Schiffsschornstein (Fotomontage)

Umweltschutz in der Kreuzfahrt: gegen Vorurteile und undifferenzierte Schwarz-Weiß-Malerei

Auf einen Kreuzfahrtschiff-Schornstein zu zeigen und zu kritisieren: „Da kommt böser, schwarzer Rauch raus“, ist sinnlos oder zumindest antiquiert. Umweltschutz betrachten wir aus gutem Grund zunehmend nicht mehr isoliert, sondern ganzheitlich.

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Mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit in der Kreuzfahrt und anderswo erreichen wir nicht durch Fingerzeigen auf Andere und indem wir mit Scheuklappen an den Augen einzelne Symptome bekämpfen. Erst wenn wir alle Aspekte einbeziehen und mit dem Umfeld vergleichen, lässt sich überhaupt beurteilen, wie umweltfreundlich und nachhaltig ein Produkt oder eine Dienstleistung ist.

Von der Entstehung bis zur Entsorgung und allen Aspekten dazwischen hängt es ab, wie intensiv die Umwelt durch ein Produkt belastet wird – ob das nun ein einzelner Apfel aus Argentinien im Wert von einem Euro ist, oder ein ganzes Kreuzfahrtschiff für eine knappe Milliarde Euro. Nur ein ganzheitlicher Vergleich kann eine Einordnung liefern und mögliche Alternativen aufzeigen.

Undifferenzierte Scheuklappen-Debatte

Trotzdem sieht sich die Kreuzfahrt-Branche häufig einer sehr undifferenzierten, mit Scheuklappen geführten Debatte ausgesetzt. Sie muss sich mit Schwarz-Weiß-Malerei, nicht hinterfragter Propaganda und fragwürdigen Fakten-Behauptungen auseinandersetzen. Eine Einordnung im Vergleich zu anderen Urlaubsformen findet in der öffentlichen Diskussion kaum statt.

Als Kreuzfahrtjournalist und -blogger muss ich mich immer wieder vor Lesern rechtfertigen, warum ich differenziert mit recherchierten Fakten argumentiere (in deren Augen: Partei für die Reedereien ergreife) und nicht in die unreflektierten Hasstiraden gegen die Kreuzfahrt einstimme.

In diesem Beitrag will ich häufig diskutierte Kreuzfahrt-Umwelt-Themen aufgreifen. Ich will Denkanstöße für eine differenziertere Betrachtung und eine sinnvolle Bewertung der Umweltbelastung durch die Kreuzfahrt geben. Ziel: mit Fakten zu einer sachlichen und fachlichen Grundlage in der Diskussion beitragen. Treten wir also einmal einen Schritt zurück und schauen über den Tellerrand hinaus.

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Update und Klarstellung: Dieser Beitrag hat weder die Intention, eine Lanze für die Kreuzfahrt zu brechen, noch gegen sie zu argumentieren. Mein Anliegen ist lediglich dazu anzuregen, Dinge ordentlich zu recherchieren, Vorurteile zu hinterfragen, Zusammenhänge zu berücksichtigen und Einzelaspekte nicht losgelöst vom Rest der Welt zu betrachten, wenn man Kritik formuliert. Kritik muss auf geprüften und gesicherten Fakten basieren, sonst ist sie nicht mehr Stammtischgeschwätz. Was ich im Folgenden schreibe sind (teils provokative) Denkanstöße in diese Richtung, ausdrücklich keine inhaltliche Aufarbeitung aller Umweltprobleme in der Kreuzfahrt.

Wir alle sind Schuld an der billigen Verfügbarkeit von Schweröl

Schweröl zu verteufeln, fällt leicht. Denn Schweröl ist eine Belastung für die Umwelt. Der Kreuzfahrt die Schuld dafür allein zuzuschieben, ist aber aus mehreren Gründen sinnlos.

Zum Einen: Schweröl wird auch von den weltweit mindestens 50.000 Fracht- und Containerschiffen genutzt (vgl. rund 400 Kreuzfahrtschiffe). Die auf diese Weise transportierten Waren verwenden wir alle täglich, profitieren also auch selbst ganz direkt von der Nutzung des preisgünstigen Schweröls.

Vor allem aber: Schweröl wird nicht gezielt für die Kreuzfahrt produziert. Schweröl ist vielmehr ein Abfallprodukt aus der Produktion von Rohöl-Produkten: Benzin, PKW-Diesel und Heizöl, Kunststoffe, Basisprodukte für die Kosmetik-Industrie und vieles mehr.

Jeder von uns nutzt diese auf Rohöl basierenden Produkte täglich – und oft alles andere als sparsam oder umweltschonend. Wir fahren beispielsweise unnötige Kurzstrecken mit dem Auto, benutzen Einmal-Besteck, werfen Kunststoff-Produkte leichtfertig in den Müll, statt sie zu reparieren und Vieles mehr.

All das führt zur Entstehung von Schweröl – das irgendwo hin muss. Die Alternative zur Verwendung als Schiffstreibstoff wäre beispielsweise eine Lagerung in Sondermüll-Deponien, die potenziell irgendwann auslaufen und das Grundwasser verseuchen. Oder die Verbrennung in Kraftwerken an Land – mit besseren Filtern, aber dafür näher an bewohnten Gebieten.

Eine dauerhafte Lösung ist nicht der Verbot von Schweröl als Schiffstreibstoff, sondern ein insgesamt sparsamer Umgang mit Rohöl-Produkten und die Nutzung von Alternativen. Der wirtschaftliche Nebeneffekt einer sinkenden Nachfrage bei Rohöl-Produkten wäre die Verknappung von Schweröl. Das führt zu steigenden Preisen, macht den Einsatz von alternativen Energieformen wirtschaftlich attraktiver und beschleunigt die Entwicklung neuer Alternativen.

Falsche Zusammenhänge und unsinnige Bewertung der Emissionen

Bei Schadstoff-Emissionen von Kreuzfahrtschiffen wird viel durcheinander geworfen, Unsinn behauptet und mit aussagelosen Messungen agiert.

Beispiele: Regelmäßig führen Umweltverbände in Häfen Messungen mit Geräten durch, die laut Hersteller nur für Innenräume geeignet sind. In einem TV-Beitrag wurde kürzlich die angebliche Feinstaubbelastung durch die AIDAperla im Hamburger Hafen gemessen und als viel zu hoch befunden. Nur: Die AIDAperla nutzt im Hafen LNG als Brennstoff. LNG erzeugt bei der Verbrennung keinen Feinstaub. Gemessen wurde also offenbar die allgemein Feinstaubbelastung im Hafen. Wie sollte man im Hafen auch die Belastung durch ein einzelnes Schiff messen, wenn rund herum Dutzende andere Schiffe liegen?

Häufig wird überhaupt nicht unterschieden, welche Emissionen entstehen beziehungsweise welche Treibstoffe verwendet werden, je nachdem, ob ein Schiff auf hoher See, in Schutzzonen oder im Hafen ist.

Da werden ungefilterte Schweröl-Emissionen im gleichen Satz wie „im Hafen“ erwähnt, obwohl in EU-Häfen Grenzwerte gelten, die den Einsatz von Niedrigschwefel-Schweröl, Marinediesel oder Scrubbern erzwingen. Dadurch sind die Emissionen beispielsweise von Feinstaub und Schwefeloxiden, teils auch Stickoxiden im Hafen deutlich niedriger – wenn auch vielleicht nicht niedrig genug, aber diesen Kritikpunkt kann man dann ja korrekt benennen.

Auf hoher See dagegen sind höhere Schadstoffwerte deutlich weniger problematisch, weil beispielsweise Stickoxide und Ultrafeinstaub stark verdünnt werden. Es bringt also nichts, mit dem Stickoxid- und Feinstaubausstoß eines Kreuzfahrtschiffs auf hoher See zu argumentieren, weil dort keine Menschen sind.

Für die Passagiere am Schiff dürfte selbst der Feinstaub durch aufgewirbelte Salzpartikel am Meer relevanter sein (der allerdings deutlich weniger schädlich ist als Feinstaub aus Schiffs- oder Autoabgasen), weil der Wind und der Schornstein die Schiffsemissionen typischerweise vom Schiff wegleiten.

Die Kreuzfahrt macht weniger als 1 Prozent des zivilen Schifffahrt aus

Die Kreuzfahrt steht im öffentlichen Fokus und sollte als touristisches Angebot tatsächlich vorbildlich sein. Allerdings solle man sinnvollerweise berücksichtigen, dass die Kreuzfahrt weniger als 1 Prozent des zivilen Schiffe ausmacht und deshalb Regulierungen für die gesamte Schifffahrt nötig sind. Das relativiert nicht die Verantwortung der Kreuzfahrt für die Umwelt, aber Verbesserungen in der Kreuzfahrt allein würden eben auch nahezu nichts bewirken.

Allgemeine Gesellschaftskritik vs. Kritik an der Kreuzfahrt

Bei Kritik an der Kreuzfahrt schwingt häufig ein Unterton mit, der auf einer kritischen Sichtweise auf unser freiheitlich-demokratisches Gesellschaftsbild basiert. Manchmal auch auf unterschwelligem Sozialneid. Letzterer ist möglicherweise geprägt von einem antiquierten Bild der Kreuzfahrt, wie es die ZDF-Serie „Das Traumschiff“ stilisiert. Grober Tenor: „Kreuzfahrt ist Luxus und damit überflüssig.“

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Eine freiheitliche Gesellschaftsordnung ist aber gerade darauf ausgerichtet, dem Einzelnen möglichst viel individuelle Entscheidungsfreiheit zu belassen. Sie darf nicht vorschreiben, was der Einzelnen gut zu finden hat und was nicht; was er zu kaufen und zu konsumieren hat und was nicht; welche Ansichten er zu haben hat und welche nicht.

Kreuzfahrten als verachtungswürdigen „Luxus“ einzustufen und daher als überflüssig oder gar gesellschaftsschädlich zu deklarieren, passt nicht in eine solche Gesellschaftsordnung. Insbesondere dann nicht, wenn wir zugleich die Container- und Frachtschifffahrt in einer der globalen Wirtschaft mit all ihren ökologischen Exzessen wie selbstverständlich akzeptieren.

Umwelt hat kein Preisschild – aber daran ist nicht die Kreuzfahrt Schuld

Schweröl ist deshalb so billig, weil die damit verbundenen Umweltschäden für den Verursacher und für den Verbraucher kostenlos sind. Freiwilliges Umwelt-Engagement führt häufig zu Wettbewerbsnachteilen. Angebote zur freiwilligen Kompensation beispielsweise von CO2 bei Flugreisen wird vom Verbraucher kaum angenommen.

Aber das trifft nicht nur auf Schweröl zu, sondern ist ein Phänomen unseres gesamten, globalen Wirtschaftssystems. Billig-Produkte können in anderen Ländern, auf anderen Kontinenten unter katastrophalen Umweltbedingungen hergestellt werden, weil die Folgen dieser Umweltschäden nicht in den Preis der Produkte einfließen und meist nicht einmal unsere eigene Volkswirtschaft direkt belasten.

Die Kreuzfahrt diesbezüglich mit anderen Maßstäben zu messen, ist Unsinn. Es verstellt den Blick auf die grundlegenden Probleme und liefert nur eine selbstgefällige Ausrede, einerseits im eigenen Lebensumfeld nicht aktiv werden zu müssen und sich andererseits auch nicht für einen generellen Wandel bei der Wertschätzung der Umwelt zu engagieren.

Umweltschutz-Maßnahmen in der Kreuzfahrt abseits von Treibstoff und Emissionen

Gerne wird bei Kritik an der Kreuzfahrt die Relation zu anderen Urlaubsformen ausgeblendet. Dies zu berücksichtigen, wäre aber sinnvoll, weil es eine Einordnung liefern würde, wo die Kreuzfahrt im Gesamtvergleich überhaupt steht.

Eine simple Analogie: Wenn ich eine Jalapeno-Chili (2.500 bis 8.000 Schärfegrade auf der Scoville-Skala) als „höllisch scharf“ deklariere, liefert das wenig wirkliche Information. Erst durch die Einordnung zwischen Peperoni (100 bis 500) und Cayenne-Pfeffer (30.000 bis 50.000) bekommt der Leser eine Vorstellung davon, wie scharf die Jalapeno-Chili ist – auch wenn sich dann die schöne, reißerische Formulierung „höllisch scharf“ nicht mehr halten lässt.

Kritiker reduzieren die Kreuzfahrt gerne auf den Vergleich mit anderen Transportmitteln, bevorzugt dem PKW. Das bietet aber keine Einordnung, sondern führt in die Irre. Denn es ignoriert, dass ein Kreuzfahrtschiff nicht nur von A nach B fährt, sondern auch Hotel und Entertainment-Komplex ist, inklusive Wasserwerk, Kläranlage, Poolanlage und vielem mehr.

Ein sinnvoller Vergleich muss diese Aspekte mit einbeziehen und als Vergleichsgröße beispielsweise ein Ferienressort an Land heranziehen, inklusive Bewertung der Wasser- und Abwasser-Situation, der Verbrauchsmenge und Herkunft der benötigten Energie und einigem mehr.

Weil dieser Vergleich nicht stattfindet, dreht sich die Umweltdebatte um die Kreuzfahrt in der öffentlichen Wahrnehmung fast ausschließlich um die Treibstoff-Frage. Dabei ist die Kreuzfahrt gerade in den übrigen Bereichen teils vorbildlich und den meisten Ferienressorts an Land weit voraus.

Je nach Reederei und Baujahr des jeweiligen Schiffs müssten unter anderem folgende Punkte bei der Bewertung der Umweltverträglichkeit von Kreuzfahrtschiffen fairerweise berücksichtigt werden:

  • Einsatz von nachhaltiger Materialien beim Schiffsbau
  • mehrstufige, biologische Kläranlage, teils mit UV-Anlage, vergleichbar mit den besten Kläranlagen an Land
  • eigene Wasser-Erzeugung an Bord (sodass insbesondere in wasserarmen Regionen wie beispielsweise in Spanien kaum lokale Wasser-Ressourcen genutzt werden müssen)
  • konsequente Müllvermeidung, Mülltrennung und Recycling-Programme
  • aktueller Trend 2018: Bann auf Einweg-Plastik an Bord
  • Programme gegen Lebensmittelverschwendung (bei ohnehin schon geringen Müllmengen)
  • höchst effizientes Energiemanagement, Wärmerückgewinnung, LED-Beleuchtung, Solartechnik, selbst-optimierende und computergesteuerte Klimatechnik und vergleichsweise geringe zu klimatisierende Raum-Volumen
  • Umweltoffiziere an Bord, deren Aufgabe es ist, alle gesetzlichen Vorgaben und unternehmensinternen Umwelt-Richtlinien durchzusetzen
  • detaillierte Nachhaltigkeitsberichte mit Offenlegung der relevanten Umwelt- und Nachhaltigkeitsdaten

Fairness in der Debatte

Unabhängig von der Frage, wie umweltverträglich Kreuzfahrten tatsächlich sind: Nur weil man persönlich nie auf eine Kreuzfahrt gehen würde (die Gründe dafür sind vielfältig und sollten respektiert werden), muss man ja nicht immer gleich alle Kreuzfahrer als Aussätzige behandeln, als Ignoranten beschimpfen, als minderwertig oder vertrottelt einstufen.

Lassen wir doch jeden Menschen derjenige sein, der er sei will, mit seiner eigenen Meinung, seinen eigenen Einstellungen und Vorlieben, seiner eigene Lebensweise. Es tut nicht weh, andere Menschen und ihre Einstellung zu respektieren.

Wer souverän ist und freiheitlich-demokratisch denkt, freut sich darüber, dass Menschen verschieden sind und fördert diese Pluralität, statt sich abzugrenzen, stupide Vereinheitlichung anzustreben und anders Denkenden zu diffamieren und zu beleidigen.

Das Ziel ist, die Kreuzfahrt umweltfreundlicher zu machen. Das erreichen wir am besten durch sachliche Diskussion und differenziere Betrachtung der Fakten – selbst wenn die bei genauem Hinsehen vielleicht nicht so skandalös sind, wie uns die gängigen Vorurteile glauben machen.

15 Kommentare zu “Umweltschutz in der Kreuzfahrt: gegen Vorurteile und undifferenzierte Schwarz-Weiß-Malerei

  1. Wertvolle Gedanken-Analyse, Franz, aber eines muss man der Cruise-Industrie trotzdem vorwerfen: Dass sie das Thema nur zögerlich aufgegriffen hat und erst jetzt zu reagieren beginnt. Es ist zudem symptomatisch, dass hier deutsche Reedereien eine Vorreiterrolle spielen und nicht die marktdominierenden US-Reedereien. Das spiegelt weltanschauliche Differenzen: Was kümmert schon die Trump-Nation die Umwelt?

  2. Sehr geehrter Herr Neumeier,
    ich habe 18 Jahre in der Kreuzfahrt/Schifffahrt Industrie im Umweltschutzbereich gearbeitet und Sie wissen, dass es besser gehen könnte. Ein einfaches, machen doch alle so, die anderen Schiffe aber auch, wir müssen alle stimmen so auch nicht pauschal. Es liest sich leider wie ein typischer Lobby Artikel, sorry.
    Ingo Eden

  3. Hallo Franz,
    ein toller Bericht und ich finde wenn der Nabu immer mit dem PKW vergleich um die Ecke kommt nehm ich das sowieso nicht mehr ernst und halte das auch für unseriös bewertet weil wie du schon sagtest ein Kreuzfahrtschiff ist viel mehr noch als der Treibstoff und ich würde sogar soweit gehen es nicht mit einem Ferienresort zu vergleichen sondern ein Schiff wie die Oasis of the Seas oder Norwegian Getaway würde ich mit einer Kleinstadt vergleichen wohin gegen ich die Europa 2 oder Seabourn Ovation mit einem Luxusresort an Land vergleichen würde.
    Ich bin jedenfalls auf die AIDAnova und die Costa Smeralda gespannt das werden wohl die Umweltfreundlichsten Kleinstädte auf hoher See sein und wahrscheinlich Umweltfreundlicher als fast jede Kleinstadt an Land. Ich versuche auf jedenfall in den nächsten zwei Jahren auf eines der beiden Schiffe zukommen um mir selber ein Bild davon zumachen jedoch sind mir bei diesen Schiffen die 7 Tage Routen zu langweilig so das ich wahrscheinlich auf einer der weinigen längeren Routen dabei sein werde mal schauen.
    Ich habe noch eine letzte Frage weißt du eigentlich ob die Celebrity Reflection und die Anthem of the Seas sowie die Schwesterschiffe von beiden Schiffsklassen die ich genannt habe Scrubber haben oder ob sie mit Marinediesel und Ungefilterten Schwerölabgasen unterwegs sind vielen Dank schon mal im vorraus und noch einen schönen Urlaub.

    Herzliche Grüße,
    Oliver

  4. Lieber Herr Eden,

    dann war’s mein Fehler, nicht noch deutlicher zu sagen, was ich mit diesem Beitrag will. Denn eine „machen doch alle so“ ist absolut nicht das, was ich damit aussagen will und ich stimmen Ihnen absolut zu, dass selbstverständlich mehr möglich ist.

    Mir geht es in diesem Beitrag ausschließlich darum zu fordern, dass Kritik an der Kreuzfahrt fundiert, differenziert und auf Fakten basierend sein sollte. Ich wehre mich – nicht nur in der Kreuzfahrt, aber das ist halt mein Fachgebiet – gegen die zunehmende Sichtweise in Teilen unserer Gesellschaft und leider zunehmend auch in den Medien, dass es egal ist ob die Fakten stimmen, Hauptsache man kann ein bereits vorgefasstes Urteil möglichst wirksam präsentieren. Nach dem Motto „Madrid, Marseille – Hauptsache Italien“.

    Wenn ordentlich recherchierte Fakten zum Ergebnis führen, dass die Kreuzfahrt skandalös mit der Umwelt umgeht – bestens. Als Journalist freue ich mich, wenn jemand anständig recherchiert. Nur lese ich eben jetzt über Jahre hinweg fast ausschließlich Texte und Kommentare, die „Kreuzfahrtschiffe sind Dreckschleudern“ einfach als Faktum betrachten und nichts hinterfragen. Die absurd falsche Zusammenhänge dazu nutzen, um ihre vorgefasste Meinung zu bestätigen.

    Ich denke, wenn man etwas kritisiert, sollte man es auf der Basis von verifizierten Fakten tun und nicht Vorurteile ungeprüft übernehmen, nur weil’s gerade en vogue ist.

    Ich werde den Beitrag noch einmal überarbeiten, um das deutlicher zu machen.

    Herzliche Grüße,
    Franz Neumeier

  5. @Beat Eichenberger: Du hast vollkommen Recht und ein Ziel mit diesem Beitrag war auch nicht, Partei für die Reedereien zu ergreifen. Es gibt ja eigentlich genug, was man wirklich ernsthaft kritisieren kann. Umso weniger verstehe ich, warum gerade auch Journalisten-Kollegen so schlecht recherchieren und immer nur die gleichen Stereotypen und Vorurteile wiederkäuen, die davon nicht richtiger werden. (Bzw.: eigentlich verstehe ich es natürlich schon – Zeitmangel, Lustlosigkeit, Suche nach Prügelknaben fürs Sommerloch. Aber dann kann man Journalismus auch gleich ganz sein lassen …)

  6. @Oliver: Für die genannten Schiffe kann ich Dir das aus dem Stegreif nicht mit Sicherheit sagen. Aber die Quantum Class ist definitiv mit Scrubbern (AEP) ausgerüstet. Celebrity hat sechs Schiffe mit Scrubbern nachgerüstet, inwieweit bei Neubauten (= neuere Solstice Class) Scrubber eingebaut wurden, konnte ich ih einer schnellen Recherche jetzt nicht finden – vermute es aber.

    Ich denke, Du kannst grundsätzlich davon ausgehen, dass Kreuzfahrtschiffe sich schlicht an die gesetzlichen Vorschriften halten — d.h. in Schutzzonen entweder mit Ultra-Low-Sulfur-Schweröl oder Marinediesel fahren oder Scrubber einsetzen und auf hoher See, außerhalb der Schutzzonen, tendenziell ungefiltert fahren. Einzige Ausnahme, die ich definitiv kenne, ist TUI Cruises, die ihre Scrubber im Dauereinsatz haben auch dort, wo sie nicht müssten. Das heißt aber ausdrücklich nicht, dass andere das nicht vielleicht auch tun – nur weiß ich es halt nicht mit Sicherheit.

  7. Ich bin schon lange in der Branche tätig und es hat mir schon immer gestunken, dass wir uns als die Guten dargestellt haben. Kreuzfahrtschiffe wie Handelsschiffe fahren nun mal mit dem letzten Dreck an Kraftstoffen. Der Hinweis, dass Schweröl nicht extra für die Kreuzfahrtbranche hergestellt würde, ist etwas peinlich. Jeder Kreuzfahrtreeder hätte sofort die Möglichkeit, auf dieses Gift zu verzichten, aber der Profit lockt und es machen ja alle so und die Globalisierung. Ich kann es nicht mehr hören. Jetzt endlich tut sich was in der Branche, spät genug. Hinter vorgehaltener Hand sagen Reeder wie Schiffsbauer, dass der Druck durch die Öffentlichkeit und durch Umweltverbände dazu maßgeblich beigetragen haben. Nein, der NABU übertreibt nicht, er malt nicht schwarz-weiß. Er dringt nur bei den anderen Schiffstypen nicht so gut durch, weil sich die Medien viel stärker für die Kreuzfahrtbranche interessiert. Zuletzt wurde die AIDAnova ausgedockt und dpa hat eine Meldung dazu gemacht. WEIL EIN SCHIFF AUSGEDOCKT WURDE!!!
    Übrigens wurde meines Wissens nach die AIDAprima nicht im Hafen bei der Verwendung von LNG gemessen, sondern beim Einfahren in den Hafen. Das ist ein erheblicher Unterschied, den Sie, lieber Herr Neumeier, unsauber dargestellt haben. Die AIDAprima nutzt dann Schiffsdiesel und deren `“Partikelfilter“ funktioniert dann nicht (hat AIDA selbst zugegeben), kein Wunder also, dass hohe Feinstaubwerte gemessen wurden.
    Kurzum, alle müssen deutlich mehr tun. Die Kreuzfahrtbranche sitzt aber immer noch im Glashaus. Solange das so ist, sollte sie nicht auf andere zeigen.

  8. Lieber Hannes Maurer,

    ich glaube, dann haben Sie mich teils falsch verstanden. Ich sage doch gar nicht, dass die Kreuzfahrt sauber ist und Schweröl ganz toll – was es selbstverständlich nicht ist.

    Was ich aber fordere ist, das Thema Umweltschutz in der Kreuzfahrt in der öffentlichen Debatte sachlich und mit fundierten Fakten zu argumentieren und nicht mich nachgeplapperten, ungeprüften Vorurteilen. Mir geht es nicht darum, irgend etwas schön zu reden oder zu verschleiern, aber ich wehre mich (nicht nur in der Kreuzfahrt, sondern insgesamt in der öffentlichen Debatte zu kontroversen Themen) dagegen, dass es kommod geworden ist, das Fakten kaum noch eine Rolle spielen. Hauptsache, die (in den jeweils eigenen Augen) „gute Sache“ wird erreicht. Der Zweck heiligt die Mittel. Wir müssen wieder an einen Punkt zurück kommen, wo Fakten in der Diskussion relevant sind.

    Bzgl. Messung AIDAperla (nicht AIDAprima übrigens, die im Mittelmeer fährt): Das Video ist bei Youtube zu sehen (https://www.youtube.com/watch?v=oTAllzGLUzI), die entsprechende Messung kommt bei ca. Minute 40:00 vor. Dabei steht die AIDAperla am Cruise Terminal in Steinwerder. Hätte die Messung während der Fahrt stattgefunden, wäre das Schiff mutmaßlich mit Schweröl plus Scrubber gefahren und auch wenn der explizite Partikelfilter immer noch nicht einsatzbereit sein sollte (aktuelle Informationen dazu habe ich nicht), würde der Scrubber einen Teil der Partikel filtern (eher die größeren; bei Ultrafeinstaub sind Scrubber meines Wissens nach eher weniger effizient). Aber unabhängig davon halt ich es inhaltlich für mehr als fragwürdig, in einem Hafen, in dem zahlreiche Schiffe in unmittelbarer Umgebung fahren und stehen (z.B. auch die ziemlich dreckigen, Hamburger Hafenfähren), Luftmessungen zu machen und die Werte dann einem einzelnen Schiff zuzuschreiben.

    Aber mir geht es in meinem Beitrag – das kann ich nur wiederholen – auch nicht um diese, eine konkrete Messung, die ich nur als ein Beispiel aufführe, um es anschaulicher zu machen. Es geht mir um eine Tendenz, die sich durch fast sämtliche Medienberichte zieht: Es wird kaum recherchiert, Nabu-Aussagen ohnehin nicht überprüft, sondern blind übernommen (die mögen stimmen oder nicht, aber keiner prüft sie), und die Beiträge entstehen mit einer bereits vorher feststehenden Meinung. Die Recherche wird dann darauf begrenzt, diese vorgefertigte Meinung zu untermauern.

    Einen Ihrer Punkte würde ich aber gerne nochmal aufgreifen, weil ich da zugegeben ein Problem damit habe: „Jeder Kreuzfahrtreederei hätte sofort die Möglichkeit, auf dieses Gift zu verzichten, aber der Profit lockt und es machen ja alle so und die Globalisierung.“

    -> Ja, ich würde mir auch wünschen, dass Schweröl nicht mehr eingesetzt wird. Aber die Aussage, jede Reederei könnte sofort darauf verzichten, ist doch mehr theoretischer als realistischer Natur. Sie erwarten damit implizit von einem zumeist börsennotierten Wirtschaftsunternehmen, absichtlich die Gewinne zu reduzieren, Wettbewerbsnachteile in Kauf zu nehmen.

    Ich sage nicht, dass unser Wirtschaftssystem, das solches Denken und Handeln fördert, gut ist. Aber es ist die traurige Realität. Warum erwarten wir von bestimmten Unternehmen, dass sie freiwillig und gegen ihre Geschäftsinteressen die Welt verbessern, während wir selbst in unserem eigenen Umfeld genau das nicht tun? Warum legen wie zweierlei Maß an, wenn es um uns selbst geht und wenn es um andere geht? Einem Unternehmen „Profitgier“ vorzuwerfen, ist in unserem Wirtschaftssystem doch Unsinn – der Zweck eines Unternehmens ist es, Profit zu erwirtschaften. Stört mich ein System, sollte ich doch sinnvollerweise das System attackieren und nicht (nur) einen einzelnen Teilnehmer an diesem System, der sich lediglich darin bewegt wie alle anderen auch.

    Nochmal betont, weil ich aus Erfahrung weiß, dass einem solche Aussagen immer gerne im Mund umgedreht werden: Ich finde das so auch nicht gut. Aber der Ansatz, das zu ändern, kann doch nicht (nur) der Vorwurf an Unternehmen sein, das zu tun, wofür sie da sind. Es gibt doch in diesem System Mittel und Wege, Veränderungen zu erreichen. Und beispielsweise die strengeren Schwefelgrenzwerte an der nordamerikanischen Küste haben doch gezeigt, wie schnell sich in der Kreuzfahrt-Industrie etwas verändern kann, wenn (für alle gleiche, also nicht wettbewerbsverzerrende) Gesetze eine Änderung erzwingen.

    Kurz: Was ich einfordere in der Diskussion ist eine ganzheitliche Sicht, sind ernsthafte und realistische Lösungsvorschläge – also beispielsweise die Forderung nach Gesetzesänderungen in der EU, die in der Lage wäre, strenge Abgasvorschriften in der Schifffahrt zu erzwingen, weil keine Reederei darauf verzichten könnte, in Europa unterwegs zu sein.

    Ich hoffe, es ist mir gelungen etwas deutlicher zu machen, was ich mit diesem Beitrag erreichen will.

    Herzliche Grüße,
    Franz Neumeier

  9. Hallo Franz,

    danke für diesen sachlichen Artikel. Ich denke, es ist falsch, Dir hier Schönfärberei vorzuwerfen. Ich finde die Einschätzung sehr realistisch. Die Diskussion, die teilweise gefhrt wird, entbehrt jeder Realität. Ein Kollege, der jeden Tag seine 20 Kilometer mit dem Auto zur Arbeit fährt, hat mir aufgrund meiner Vorliebe für Kreuzfahrten ja auch schon Vorwürfe bezüglich der Umwelt gemacht – anders als er nutze ich für den Weg zur Arbeit aber öffentliche Verkehrsmittel. Aber da ist es ja vollkommen gesellschaftlich akzeptiert, wenn man sich jeden Tag alleine in sein Auto setzt.

    Interessant fand ich, was mir auf meiner letzten Kreuzfahrt mal wieder aufgefallen ist – manche Schiffe scheinen von sich aus „sauberer“ (nur auf den sichtbaren Dreck um Abgasstrom bezogen, man sieht ja weder Stickoxyd noch Feinstaub) als andere zu laufen. Bei unserem Schiff (AIDAsol) hat man zu keiner Zeit die übliche „Fahne“ am Schornstein gesehen, bei anderen Schiffen eigentlich immer mehr oder weniger deutlich. Laut Nachhaltigkeigsbericht hat AIDAsol aber noch gar keinen Filter und soll erst in Kürze umgerüstet werden. Anscheinend gibt es da bei den Motoren auch große Unterschiede.

    Ich denke, der Umwelt ist mehr geholfen, wenn wir uns alle mal an die eigene Nase fassen und überlegen, ob es unbedingt der Apfel aus Neuseeland sein muß, wenn es doch auch Äpfel aus heimischer Produktion, oder zumindest aus der deutlich näheren Umgebung, wie beispielsweise Südtirol, gibt, Gegen den Dreck, der von dieser Art der Globalisierung ausgeht, und der uns fast alle betrifft, ist die Kreuzfahrt fast schon vernachlässigbar.

  10. Hallo Eike,

    Die eigentliche Schwierigkeit beim Thema Umwelt sind die komplexen Zusammenhänge. Ich dachte auch immer, dass der argentinische Apfel wegen des langen Transportwegs ein Problem ist. Das Problem liegt aber nicht im Transportweg, sondern an der Jahreszeit, zu der wir Äpfel essen. Ernte ist im Herbst, d. h. im Frühjahr und Frühsommer gibt es kein heimischen Äpfel. Um sie dennoch verfügbar zu haben, müssen entweder heimische Äpfel in riesigen Kühlhäusern in Südtirol und anderswo mit Spezialgas gelagert werden, um sie frisch zu halten. In Argentinien gibt’s dagegen um diese Jahreszeit frisch geerntete Äpfel. Die Umweltbilanz des argentinischen Apfel ist also wohl besser als die des in Kühlhäusern gelagerten, Südtiroler Apfels. Solche Dinge machen das Thema so komplex und nicht leicht durchschaubar, weswegen eben genaue Recherche nötig ist und laienhafte Überlegungen oft leider nicht weiter führt (nicht böse gemeint, aber es kann halt einfach nicht jeder Experte in jedem Thema sein).

    Bei der Elektromobilität erleben wir ja gerade auch Ähnliches. Irgendwie wird einem suggeriert, dass Strom aus der Steckdose kommt und die Autos dadurch emissionsfrei sind – stimmt auch, partiell auf das jeweilige Auto bezogen. Aber der Strom muss irgendwo erzeugt werden. Das wertet Elektromobilität nicht zwingend ab. Aber die Annahme, Elektroautos hätten keinerlei negativen Einfluss auf die Umwelt (mal ganz abgesehen von den Umweltschäden bei der Akku-Produktion), ist halt so auch nicht richtig (vgl. Thema Landstrom bei Schiffen ;-)

    Was die Abgasfahne hinter Schiffen angeht: Ja, das ist auffällig und ich habe keine technisch fundierte Erklärung dafür. Allerdings können da auch Aspekte eine Rolle spielen, die nichts mit dem Schadstoffgehalt der Emissionen zu tun haben, wie beispielsweise Luftfeuchtigkeit und -Temperatur, Windstärke und -richtung, sodass sich eine andere Lichtbrechung ergibt oder sich manchmal vielleicht mehr Feuchtigkeit an feinen Partikeln anlagert, sodass sie sichtbar werden. Ich hatte im Mittelmeer auch schon einige Male den Eindruck, dass vorausgefahrene Schiffe eine gewaltige, gelbe Fahne hinter sich herziehen würden – es stellte sich heraus, dass das Sahara-Staub in der Luft war. Aber natürlich kann und wird es auch damit zusammenhängen, ob ein Scrubber eben in Betrieb ist (wie beispielsweise bei TUI Cruises dauerhaft auch außerhalb der Schutzzonen), oder gleich nach er Hafenausfahrt abgeschaltet wird.

  11. Natürlich gibt es Motoren die effizienter laufen und über optimierte Verbrennungsvorgänge mehr oder weniger Schadstoffe ausstoßen und mehr oder weniger verbrauchen. Das kennen wir aus unserem täglichen Leben; Autos mit ähnlichen Leistungsdaten verbrauchen unterschiedlich viel und haben andere Abgaswerte.
    Im Laufe des Lebens eines Motors werden die Werte in der Regel schlechter, da Dichtungen, Kolbenringe, etc. durchlässiger werden. Hierdurch werden die Verbrennungsvorgänge negativ beeinflusst und die Werte gehen den Bach runter.
    Ein weiterer Faktor der zu sichtbaren Abgasfahnen führt, ist die Temperatur des Motors oder dessen Lastzustand. Wird ein Motor „kalt“ gestartet, so wird die Abgasfahne deutlich sichtbarer als beim gleichen Motor, der die ganze Zeit in einem gleichmäßigen optimalen Drehzahlbereich arbeitet; gleiches gilt für einen Motor, der unter Volllast gefahren wird.
    Wird ein Motor beispielsweise im Hafen gestartet, da das Schiff in Bälde auslaufen soll, so wird man entsprechende Werte messen können. Wird der Motor in einem ungünstigen Lastbereich gefahren, sieht es auch nicht gut aus.
    Aus diesem Grund sind nur Abgasmessungen valide, die unter genormten Bedingungen vorgenommen wurden (vorausgesetzt es werden keine Abschalteinrichtungen für Testbetriebe in der Software… enthalten).
    Die Messungen die durch die Presse gehen, wurden nicht unter genormten Bedingungen vorgenommen. Es sind weder die Lastzustände, noch Motortemperaturen, Entfernungen, etc. bekannt. Die Aussagekraft geht daher gegen NULL.

  12. Und aus den genannten Gründen traue ich auch nur profitorientierten Unternehmen. Carnival, RCI, die investieren in Umweltschutz und machen damit zu Recht Profit.
    Dem Lügnerverein NABU traue ich kein Wort!

  13. @Beat Eichberger
    Wo sind bitte deutsche Reedereien Vorreiter? Die haben bis auf Hapag Lloyd alle nur alte und entsprechend dreckige Hardware. Oder meinen Sie etwa Aida, die zu 100% zum US-Konzern Carnival gehört oder TUI-Cruises, die zu 50% Royal Caribbean gehört, nicht zuletzt wegen deren Kompetenz beim Schiffbau? Vorreiter bei der Umrüstung auf Abgasreinigungsanlagen sind die US-Reedereien.
    Oder meinen Sie etwa die AidaNova? In dem Fall ist Ihnen wohl entgangen, dass es sich um eine neue Schiffsklasse von Carnival handelt, die Carnival für die eigene Marke, Costa, Aida und P&O vorgesehen hat. Dass Aida das erste Schiff der Klasse bekommen hat, ist nur Zufall.
    Eine deutsche Reederei ist Aida trotzdem nicht, sondern eine Untermarke der italienischen Division in einem US-Konzern, optimiert für den deutschen Markt.
    Die Schiffe, die noch unter deutschem Eigentum gebaut wurden, sind nicht gerade die umweltfreundlichen in der Flotte …

  14. @Konstantinos Defalias: Es liegt mir fern, für irgendjemanden Partei zu ergreifen oder für deutsche Reedereien zu sprechen (wobei Beat sicherlich vor allem TUI Cruises und AIDA gemeint hat, die einen dominierenden Marktanteil unter den deutschen Reedereien haben).

    Aber allein die Tatsache, dass die Mutterkonzerne jeweils in den USA sitzen (bei TUI Cruises übrigen nur zu 50% – die andere Hälfte ist die europäische TUI), sagt nicht automatisch etwas darüber aus, woher die Impulse bei der Entwicklung kommen. LNG-Technik kommt von Motorenherstellern und Werften, also aus Europa, insbes. auch Deutschland – sprich: Meyer Werft. Und es ist keineswegs Zufall, dass AIDA das erste LNG-Schiff baut, sondern die logische Fortsetzung der Entwicklung nach der Vorstufe AIDAprima/perla. Das wurde im Carnival-Konzern von Costa/AIDA vorangetrieben, nicht aus den USA gesteuert. MALS (Luftblasen unterm Rumpf) wurde von AIDA zusammen mit Mitsubishi Heavy Industries entwickelt (bei RCL gab es, hier von den USA initiiert, meines Wissens geringfügig später, eine ähnliche Entwicklung.
    Bei TUI Cruises ist das sehr ähnlich; die Umwelt-relevanten Maßnahmen sind im Wesentlichen Initiativen des deutschen TUI-Cruises-Managements. Das da nun auch der Mutterkonzern RCL mit eigenen Initiativen (z.B. Brennstoffzellen-Erprobung) hinzu kommen, ist sehr positiv.
    Dass Carnival und RCL viel Erfahrung im Schiffsbau mit einbringen, ist unbestritten, aber bei der Umwelt-Technik ging der Entwicklungsweg weitgehend in die andere Richtung – AIDA und TUI Cruises waren da jeweils in ihrem Unternehmensverbund die Vorreiter. Auch weil sich beide Unternehmen schon sehr früh ausgewiesene Experten wie Monika Griefahn (AIDA) und Lucienne Damm (TUI Cruises) ins Boot geholt haben, um das Thema voranzutreiben.

    Insofern würde ich – abgesehen davon, dass es eigentlich auch egal ist, wem ein Unternehmen gehört – nicht so pauschal urteilen wollen, dass deutsche Unternehmen (und das sind TUI Cruises und AIDA durchaus) hier nichts zu melden hätten, denn das trifft nicht zu.

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