MS-Europa-Kochbuch: „Geniessen auf den Weltmeeren“

Wer Freude an wirklich aufwändigem Kochen hat, für den ist das Kochbuch der MS Europa „Genießen auf den Weltmeeren genau richtig. Auch erfahrene Hobbyköche finden einige echte Herausforderungen: Wenn ein relativ einfach klingendes Rezept über 50 Zutaten braucht (Dreierlei Curry mit Zitronenreis) oder der dritte Satz eines Rezepts „Die Zitronen nun für mindestens 6 Wochen im Kühlschrank ziehen lassen“ lautet, dann wird sofort klar: Für Anfänger und Leute, die schnell fertig werden wollen, ist das Kochbuch ziemlich ungeeignet.

ANZEIGE

Eine Herausforderung ist teils auch die Beschaffung der Zutaten und ist Teil des Gourmet-Abenteuers, auf das man sich mit diesem Kochbuch einlässt. Beispiele: Bush Dust (australisches Gewürz), Suwalki-Zander oder Rochenflügel. Und zur Krönung wird auch schonmal mit Blattgold dekoriert.

Man merkt „Geniessen auf den Weltmeeren“ an, dass das Kochbuch von der MS Europa stammt – dem 5-Sterne-Plus-Flaggschiff von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten mit dem Wohlfahrt-Schüler Stefan Wilke als Küchenchef. In den Rezepten steckt viel Liebe zum Detail gepaart mit hohen Ansprüchen an den Koch.

Struktur des MS-Europa-Kochbuchs

Das MS-Europa-Kochbuch stellt am Anfang nur kurz Küchenchef Stefan Wilke in einem Portrait vor, dann geht‘s auch schon zur Sache. Das Kochbuch ist nach Regionen sortiert und beginnt jeden Teil mit eine Vorstellung der jeweiligen Region und ihren kulinarischen Besonderheiten. Zwischen den Regionen finden sich über das Kochbuch verteilt immer wieder mehrseitige Artikel, beispielsweise über die Kunst, auf einem Schiff in Sternequalität zu kochen, die Lebensmittel-Logistik und die Weinlagerung an Bord.

Die Rezepte selbst sind innerhalb der Regionen und Länder in der typischen Reihenfolge Vorspeise, Suppe, Hauptgericht, Zwischengericht, Dessert sortiert, Menü-Vorschläge enthält das Buch nicht.

Gerichte und Niveau

Aufwändig und lecker: Escabeche vom Lachs
Aufwändig und lecker: Escabeche vom Lachs

In der Einleitung haben wir es schon angesprochen: Für den Koch sind die Gerichte teils sehr aufwändig umzusetzen, doch für seine Gäste ist das Ergebnis auch ein kulinarisches Highlight – wenn der Koch sein Handwerk versteht. Für mich überraschend ist, dass die Gerichte ganz und gar nicht abgehoben daherkommen, sondern spannende Varianten bekannter Gerichte ebenso wie neue Ideen ohne übertriebene Küchenchef-Allüren präsentiert werden, die nur auf Effekt zielen würden. Blättert man durch die insgesamt rund 60 Rezepte, gibt es kaum eine Seite, die man unbeachtet umschlägt. Reizvoll klingt fast alles, was man in dem Kochbuch findet – vom Polynesisch-Französischen Bananenbrot über die argentinische Kartoffel-Melonen-Suppe bis zur Holsteiner Ente mit Rotkohl. Das Kochbuch enthält 5 Suppen, 9 Vorspeisen, 25 Hauptgerichte, 12 Zwischengerichte und 11 Desserts.

Wie gut sind die Rezepte beschrieben?

Die Rezepte sind sehr gut beschrieben, sodass auch aufwändige Gerichte mit etwas Geschick und vor allem viel Geduld gelingen. Zudem finden sich in den Rezepten immer wieder die entscheidenden Tipps zum Gelingen eines Gerichts, die man in vielen anderen Kochbüchern vermisst. Zu den meisten Rezepten zudem noch einen Weintipp.

Was wir gekocht haben

  • Ingwer-Lauch-Suppe
  • Escabeche vom Lachs mit Jasminreis und Sojaglasur
Ingwer-Lauch-Suppe mit schon etwas versunkener Deko
Ingwer-Lauch-Suppe mit schon etwas versunkener Deko
ANZEIGE

Die Ingwer-Lauch-Suppe ist eigentlich recht schnell zubereitet und hat eine sehr feine, gar nicht aufdringliche Ingwer-Kokosnuss-Note. Was das Rezept aufwändig macht ist die Dekoration, die wir natürlich für unseren Test streng nach Anleitung zubereitet haben. Im Alltag würde die Deko wohl wegfallen, denn Tomatenhaut und Ingwerscheiben trocknen sowie Stroh aus Lauchstreifen zu frittieren, macht zwar einmal Spaß, der Zeitaufwand ist im normalen Leben aber viel zu groß. Erfreulicherweise schmeckt die Suppe auch ohne die Deko sehr lecker. In unserem Test war die Suppe am Ende dann übrigens nicht dick genug, sodass die aufwändig hergestellte Dekoration ziemlich flott versank ;-).

Ganz ähnlich ging es uns mit der Escabeche vom Lachs – Kartoffelstreifen auf einem Kochlöffel aufgewickelt zu frittieren ergibt zwar eine raffinierte Deko, aber die Nerven und der Zeitaufwand, bis das erledigt ist, stehen nicht dafür. Tolle Deko im Spitzen-Restaurant, für zuhause einfach weglassen. Die Sojasauce zum Lachs ist dafür extrem lecker und macht aus einem einfachen Lachssteak ein sensationelles Gericht. Die Herstellung der Sauce ist zwar ebenfalls nicht ganz einfach, die Aufwand lohnt sich aber absolut. Ein Vorteil des Gerichts: Mit etwas Planung kommt man nicht in Stress, denn die meisten Bestandteile lassen sich gut vorbereiten. Lediglich Lachs und Wokgemüse muss man am Ende gleichzeitig bewältigen.

MS Europa: Geniessen auf den Weltmeeren

Stephan Wilke, Lutz Jäkel
Umschau Buchverlag, Neustadt/Weinstraße
ISBN 978-3-86528-655-0
34,90 €
Amazon.de: Genießen auf den Weltmeeren

1 Kommentar zu “MS-Europa-Kochbuch: „Geniessen auf den Weltmeeren“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.