Kreuzfahrtschiff

„No Sail Order“ der CDC läuft aus: kein absolutes Kreuzfahrtverbot mehr in den USA

Ab 1. November 2020 gibt es in den USA kein ausdrückliches Kreuzfahrtverbot mehr. Die US-Gesundheitsbehörde lässt die bisherige „No Sail Order“ auslaufen und ersetzt sie durch ein striktes Regelwerk für den Neustart. Mit den ersten Kreuzfahrten in US-Gewässern ist aber dennoch frühestens im Dezember zu rechnen.

Update 3.11.: Inzwischen haben alle wesentlichen US-Reedereien die Saison 2020 aufgegeben und alle Reisen bis Ende des Jahres abgesagt.

Die bisherige „No Sail Order“, die am 31. Oktober 2020 ausläuft, wird nicht verlängert. An ihre Stelle tritt eine neue „Conditional Sailing Order“. Sie erlaubt Kreuzfahrt-Reedereien, im Rahmen eins strengen und umfassenden Regelwerks von 1. November an wieder Kreuzfahrten in US-amerikanischen Gewässern anzubieten. Die Rahmenbedingungen dafür definiert die Gesundheitsbehörde in einem 40seitigen Papier (PDF-Link).

Die Aktienkurse von Carnival Corp., Royal Caribbean Group und Norwegian Cruise Line Holdings, die in Erwartung der Entscheidung der CDC über die „No Sail Order“ in den vergangenen Tagen gesunken waren, erholten sich nach Bekanntgabe der neuen Regeln.

Auch wenn mit der CDC-Entscheidung ab 1. November jetzt grundsätzlich der Weg frei ist für Kreuzfahrten von US-Häfen aus, dürften die ersten Schiffe wohl frühestens im Dezember wieder mit Passagieren in See stechen. Denn die Reedereien müssen zunächst im mehreren Stufen und mit Test-Kreuzfahrten ohne Passagiere unter Beweis stellen, dass sie ihre Infektionsschutz- und Sicherheitskonzepte umsetzen können. Auch müssen die Schiffe nach dem langen Aufliegen seit Mitte März zunächst wieder in einen fahrfähigen Zustand versetzt und mit Crew besetzt werden.

Die „Conditional Sailing Order“ gilt vorerst für ein Jahr, also bis 1. November 2021. Die Restriktionen könnten allerdings früher wegfallen, wenn die CDC sie von sich aus früher aufhebt oder für den Fall, dass die US-Regierung Covid-19 nicht mehr als nationaler Gesundheitsnotstand definiert.

Kreuzfahrten in US-Gewässern nur mit „Covid-19 Conditional Sailing Certificate“

Voraussetzung für Kreuzfahrten von US-Häfen und in amerikanischen Gewässern ist ein sogenanntes „Covid-19 Conditional Sailing Certificate“. Diese Genehmigung ihrer Gesundheits- und Sicherheitskonzepte müssen die Reedereien bei der CDC beantragen. Die Gesundheitsbehörde behält sich dabei ausdrücklich vor, die Zertifikate nachträglich ändern oder sogar ganz widerrufen zu können.

Die wichtigsten Rahmenbedingungen der „Conditional Sailing Order“:

  • Die CDC behält sich vor, so ziemlich alle wichtigen Rahmenbedingungen für die Kreuzfahrten vorzugeben, beispielsweise Passagier- und Crew-Kapazität, Fahrtrouten und angelaufene Häfen, Aktivitäten an Bord.
  • Vor dem Neustart müssen die Reedereien eine Reihe von simulierten Kreuzfahrten ohne Passagiere durchführen, insbesondere sind dabei Übungen für Infektionsgeschehen an Bord vorgeschrieben.
  • Die Länge der Kreuzfahrten von US-Häfen aus ist auf maximal sieben Nächte begrenzt und die CDC behält sich das Recht vor, Reisen zu verkürzen.
  • Die CDC kann Kreuzfahrten sofort abbrechen und das Schiff in den Ausgangshafen in den USA zurückbeordern, wenn Covid-19-Fälle an Bord auftreten.
  • Covid-19 für Passagiere und Crew müssen am Tag der Einschiffung und für die Crew in der Folge wöchentlich. Corona-Tests sind auch bei der Ausschiffung nötig.
  • Beim Infektionsschutz an Bord schreibt die CDC im Wesentlichen die gleichen Maßnahmen vor, die bei Neustart der Schiffe in Europa bereits praktiziert werden. Beispielsweise müssen Grundregeln wie Händewaschen, Masken und Social Distancing eingehalten werden, Restaurants und Entertainment müssen angepasst werden, um Social Distancing sicherzustellen. Neu aufsteigende Crew müssen einen PCR-Test bestehen sowie eine 14tägige Quarantänephase an Bord durchlaufen.
  • Im Falle von Coronafällen an Bord muss die Reederei die Ausschiffung von Passagieren und Crew mit privaten Transportmitteln organisieren, darf dabei also nicht auf öffentliche Verkehrsmittel wie Linienflüge oder Taxis zurückgreifen.

Insgesamt betont die CDC an mehreren Stellen die Bedeutung von Schutzmaßnahmen für die Crew vor Covid-19-Infektionen sowie den Schutz der amerikanischen Öffentlichkeit vor Infektionen sowie einer Belastung öffentlicher Haushalte und des Gesundheitswesens.

Einfluss des Präsidentschaftswahlkampfs auf die „No Sail Order“

Dem Ende der „No Sail Order“ war eine auch über die Medien ausgetragener Streit zwischen der US-Regierung und der Gesundheitsbehörde CDC vorausgegangen. Letztere hatte eigentlich die Verlängerung des Kreuzfahrtverbots bis Ende Februar 2021 geplant, wurde von der Regierung aber angewiesen, sie nur noch bis zum 31. Oktober aufrechtzuerhalten.

Bei dieser Anweisung dürfte eine Rolle spielen, dass der Bundesstaat Florida mit den drei größten Kreuzfahrthäfen der Welt und zahlreichen Arbeitsplätzen in der Kreuzfahrtindustrie zu den „Swing States“ im Präsidentschaftswahlkampf zählt und wesentlich über den Ausgang der Wahl mitentscheidend sein könnte. Präsident Donald Trump verspricht sich vom Ende des Kreuzfahrtverbots offenbar zusätzliche Wählerstimmen in Florida. Entsprechende Lobbyarbeit hatten in den vergangenen Wochen sowohl der Gouverneur von Florida als auch die Reedereien selbst in Washington betrieben.

Mit dem Austausch der „No Sail Order“ gegen die neue „Conditional Sailing Order“ lässt sich die CDC jedoch eine große Hintertür offen, um im Falle einer Wahlniederlage von Donald Trump wieder deutlich restriktiver agieren zu können. Den Neustart der Kreuzfahrt kann die CDC damit zwar nicht gänzlich verhindern, wohl aber erschweren oder hinauszuzögern, auch ohne ein formelles Kreuzfahrt-Verbot auszusprechen.

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