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Probenentnahme zum Antigen-Test (Archivbild, weil in Triest Fotografieren verboten war)

Am Kreuzfahrtschiff positiv auf Covid-19 getestet: Wie geht’s weiter?

Was passiert eigentlich, wenn ein Corona-Test bei der Einschiffung oder während der Kreuzfahrt an Bord positiv ausfällt? Wie geht’s weiter? Wie kommt man wieder nach Hause? Wer kommt für die entstehenden Kosten auf?

Kreuzfahrtschiffe fahren dank umfassender Hygiene-Konzepte relativ sicher, Corona-Fälle an Bord gibt es nur recht wenige. Kern aller Maßnahmen sind Corona-Tests bei der Einschiffung und häufig auch während der Kreuzfahrt – selbst auf Schiffen mit Impfpflicht.

Manchmal ist ein negatives Testergebnis für die Rückreise nach Hause nötig, oft verlangen den Behörden in angelaufenen Häfen einen negativen Coronatest, bevor Passagiere auf Landausflüge gehen oder überhaupt das Schiff verlassen dürfen. Meist gilt das auch für doppelt geimpfte Passagiere.

Antigen-Testzentrum an Bord
Wegweiser zum Antigen-Testzentrum an Bord der Celebrity Apex

Zumeist kommen dabei die schnell und unkompliziert durchführbaren Antigen-Tests zum Einsatz. Was aber passiert, wenn ein solcher Routine-Test an Bord eines Kreuzfahrtschiffs anschlägt und ein positives Testergebnis ausweist?

Eines ist klar: Positiv ist positiv, egal ob die Person geimpft ist oder nicht, ob sie Symptome zeigt oder nicht. Ob mit oder ohne Impfung, ob mit Symptomen oder ohne – sie gelten als potenzielle Ansteckungsgefahr für andere.

Isolation und Verifizierung des Ergebnisses mit einem PCR-Test

Der erste Schritt daher ist immer: Der betreffende Passagier wird von den Mitreisenden isoliert. Dafür gibt es derzeit auf allen Kreuzfahrtschiffen spezielle Bereiche mit Kabinen, die vom Rest des Schiffs abgeschottet sind, zumeist mit getrennter Klimaanlage und Crew-Mitgliedern, die nur für diesen Bereich zuständig sind.

Quarantäne-Kabinen: abgetrennt von den restlichen Passagierbereichen
Quarantäne-Kabinen: abgetrennt von den restlichen Passagierbereichen

Parallel finden zwei Dinge statt: Die Kontaktnachverfolgung beginnt – es werden also Personen identifiziert, die mit dem positiv Getesteten in engerem Kontakt standen und deshalb gegebenenfalls ebenfalls isoliert werden müssen.

Und der positive Antigentest-Befund wird mit einem PCR-Test verifiziert. Denn Antigentests haben einen Nachteil: Sie sind etwas anfälliger für sogenannte „False Positives“, also positive Testergebnisse, obwohl tatsächlich gar keine Infektion vorliegt. Erst, wenn auch der PCR-Test positiv ausfällt, gilt der Passagier als definitiv Covid-19-positiv.

Die lokalen Behörden übernehmen …

Die Frage, wie es weitergeht, wenn in Passagiere PCR-Test-bestätigt positiv ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn an dieser Stelle übernehmen die zuständigen Behörden an Land, typischerweise also die Behörden im nächsten angelaufenen Hafen. Bis dahin bleibt die betroffene Person in einer Isolierkabine an Bord.

Eventuelle Kontaktpersonen werden unter Umständen in ihrer eigenen Kabine isoliert, solange das PCR-Test-Ergebnis des potenziell Infizierten aussteht. Nicht immer müssen Kontaktpersonen im nächsten Hafen ausgeschifft werden. Eventuell genügt auch ein negatives Testergebnis beispielsweise nach 24 Stunden Quarantäne an Bord, um die Kreuzfahrt anschließend normale fortsetzen zu können.

PCR-Testgerät im Hospital der MSC Grandiosa
PCR-Testgerät im Hospital der MSC Grandiosa

Letztlich entscheiden dann die Behörden, wie es für die positiv getestete Person und eventuell auch für enge Kontaktpersonen weitergeht. Wer sich ein Bild von solchen Regelungen machen möchte, wirft beispielsweise einen Blick auf die Gesetzgebung in Italien beziehungsweise in eines der vielen Dekrete zu diesem Thema (PDF-Link; im PDF, Suche nach Stichwort „crociera“).

Fast immer werden betroffene Passagiere im nächsten Hafen ausgeschifft. Dort geht es dann entweder in ein von den Behörden vorgegebenes Quarantänehotel für eine ebenfalls durch die lokalen Vorschriften vorgegebenen Zeitraum, um nach erneutem und dann negativ ausgefallenem Test nach Hause reisen zu dürfen. Oder die Behörden gestatten die Heimreise unter der Auflage, dies mit einem individuellen Transfer, sprich: Taxi oder Mietwagen ohne Zwischenaufenthalt zu tun.

Manche Reedereien haben eigene Teams oder Vertragspartner, die sich um die Betreuung der Passagiere ab der Ausschiffung kümmern. In der Karibik fliegen Reedereien positiv getestete Passagiere mangels Quarantäne-Hotels vor Ort teils auch in die USA.

Sollte die positiv getestete Person Covid-19-Symptome zeigen, wird natürlich auch medizinische Betreuung, notfalls auch eine Einweisung ins Krankenhaus gewährleistet.

Wer deckt die Kosten, die durch ein positives Coronatest-Ergebnis entstehen?

Kosten für Quarantäne-Hotels, Umbuchung von Flügen, Mietwaren- oder Taxi-Heimreise gehen grundsätzlich auf Kosten des Passagiers.

Die Krankenversicherung und zusätzliche Auslandskrankenversicherungen zahlen lediglich die Behandlungs- und eventuell nötigen Krankenrücktransportkosten bei einer Covid-19-Erkrankung.

Auch die meisten Reiserücktritt- beziehungsweise Reiseabbruch-Versicherungen decken Corona-Folgen nicht mit ab.

Sicherheitshalber sollte man die Versicherungsunterlagen genau prüfen und bei seiner Versicherung nachfragen. Deshalb ist es sehr sinnvoll, eine entsprechende Corona-Versicherung abzuschließen. MSC Cruises verlangt den Abschluss einer solchen Versicherung sogar zwingend. Andere Reedereien empfehlen eine Versicherung dringend, um nicht auf den vorab schwer abschätzbaren und möglicherweise erheblichen Kosten sitzenzubleiben.

8 Kommentare

8 Gedanken zu „Am Kreuzfahrtschiff positiv auf Covid-19 getestet: Wie geht’s weiter?“

  1. Ich möchte an dieser Stelle (danke für den Bericht) dringend empfehlen, die Versicherungsbedingungen penibel zu lesen. Speziell was den Bereich „Corona“ angeht, variieren die Leistungen. Zudem ist man vor Falschauskünften nicht gefeit – meiner Freundin wurde gerade bei einer Nachfrage gesagt „das ist alles bei der Kreditkartenversicherung dabei“ – was definitiv nicht der Fall ist (wer etwas in der Materie steckt, weiß, daß die bei Kreditkarten inkludierten Versicherungen schon im Normalfall häufig nicht alle Risiken abdecken, die von einer Reiserücktritt-/Reiseabbruchversicherung gedeckt sind – im Falle von Corona-Leistungen ist das erst recht nicht der Fall).

  2. Hallo Franz,
    ganz herzlichen Dank für Ihren Bericht, der uns in unserer bisherigen Entscheidung, nicht zu fahren, bestärkt.
    Liebe Grüße

  3. Lieber Herr Neumeier,
    vielen Dank für die tolle Umsetzung meiner Anregung.
    Der Bericht erleichtert auch die Anfrage an die Reiserücktrittsversicherung, welche Kosten abgedeckt sind.
    Beste Grüße

  4. Hallo Franz,

    vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Das ist schon krass, dass man all die Kosten selbst tragen muss, wenn man nicht versichert ist. Orientiert sich jemand was eine solche Versicherung idealerweise kosten soll?

    LG

  5. @Dirk: Die Kosten richten sich, soweit ich das sehen kann, bei den Versicherungen nach dem jeweiligen Reisepreis, da sie typischerweise als Ergänzung zur Reiserücktritt-/abbruch-Versicherung angeboten werden.
    Ansonsten ist es ja eigentlich ganz logisch, dass man die Kosten selbst trägt – schließlich ist es ja die eigene Gesundheit/Krankheit, die das Problem auslöst. Und die Reederei kann da ja nichts dafür. Man könnte höchstens die Frage stellen, ob es nicht gerechtfertigt wäre, dass zumindest ein Teil der Kosten von den Behörden des Landes übernommen wird, die eine solche Quarantäne-Unterbringung anordnet. Aber auch da muss man sagen: Die jeweiligen Länder können ja auch nichts dafür, dass jemand krank/infiziert ist und müssen sicherstellen, dass keine weitere Ansteckung stattfinden kann. Schwieriges Thema …

  6. Hallo an Alle…
    Frage:
    Was passiert eigentlich bei einer Karibreise, von Bremerhaven nach Bremerhaven, mit dem Passagier der nicht Fliegen kann und deshalb sich ja für eine Rundreide entscheiden muss?

  7. @Robert Juckschat: Ich denke, das wäre dann eine sehr individuelle Entscheidung von Ärzten und Behörden gemeinsam, die der Situation angemessen ist. Möglicherweise kommt ein Rücktransport in einem speziellen Flieger z.B. des ADAC infrage. Aber das wird dann halt wirklich im ganz konkreten Fall in der jeweiligen Situation entschieden werden müssen.

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