Kreuzfahrt "adults only"

Trend: kinderfreie Kreuzfahrten und „adults only“-Schiffe

Kreuzfahrten ohne Kinder, nur für Erwachsene: Immer mehr Reedereien beschränken einzelne Reisen auf Passagiere mit Mindestalter 18 oder erklären gleich ganze Schiffe zu „adults only“-Zonen. Vor allem bei britischen Kreuzfahrt-Reedereien ist dieser – nicht ganz neue – Trend jetzt wieder stärker zu beobachten.

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Wer schon einmal auf einem großen Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer während der italienischen Schulferien unterwegs war, kann zumindest nachvollziehen, warum es manche Menschen auf „adults only“-Schiffe zieht. Vor allem, wenn man gerne mal ganz in Ruhe im Whirlpool sitzt und das Nichtstun genießt oder ganz entspannt im Pool abhängt.

Die Kreuzfahrt-Industrie stellt sich zunehmend auf besondere Zielgruppen ein und entwickelt passende Konzepte. Setzten die Reedereien früher vor allem kleinere, ältere Schiffe für Spezialkonzepte wie etwas „adults only“ ein, sind es inzwischen auch Neubauten und relativ große Schiffe.

Bereits als fünfte Kreuzfahrtreederei reserviert Marella Cruises einen Teil der Flotte ausschließlich für Erwachsene. Die für 2019 geplante Marella Explorer 2 soll von Anfang an mit diesem Konzept fahren.

Schon länger gibt es bei P&O Cruises reine Erwachsenen-Schiffe. Viking Ocean Cruises hat von Beginn an nur Passagiere im Alter ab 18 Jahren akzeptiert. Richard Bransons neue Reederei Virgin Voyages, die 2020 an den Start gehen soll, will alle ihre Schiffe frei von Familien und Kindern halten.

Zahlreiche für Erwachsene reservierte Kreuzfahrten hat außerdem die britische Fred. Olsen Cruise Line im Angebot, auch wenn hier keines der Kreuzfahrtschiffe durchgehend nach diesem Konzept fährt.

Saga: Kein Passagier unter 40

Saga Sapphire
Saga Sapphire

Noch ausgeprägter ist die Idee bei der britischen Reederei Saga: Hier werden Passagiere erst ab einem Alter von 50 Jahren akzeptiert.

Eine Ausnahme gibt es lediglich, wenn ein über 50jähriger Passagier eine jüngere Begleitperson mitbringt – die muss dann aber auch mindestens 40 sein.

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Die 449 Passagiere fassende Saga Pearl II und die Saga Sapphire mit 720 Passagieren fahren mit diesem Konzept.

Marella Explorer 2: adults only

Celebrity Century, zukünftig Marella Explorer 2
Celebrity Century, zukünftig Marella Explorer 2

Nach erfolgreichen Einzelfahrten mit ausschließlich erwachsenen Passagieren im Winter 2017/2018 weitet Marella Cruises das Konzept auf ein komplettes Schiffs aus. Zugleich wechselt die britische Reederei – ehemals als Thomson Cruises bekannt – mit allen ihren Schiffen zu einem All-inklusive-Konzept.

Mit einer Kapazität von 1.814 Passagieren ergänzt die Marella Explorer 2 von ihrem Basishafen Neapel aus ab Mai 2019 die Flotte von Marella Cruises. Das Schiff ist die ehemalige Celebrity Century und kommt von Sky Sea Cruises – einem Joint Ventures von Royal Caribbean und dem chinesischen Veranstalter Ctrip, das Ende 2018 aufgelöst werden soll.

Drei Erwachsenen-Schiffe bei P&O Cruises

Aurora
Aurora

Bei P&O Cruises sind bald drei Kreuzfahrtschiffe der Flotte ausschließlich für Passagiere über 18 Jahre vorgesehen: Orania (1.800 Passagiere) und Arcadia (2.094 Passagiere) stehen bereits unter dem Motto „forget the hassles of regular family holidays“. Die Aurora (1.878 Passagiere) wechselt zu diesem Konzept nach einem Trockendock-Aufenthalt im April 2019.

Auf den übrigen vier Schiffe von P&O Cruises sind Familien und Kinder dagegen sehr willkommen. P&O Cruises betont, man wolle seinen Kunden die Wahl lassen zwischen lebendigen Familienschiffen und ruhigen Erwachsenenschiffen.

Viking Ocean Crusies, Virgin Voyages: von Anfang an “adults only”

Viking Sea (Bild: Ronnie Robertson, CC BY-SA 2.0)
Viking Sea (Bild: Ronnie Robertson, CC BY-SA 2.0)

In der rasant wachsenden Flotte von Viking Ocean Cruises waren die Luxus-Schiffe von Anfang für reine Erwachsenen-Kreuzfahrten konzipiert worden. Viking Star, Viking Sea, Viking Sky und Viking Sun mit jeweils 930 Passagieren sind bereits in Dienst. Die Viking Orion kommt im Juli 2018 hinzu, bis 2027 sollen noch mindestens elf weitere Schiffe folgen.

Auch Virgin Voyages richtet sich von Anfang an komplett auf Erwachsene aus und formuliert es klar: „… damit Sie mit Ihren Freunden oder Ihrem Partner das beste mögliche Erlebnis haben, ohne die Unberechenbarkeit von Kindern“.

Um auf den Schiffen von Virgin Voyages fahren zu dürfen, ist ein Mindestalter von 18 Jahren Pflicht. Das erste der aktuell geplanten drei Schiffe für 2.800 Passagiere soll 2020 in Dienst gehen.

Fred. Olsen: zahlreiche Erwachsenen-Reisen

Braemar
Braemar

Die britische Fred. Olsen Cruise Line hat eine Vielzahl von Adult-Only-Kreuzfahrten im Programm, hat aber keines der Schiffe ausschließlich für dieses Konzept abgestellt.

Die Erwachsenen-Reisen finden auf den Schiffen Balmoral, Braemar, Boudicca und Black Watch statt sowie mit dem Flusskreuzfahrtschiff Brabant auf Rhein, Main, Mosel und Donau.

Diskriminierung von Kindern und Familien?

Sollten sich Familien bei Kreuzfahrten ausgesperrt und benachteiligt fühlen, die nur für Passagiere ab 18 gedacht sind? Nein, im Gegenteil: Wer partout keine Kinder auf einer Kreuzfahrt sehen und hören möchte, ist auf diesen Schiffen und Reisen gut aufgehoben und erspart Eltern den Ärger mit nörgelnden Mitreisenden, wenn der eigene Nachwuchs vielleicht auch einmal etwas lebhafter ist.

Auf Kreuzfahrt mit wenig Kindern, aber ohne Kinder-Verbot

Neben Schiffen mit klarem Kinder-Verbot gibt es aber für ruheliebende Kreuzfahrer viele andere Möglichkeiten, allzu großem Trubel und von Kindern okkupierten Whirlpools aus dem Weg zu gehen.

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Auf Premium- und Luxus-Schiffen wie denen von Hapag-Lloyd Cruises, Silversea Cruises, Seabourn Cruise Line, Seadream Yacht Club, Regent Seven Seas Cruises, Oceania Cruises, Windstar Cruises und Azamara Club Cruises muss man sich wenig Sorgen um Kinderlärm machen. Hier gibt es an Bord kaum Angebote für Kinder und entsprechend wenig Kinder sind auf diesen Schiffen unterwegs. Dort, wo es explizit Kinderbetreuung und -Programm angeboten wird, wie etwas bei Hapag-Lloyd Cruises, ist die Betreuung so gut, dass Kinder und Erwachsene sich nicht in die Quere kommen.

Pool und Bar exklusiv für Erwachsene auf der Disney Dream
Pool und Bar exklusiv für Erwachsene auf der Disney Dream

Aber selbst auf großen, günstigeren Kreuzfahrtschiffen gibt es Rückzugsbereiche für Ruheliebende: Bei Disney Cruise Line ist der Quiet Cove Pool, einige Bars und Spezialitätenrestaurants für Kinder tabu. Bei Princess Cruises haben Kinder im (allerdings kostenpflichtigen) „Santury“-Bereich nichts verloren. Und bei vielen Reedereien wie beispielweise RCI, Costa und MSC sind einzelne Bereiche oder Pools für Erwachsene reserviert – worauf man sich allerdings nicht unbedingt verlassen kann, weil die Crew das an Bord nicht immer konsequent durchsetzt.

Tendenziell gilt: Außerhalb der Schulferienzeiten, auf kleineren Schiffen und längeren Reisen geht es an Bord deutlich ruhiger zu als zur Hauptsaison im Mittelmeer oder in der Karibik.

7 Kommentare zu “Trend: kinderfreie Kreuzfahrten und „adults only“-Schiffe

  1. Dieser Trend passt in die egoistische britische Denkweise, ich halte ihn jedoch gesellschaftspolitisch für sehr bedenklich. Im Altersheim freuen sich die Alten dann wieder wenn mal die turbulenten Enkel vorbeikommen und etwas Leben in das triste Leben bringen- falls sie dann noch kommen wollen wenn sie vorher ausgegrenzt wurden.

  2. Ich bin bei dem Thema etwas hin und her gerissen. Einerseits, klar, ist Ausgrenzung nie gut. Andererseits zahlt man für eine Kreuzfahrt viel Geld und verwendet seine wertvollen Urlaubstage, um auszuspannen und den Alltagstress hinter sich zu lassen. Da ist es vielleicht etwas viel verlangt, dass man dann da etwas ertragen muss, das man nicht möchte, das einen stört, das die Erholung erschwert. Vielleicht muss man nicht gleich so weit gehen und eine Kreuzfahrt als gesellschaftspolitisches Problem zu sehen. Und umgekehrt wollen ja auch Familien/Kinder in der selben Situation (=Urlaub) keine Kompromisse eingehen und sollten sich daher nicht ausgegrenzt fühlen sondern vielmehr froh sein, dass eben die einen auf dem Erwachsenenschiff glücklich werden und sich als Familie andererseits auf Familienschiffe nicht zurücknehmen müssen. Denn natürlich gibt es in unserem Leben ganz viele Situationen, die wir für völlig unproblematisch halten, bei denen ebenfalls bestimmte Gruppen „ausgegrenzt“ werden, und sei es nur, weil sie es sich nicht leisten können. Ein vernünftiges Trennen widerstreitende Interessen und unterschiedlicher Lebensweisen, Kulturen, Ansichten hat ja durchaus den Vorteil, Konflikte, im Extremfall (wenn wir wieder auf das große, gesellschaftspolitische Bild schauen) Gewalt und Krieg zu vermeiden – auch wenn Letzteres vielleicht etwas weit her geholt ist beim Thema „adults only“-Kreuzfahrt ;-)

  3. Es gibt einfach Produkte für Zielgruppen. Es beschwert sich auch kein Mensch über „Kinderhotels“, im Gegenteil, die werden gerne gebucht. Soll ich mich als Single durch das Angebot diskriminiert fühlen?

    Es gibt reichlich Auswahl am Markt. Wer durch das Angebot nicht angesprochen wird, dem steht es frei, einen anderen Anbieter zu wählen. Die Erfahrung aus dem Bereich kinderfreie Hotels zeigt übrigens, daß diese besonders gerne von Menschen gebucht werden, die beruflich mit Kindern zu tun haben und zwingend auf Ferientermine für ihren Urlaub angewiesen sind.

  4. Ich hatte hier schon eine hitzige Diskussion erwartet und bin überrascht, sie nicht vorzufinden.
    Ich sehe es ähnlich wie Wendy, es ist eine weitere Diversifikation, ein anderes Produkt am Markt. So wie es das ganze Spektrum zwischen Luxus und „Ballermann“ gibt, so wie es Schiffe von wenigen zehn Passagieren bis mehreren tausend gibt, so ist damit die Vielfalt des Angebots weiter gewachsen. Jeder bucht einfach nach seinem Geschmack und gut ist.
    Ich erwarte weder, daß dieses Angebot eine Familie mit Kinderwunsch davon abhält, diesen umzusetzen, noch dürfte es die grundsätzliche Entscheidung pro oder contra Kreuzfahrt bei Familien mit Kindern beeinflussen.
    Ich sehe das daher ziemlich gelassen. Entweder es wird angenommen, oder diese Angebote verschwinden wieder vom Markt. Vielleicht zieht es sogar noch Passagiere aufs Meer, die bisher Angst vor zu viel Kindertrubel auf den Schiffen hatten… man weiß es nicht.

  5. Ich, meist mit drei Kids unterwegs, finde es super, dass es Schiffe gibt, die den Bereich „ohne Kinder“ abdecken. Gerade letzte Woche waren auf unserer Reise mit der Mein Schiff 2 500 Kids an Bord. Das war heftig, vor allem für die, welche es nicht mögen und/oder eben eine ruhigere Fahrt bevorzugen. Obwohl ich fairer Weise sagen muss, dass es mir persönlich nicht wirklich aufgefallen wäre. Der Kids Club sprach die Verdopplung im Vergleich zur Weihnachtszeit an und die Desinfizierstationen an den Restaurants waren ungewöhnlich präsent besetzt. (Und alle Glubschies waren bis zum Reiseende im Shop ausverkauft )
    Mit der Spezifizierung findet fast jeder sein passendes Schiff. Mir bleiben (über Kinder) grummelnde Mitpaxe erspart und ich muss mir weniger Gedanken über das (zum Glück fast nur positive) Benehmen meiner Kinder machen. Also ja, Ich bin dafür .

    Liebe Grüße aus NRW,
    Katharina

  6. Saga erlaubt neuerdings Gäste ab 40? Schade, wenn die das vor ein paar Jahren gemacht hätten, hätte ich noch die Gelegenheit gehabt mit dem ersten und einzig wahren Traumschiff zu fahren.

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