Viele Tiere haben wir auf der Grönland-Expedition mit der Fridtjof Nansen bislang nicht gesehen, doch heute ändert sich das: Es ist der Tag der Moschusochsen und der Krabbentaucher – beides auf ihre Art sehr beeindruckende Tiere.
700 Meter hoch ragen die Klippen rund um den Foulke-Fjord auf, an dessen Ende sich mit Etah die seit 1953 verlassene, aber einst nördlichste Ansiedlung Grönlands befindet: Breitengrad 78° 18‘ 50‘‘, knapp 1.300 Kilometer vom Nordpol entfernt. Aktuell ist Soirapaluk 75 Kilometer südöstlich von Etah die nördlichste bewohnte Siedlung.

Etah ist geschichtlich bedeutsam, weil es, nur etwa 50 Kilometern von Kanada entfernt, einst Ausgangspunkt einiger Nordpol-Expeditionen war, unter anderem von Robert Edwin Peary und Knud Rasmussen.

Die Fridtjof Nansen bezieht am Ende des Fjords Position und wir erkunden den Fjord zunächst per Zodiac und am Nachmittag mit einer Anlandung bei den drei noch erhaltenen Jagdhütten, die offenbar nach wie vor genutzt werden.




Es ist der Tag der Moschusochsen: Wir sehen zwei mächtige Bullen und weiter oben am Berg eine Gruppe von 18 Tieren, darunter auch drei Jungtiere und dazu noch einmal zwei große Tiere auf der anderen Seite auf einer steilen Wiese.

Die gemächlich wirkenden Zotteltiere tragen noch Reste ihres dichten und langen Winterfells, das im Wind flattert. Moschusochsen sind übrigens mehr mit Ziegen als mit Rindern verwandt. Zu nahe kommen sollte man ihnen aber nicht, denn die Kraft und Geschwindigkeit vor allem der Bullen darf man nicht unterschätzen.







Ein Schneehase hoppelt in einem der Steilhänge herum. Er ist zwischen Steinen und Schneeflecken kaum auszumachen und aus der Distanz ist das kleine Tier nur schwer im Foto festzuhalten, aber für ein Beweisfoto leistet mein neues 550mm-Teleobjektiv dennoch gute Dienste.

Der Himmel über dem Fjord schwirrt vor Vögeln, die eine ständige Geräuschkulisse erzeugen. Vor allem die kleinen, schwarz-weißen Krabbentaucher nisten im Geröll an den Klippen. Es müssen zehntausende der hübschen, kleinen Tiere sein, die immer wieder in großen Schwärmen auffliegen, vor allem wenn sich Möwen ihren Brutkolonien nähern. Bei so vielen Vogelnestern muss es auch Polarfüchse geben, aber zu Gesicht bekommen wir keinen von ihnen.










Ihre Flugmanöver in großen Schwärmen faszinieren, weil sie vor den Klippen nur dann zu sehen sind, wenn man den weißen Teil des Gefieders sieht, sodass sie bei ihren Schwarmflügen scheinbar aus dem Nichts auftauchen und genauso schnell wieder nahezu unsichtbar werden.

Bei der Anlandung am Nachmittag wandern wir ein kleines Stück über feuchte Wiesen und einen kleinen Hügel bis zum Gletschersee und dem Gletscher namens „Brother John“ am Ende des Tals.




