Kreuzfahrthafen Venedig (Bild: Carmen Winkler)

Venedig: Keine Kreuzfahrtschiffe mehr über 55.000 BRZ

Im jahrelangen Streit um große Kreuzfahrtschiffe in der Lagune von Venedig gibt es offenbar eine Einigung: Innerhalb von drei bis vier Jahren werden Kreuzfahrtschiffe mit einer Tonnage von über 55.000 BRZ nicht mehr durch den Giudecca-Kanal fahren. Stattdessen sollen Terminals in der Küstenstadt Marghera ausgebaut werden.

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Möglicherweise werden überhaupt keine Kreuzfahrtschiffe mehr durch den Giudecca-Kanal fahren dürfen. Alle Schiffe müssten dann zunächst durch die Porta di Malamocco in die Lagune einfahren (siehe Karte unten) und durch den Canale dei Petroli nach Marghera fahren. Dort entstehen neue Kreuzfahrt-Terminals.

Kleinere Schiffe könnten über den – mutmaßlich bis dahin noch auszubaggernden – Canale Vittorio Emanuele III zu den Terminals der Stazione Marittima in Venedig weiter fahren. Definitiv vom Tisch ist offenbar die zwischenzeitlich favorisierte Variante, die Contorta-Sant‘ Angelo auszubaggern und die Schiffe auf dieser Route nach Venedig zu leiten.

Ausgearbeitet hat den Kompromiss eine Arbeitsgruppe aller Beteiligter unter Führung des italienischen Verkehrsministers Graziano Delrio, der das Ergebnis der monatelangen Verhandlungen nun verkündet hat. Einzig die „Movimento 5 Stelle“ des Komikers Beppo Grillo sowie die Initiative „No Grandi Navi“ schimpfen weiter öffentlich und fordert eine komplette Verbannung der großen Kreuzfahrtschiffe aus der Lagune von Venedig.

Der jetzt beschlossene Plan sieht vor, in einem Zeitrahmen von drei bis vier Jahren schrittweise die Voraussetzungen zu schaffen, dass die großen Schiffe künftig Kreuzfahrt-Terminals in Marghera am italienischen Festland anlaufen. Dafür sollen sie die bereits vorhandene Fahrrinne für Fracht- und Containerschiffe (Canale dei Petroli) nutzen können. Komplett neue Fahrrinnen sollen – wie zeitweise diskutiert – nicht gegraben werden und auch die aufwändigen Ideen für ein Offshore-Terminal außerhalb der Lagune sind damit vom Tisch.

Die diskutierten Routenführungen in der Lagune von Venedig (Karte basiert auf Open Street Maps, CC BY-SA 2.0)
Die diskutierten Routenführungen in der Lagune von Venedig (Karte basiert auf Open Street Maps, CC BY-SA 2.0)

Umweltschützer und andere Aktivisten in Venedig hatten sich seit vielen Jahren dafür stark gemacht, große Kreuzfahrtschiffe aus Venedigs Altstadt zu verbannen. Zwischenzeitliche Tonnage-Beschränkungen wurden von Gerichten wieder aufgeboben, Stadt, Regional- und Zentralregierung sowie Aktivistenverbände waren heillos zerstritten bei der Suche nach einer Lösung des Problems. Im Juli 2016 hatte sich sogar das Weltkulturerbe-Komitee der Unesco zu Wort gemeldet und ultimativ eine Lösung gefordert.

Die Route durch den Giudecca-Kanal, vorbei am Markusplatz, wird dann nur noch kleinen Kreuzfahrtschiffen mit einer Tonnage von bis zu einer BRZ von 55.000 zur Verfügung stehen, ebenso wie die Terminals direkt in Venedig.

Jetzt soll ein Detail-Konzept erarbeitet und umgesetzt werden, nach dem Fracht- und Kreuzschifffahrt gemeinsam und konfliktfrei den vorhandenen Kanal durch die Lagune nach Marghera nutzen können. Als Budget stehen für die Umsetzung der jetzt beschlossenen Pläne 70 Millionen Euro bereit.

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