Kreuzfahrthafen Port Everglades

Corona-Restriktionen: US-Kreuzfahrt „back to normal“, Europa zögert noch

Während die USA mit dem Kreuzfahrt-Neustart in der Pandemie fast ein Jahr später dran war als Europa, geht es dort nun umso schneller: Die Maskenpflicht und andere Corona-Beschränkungen entfallen, die Kreuzfahrt ist beinahe wieder im Vor-Corona-Modus. Europäische und deutsche Reedereien zögern dagegen mit Lockerungen und wollen mindestens noch in den Sommer 2022 hinein vorsichtig bleiben.

Täglich kommen neue Meldungen über Länder, die nahezu alle Corona-Beschränkungen fallen lassen. Selbst Impfpflichten für Reisende werden teils wieder abgeschafft, Masken müssen auch in Innenräumen nicht mehr getragen werden. Zum 18. März fällt beispielsweise auch für England die Pflicht zu Coronatests und Einreiseformularen weg, selbst für Ungeimpfte. Und auch Australien erlaubt ab 17. April 2022 wieder internationale Kreuzfahrten. P&O Cruises will dort ab 31. Mai starten.

Die Lockerungen in vielen, auch europäischen Ländern erleichtern den Reedereien insgesamt die sehr aufwendige Bürokratie. Es gibt weniger Nachweispflichten und auch bei den Coronatests wird vieles einfacher, bis hin zum Wegfall von in einzelnen Ländern noch geltende Testpflichten.

USA: Maskenpflicht und andere Corona-Regeln entfallen

In der Kreuzfahrt dagegen vollzieht sich die Öffnung in den USA und in der Karibik sehr viel schneller und weitreichender als in Deutschland und Europa. Die US-Reedereien haben für Abfahrten ihrer Schiffe ab US-Häfen, derzeit insbesondere ab Florida in die Karibik, die Regeln zum 1. März 2022 deutlich gelockert. Grundlage dafür sind die Empfehlungen der Seuchenschutzbehörde CDC, die jetzt am 14. März sogar ihre Reisewarnung für die Kreuzfahrt noch einmal herabgestuft hat – von der höchsten Stufe 4 noch im Januar über 3 auf nun 2, „moderates Risiko“.

Entsprechend gibt es zwar eine Impfpflicht meist ab fünf, teils ab zwölf Jahren, die Maskenpflicht in Innenräumen ist aber weitgehend entfallen. Die Reedereien empfehlen zwar mehr oder weniger dringend das Tragen einer Maske, vorgeschrieben ist das aber nicht mehr. Lediglich in Terminal-Gebäuden ist die Maske weiter Pflicht sowie gegebenenfalls in Karibik-Häfen an Land, wenn lokale Behörden es verlangen.

Auch Corona-Tests bei der Einschiffung im Kreuzfahrt-Terminal – in den USA ohnehin nicht so konsequent praktiziert wie in Europa – entfallen. Passagiere müssen lediglich noch ein negatives Testergebnis vorlegen, da je nach Impfstatus maximal zwei oder drei Tage alt sein darf. Trotz der Lockerungen lohnt sich allerdings ein Blick in die konkreten Corona-Regeln der einzelnen Reedereien, denn die unterscheiden sich in Details, die gegebenenfalls entscheidend sein können.

Der Tag an dem die Kreuzfahrt auf Grund lief
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Entsprechend der Lockerungen sind Kreuzfahrten in den USA wieder stark gebucht, immer größere Teile der Flotten sind wieder in Dienst. In der Karibik herrscht vielerorts wieder so viel Schiffsverkehr wie vor der Pandemie. Nassau auf den Bahamas beispielsweise meldet Tourismus-Zahlen wie vor Beginn der Pandemie und an manchen Tagen wieder bis zu sechs Kreuzfahrtschiffen gleichzeitig im Hafen.

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Maskenpflicht und Corona-Tests bleiben in Europa vorerst

In Europa und Deutschland sind die Kreuzfahrt-Reedereien aktuell noch deutlich vorsichtiger – auch, weil lokale Gesetze das teils verlangen. US-Reedereien zögern aktuell noch ihre Regeln für Europa-Abfahrten ab Frühjahr 2022 bekanntzugeben.

Insbesondere die Maskenpflicht in Innenräumen wird zunächst wohl beibehalten. Und auch an Corona-Tests vor der Einschiffung halten die europäischen Reedereien erst einmal fest. Die Inzidenz-Zahlen in Europa liegen allerdings derzeit auch noch um ein Vielfaches höher als in den USA, wo die Omikron-Welle bereits abgeklungen ist.

AIDA Cruises beispielsweise hält an der Impfpflicht (auch für Genesene) für die Sommersaison 2022 fest und will weiterhin bei der 1G-plus-Regeln bleiben, also eine zweifache Testung vor der Abreise, die einen Test direkt bei der Einschiffung einschließt.

Dennoch kehrt auch in der europäischen Kreuzfahrt wieder mehr Normalität zurück. AIDA Cruises hat beispielsweise schon seit 25. Februar die Kinder-Clubs an Bord der Schiffe wieder geöffnet, lediglich die Kleinkindbetreuung bis 36 Monate wird noch nicht wieder angeboten. Mit vielen weiteren Lockerungen im Detail ist Corona bei AIDA Cruises mit Ausnahme der Masken zunehmend weniger wahrnehmbar. Auch die Stühle direkt am Bartresen können beispielsweise wieder genutzt werden. Und auch ein Sonderproblem AIDAs durch die italienische Flagge und damit verbundenen, strengeren Auflagen, hat sich Anfang Februar 2022 gelöst: Seitdem sind wieder individuelle Landgänge erlaubt – vorerst mit Ausnahme von Italien.

TUI Cruises hat bislang ebenfalls noch keine grundlegenden Lockerungen angekündigt und bleibt zunächst bei den strengen Regeln: Impfpflicht ab 12 Jahren, Booster-Pflicht ab 18 Jahren, doppelter Corona-Test vor Reiseantritt sowie Maskenpflicht in Innenräumen sowie in Situationen mit zu geringem Abstand auch im Freien.

Phoenix Reisen hält ebenfalls an den Einschiffungstests fest, will sich ansonsten aber den Vorgaben der jeweils besuchten Länder anpassen und bei den Regeln entsprechend flexibel sein. Ähnlich handhabt das Hapag-Lloyd Cruises.

Radikale Öffnung in einzelnen Ländern

Allerdings gibt es auch in Europa schon erste Länder, in denen Schiffsreisen weitgehend ohne Corona-Regeln auskommen: Island öffnet sich und entsprechend hat Iceland Pro Cruises bereits angekündigt, für die Kreuzfahrten ab Ende Mai alle Regeln aufzugeben. Unklar ist lediglich noch, ob es, abweichend von den Regeln in Island, eine Maskenpflicht in Innenräumen geben könnte.

Keine Maskenpflicht mehr gilt dagegen jetzt schon auf der norwegischen Postschiffroute bei Havila Voyages und Hurtigruten. Auch Tests oder Impfnachweise verlangt Norwegen nicht mehr.

Verbot individueller Landgänge in Italien könnte Ende März wegfallen

Noch ist es nicht sicher, aber vieles deutet darauf hin, dass auch in Italien ab April wieder individuelle Landgänge erlaubt sein werden. Italien ist seit Beginn der Pandemie besonders strikt und hatte individuelle Landgänge von Kreuzfahrtschiffen verboten. Fällt das entsprechende Gesetz weg, könnten Passagiere danach auch bei Costa wieder individuell an Land gehen, wo bislang auch außerhalb Italiens nur geführte Gruppenausflüge möglich sind.

Basis dafür ist das italienische „Decreto-Legge 25 marzo 2020, n. 19“ – „Dringende Maßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19“. Dieses Notstandsgesetz wurde immer wieder verlängert. Zum 31. März 2022 könnte es nun auslaufen und damit auch wieder individuelle Landgänge möglich machen.

Booster-Impfung empfehlenswert

Bei aller Öffnung ist beim Buchen von Kreuzfahrten insbesondere ab US-Häfen dennoch Aufmerksamkeit gefragt, nämlich beim Thema Impfschutz. Denn US-Reedereien orientieren ihre Impfpflicht-Regeln an den Vorgaben der CDC und die bergen einen Fallstrick. Die Behörde hat zwei Definitionen für den Impfstatus: „fully vaccinated“ bedeutet Grundimpfung. „Up to date“ dagegen ist eine veränderbare Definition und bedeutet derzeit inklusive Booster-Impfung.

Die Zusammenhänge sind ein wenig kompliziert, der Impfstatus hat aber Auswirkungen darauf, wie frei die Reedereien die Corona-Regeln an Bord gestalten können. Empfehlenswert ist daher, nicht nur, weil die CDC dringend dazu rät, bei der Planung einer Kreuzfahrt auch an die Booster-Impfung zu denken. In Europa haben ohnehin schon mehrere Reedereien eine Booster-Pflicht eingeführt, weitere werden mutmaßlich folgen.

Auf Schiffen mit der höchsten CDC-Einstufung „Vaccination Standard of Excellence“ müssen mindestens 95 Prozent der Passagiere und Crew „up to date“ mit ihrem Impfstatus sein, also geboostert. Mit der Azamara Quest erfüllt diese Bedingungen derzeit nur ein einziges Schiff, denn bei Azamara gilt seit 1. März 2022 Boosterpflicht, was bei anderen US-Reedereien noch nicht Standard ist. Ausnahme sind beispielsweise Uncruise Adventures, die in der CDC-Statistik wegen der gerignen Größe ihrer Schiffe nicht erfasst werden, sowie Silversea Cruises und Lindblad Expeditions, die zwar eine Booster-Impfung verlangen, derzeit aber kein Schiff in US-Gewässern haben. Viking hat mit der Viking Orion und Viking Sea zwei Schiffe mit Booster-Pflicht in US-Gewässern, mit denen der höchste Status angestrebt wird.

Welche Reedereien aktuell bereits eine Boosterpflicht eingeführt haben und ab welchem Alter welcher Impfstatus verlangt wird, finden Sie in unserem Beitrag „Regeln der Kreuzfahrt-Reedereien zur Corona-Impfung“.

Unter den niedrigsten Status der CDC, „Not highly vaccinated“, fallen übrigens aktuell nur noch drei Schiffe: MSC Divina, MSC Meraviglia und MSC Seashore. Der Status bedeutet, dass weniger als 95 Prozent der Passagiere und Crew mindestens zwei Impfdosen (Johnson & Johnson: eine) nachweisen können. Das könnte sich gegen Ende April ändern, wen auch MSC die Altersgrenze für die Impfpflicht in den USA von zwölf auf fünf Jahre absenkt. Kinder unter fünf Jahren zählt die CDC nicht in die Statistik für die Impfquote hinein.

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