Was passiert mit dem Müll, der an Bord von Kreuzfahrtschiffen anfällt?

Der seit 2013 weltweit bindende Annex V zu den MARPOL-Vorschriften der IMO verbietet die Entsorgung von Müll auf See. Die einzige für Kreuzfahrtschiffe relevante Ausnahme sind Lebensmittelabfälle.

ANZEIGE

Lebensmittelabfälle werden typischerweise geschreddert auf Stücke kleiner als 2,5 Zentimeter und außerhalb der 12-Meilen-Zone ins Meer entlassen. Außerhalb der zahlreichen, in den Vorschriften genannten Schutzzonen wäre diese auch bis drei Meilen Abstand zum Land zulässig. In getrockneter Form können Lebensmittelabfälle auch in bordeigenen Verbrennungsanlagen verbrannt werden.

Im Großen und Ganzen wird das Entlassen von zerkleinerten Essensabfällen als unproblematisch betrachtet, weil es sich um organische und schnell abbaubare Substanz handelt, keine chemischen Schadstoffe enthält und wohl überwiegend als Fischfutter dienen dürfte.

Vermeidung von Lebensmittel-Abfällen: Immer mehr Reedereien legen Programme zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen auf. Auf cruisetricks.de haben wir ausführlich insbesondere zu diesen Projekten von TUI Cruises und Costa berichtet.

Müllverbrennung: MARPOL-Regularien sehen vor, dass bestimmte Stoffe verbrannt werden dürfen (Resolution MEPC.76(40)) und schreiben dafür Mindest-Temperaturen vor. Die Resolution beinhaltet außerdem zahlreiche, technische Vorgaben für die Verbrennungsanlagen. Das Regularien soll den Ausstoß an Schadstoffen niedrig halten. Filteranlagen wie bei Verbrennungsanlagen an Land üblich, sind hier allerdings nicht vorgeschrieben. Vor allem größere Kreuzfahrtschiffe haben typischerweise solche Müllverbrennungsanlagen an Bord.

Mülltrennung: MARPOL schreibt die Trennung und genaue Dokumentation von Müll an Bord vor. Getrennt werden muss nach nicht-recyclingfähigem Plastik, Mischmüll mit Plastik-Anteilen, Textilien, Gefahrgut sowie den recycling-fähigen Stoffen Glas, Aluminium, Küchen-Öl, Papier und Kartonagen, Holz, Metalle und recycling-fähige Kunststoffe.

ANZEIGE

Entsorgung an Land: Für die Entsorgung des gesammelten Mülls an Land gibt es keine internationalen Vorschriften. Hier liegt es in der Verantwortung der Reederei und den Möglichkeiten im jeweiligen Land oder Hafen, für eine möglichst umweltfreundliche Verwertung zu sorgen. Leider sehen viele Reedereien das Ende ihrer Verantwortung immer noch bei der Übergabe des Mülls an einen Entsorger an Land. Andere weisen dagegen in ihren Umweltberichten nach, dass sie auch darauf achten und kontrollieren, dass beispielsweise der getrennte Müll auch tatsächlich getrennt entsorgt beziehungsweise recycelt wird.

Müllvermeidung: Nur zwei Beispiele für eine Vielzahl kleiner Einzelmaßnahmen: Mit Seifenspendern in den Badezimmern der Kabinen statt kleinen Plastikfläschchen lässt sich enorm viel Plastikmüll vermeiden. Wasserspender auf den Kabinengängen vermeidet allein auf einem einzigen TUI-Cruises-Schiff dem Umweltbericht zufolge 2.500 Wasserflaschen pro Tag an Plastikmüll.

Allerdings stoßen Kreuzfahrtschiffe gelegentlich auch auf – auf den ersten Blick unverständliche – Grenzen. In vielen Ländern dürfen nicht mehr fürs Restaurant geeignete, aber noch einwandfreie Lebensmittel nicht an Organisationen wie die Tafeln gespendet werden. Stattdessen müssen sie als Sondermüll entsorgt werden, weil entsprechende Import-Gesetze für Lebensmittel das so vorschreiben.

Einige Reedereien veröffentlichen jährlich Umweltbericht, in denen sie auch genau ausweisen, wie viel Müll an Bord der Schiffe angefallen ist und wie damit umgegangen wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.