity Infinity, das Jahr zuvor 7 Tage auf der stylischen Celebrity Edge. Die Preisgestaltung von Celebrity zumindest für Frühbucher für den Sommer 2023 war grob gesagt so angelegt, dass für die Edge-Class mindestens der doppelte Preis aufgerufen wurde. Ganz klar: so wird gesteuert, dass sich auf der Edge Passagiere einfinden, die ins optische Gesamtbild des extravaganten Schiffes passen sollen. Sicher auch kein Zufall, dass Kate McCue (deren Fachkompetenz ich bestimmt nicht in Zweifel ziehen möchte) ausgerechnet Schiffe der Edge-Class führt. Auf der Infinity hingegen ganz normale Passagiere (auffällig der hohe Anteil spanischer Ex-Pullmantur-Passagiere) und Kapitän Kostas, der sich IMHO gerne öfter mal ein frisches Hemd anziehen und rasieren dürfte. Das soll kein Meckern sein, die Infinity-Reise war in Anbetracht von Route & Preis super, aber der Unterschied zur glamourösen Edge erheblich. Die monetäre Differenz innerhalb der selben Reederei ist so gesehen völlig in Ordnung.

    Und noch ein Gedanke: ausgerechnet die Covid-Zeit war rückblickend unter dem Kreuzfahrt-Aspekt auch in Sachen Preis außergewöhnlich positiv: meine beiden Reisen auf AmaStella 2020 und AmaLucia 2021 waren wirklich einzigartig. Du wirst wissen, wovon ich spreche.

    Herzliche Grüße
    Andreas

  6. Lieber Andreas, klar, auch die Ama-Flusskreuzfahrten von Ehoi während der Pandemie waren natürlich eine Frage des Angebots und der (mangels der nicht vorhandenen) Nachfrage (der ansonsten adressierten Amerikaner). Da blieb einer absoluten Luxus-Marke nichts übrig, als sehr günstig über Ehoi zu vermarkten (allerdings auch mit ein paar Abstrichen bei der Qualität, aber nicht allzu sehr), weil es für die Reederei vorteilhafter war, für wenig Geld zu fahren (und die wertvolle Crew zu halten), als gar nicht.

  7. Ich habe noch nie verstanden, warum man den Preis der selbst gebuchten Kreuzfahrt nach der Buchung noch beobachtet.
    Wenn ich eine Kreuzfahrt zum Preis X buche,bedeutet das ja,das ich bereit bin, diesen Preis X für diese Kreuzfahrt zu bezahlen. Und wenn die Kreuzfahrt später nur die Hälfte kostet…ist doch völlig egal.Ich war bereit,den Preis X zu bezahlen,das war es mir Wert. Ab diesem Moment schaue ich mir den Preis nicht mehr an.
    Ich habe aber den Eindruck, das das etwas typisch deutsches ist: Wir wollen alles möglichst billig,billig,billig.SO billig wie irgendwie möglich.

  8. In den heutigen Zeiten stellt kein Mensch mehr die Preisunterschiede der Beförderung in einem Flugzeug in Frage – jeder weiß – das kann sich jederzeit ändern – manchmal innerhalb von Minuten, wenn es für eine Strecke kurzfristig hohe Nachfrage gibt – und sei es nur durch mehrmalige Preisabfrage.
    Es muß den Reisenden letztlich klar sein, daß das bei Kreuzfahrten ähnlich ist. Keine Reederei ist „Dein Freund“, dessen Aufgabe es ist, Dir schöne und günstige Urlaubserlebnisse zu ermöglichen.
    Es ist ein (meist) börsennotiertes oder zumindest gewinnorientiertes Unternehmen, dem es darum geht, den höchstmöglichen Preis für ein „verderbliches“ Produkt zu erzielen. Die Kunst des Yield-Management besteht halt darin, den Zeitpunkt für Preissteigerungen und Preissenkungen sowie die Schmerzgrenze der Kunden möglichst genau zu treffen.
    Selbstverständlich besteht die Kunst auch darin, die erwünschte Kunden/Käufermischung an Bord preislich bei der Buchung zu steuern. Wenn eine Reederei keine Einzelreisenden möchte, setzt sie die Zuschläge so hoch, daß die Anzahl derer, die bereit sind, das zu bezahlen sinkt. Möchte eine Reederei sich familienfreundlich positionieren, sind die Kinderpreise günstig.
    (Natürlich steuert man die gewünschte Zielgruppe auch über die Angebote an Bord, Entertainment etc. – aber erstmal über den Preis).
    Urlaub ist natürlich emotional besetzt – und an Bord versuchen die Reedereien beim Gast natürlich ein Loyalitätsgefühl zu wecken – auch über Kundenbindungsprogramme und Events für Stammkunden an Bord.
    Davon sollte man sich als Kunde frei machen – genausowenig wie Mediamarkt oder das Möbelhaus Dein Freund ist ist es „Deine Reederei“.

  9. Der Preis ist nicht alles, wie ich gerade leidvoll feststellen musste. Eine Woche Mittelmeer ab/bis Palma mit Costa Smeralda, inkl. Balkonkabine und Trinkgeld für € 698 p.P. Da kannst Du nichts falsch machen dachte ich und schlug zu. Was ich unterschätzt hatte, das Schiff fasst 6.500 Passagiere, 6.300 hatten wir an Bord. In jedem Hafen stiegen Passagiere auf und ab, das war wie Busfahren. Das Schiff kam dadurch nie zur Ruhe und das überwiegend südländische Publikum entsprach dem niedrigen Preisniveau. Geschrei und Gebrüll, Gedränge und Geschubse am Buffet, Keine Einhaltung von Regeln, einfach Chaos. Die Reederei kann sich ihre Gäste nicht aussuchen, aber ich die Reederei. Costa hat organisatorisch und servicemässig einen tollen Job gemacht, die Crew war geduldig und freundlich, wirtschaftlich war die Reise ein Erfolg. Niedrige Preise sind gut und schön, aber man sollte sich vorher überlegen, welche Kröten man dafür schlucken will.

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