Kreuzfahrtschiff in Venedig

Nach MSC-Opera-Unfall: Alternativ-Route für Kreuzfahrtschiffe nach Venedig gefordert

Nach dem Unfall der MSC Opera flammt in Venedig und in Rom die Diskussion um ein Verbot von Kreuzfahrtschiffen in der Lagune von Venedig neu auf. Aktivisten fordern ein sofortiges Verbot, um potenziellen weiteren Schaden von der Lagunenstadt abzuwenden. Sie werfen dem Bürgermeister der Stadt vor, selbst jetzt nur einen faulen Kompromiss anzustreben.

Der MSC-Opera-Unfall hat offenbar selbst die Politik in Rom wachgerüttelt. Der Verkehrsminister hat den Präsidenten der für die Häfen in der Nord-Adria zuständigen Behörde, Pino Musolino, für ein Gespräch nach Rom beordert. Anders als von den Aktivisten von „No Grandi Navi“ gefordert, will die Regierung zwar offenbar kein Komplett-Verbot. Es kommt jedoch Bewegung in die Planung von Alternativen zur Fahrtroute der Kreuzfahrtschiffe. Eine solche Alternative war eigentlich schon beschlossene Sache, wurde aber bislang nicht umgesetzt.

Bei einem sofortigen Verbot wäre in der gerade beginnenden Hauptsaison Hunderte von Kreuzfahrtschiff-Anläufen betroffen. Zum größten Teil führen diese Schiffe in Venedig auch ihren Passagierwechsel durch, der in nahe gelegenen Kreuzfahrt-Häfen wie Triest oder Ravenna kaum zu bewältigen wäre. In Venedig werden jährlich rund 1,6 Millionen Kreuzfahrt-Passagiere abgefertigt, davon 15 Prozent im Transit und 85 Prozent zur Ein- und Ausschiffung in Venedig. Ähnliche viele Passagiere fertigen im Mittelmeer nur die Häfen von Marseille und Palma de Mallorca ab, noch höher ist das Passagieraufkommen nur in Civitavecchia (2,3 Millionen) und Barcelona (2,7 Millionen).

Alternativen zum Giudecca-Kanal

Als realistische Alternativen für die Fahrtroute der Kreuzfahrtschiffe nach Venedig werden zwei Möglichkeiten gehandelt. In beiden Fällen würden die großen Kreuzfahrtschiffe südlich der Stadt durch die Porta di Malamocco bei Santa Maria del Mare in die Lagune einfahren und dem Canale dei Petroli zum Industrie-Hafen Marghera folgen. Damit müssten die Kreuzfahrtschiffe nicht mehr die kritische Route vorbei am Markusplatz und durch den Giudecca-Kanal nehmen.

Eine Variante sieht den Bau von neuen Kreuzfahrt-Terminals direkt in Marghera vor. Die Passagiere, die Venedig besuchen wollen, müssten dann mit Bussen dorthin gebracht werden. In der zweiten – und aktuell offenbar präferierten – Variante würden die Schiffe von Marghera weiter über den Canale Vittorio Emanuele III zu den bestehenden Terminals Stazione Marittima fahren.

Die diskutierten Routenführungen in der Lagune von Venedig
Die diskutierten Routenführungen in der Lagune von Venedig (Karte basiert auf © OpenStreetMap.org-Mitwirkende, CC BY-SA 2.0)

Diese Varianten werfen aber neue Probleme auf, zu dessen Lösung es bislang keine Einigkeit in der Politik gab. Der Canale dei Petroli ist nicht breit genug, sodass hier nur Einbahn-Verkehr möglich ist und zudem viele Gefahrgutschiffe unterwegs sind. Und für die Weiterführung der Kreuzfahrtschiffe über den Canale Vittorio Emanuele III müsste dort zunächst umfangreich ausgebaggert werden, weil die Fahrrinne für große Schiffs aktuell nicht ausreicht. Umweltschützer und Aktivisten befürchten, dass sich durch das Ausbaggern die Strömungs- und Wasserverhältnisse in der Lagune verändern könnten. Dies könnte sowohl das Ökosystem stören als auch negative Auswirkungen auf die Fundamente der Stadt haben.

Eigentlich war 2017 bereits beschlossen worden, die großen Kreuzfahrtschiffe innerhalb von drei bis vier Jahren durch entsprechende Maßnahmen nicht mehr über die bisherige Route in der Lagune fahren zu lassen. Seitdem ist offenbar aber nicht viel geschehen.

Venedigs Bürgermeister und andere Politiker fordern nach dem Unfall der MSC Opera die baldmöglichste Lösung über den Canale Vittorio Emanuele III. Dazu soll jetzt ermittelt werden, wie viele Schiffe den Kanal bereits jetzt schon ohne Ausbaggern passieren können. Gegebenenfalls könnte dann zumindest ein Teil des Schiffsverkehrs sofort umgeleitet werden. Auch die Planung für den Ausbau des Kanals soll jetzt offenbar sehr schnell vorangetrieben werden.

Unfall der MSC Opera: Glück im Unglück

Wie viel Glück MSC und die Stadt Venedig hatten, zeigt ein Blick auf die Uferlinie im Giudecca-Kanal: Das Schiff kollidierte exakt dort mit der Pier, wo diese für das Kreuzfahrt-Terminal San Basilio mit Stahlbeton verstärkt ist. Hätte sich der Unfall nur rund 150 Meter vor dieser Stelle ereignet, hätte sich der Bug des Kreuzfahrtschiffs mutmaßlich in die Fundamente der Lagunenstadt und möglicherweise die an den Kanal grenzenden Häuser gebohrt.

8 Kommentare

8 Kommentare zu “Nach MSC-Opera-Unfall: Alternativ-Route für Kreuzfahrtschiffe nach Venedig gefordert

  1. Hallo Franz!

    Könntest du die verschiedenen Routen ev. in eine Karte einzeichnen, dann kann man sich ein besseres Bild machen…

    Beste Grüße,
    Wolfgang

  2. @Wolfgang: schau’s mal in den verlinkten Beitrag zu der bereits beschlossenen Alternative rein, da ist eine Karte drin :-) Ich werde sie hier aber auch nochmal einbinden, sobald ich wieder zu Hause bin.

  3. Wir sind begeisterte Kreuzfahrer, jedoch habe ich schon vor einiger Zeit begonnen, mich mit den Folgen des Booms auseinander zu setzen. In meinem Leben nicht würde ich eine Kreuzfahrt von, nach oder über Venedig machen. Das ist Wahnsinn, was dabei kaputt geht, der Untergrund der Häuser durch den Wellengang der Riesenschiffe, die unerträgliche Luftverschmutzung, die nicht mehr zu bewältigende Logistik usw. Aber auch anderswo sieht es so aus. Barcelona ächzt unter dem Run und rund um den Hafen Mallorca ist es nur noch chaotisch. Gar nicht erst möchte an die irreparablen Umweltschäden in den Fjorden Norwegens erinnern. Da mutet ein zum Glück glimpflich abgegangener Unfall geradezu lächerlich an. Aber wenn er Menschen und Behörden wach rüttelt, hat er doch bei aller Tragik etwas positives bewirkt.

  4. Wir sind begeisterte Kreuzfahrer, jedoch habe ich schon vor einiger Zeit begonnen, mich mit den Folgen des Booms auseinander zu setzen. In meinem Leben nicht würde ich eine Kreuzfahrt von, nach oder über Venedig machen. Das ist Wahnsinn, was dabei kaputt geht, der Untergrund der Häuser durch den Wellengang der Riesenschiffe, die unerträgliche Luftverschmutzung, die nicht mehr zu bewältigende Logistik usw. Aber auch anderswo sieht es so aus. Barcelona ächzt unter dem Run und rund um den Hafen Mallorca ist es nur noch chaotisch. Gar nicht erst möchte an die irreparablen Umweltschäden in den Fjorden Norwegens erinnern. Da mutet ein zum Glück glimpflich abgegangener Unfall geradezu lächerlich an. Aber wenn er Menschen und Behörden wach rüttelt, hat er doch bei aller Tragik etwas positives bewirkt.

  5. Ihr habt absolut recht auch wenn ich 2 male die Fahrt durch den Canale Grande erleben durfte beim ersten Male auf der Costa Fortuna mit der passenden Musik dazu das war ein ein schönes Erlebnis und wird uns ewig in Erinnerung bleiben.

  6. @Hans. Ich glaube, durch den Canal Grande sind die Kreuzfahrtschiffe noch nie gefahren ;-) Der Kanal zwischen Markusplatz und Kreuzfahrt-Terminal ist der Giudecca-Kanal.

  7. Gefährlich ist,s den Leu zu wecken
    Verderblich ist des Tigers Zahn
    Doch der schrecklichste der Schrecken
    Ist der Mensch in seinem Wahn

    Wie Recht hatte doch Friedrich Schiller schon 1799

    Und liebe Kreuzfahrer ihr werdet sehen, der Wahn ist noch nicht zu Ende. Ich habe meine erste Kreuzfahrt 1975 gemacht und die gesamte Entwicklung verfolgen dürfen. Auch wenn Einzelne vernünftig denken …. es ist umsonst!

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