CDC-Reisewarnung Kreuzfahrt, Dezember 2021

Reedereien kritisieren neue Kreuzfahrt-Reisewarnung der US-Gesundheitsbehörde CDC

Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat Kreuzfahrten in die höchste Reisewarnstufe 4 hochgestuft und warnt in den USA auch Geimpfte vor Seereisen. Covid-19-Fälle seien in den vergangenen Wochen sehr deutlich angestiegen. Kreuzfahrt-Reedereien üben deutliche Kritik an der CDC für diesen Schritt.

Die US-Bundesbehörde führt in einer Begründung für die Hochstufung der Kreuzfahrt in ihren Reisewarnungen an, dass man in den ersten zwei Wochen im vom 30. November bis 14. Dezember lediglich 162 positive Covid-19-Fälle an Bord der rund 90 Kreuzfahrtschiffe im Einflussbereich der Behörde festgestellt habe, zwischen 15. und 29. Dezember dann aber bereits 5.013.

In der gleichen Zeit stiegen allerdings auch die Infektionszahlen an Land in den USA rasant an. Für Florida weisen die Daten der CDC 31.392 neue Fälle für 30. November bis 14. Dezember aus. In den folgenden beiden Wochen von 15. bis 29. Dezember waren es 366.428. Zugleich reduzierten sich die Todesfälle übrigens von 328 auf 126.

In der zweiten Zwei-Wochen-Periode lagen die Infektionszahlen in Florida also gut elfmal so noch wie noch in den zwei Wochen davor. Auf den Kreuzfahrtschiffen haben sich die Zahlen dagegen verdreißigfacht, der Anstieg war also dreimal so hoch wie an Land.

Bei 21,7 Millionen Einwohner Floridas hätten sich demnach in der ersten Zwei-Wochen-Periode 0,145 Prozent der Bevölkerung neu infiziert, in der zweiten Periode 1,67 Prozent. Sinnvolle Vergleichszahlen für die Kreuzfahrt gibt es mangels verlässlicher Datenbasis nicht. Royal-Caribbean-CEO Michel Bayley nannte vor Weihnachten auf Facebook eine – allerdings nicht unabhängig verifizierbare – Relation von nur einem Fünftel der Zahlen auf den RCI-Schiffen im Vergleich zu den Zahlen in Florida an Land und erklärte das mit der weitgehenden Impfpflicht und strengen Infektionsschutzmaßnahmen an Bord.

Deutliche Kritik aus der Kreuzfahrt-Branche

Die Branchenvereinigung Clia, in der nahezu alle Kreuzfahrt-Reedereien organisiert sind, kritisiert die CDC-Reisewarnung scharf. Bloomberg zitiert dazu eine E-Mail der Clia: Die CDC-Empfehlung sei „besonders irritierend“, da die Zahl der auf Schiffen festgestellten Fälle „nur eine sehr kleine Minderheit der Gesamtpersonenzahl an Bord ausmacht – viel weniger als an Land.“ Und: „Keine Umgebung kann gegen dieses Virus immun sein.“

Schwierige Datenlage, unvollständige Statistiken

Allerdings sind die genannten Zahlen auch an Land nur ein Teil der Realität. Denn die tatsächliche Zahl der Neuinfektionen dürften deutlich höher liegen. Seit Omikron in den USA die deutlich dominierende Virus-Variante ist, kommen dort in großem Umfang Antigen-Selbsttests zum Einsatz, sodass ein großer Teil der Infektionen in den offiziellen Statistiken nicht auftaucht. Es wird bereits diskutiert, die gemeldeten Fälle nicht mehr für Statistiken heranzuziehen, sondern stattdessen auf ein System zu wechseln, das schon bei Influenza-Zahlen zu Einsatz kommt und auf Hochrechnungen basiert.

Zugleich sind aber auch die bekannten Zahlen zu Kreuzfahrtschiffen mutmaßlich verzerrt. Zwar werden positive Fälle unter den Crew-Mitgliedern vollständig erfasst, da Crew regelmäßig getestet wird und positive Ergebnisse an die CDC gemeldet werden müssen. Passagiere werden dagegen vor der Ausschiffung in den USA zumeist nicht getestet. Positive, symptomfreie Fälle bleiben dabei also mutmaßlich unerkannt.

Maßnahmen der CDC bei positiven Fällen auf Kreuzfahrtschiffen

Die CDC stuft in einem Risikobewertungssystem Kreuzfahrtschiffe bereits ab einer Infektionsrate von über 0,1 Prozent in die zweithöchste Farbcodierungsstufe „gelb“ ein. Nahezu alle aktiven Schiffe im Einflussbereich der CDC sind derzeit „gelb“.

Auffällig ist trotz der neuen Reisewarnung vor Kreuzfahrten auch für Geimpfte einerseits, dass die CDC nicht zwischen zweifach Geimpften und geboosterten Personen unterscheidet, wohingegen beispielsweise die Inseln Maui im US-Bundesstaat Hawaii hier bereits eine Unterscheidung vornimmt und nur noch geboosterte Personen als vollständig geimpft ansieht. In Europa kommt diese Unterscheidung inzwischen bereits häufiger zum EInsazt.

Andererseits hat die CDC bislang noch kein Kreuzfahrtschiff als „rot“ eingestuft, obwohl einzelne Schiffe deutlich höhere Positiv-Zahlen melden als andere. „Rot“ wird verhängt, wenn nachhaltig Infektionen an Bord stattfinden oder das Bordhospital überlastet ist. Diese Farbstufe bedeutet keine automatische Stilllegung eines Schiffs, zieht aber teils strenge, zusätzliche Schutzmaßnahmen nach sich.

Da weder CDC noch zumeist die Reedereien konkrete Zahlen veröffentlichen, ist eine Einschätzung hier aber schwierig. Auf der MSC Seashore beispielsweise standen bei der am 30. Dezember zu Ende gegangenen Karibik-Reise gerüchteweise mindestens 170 Crewmitglieder unter Quarantäne (positiv oder Kontaktpersonen), möglicherweise auch deutlich mehr. Das Schiff könnte CDC-Maßnahmen entgangen sein, weil die darauffolgende Reise ohnehin mit deutlich reduzierter Passagierauslastung (angeblich rund 1.100) begann – aber das ist nur spekuliert.

Viel positiv getestete Crew schafft auf einigen Schiffen neue Herausforderungen

Auffällig an den aktuell kolportierten Positivzahlen ist, dass – anders als in den Wochen und Monaten davor – in größerem Umfang Crew-Mitglieder betroffen sind. Der Mangel an Daten zu positiven Fällen bei Passagieren wurde bereits als relativierender Faktor genannt.

Die absoluten Infektionszahlen bei der Crew bedeuten für die Reedereien aber jedenfalls neue Herausforderungen, soweit eine größere Zahl an Crew oder wenn Mitarbeiter auf essenziellen Positionen betroffen sind. Die Queen Mary 2 beispielsweise musste ihre aktuelle Karibik-Reise abbrechen und liegt derzeit vor Barbados auf Reede, um auf essenzielle Ersatz-Crew zu warten, die eingeflogen werden muss, bevor das Schiff ohne den eigentlich geplanten Zwischenstopp in New York direkt nach Southampton zurückkehrt.

Auch die Europa 2 von Hapag-Lloyd Cruises hat die am 18. Dezember begonnene Kreuzfahrt von Dubai nach Mauritius abgebrochen und ist nach Dubai zurückgekehrt. Wie viele Positivfälle es an Bord gibt, will die Reederei nicht sagen. Gerüchte sprechen von einer erheblichen Zahl von Crew-Mitglieder. In einem Statement räumt die Reederei ein, dass „der Service an Bord für die Gäste spürbar eingeschränkt“ sei. Das Schiff mit 280 Passagieren und 380 Besatzungsmitgliedern kam am 30. Dezember wieder in Dubai an.

Die AIDAnova konnte ihre Silvester-Kreuzfahrt am 29. Dezember von Lissabon unter anderem mit einem Stopp in Funchal für das dortige Feuerwerk nicht pünktlich beginnen. Offenbar fehlte aufgrund positiver Coronatests und damit einhergehender Isolation der Betroffen und ihrer Kontaktpersonen essenzielle Crew. Über Neujahr lag das Schiff nach wie vor in Lissabon. An Bord sind 2.844 Passagiere und 1.353 Crewmitglieder, laut Hafenkapitän in Lissabon wurden insgesamt 52 Crew-Mitglieder der AIDAnova positiv getestet, die in Quarantänehotels an Land gebracht wurden.

7 Kommentare

7 Gedanken zu „Reedereien kritisieren neue Kreuzfahrt-Reisewarnung der US-Gesundheitsbehörde CDC“

  1. Ich war Anfang November auf der MS Europa 2 (VAE und Oman), da war Omikron nur ein Thema aus dem gerade verlassenen Europa und vom Schwesterschiff MS Europa in Kapstadt. Alle Passagiere (mit Ausnahme weniger Kinder) waren vollständig mit den in Europa zugelassenen Impfstoffen geimpft (viele sogar schon geboostert) und hatten zwei PCR-Tests und einen Schnelltest absolviert, um überhaupt auf das Schiff zu kommen. Und vorher war die MS Europa 2 ohne Zwischenstopp in 11 Tagen von Piräus nach Dubai gefahren, ein besserer Schutz als auf dem Schiff war kaum möglich. An an allen Stopps mit Landgängen waren die Inzidenzen im einstelligen Bereich (wann hatte man das zuletzt in Deutschland?).

    Zwei Reisen später sieht es leider anders aus, die Weihnachts- und Silvesterreise der MS Europa 2 wurde kurz vor den Seychellen abgebrochen und das Schiff kehrte nach Dubai zurück (eigentliches Reiseziel war Mauritius). Und auch die MS Europa hat einen ungeplante Routenänderung nach Dubai gemacht, soll dann nach dem letzten bekannten Informationsstand (was in der aktuellen dynamische Lage nicht viel bedeutet) aber den ursprünglichen Fahrplan wieder erreichen können.

    Kreuzfahrtschiffe sind aber keine Hotspots für Infektionen z.B. im Vergleich zu Wintersportorten, nirgends ist eine Kontaktnachverfolgung wohl besser als bei Verdachtsfällen an Bord. Die Gesundheitsämter in Deutschland wären froh, wenn sie bei Infektionen an Land eine so gute Datenlage bekämen. Und in den Passagierbereichen auf Schiffen kann man sich unter Beachtung der Abstands- und Maskenregeln fast effektiver schützen als an Land (da man in einem geimpften und häufig getesteten Umfeld sich bewegt).

    Der Problembereich für die Reedereien in der Omikronwelle sind wohl hauptsächlich die Crews. Der Crewbereich auf den Schiffen ist immer deutlich enger als der Passagierbereich, eine vernünftige Kontaktvermeidung wohl kaum möglich (oder schläft man in Mehrbettkabinen mit Maske?). Die Ausschiffung von einigen Passagieren zu Quarantänezwecken ist für den Betriebsablauf eher zu verkraften als die Quarantäne von Crewmitgliedern, zumal Ersatzcrews bei dem aktuell leergefegten Markt nicht so schnell zu bekommen sind. Was gerade in Europa zur Aufrechterhaltung von kritischer Infrastruktur diskutiert wird, scheint die Reedereien schon jetzt mit voller Wucht zu treffen (und das mit deutlich geringeren Personalreserven).

    Was allerdings laut der Datenlage etwas tröstlich stimmt, ernsthafte Erkrankungen sind auf den Schiffen wohl eher nicht zu erwarten (zumindest wenn mit den in Europa zugelassenen Impfstoffen geimpft wurde). Hoffen wir, dass sich die Datenlage da nicht ändert.

  2. Danke, Gerd Habersack, für die Details und Ergänzungen. Ich sehe es im Moment auch so (auch wenn sich die Lage bei Corona ja leider schon oft sehr überraschend verändert hat): Es sieht wohl so aus, als hätten die Reedereien in Zusammenhang mit Omikron mehr Probleme mit Crew-Mangel als mit der Krankheit selbst. Aber die absoluten Zahlen der Infektionen könnten halt mit Omikron noch ziemlich in die Höhe gehen und letztlich stehen halt v.a. behördliche Genehmigungen etc. nach wie vor mit niedrigen Zahlen. Hoffen wir, dass der in Südafrika zu erkennende Trend eines schnellen Abflauens der Infektionszahlen mit Omikron sich bewahrheiten und es auch anderswo so verläuft …

  3. Muss leider noch etwas berichtigen: Ich war Anfang Dezember an Bord. Entschuldigung für den Fehler „im Eifer des Gefechts“ (falls jemand die Reiserouten verfolgt hat) . Aktuell scheint Hapag Lloyd die Livekameras auf MS Europa 2 und MS Europa abgeschaltet zu haben, ob das sehr geschickt ist, möchte ich mal offenlassen. Laut Vesselfinder liegen aber beide aktuell in Dubai und neben der MS Europa ein Tankschiff. Da scheint es also weiterzugehen.

  4. Durch die Omikron Variante hat sich unser komplettes Hygienesystem als nicht ausreichend erwiesen. Die vorhandenen Tests können das Virus sehr oft nicht erkennen, die Ausbreitung nicht verhindern. Auch geboosterte Leute können positiv sein. Leider steht uns nichts anderes zur Verfügung. Ich denke auf den Kreuzfahrschiffen wird alles menschenmögliche getan, aber es reicht eben nicht. Dass Kreuzfahrtschiffe Hotspots sind, denke ich nicht. Jedoch genügt ein einziger positiver Test an Bord und das Schiff wird in keinen Hafen der Welt mehr anlegen können. Dadurch besteht der Begriff Kreuzfahrt mit mehreren Anlegeplätzen nicht mehr, eher eine Blaue Reise, aber die hat der Gast nicht gebucht. Es ist hart, aber ich erlebe gerade eine Reederei, die ihre Gäste zwingt, zu dieser „Kreuzfahrt“ anzureisen, obwohl bereits viele Inseln in der Karibik entweder Hochrisikogebiete oder Virusvariantengebiete sind. Es werden Inseln gestrichen, Alternativen gesucht, aber auch diese sind bereits schon „out“. Da werden aus 1 Nacht einfach 2 Nächte auf einer Insel, die man sowieso nicht gebucht hatte usw. bis zum endgültigen AUS nach kürzester Zeit. Die Flüge werden nicht ersetzt, klar man hat diese ja schon verbraucht, auch wenn der Kreuzfahrzauber nur von kürzester Dauer war. Alle kennen die augenblickliche Lage und trotzdem lässt man die Passagiere erst anreisen um sie dann gleich wieder zurückzuschicken. Wie verantwortungslos ist eigentlich diese Branche?
    Kann es sein, dass bei einem Vollcharter der Reiseveranstalter bei Absage dem Flugbetreiber eine Entschädigung zahlen muss? Nur so kann ich es mir erklären, warum man die Passagiere anreisen lässt. Als ca. Mitte 2021 die Kreuzfahrt wieder begann, hat das Konzept gut gegriffen, jetzt leider nicht mehr und trotzdem macht man einfach weiter, als hätte man alles im Griff. Der Kunde kann nur hoffen, dass die Reederei noch absagt, da die Reiserücktrittskosten so kurz vor Abreise sehr hoch sind und nicht jeder kann die Reise verschieben, (falls das überhaupt angeboten wird) da gibt es die unterschiedlichsten Gründe.

  5. Liebe Ute,

    im Grunde haben Sie natürlich Recht, dass es im Moment teils drunter und drüber geht. Übrigens nicht nur auf Kreuzfahrtschiffen, sondern in allen Bereichen, weil Omikron halt wieder einiges auf den Kopf stellt und vieles noch nicht so sicher und klar ist, wie man sich das wünschen würde, um darauf basierend gute Entscheidungen treffen zu können.

    Allerdings fahren aktuell auch weltweit rund 240 Kreuzfahrtschiffe, größere Probleme gibt es bei etwa einem Zehntel; oder anders gesagt. 90 Prozent laufen halbwegs ordnungsgemäß ab. Stand heute natürlich; was morgen ist, wissen weder wir noch die Reedereien.

    Sie schreiben ein paar Dinge, die ich gerne ein wenig zurechtrücken und relativen wollen würde.

    Das Hygienesystem der Schiffe hat sich keineswegs schon als nicht ausreichend erwiesen. Mit größeren Problemen kämpfen im Moment nur ein kleiner Teil der fast 250 Schiffe, die weltweit aktiv sind. Zudem gibt es eben an Bord, genauso wie an Land, einen gewissen Zeitversatz zwischen verschärften/angepassten Maßnahmen und dessen Wirkung. Für ein pauschales Urteil „Maßnahmen untauglich“ ist es zu früh.

    Meines Wissens und was aktuelle Studien zeigen, erkennen die Schnelltests Omikron annähernd genauso gut wie Delta, insofern bleiben sie ein wirkungsvoller Baustein in der Abwehrstrategie. Einige Reedereien sind auch bereits wieder zu PCR-Tests übergegangen – weniger weil Antigentests nicht mehr funktionieren würden, sondern weil sie das auch schon früher getan haben, wenn die Inzidenzen und damit quasi der Grunddruck gestiegen sind. Teils wird im Moment sogar schon direkt bei der Einschiffung im Hafen PCR-getestet.

    Ein einzelner positiver Test an Bord führt heute schon lange nicht mehr dazu, dass Schiffe keinen Hafen mehr anlaufen dürfen. In der Karibik hat sich beispielsweise ein Standard etabliert, der Hafenanläufe erst blockiert, wenn mehr als ein Prozent der Menschen an Bord positiv getestet wurden. Ansonsten würde die Kreuzfahrt dort längst stillstehen, weil aktuell alle Schiffe, die bei der CDC registriert sind, in den vergangenen sieben Tagen Fälle gemeldet haben – siehe: https://www.cdc.gov/quarantine/cruise/cruise-ship-color-status.html

    Dass Reedereien Kreuzfahrten nicht absagen, wenn absehbar oder klar ist, dass die Route sich wesentlich ändert oder womöglich gar keine Hafenstopps möglich sein werden, ist natürlich ein Unding, keine Frage. Aber von „zwingen“ kann dennoch keine Rede sein. Denn ein Reisevertrag ist ein Vertrag zwischen zwei gleichberechtigten Parteien. Der Reisende kann also auch selbst vom Vertrag zurücktreten, wenn klar ist, dass der Veranstalter den Vertrag nicht einhalten kann (siehe ausführlich zu diesem Themenkomplex hier: https://www.cruisetricks.de/kreuzfahrt-recht-wann-corona-risiken-und-masken-pflicht-kein-grund-fuer-einen-reiseruecktritt-sind/ )

    Bedenken Sie aber auch, dass Reederei in so irren Zeiten auch nicht allwissend sind und ebenfalls von sich sehr schnell ändernden Bedingungen und Regeln abhängig sind. Auch eine Reederei kann oft nicht voraussehen, was morgen passiert, das an einer systemkritischen Stelle Sand ins Getriebe streut.

    Ich will hier niemanden in Schutz nehmen oder verteidigen – das müssen die Reedereien schön selbst tun und sicherlich schlägt der eine oder andere gerade auch wieder etwas über die Stränge. Aber ich denke, man sollte auch Reedereien zugestehen, dass sie keinen immensen finanziellen Spielraum mehr haben, um großzügig vorsorgliche Entscheidungen zu treffen, ohne selbst gesicherte Informationen zu haben.

    Zum anderen sollte man’s auch immer aus der anderen Warte sehen: Es gibt einen Reisevertrag und den versucht der Veranstalter zu erfüllen; der Kunde kann das verlangen und erwarten. Wenn der Veranstalter nun schon bei einer vagen Vorahnung gleich mal alles absagt, wird er selbst vertragsbrüchig und zahlt hinterher auch noch Schadensersatz, wenn sich herausstellt, dass alles voreilig war und die Reise hätte stattfinden können.

    Es ist leider gerade ein sehr schmaler Grat, auf dem wir uns in der Pandemie alle bewegen. Nichts ist so, wie wir es uns wünschen würden. Schön wäre es, wenn nicht, aber so ist es gerade nun einmal …

  6. Zu Beginn des Jahres 2020 hatte ich für 2020/2021 fünf Buchungen für Kreuzfahrten. Regulär wie im Katalog ausgeschrieben fand davon genau eine statt. Zwei weitere Fahrten waren relativ neu aufgelegte Fahrten, bei beiden war mir von Anfang an klar, dass keiner der ausgeschriebenen Hafenanläufe wirklich gesichert war, tatsächlich ergaben sich auch jeweils teils deutliche Routenänderungen. Haben trotzdem keiner dieser Reisen bedauert, im Gegenteil. Und auch jetzt bestehen schon wieder Buchungen bis ins Jahr 2023 hinein. Ich gehe nicht davon aus, dass sie alle wie vorgesehen stattfinden werden, wenn ja, umso schöner, wenn anders, auch interessant.

    Covid hat halt die Situation der letzten beiden Jahre und vermutlich auch noch dieses gerade begonnenen Jahres grundlegend geändert, wer im Moment bucht oder letztes Jahr gebucht hat, darf nicht erwarten, genau das zu bekommen, was er sich vorstellt. Und das hat relativ wenig damit zu tun, dass die Reedereien einem etwas mit Gewalt aufzwingen wollen, sie kämpfen oft eher gegen eine langfristig drohende Insolvenz, denn ewig halten die gewährten Kreditlinien auch nicht. Gewinn fährt wohl momentan niemand in der Touristikbranche ein. Meine Erfahrung war sogar, dass die neu aufgelegten Reisen preisgünstiger waren als in normalen Zeiten üblich.

    Eigentlich gibt es seit 2020 nur zwei Möglichkeiten:

    Entweder man ist sich bei Buchung bewußt, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit das Produkt vom Anbieter storniert werden könnte oder anders ausfällt als gedacht. Falls man mit dieser Erwartung nicht selbst storniert, hat man in der Regel auch kaum finanzielle Einbußen (zumindest solange die Branche nicht völlig zusammenbricht, dann dürften auch die Sicherungsscheine eine maßlose Unterdeckung haben). Soweit ich es bisher nachverfolgen konnte, wurden nicht erbrachte Leistungen (also z.B. Kürzungen der Reisen) auch immer erstattet, man darf allerdings auch nicht erwarten, dass bei einer Halbierung der Reisedauer der komplette Reisepreis erstattet wird, wenn man Leistungen bekommen hat. Ich selbst habe es allerdings auch erlebt, dass bei einem Reiseabbruch am Anreisetag (also schon auf dem Schiff angekommen, eine Nacht mit Verpflegung auf dem Schiff und Rückflug am nächsten Tag) alles erstattet wurde (auch die Flüge). War meine kürzeste Kreuzfahrt und eine interessante Erfahrung. Unter normalen Zeiten hätte man sicher die Flüge als nutzlose zu erstattende Aufwendungen rechtlich eingestuft, aber in der Pandemie änderten sich tatsächlich erst am Abend des Anreisetages die Vorgaben der Regierungen.

    Die andere Möglichkeit wäre, ganz einfach momentan auf das Reisen zu verzichten (und das bezüglich Buchungen sicher auch noch bis 2023 hinein).

    Dass die Pandemielage sich durch Varianten immer schnell ändern kann, war erwartbar und ist weiterhin erwartbar. Nur wer die Medien komplett ignoriert hat, kann sich überrascht zeigen und sagen, so habe er das nicht gebucht.

    Manche alte Redewendungen werden halt wieder aktuell: Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben.

    Und was die Hygieneregeln angeht: Geboostert und konsequentes Tragen von FPP2 Masken in Innenräumen bietet immer noch einen extrem guten Schutz auch vor Omikron. Wenn man einem Virus komplett das Eindringen in den Körper verwehrt, ist seine Ansteckungsfähigkeit egal. Geändert hat sich nur, dass Omikron weniger Nachlässigkeiten verzeiht, die man in den letzten Monaten auch auf Kreuzfahrtschiffen, aber noch viel stärker im Alltagsleben beobachten konnte.

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