Geht Abwasser von Kreuzfahrtschiffen direkt ins Meer?

Je moderner das Kreuzfahrtschiff ist, desto besser sind typischerweise die bordeigenen, mehrstufigen Kläranlagen, die auch mit Kläranlagentechnik an Land mithalten können. Manche Schiffe sind inzwischen sogar mit einer UV-Licht-Anlage ausgestattet, die zusätzlich Bakterien im bereits geklärten Wasser abtöten.

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Annex IV zu den MARPOL-Vorschriften der IMO ist regelt, unter welchen Bedingungen Abwasser ins Meer gelassen werden darf. Bindend sind diese Vorschriften für alle Schiffe seit September 2008.

Erlaubt ist grundsätzlich die Abgabe von ungeklärtem Abwasser auf hoher See, also typischerweise außerhalb der 12-Seemeilen-Zone. Tatsächlich geschieht das aber auf Grund freiwilliger Selbstverpflichtungen nahezu aller Kreuzfahrt-Reedereien faktisch nicht. Stattdessen wird nur geklärtes Abwasser abgelassen.

Im Bereich zwischen drei und zwölf Seemeilen vom Land entfernt darf ohnehin nur geklärtes beziehungsweise dekontaminiertes Abwasser ins Meer abgelassen werden. Näher als drei Meilen zum Land und insbesondere in den Häfen darf überhaupt nichts über Bord gehen.

Besondere Vorschriften gelten für die Ostsee. Gemäß Helcom (Helsinki Convention) darf dort ab 2019 (neue Schiffe) beziehungsweise 2021 (ältere Schiffe) auch geklärtes Abwasser nicht ins Meer gelassen werden, es sei denn die Anlagen an Bord erfüllen sehr strenge Grenzwerte bei der Entfernung von Phosphaten und Nitraten. Letztere werden auch bei modernen Schiffskläranlagen nicht vollständig gefiltert. Vorerst die meisten Schiffe werden Abwasser in der Ostsee auf absehbare Zeit an Land entsorgen müssen. Häfen sind entsprechend verpflichtet, Abwasser von Schiffen entgegen zu nehmen und an Land zu klären.

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