Das Wort „Eisbär“ hat das Expeditionsteam der Fridtjof Nansen konsequent gemieden, es kam bis heute niemandem über die Lippen. Ob Aberglaube oder nicht, es hat geholfen: An der Eisgrenze in Sichtweite zu Kanada finden wir auf dem Meereseis zwei Eisbären.
Ein eiskalter Wind weht uns mit über 30 Knoten Windgeschwindigkeit um die Ohren, das Schiff neigt sich in den Böen zur Seite, aber als die „Eisbären“-Durchsage kommt, hält es nur wenige Passagiere im Inneren des Schiffs.

Erst trottet ein großer, kräftiger Eisbär über das Eis zu uns herüber, immer wieder schnuppernd die Nase in den Wind gereckt. Bis an die Eiskante treibt ihn seine Neugierde, was das wohl für ein seltsamer Eisberg sein könnte, der da so plötzlich aufgetaucht ist.

Noch neugieriger ist ein zweiter Eisbär, der kurzerhand ins Wasser springt und auf das Schiff zuschwimmt. Etwa auf halber Strecke zwischen Eis und Schiff lässt er sich eine Weile in den Wellen treiben, schaut immer wieder zu uns herüber, bis er genug gesehen hat und aufs Eis zurückklettert. Um das kalte Wasser loszuwerden, schüttelt er sich einige Male kräftig und wälzt sich dann im Schnee – ein typischer Verhalten nach einem Bad im Eiswasser, wie wir später in einem Vortrag erfahren.

Die beiden Eisbären sind das Highlight dieses Tages mit der Fridtjof Nansen, an dem wir auch den nördlichsten Punkt der Reise erreichen: Breitengrad 79° 00.919′ Nord. Weiter nach Norden versperrt kompaktes Meereseis den Weg. Und so kommen wir auch nicht zur eigentlich nicht mehr weit entfernten, berühmten „Hans Island“, von der jeder wohl schon einmal in Zusammenhang mit dem sogenannten Whisky-Krieg zwischen Kanada und Dänemark gehört hat. Es wäre allerdings eh nur ein großer Felsen im Meer gewesen …

Wieder in Richtung Süden unterwegs, demonstriert der Kapitän die Eistauglichkeit der Friedjof Nansen. Weit kommt er allerdings nicht beim Versuch, eine Meereis-Fläche zu durchqueren. Mehrere Anläufe nach jeweiligem Zurücksetzen bringen uns nur wenige Meter weit. Das Eis ist einfach zu dicht. Letztlich fahren wir einfach außen herum.



















Auf dem Eis finden wir aber noch einmal Eisbären-Spuren: Eine Eisscholle ist auffällig rot gefärbt. Hier muss ein Eisbär kürzlich eine Robbe verspeist haben. 20 bis sogar 60 Robben frisst ein einzelner Eisbär in einem Sommer, um sich genug Fettreserven für den Winter anzufuttern.







Mit den beiden Eisbären haben wir jedenfalls heute etwa zwei Prozent der gesamten Population von 300 Bären in der Region Kane Basin gesehen. Die Region ist eine von fünf Eisbärenpopulationen in Grönland. Weltweit schätzt man die Eisbärenzahl auf 25.000. Hier im Kane Basin nimmt die Zahl an Bären derzeit sogar zu, in anderen Regionen Grönlands ist sie stabil oder es gibt keine tragfähigen Zahlen zu ihrer Entwicklung.




