Hanseatic Nature in Hamburg-Altona

Hanseatic Nature – Alle Details zu Hapag-Lloyd Cruises‘ neuer Expeditionsschiff-Generation

Hapag-Lloyd Cruises hat den ersten Expeditions-Neubau der „Hanseatic“-Baureihe in Dienst gestellt: Die Hanseatic Nature wurde am 4. Mai 2019 in Hamburg getauft und hat am Tag darauf ihre erste Reise in Richtung Norwegen begonnen. Cruisetricks.de hatte die Gelegenheit, das neue Kreuzfahrtschiff zu besichtigen, Fotos und 360-Grad-Panorama-Bilder zu machen.

Die Hanseatic Nature beeindruckt zunächst einmal damit, wie effizient Hapag-Lloyd Cruises den Raum auf dem kleinen Schiff mit einer Tonnage von gerade einmal 15.651 BRZ für maximal 230 Passagiere nutzt. Drei Restaurants, drei Lounges, ein Fitness-Studio, Beauty-Salon und ein relativ großzügiges Spa finden hier Platz. Die Außendecks sind laut Hapag-Lloyd Cruises größer als bei jedem anderen Expeditions-Kreuzfahrtschiff. Und überall an Bord stellt sich für die Passagiere ein sehr großzügiges Raumgefühl ein.

Das Design ist hell und orientiert sich an natürlichen Formen – „inspired by nature“, wie Hapag-Lloyd Cruises es formuliert. Der Stil erinnert ein wenig an die Europa 2, die für die Luxus-Reederei zum Maßstab geworden ist und ja bald auch auf der Europa umgesetzt wird. Einzelne Design-Elemente erinnern an Vorlagen aus der Natur, etwa die Wasserhähne in den Suiten an den Ast eines Baumes oder die Wand-Dekoration im Hamptons-Spezialitätenrestaurant an Eisschollen.

In diesem Beitrag stellen wir die Hanseatic Nature vor und zeigen ihre Besonderheiten wie etwa die ausfahrbaren Glasbalkone und den „Nature Walk“ am Bug des Expeditionsschiffs. Sie finden außerdem eine Bildergalerie und interaktive 360-Grad-Panoramafotos, Informationen zu den Restaurants, den Suiten und Kabinen, zur technischen Ausstattung insbesondere in Hinblick auf Umweltschutz an Bord, Hapag-Lloyd Cruises Erklärung, warum die Hanseatic Nature weder Hubschrauber noch U-Boot hat sowie alle Fakten zum Schiff.

Mein Kurz-Fazit vorweg …

Nach einem kurzen Ship-Visit lässt sich ein Kreuzfahrtschiff nicht wirklich bewerten, vor allem nicht ein Expeditionskreuzfahrtschiff mit Luxus-Anspruch, bei dem es auf Fahrterlebnis, Service und viele weitere Faktoren stärker ankommt als auf das, was man in wenigen Stunden sehen kann.

Dennoch: Die Hanseatic Nature wirkt auf mich sehr schlüssig und gut durchdacht. Hapag-Lloyd Cruises hat der Versuchung widerstanden, Gimmick-Features wie U-Boot oder Hubschrauber einzusetzen. Stattdessen liegt der Schwerpunkt auf Features, die der Passagier regelmäßig und intensiv nutzen kann und die viel Komfort bieten, was vor allem auf längeren Reisen viel wichtiger ist.

Observation Lounge
Observation Lounge

Die Ausnutzung der Räume empfinde ich als beeindruckend gut gelungen. Design und Raumfaufteilung vermitteln einen sehr großzügigen Eindruck und außer im Innenbereich des Lido-Restaurants hat man in allen öffentlichen Bereichen einen freien Blick zu beiden Seiten des Schiffs nach draußen, oft auch 180-Grad-Blick seitlich plus vorne oder hinten – für ein Expeditionsschiff ideal. Und auch Außenflächen hat das Schiff reichlich.

Ausfahrbare Glasbalkone, Eisklasse PC6 und hohe Reichweite

Die Hanseatic Nature hat zwei ganz besondere Features – eines offensichtlich, das andere im Verborgenen: zwei ausfahrbare, gläserne Balkone seitlich des Pooldecks sowie eine enorme Reichweite von laut Hapag-Lloyd Cruises annähernd 8.000 Seemeilen (knapp 15.000 Kilometer) für bis zu 36 Tage autonom auf See.

Bislang einmalig auf einem Kreuzfahrtschiff sind die ausfahrbaren, gläsernen Balkone jeweils seitlich des Pooldecks. Dabei öffnet sich das rundum verglaste Pooldeck und schiebt jeweils eine ebenfalls rundum verglaste Glas-Plattform über die Bordwand hinaus nach außen und gewährt so einen Blick auch auf die 14,3 Meter tiefer liegende Meeresoberfläche.

Glasbalkon
Glasbalkon

Besonders wichtig war Hapag-Lloyd Cruises bei der Planung, dass die neuen Expeditions-Kreuzfahrtschiffe möglichst überall einsetzbar sind. Das bedeutete vor allem, die für Passagierschiffe höchst mögliche Eisklasse PC6 – mit hohem Aufwand vor allem beim Stahlbau – und eine hohe Reichweite für lange, autonome Fahrtrouten. 15 bis 20 Tage Seeausdauer seien in der Branche üblich, erläutert Neubau-Projektleiter Henning Brauer. Die Hanseatic Nature jedoch erreiche 36 Tage ohne Nachschub an Treibstoff, Proviant und Wasser. Kein anderes Kreuzfahrtschiff außer der Bremen erreiche einen solchen Wert, sagt Brauer.

Hanseatic Nature in Hamburg-Altona
Hanseatic Nature in Hamburg-Altona

Kleine Seitenhiebe auf andere Reedereien, die derzeit ihr Expeditionsgeschäft erweitern oder neu in diesem Markt gehen, können sich Brauer und Hapag-Lloyd Cruises‘ CEO Karl Pojer nicht verkneifen. Pojer: „Expedition lässt keinen Spielraum für Experimente.“ Deshalb sei viel Erfahrung und die beste Technik sehr wichtig.

Warum die Hanseatic Nature weder Hubschrauber noch U-Boot hat

Einige der angekündigten, neuen Expeditions-Kreuzfahrtschiffe anderer Reedereien haben spektakuläre Features wie kleine U-Boote oder Hubschrauber. Hapag-Lloyd Cruises hat jedoch darauf verzichtet.

Der für die Neubauten bei Hapag-Lloyd Cruises zuständige Projektleiter Henning Brauer erklärt die Gründe dafür: „Wir haben auf ziemlich wenig verzichtet, aber wir haben überlegt: Was hilft dem Gast und dem Reiseerlebnis? Und was ist ein reines Katalog-Gimmick?“

„Was hilft dem Gast und dem Reiseerlebnis? Und was ist ein reines Katalog-Gimmick?”

„Zwei Sachen, gegen die wir uns entschieden haben, waren ein U-Boot oder auch Hubschrauber, die natürlich im ersten Augenblick erst einmal gut klingen. Aber wenn man dann tatsächlich durchdenkt, wie das im Schiffsbetrieb aussieht: Wenn Sie einen Hubschrauber starten wollen, müssen Sie erst einmal alle Außendecks schließen, für längere Zeit. […] Das sieht in Drohnen-Filmen, in der Vermarktung toll aus, wenn ein Hubschrauber über die Antarktis fliegt. Aber die 20.000 Pinguine in der Pinguin-Kolonie werden sich herzlich bei Ihnen bedanken, wenn Sie da drüber rauschen.“

„In vermindertem Maß haben Sie dasselbe mit einem U-Boot, wo auch immer nur ein Bruchteil der Gäste mitfahren kann. Wir haben solche Dinge angedacht und überlegt, was wir dafür auf dem Schiff opfern müssten und kamen zu dem Schluss, dass wir in diesem Raum an Bord andere Dinge bauen können, die dem Gast deutlich höheren Mehrwert bieten.“

Nature Walk: Deckumlauf für Passagiere am Bug

Ein besonderes Feature der Hanseatic Nature ist auch der „Nature Walk“ genannte Deckumlauf am Bug. Entlang der Bordwand auf einem erhöhten Stahl-Steg über dem Arbeitsdeck können Passagiere hier seitlich und bis ganz nach vorne an den Bug laufen.

Bug-Umlauf "Nature Walk"
Bug-Umlauf „Nature Walk“

Wem das zu intensiv oder zu nahe am Eis ist, findet auf Deck 9 ein großflächiges Außendeck mit freiem Blick nach vorne und optional einen Bereich in zweiter Reihe durch eine Glaswand windgeschützt. Wer es ganz bequem haben möchte, hat den Blick nach vorne aus der Observation Lounge direkt darunter. Wie bei Hapag-Lloyd Cruises üblich, steht außerdem die Brücke in der Regel für Passagiere offen.

Bug-Umlauf "Nature Walk"
Bug-Umlauf „Nature Walk“

Auch seitlich und zum Heck hin gibt es Außenflächen, beispielsweise auf Deck 9 sowie hinter der „Ocean Academy“ auf Deck 8. Laut Hapag-Lloyd Cruises hat die Hanseatic Nature so viel offene Decksflächen wie kein anderes Expeditionsschiff.

Entertainment

Entertainment bedeutet auf Expeditions-Kreuzfahrtschiffen vor allem: Natur-Erlebnis, Informationsvermittlung und Experten-Vorträge. Dafür gibt es vor allem die Ocean Academy mit interaktiver Video-Wand sowie das sehr wandelbare „Hanseatrium“.

Hanseatrium-Lounge
Hanseatrium-Lounge

Das Hanseatrium kombiniert Lounge, Bar und Vortragsraum und lässt sich durch variable Raumteiler recht flexibel nutzen. Besonders fallen hier die riesigen Video-Displays auf –als Projektionsfläche für Vorträge, aber auch als Design-Elemente, die sich je nach Fahrtgebiet anpassen lassen. Für kalte Fahrtgebiete sieht man hier beispielsweise eine Eislandschaft, durch die Vögel flattern.

Das großflächige Display an der Decke simuliert den Blick aus einem U-Boot nach oben, über das beispielsweise Wale oder Delphine hinwegziehen.

Hanseatrium-Lounge
Hanseatrium-Lounge

Spätestens am Abend wird das Hanseatrium dann zur Bar und Lounge.

Hanseatrium-Lounge
Hanseatrium-Lounge

Angrenzend gibt es mit der „Invisible Lounge“ übrigens auch einen kleinen Raum für Raucher. Denn rauchen ist an Bord der Hanseatic Nature ansonsten nur noch in einem und ausgewiesenen Raucherbereich am Pooldeck erlaubt. Und das für ein internationales Publikum ausgerichtete Schwesterschiff Hanseatic Inspiration soll von 2020 an (ab Reisenummer INS2020) sogar komplett zum Nichtraucher-Schiff werden, auch auf den Außendecks.

Die „Ocean Academy“ ist unter anderem der Raum für Passagiere, die sich hin und wieder selbst informieren wollen und vielleicht nicht immer zu den Vortragsterminen uns Hanseatrium gehen wollen. Auf einer 6 mal 1,8 Meter großen Touch-Screen-Wand lassen sich individuell Artikel, Steckbriefsammlungen, Videos und Biografien abrufen, die vom Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel erstellt werden.

Ocean Academy
Ocean Academy

Wer seine Recherchen etwas weniger öffentlich durchführen will, kann dies auch in einem der „Study Seats“ genannten Sessel mit eingebautem Display tun, wo die gleichen Informationen verfügbar sind. Daneben gibt es in der Ocean Academy auch einen Bereich zum Mikroskopieren.

Observation Lounge
Observation Lounge

Die Observation Lounge auf Deck 8 mit 180-Grad-Blick nach vorne und zur Seite ist zugleich Bar, Bibliothek und eben Aussichtslounge – inklusive Piano und in der Mitte einem großen Relief-Globus, der noch von der alten „Hanseatic“ stammt.

Anmerkung*: Cruisetricks.de reiste zum Ship Visit auf der Hanseatic Nature in Hamburg auf Einladung von Hapag-Lloyd Cruises.

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Cruisetricks.de reiste zum Ship Visit auf der Hanseatic Nature in Hamburg auf Einladung von Hapag-Lloyd Cruises.

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1 Kommentar zu “Hanseatic Nature – Alle Details zu Hapag-Lloyd Cruises‘ neuer Expeditionsschiff-Generation

  1. Als ehemaliges “ Hanseatic“ Crewmitglied kann man nur gratulieren! Leider werden die Preise ziemlich hoch sein.

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