Reederei-Check: Neues auf den Kreuzfahrtschiffen von Costa

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Gourmet-Eiscreme, Molecular-Cocktails, die Kochshow „Bravo Chef“, ein neues Menü von Sternekoch Bruno Barbieri: Bei Costa gibt es zurzeit vor allem kulinarische News. Während meiner Kurzreise auf der Costa Pacifica Anfang April 2017 habe ich mir die Neuerungen genauer angesehen.

Costa Pacifica im Hafen von Marseille
Costa Pacifica im Hafen von Marseille

Das Konzept „Italy’s Finest“ peppt Costa gerade vor allem mit Kulinarischem auf. Sternekoch Bruno Barbieri, Eis-Weltmeister Diego Crosara, TV-Show-Highlight „Bravo Chef“, Markenkooperationen mit Ferrari-Sekt, Campari, Fabbri, eigene Mozarella-Produktion: Die Schiffe sollen möglichst viel „typisch Italien“ mit an Bord haben.

Eiscreme vom Weltmeister

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Altmodisch-nostalgisch von einem mobilen Eiswagen aus wird die Eiscreme des Weltmeisters 2016 für Eiscremespezialitäten, Diego Crosara, serviert. Insgesamt 18 seiner Eiscreme-Sorten werden an Bord der Schiffe aus Basiszutaten zubereitet – also nicht nur aus Pulver zusammengerührt. Frisch und natürlich seien die Zutaten betont Costa, und vor allem ohne Zusatz- oder Farbstoffe.

Kostenlos gibt‘s das Premium-Eis allerdings nicht: 1,50 Euro kostet eine große Kugel, jede weitere ein Euro. Der Preis lohnt sich, denn das Eis ist erstklassig – und wer cruisetricks.de regelmäßig liest, der weiß, dass ich bei Eiscreme verwöhnt und anspruchsvoll bin. Probiert habe ich Schoko und Pistazie.


Schokoladeneis ist die hohe Kunst, etwas Besonders zu kreieren, ohne zu übertreiben. Hier gelingt Diego Crosara ein wunderbar eigener Geschmack mit einem Hauch von Gewürzen, ohne aber den Schoko-Geschmack zu überdecken. Und beim Pistazieneis kann ein Eismacher beweisen, dass er sein Handwerk versteht, indem er einen intensiven Pistazien-Geschmack ohne jeglichen chemisch wirkenden Beigeschmack hinbekommt. Beide Eissorten haben mich rundum überzeugt.

Bislang gibt es Crosaras Eis bereits auf der Costa Diadema und jetzt auch auf der Costa Luminosa und Costa Favolosa. Die Luminosa ist im Sommer 2017 im östlichen Mittelmeer unterwegs, die Costa Favolosa ab Warnemünde und Kopenhagen nach Norwegen. Auf der Costa Pacifica, die hauptsächlich von Hamburg aus nach Norwegen fährt, gibt es das neue Eis noch nicht.

Neues Menü von Sternekoch Bruno Barbieri

Zum zweiten Mal hat der italienische Sterne- und TV-Koch Bruno Barbieri ein Gala-Menü für die Costa-Flotte entwickelt. An einem Abend pro Reise wird dieses Menü im Hauptrestaurant serviert.

Bruno Barbieri erklärt sei neues Menü
Bruno Barbieri erklärt sei neues Menü

Im Gespräch mit Barbieri merkt man, welch‘ große Herausforderung es für einen Sternekoch ist, ein Menü für Kreuzfahrtschiff zu entwerfen, das sowohl seinen hohen Anforderungen genügen soll, als auch in den großen Mengen an Bord eines Schiffs umsetzbar ist und im Budget bleibt, das nachvollziehbarerweise deutlich niedriger ist als für ein 100-Euro-Menü in einem Sterne-Restaurant.

Kompromisse sind da unvermeidlich, aber auch in Ordnung – schließlich geht es eben um ein Menü fürs kostenlose Hauptrestaurant eines Kreuzfahrtschiffs und nicht für einen Gourmet-Tempel. Bruno Barbieri hat offenbar vor allem Wert darauf gelegt, traditionsbewusste, italienische Küche mit neuen Elementen zu kombinieren und dabei dem Prinzip der wenigen, einfachen Zutaten jedoch mit perfekter Zubereitung treu zu bleiben. Außerdem, so Barbieri, verwende er gerne auch typische Zutaten einer Region, die überregional weniger bekannt seien. Und bei teuren Zutaten? Einfach etwas weniger nehmen, dann passt es ins Budget.


Das Ergebnis (Details siehe Speisekarten bei den Fotos) ist ein ziemlich leckeres Menü, bei dem mich persönlich das lauwarme Schoko-Walnuss-Törtchen zum Dessert am meisten begeistert hat – da kann kaum ein anderes Schoko-Dessert mithalten, das ich bislang auf einem Kreuzfahrtschiff gegessen habe. Die Lammrippchen waren zwar geschmacklich exzellent und sehr fein gewürzt, ich hätte aber ein etwas schärferes Messer gebraucht. Nettes Detail: In der Speisekarte gibt es kurze Erklärungen von Bruno Barbieri zu den Besonderheiten des jeweiligen Gerichts.

Molecular und Solid Cocktails

"Making of" Molecular Cocktails
„Making of“ Molecular Cocktails

Nicht unbedingt typisch italienisch sind Molecular Cocktails und Solid Cocktails. Italienisch wird das Ganze, weil der Kooperationspartner dazu eine italienische Institution ist: Die Marke Fabbri kennen die meisten von dem mit Amarena-Kirschen gefüllten, bauchigen, weißen Glas mit dunkelblauem Design. Fabbri ist vor allem aber Patisserie-Zulieferer und hat seit einiger Zeit auch die Basis für Molecular- und Solid Cocktails im Programm. Einfach formuliert: ein Pulver aus Algenextrakt, mit dem sich Flüssigkeiten in Gelee verwandeln lassen. Oder auch in die für Molekularküche typischen Perlen mit geleeartiger Außenhaut und flüssigem Kern.

Während der Reise auf der Costa Pacifica zeigt uns der Markenbotschafter von Fabbri, Alessandro Callani, die Kunst der Molucular Cocktails und lässt uns auch die Solid Cocktails probieren.


Überraschend lecker sind dabei vor allem die Solid Cocktails. Das sind tatsächlich in Gelee manifestierte Drinks, die sich vom flüssigen Original nur dadurch unterscheiden, dass man sie eben mit einer kleinen Plastik-Gabel isst, statt daran zu nippen. Geschmacklich sind sie dagegen vielleicht sogar etwas intensiver als die flüssigen Vorbilder.

Geschmacks-Perlen in Sekt

"Making of" Molecular Cocktails
„Making of“ Molecular Cocktails

Die Molecular Cocktails haben dagegen eher Gag-Charakter: So verwandelt der Barkeeper mit Hilfe eines speziellen, geschmacksneutralen Altenextrakts beispielsweise Campari oder Kokosnuss-Creme in fingernagelgroße Perlen, die innen flüssig sind und außen von einer Gelee-Haut überzogen sind. Im Cocktail entfalten sie ihren Geschmack erst, wenn man sie mit der Zunge am Gaumen zum Platzen bringt – und das ist dann auch der Spaß daran.

Recht witzig sind auch die wie Kaviar aussehenden Miniperlen, die auf gleiche Weise funktionieren wie ihre großen Schwestern. Jedoch sind sie so klein, dass sie in Sekt oder Champagner durch die Kohlensäure langsam nach oben steigen und im Cocktail schweben, der dann ein wenig wie eine Lava-Lampe aussieht.


Die Molecular und Solid Cocktails gibt es flottenweit in jeweils einer der Bars an Bord. Bei der Costa Pacifica ist das die Bar „Wien Wien“. Preislich liegen die Molecular Cocktails und Solid Cocktails bei jeweils 7,95 Euro.

Neue Koch-Shows „Bravo Chef“

Bravo Chef: The Show
Bravo Chef: The Show

Was im TV seit Jahren boomt, ist auch auf Kreuzfahrtschiffen ein wichtiger Teil des Entertainments. Bei Costa gibt es zwei neue Koch-Shows in Kooperation mit der italienischen TV-Show „Bravo Chef“, die das Thema mit viel Ernsthaftigkeit und weniger Klamauk angehen, als das andere Reedereien teils tun: Es geht vorwiegend um italienisches Kochen.

„Bravo Chef: The Show“ ist ein Format, bei dem es vor allem darum geht, Küchenchefs beim Kochen in den Topf zu schauen, Tricks und Feinheiten der italienischen Küche zu lernen. Eines von 18 regionalen, italienischen Gerichten bereiten die Köche live auf der Theater-Bühne zu – beispielsweise ein Risotto mit Pecorino und Birnen. Die Rezepte gibt’s für die Passagiere zum mitnehmen.


Bei „Bravo Chef: The Battle“ treten Passagiere gegeneinander an und versuchen, die Jury von ihren Kochkünsten zu überzeugen. Der Sieger bekommt den Titel „Bravo Chef for a day“ und eine Dinner-Einladung in ein Spezialitätenrestaurant an Bord.

„Bravo Chef“ feierte auf der Costa Pacifica im November 2016 Premiere und ist inzwischen auch auf der Costa Fascinosa, Deliziosa, Magica, Favolosa, Diadema, Luminosa und Mediterranea im Programm.

Mozzarella, frisch an Bord hergestellt

hausgemachter Mozzarella
hausgemachter Mozzarella

Nicht mehr ganz neu, aber dennoch erwähnenswert: Costa stellt Mozzarella inzwischen frisch an Bord her. Oft sind es die Details, die gute italienische Küche ausmachen, und nicht die großen Gesten, die Italiener sonst so lieben. Ein frischer Mozzarella schmeckt eben besser als industriell gefertigter, abgepackter. Aldi-Mozzarella mag für die Pizza völlig okay. Aber für den Insalata Caprese mit süßen, reifen Tomaten und duftendem Basilikum braucht es eben auch richtig guten, möglichst frischen Mozzarella. Ein kleines, aber wesentliches Detail.

Programm gegen „Food Waste“

Bestellung im Restaurant via Smartphone-App
Bestellung im Restaurant via Smartphone-App

Was im Restaurant auffällt: Die Kellner nehmen die Bestellung inzwischen per Smartphone-App auf. Das ist, wie wir von Costa-Chef Neil Palomba erfahren, Teil eines Programms gegen „Food Waste“ – der Versuch, die Menge der Essensabfälle deutlich zu reduzieren. Dazu gehört im ersten Schritt, Essensbestellungen statistisch genau zu erfassen und Abfälle in der Galley per Waage zu erfassen, um genauer zu wissen, wie, wo und wie viel Essensabfälle entstehen.

Im zweiten Schritt soll mit Hilfe der gewonnenen Erkentnisse an einer Reduzierung der Essensabfälle gearbeitet und die Passagiere vor allem in den Buffet-Restaurants für das Thema sensibilisiert werden. Auch eine Abgabe von überzähligen Lebensmitteln an Hilfseinrichtungen an Land ist geplant – was freilich einfacher klingt, als es ist. Hier gilt es, zahlreiche gesetzliche Hürden zu überwinden. Denn so absurd es ist: Oftmals müssen Lebensmittel-Reste von Kreuzfahrtschiffen an Land als Sondermüll behandelt werden.

Smart Ship? – „‘human touch‘ ist unersetzlich“

Die Erfassung der Essensbestellungen per Smartphone-App klingt wie der erste Schritt zu einem Smart-Ship-Konzept, wie es Royal Caribbean International schon praktiziert, MSC und die Marken der Carnival Corp. demnächst einführen: eine Automatisierung vieler Interaktionen mit dem Passagier.

Neil Palomba, President Costa Crociere
Neil Palomba, President Costa Crociere

Neil Palomba, President Costa Crociere, hat zu diesem Thema allerdings eine andere Strategie: Außerhalb des nautisch-technischen Bereichs werde es bei Costa kein „Smart Ship“ geben, sagte er an Bord der Costa Pacifica auf die Frage eines italienischen Journalisten. „Wir halten den ‚human touch‘, die persönliche Betreuung der Gäste für unersetzlich.“

Neil Palomba hat zwar weder gesagt noch angedeutet, dass er das als kleine Spitze gegen MSC meint; doch diese Interpretation liegt nahe. Allerdings hat gerade MSC bei der Service-Qualität in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt und ist meinem Erleben nach bei der Servicequalität zumindest in den Restaurants gleichauf mit Costa.

Interessant wird also vor allem, ob die Automation bei den Reedereien mit „Smart-Ship“-Konzept zu einem Abbau der Service-Interaktion mit dem Passagier führen wird, oder ob die Automation – so wie es die Reedereien versprechen – eher die Crew entlastet und dadurch mehr sogar persönliche Zeit für den Passagier bleiben wird.

„Pepper“ begeistert vor allem Kinder

Pepper in Aktion
Pepper in Aktion

Auf der Costa Diadema bereits seit 2016 im Einsatz (ebenso wie auf der AIDAprima), kommt der niedliche Roboter „Pepper“ künftig auch auf der Costa Pacifica und Costa Mediterranea zum Einsatz. Der kleine Kerl ist eine wahre Frohnatur und begeistert vor allem Kinder. Aber auch Erwachsene machen gerne mal einen Stopp bei dem kleinen, weißen Roboter mit den großen Augen.

Pepper ist 120 cm groß und wiegt 28 Kilogramm, bewegt sich auf drei kleinen Rädern übers Schiff und hat insgesamt 17 Gelenke, vor allem in den Armen und Fingern, die für recht menschenähnliche Bewegungen sorgen. Und natürlich kann Pepper sprechen. Mit einer 3D-Kamera erfasst Pepper Menschen, die vor ihm stehen und kann so eine recht menschliche Art der Kommunikation simulieren. Außerdem hat der kleine Roboter einen Zehn-Zoll-Touchscreen, auf dem Informationen schnell angezeigt werden können.


Die liebenswerte Maschine ist eine Mischung aus Auskunftsbüro und Entertainment – also so etwas wie ein interaktiver Infoscreen neuer Generation mit Charme und Entertainer-Qualitäten. Costa und AIDA planen, Pepper nach und nach auf immer mehr Schiffe einzusetzen.

Trinkgeld im Reisepreis inklusive

Besonderes Aufsehen hat Costa kürzlich bei einem besonders heiklen Thema erregt: Das Trinkgeld beziehungsweise Service-Entgelt, derzeit 10 Dollar pro Passagier und Tag, wird demnächst im Reisepreis bereits enthalten sein. Allerdings gilt das nur für Buchungen in Deutschland und Österreich, jedoch nicht für die Schweiz oder andere Länder.

Trinkgeld für guten Service: für Deutsche im Reisepreis inklusive
Trinkgeld für guten Service: für Deutsche im Reisepreis inklusive

Durch die strenge Rechtslage in Deutschland und in Folge eines Urteils des Bundesgerichtshofs hatte Costa das Service-Entgelt bereits vor rund einem Jahr für deutsche Kunden von verpflichtend auf freiwillig umgestellt.

Die Spezial-Regelungen für Deutschland haben sich jedoch als nicht unproblematisch erwiesen: Wollen beispielsweise Österreicher und Deutsche gemeinsam verreisen, fällt das Trinkgeld bei Buchung in einem österreichischen Reisebüro für die Deutschen dennoch an. Andererseits sind die Reisepreise in Deutschland entsprechend höher als in den Nachbarländern.

Costa-President Neil Palomba kündigte daher für die nahe Zukunft eine europaweit einheitliche Trinkgeld-Regelung an. Wie die genau aussehen wird, wollte er allerdings noch nicht verraten. Für Deutschland und Österreich bleiben in jeden Fall zunächst die neuen Bedingungen bestehen, nach denen das Trinkgeld bereits im Reisepreis enthalten ist (Details siehe „Trinkgeld bei Costa bald inklusive“).

Anmerkung*: cruisetricks.de reiste auf der Costa Pacifica anlässlich des Events Protagonisti del Mare auf Einladung von Costa.

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2 Kommentare zu Reederei-Check: Neues auf den Kreuzfahrtschiffen von Costa

  1. olaf on April 10, 2017 at 7:32 pm

    Hallo! Ich habe da ein trinkgeld update aus Österreich. Auch hier gilt für alle neubuchungen seit 27.03.2017 für den neuen katalog 2018 ebenso das inkludierte trinkgeld, wie für alle flexpreis angebote bereits im laufenden jahr 2017. Lg, olaf aus österreich …

  2. Franz on April 11, 2017 at 12:22 pm

    @Olaf: Vielen Dank für die Ergänzung, ich habe es im Beitrag ergänzt. Costa hat es auf Nachfrage eben auch nochmal bestätigt.

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