Unesco-Kulturerbe erwartet man bei einer Grönland Expeditionsreise erst einmal nicht. Und doch gibt es hier Spannendes zu entdecken: historische Wikinger-Siedlungen und den Sitz des ersten Bischofs von Grönland – selbiger es freilich vorzog, in Dänemark zu residieren.
Der Wikinger Eric der Rote hatte sich nach langem Suchen das heutige Qassiarsuk ausgesucht, um sich anzusiedeln und vier Jahre später weitere Siedler aus Island zu überzeugen, ihm zu folgen. Wenn man in Qassiarsuk ankommt, versteht man, warum gerade hier. Denn hier verdient Grönland seinen Namen als grünes Land. Landwirtschaft gelingt dennoch kaum, aber Schafe finden genug Gras.

Das heutige Qassiarsuk wurde 1924 gegründet, aber an der gleichen Stelle gibt es Ausgrabungen und Rekonstruktionen der alten Wikinger-Siedlung, die man heute als Unesco-Weltkulturerbe besichtigen kann.







Die Statue auf einer Anhöhe zeigt allerdings nicht Eric den Roten, sondern Leif Ericsson – Erics Sohn, der um das Jahr 1000, also etwa 500 Jahre vor Columbus, sogar noch weiter in den Westen bis ins heutige Neufundland vordrang.







Faszinierend: Als wir mit dem Zodiac zurück zur Ocean Albatros fahren, hat am Steg ein Fischhändler angelegt. Unter den Dorfbewohnern spricht sich das offenbar schnell herum. Er hat Minkwal im Angebot, der sehr lecker schmecken soll – jedenfalls, wenn man Walfleisch von Kindheit an gewohnt ist.

Von Itilleq zu Fuß nach Igaliku
Gleich noch ein zweites Unesco-Weltkulturerbe wartet am Nachmittag auf uns. Die Ocean Albatros geht in der Bucht des winzigen Dorfes Itilleq vor Anker. Hier steht übrigens, künstlich angelegt, seit 2004 der einzige Nadelbaum-Wald Grönlands. Es ist ein Versuch, inwieweit diese Bäume hier gedeihen können. Viel gewachsen sind die Bäume in den inzwischen elf Jahren nicht.







Über einen Bergrücken wandern wir gut drei Kilometer hinüber nach Igaliku. Es war der Sitz der Bischöfe von Grönland nach der Christianisierung durch dänische Missionare. Die einheimischen Lutheraner haben sich wirklich viel Mühe gegeben, um ihrem Bischof das Leben hier so angenehm wie möglich zu machen, unter anderem mit einem für hiesige Verhältnisse riesigen Haus. Dennoch wollte keiner der Bischöfe dauerhaft hier leben. Sie blieben lieber in Dänemark.







Doch die Reste der Siedlung von damals kann man heute als Unesco-Weltkulturerbe besichtigen. Im Dorf Igaliku wohnen aktuell elf Menschen ganzjährig. Im Sommer gibt es ein wenig Tourismus, sogar ein Hotel, sodass in den warmen Monaten 40 bis 50 Menschen hier leben.
Die ersten Nordlichter
Nicht zu vergessen: In der Nacht haben wir die ersten Nordlichter dieser Reise gesehen – nicht besonders kräftig, und am sehr frühen Morgen um kurz nach vier Uhr, dafür aber umrahmt von Bergen, einer kleinen Ansiedlung am Ufer und einem vorbeitreibenden Eisberg.



Fakt des Tages: Warum heißt Grönland so, wie es heißt?
Es mag überraschen, aber die Namensgebung der Insel hat ihren Ursprung in etwas, das wir heute „Marketing“ nennen. Der Wikinger Eric der Rote, aus Norwegen und Island geflohen (eine lange Geschichte), siedelte in Südwest-Grönland. Und um mehr Menschen dorthin zu locken, gab er der Insel einen vielversprechenden Namen: grünes Land, Greenland.
Auf der Route der Ocean Albatros sehen wir tatsächlich viel Grün. Aber insgesamt sind nur rund 16 Prozent der Insel eisfrei. Der Rest liegt unter einer bis zu über 3.000 Meter dicken Eisschicht.

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