Cruisetricks.de Kreuzfahrt-Ratgeber

Wie all inclusive sind „all inclusive“-Angebote wirklich?

Mehr "all inclusive" ist kaum noch möglich: Seven Seas Voyager

„All inclusive“ liegt im Trend, auch bei Kreuzfahrten. Vor allem deutsche Kreuzfahrtpassagiere stören sich oft an den hohen Nebenkosten wie beispielsweise die als „Zwangsgebühr“ betrachteten Trinkgelder und als teuer empfundene Getränke.

Der Reisepreis einer Kreuzfahrt beinhaltet zwar deutlich mehr als ein Hotel mit Vollpension an Land, aber trotzdem sind längst nicht alle Leistungen an Bord inklusive. Und so wundert sich so mancher Passagier am Ende der Reise über eine überraschend hohe Nebenkostenrechnung: Landausflüge, Spa-Behandlung, Cocktails und Getränke, Trinkgelder, Internet-Zugang, Einkäufe in den Bordshops und vielleicht hat man auch noch ein paar Euro im Spielcasino verzockt.

(Beitrag aktualisiert im Februar 2018)

Doch wie „all inclusive“ sind die „All Inclusive“-Angebote bei Kreuzfahrten eigentlich? Eine wirkliche „all inclusive“-Kreuzfahrt ist kein billiger Spaß. Denn Kreuzfahrtgesellschaften, bei denen wirklich (fast) alles inklusive ist, sind nicht in der Rubrik „Billig-Schnäppchen“ zu finden – beispielsweise Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, Seabourn, Seadream, Silversea Cruises und Regent Seven Seas.

Wer sich solche Luxus-Kreuzfahrten nicht leisten kann oder will, muss vor der Buchung genau recherchieren, welche Leistungen inklusive sind und mit welchen Nebenkosten er rechnen muss. Besonders genau lohnt es sich hinzuschauen bei Getränken und beim Trinkgeld. Denn da variieren zum einen die Getränke-Preise nicht unerheblich und je nach Reederei muss manchmal wirklich jedes Getränk extra bezahlt werden. Manchmal aber auch nur das, was man außerhalb der Mahlzeiten an der Bar oder am Pool bestellt. Je nach Kreuzfahrtgesellschaft sind unterschiedliche Getränke zu unterschiedlichen Tageszeiten auch mal kostenlos verfügbar – meist Kaffee, Tee, Wasser, Eistee oder amerikanische Lemonade.

Und dann gibt es sie natürlich doch immer wieder einmal: Sonderaktionen, Frühbucher-Rabatte und Last-Minute-Angebote bei den Luxus-Anbietern. Rechnet man die Gesamtkosten zusammen, kann ein solches Sonderangebot durchaus gleich teuer oder sogar günstiger sein als eine Junior-Suite auf einem Massenmarktschiff mit zwar günstigerem Grundpreis aber hohen Nebenkosten. Genaues Hinschauen lohnt sich hier besonders.

Premium Alles Inklusive: TUI Cruises

Am deutschen Markt kommt TUI Cruises dem „all inclusive“-Ideal am nächsten. Das Programm heißt „Premium Alles Inklusive“ – was klingt, als wäre sogar mehr als alles im Reisepreis eingeschlossen. Das stimmt natürlich so nicht, denn es bedeutet keineswegs, dass wirklich alles eingeschlossen ist. Immerhin aber einiges mehr als bei anderen Reedereien dieser Preisklasse (ähnlich: Norwegian Cruise Line). Nämlich vor allem sämtliche Trinkgelder sowie (fast) alle Getränke einschließlich Alkohol den ganzen Tag über.

Extra zahlt der Passagier nur in Spezialitätenrestaurants sowie für besonders teure Alkoholika wie Champagner, teure Weine und Premium-Spirituosen. Und natürlich für Landausflüge, Spa-Behandlungen und bei Einkäufen in den Bord-Shops.

Premium All Inclusive und Plus: Norwegian Cruise Line

Eine Besonderheit ist Norwegian Cruise Line, denn hier gilt „Premium Alles Inklusive“ nicht weltweit, sondern nur für Passagiere, die ihre Reise in bestimmten Ländern in Europa buchen, darunter auch Deutschland, Österreich oder Schweiz. Im Reisepreis inklusive Crew-Trinkgelder sowie in allen Bars und Restaurants an Bord Spirituosen, Bier, Wein im Glas und Cocktails bis 15 Dollar. Pro Passagier und Tag steht in der Kabine eine Flasche Wasser kostenlos bereit und Kaffeespezialitäten gibt es in allen Restaurants gratis. Auch die Getränke in den Spezialitätenrestaurants sind gratis. Für Neubuchungen seit Februar 2018 sind auch 60 Internet-Minuten pro Passagier enthalten.

Für Suiten-Passagiere ist außerdem ein Spezialitätenrestaurant-Paket, 250 Minuten kostenloses Internet pro Suite und 100 Dollar Bordguthaben pro Suite enthalten.

Premium All Inklusive gilt nicht für Buchungen im Tarif „Just Cruise“. Und auch bei Gruppenbuchungen kann es Abweichungen geben.

Premium All Inclusive Plus“ gilt für bestimmte Reisen mit einer Dauer von neun und mehr Tagen. Es umfasst zusätzlich zu den Leistungen von Premium All Inclusive pro Kabine: 120 Telefon-Minuten, 250 Internet-Minuten, 50 Dollar Guthaben für Landausflüge in jedem Hafen sowie bis zu 80 Euro Guthaben für eine Hotelübernachtung im Hafen und bis zu 150 Euro Guthaben für die Fluganreise.

All inclusive bei Azamara Club Cruises

Ähnlich wie bei TUI Cruises sind bei Azamara Club Cruises, der Premium-Tochter von Royal Caribbean, ab der Sommersaison 2013 die meisten Getränke in Restaurants und Bars im Reisepreis inklusive, mit und ohne Alkohol. Lediglich einige Premium-Getränke kosten extra. Trinkgeld ist bei Azamara schon seit langem inklusive und für die Suiten-Passagiere gibt es außerdem einen kostenlosen Butler-Service. Ebenfalls ab der Sommersaison 2013 ist pro Reise ein abendlicher Landausflug gratis.

Celestyal Cruises

Celestyal Cruises inkludiert Getränke auf der Celestyal Nefeli (Griechenland, Türkei) und der Celestyal Crystal (Kuba), zusätzlich auch Trinkgelder auf der Celestyal Crystal. Das Angebot gilt für Passagiere, die über die deutsche Repräsentanz H&H Touristik buchen.

Crystal Cruises „All inclusive“

Bei Crystal Cruises gilt seit 2012 ebenfalls „all inclusive“. Dazu zählen sämtliche Getränke, Alkoholika, Trinkgelder und Spezialitätenrestaurants. Ebenfalls – und auch schon vor 2012 – im Kreuzfahrtpreis inklusive sind Dampfbad und Sauna, Computer- und Sprachkurse an Bord sowie Shuttlebusse im Hafen. Update: Von 2014 an ist nur noch ein Besuch je Spezialitäten-Restaurant (Prego, Silk Road, Sushi Bar) an Bord inklusive, wer das selbe Restaurant öfter besuchen will, muss 30 Dollar pro Person zuzahlen, was dann allerdings auch Bier, Wein, Spirituosen und Trinkgeld einschließt.

„Alles inklusive“ à la Regent Seven Seas Cruises

Ohne Übertreibungen in der Werbung kommt Regent Seven Seas aus. Beim „Alles inklusive“ spricht die Leistung für sich selbst: Bei der Luxus-Reederei ist absolut alles inklusive – fast jedenfalls. Spa-Behandlungen, Casino, Einkäufe im Bordshop und Telefon bezahlt der Passagier auch hier extra. Internet ist dagegen in Suiten der Concierge-Klasse und höher bis zu 500 Minuten inklusive. Ab 1. Juni 2016 ist Internet an Bord für alle Passagiere komplett kostenfrei.

Bei Regent Seven Seas fallen weder Trinkgelder an, noch kostet Champagner und teurer Wein extra (Ausnahme: einige ganz extreme Spitzenweine). Selbst die Zigarren im Connoisseur Zigarren-Club sind inklusive. Und die Landausflüge, von 1. Mai 2016 an sogar die Fluganreise und Transfers zum Hafen. Und alle Spezialitätenrestaurants an Bord. Nur um eine Tisch-Reservierung muss sich der Passagier kümmern.

Seabourn: „The Seabourn Difference“

Auch bei Seabourn bedeutet „all inclusive“ recht viel. Im Reisepreis enthalten sind sämtliche Getränke einschließlich einer großen Auswahl an Weinen, Champagner und Spirituosen, nur Weinraritäten oder besondere Premium-Jahrgänge werden extra berechnet. Auch die Minibar ist nach individuellen Wünschen ausgestattet und wir regelmäßig mit Wasser, Softdrinks, Wein, Bier und Spirituosen kostenlos aufgefüllt.

Alle Restaurants an Bord einschließlich Service in der Kabine oder Suite sind ebenfalls inkludiert. Trinkgelder werden nicht erwartet. Selbst 15minütige Entspannungsmassagen an Deck, die so genannten „Massage Moments” sind kostenlos.

Extra berechnet werden Landausflüge, Spa-Behandlungen und Internet-Zugang.

Seadream Yacht Club „Inclusive Fare“

Auf den exklusiven Kreuzfahrt-Yachten Seadream I und Seadream II ist nahezu alles im Reisepreis inkludiert. Extra berechnet werden lediglich Spa-Behandlungen, die meisten Landausflüge und teurere Weine von der Weinkarte im Restaurant.

Zu den Inklusive-Leistungen gehören sämtliche Getränke an der Bar und im Restaurant inklusive sehr gutem Tischwein (nicht inklusive sind Weine von der Karte), Minibar, Trinkgeld, Restaurants, Benutzung der Wassersportgeräte, Mountainbikes, Laptops zur Benutzung an Bord, einige informelle Landausflüge (Einkaufen mit dem Küchenchef, Wanderung mit Cruise Director u.ä.).

All-Inclusive Value à la Silversea Cruises

Anders als bei Regent Seven Seas sind bei Silversea Cruises‘All-Inclusive Value“ Landausflüge nur bei bestimmten Kreuzfahrten inbegriffen, überall aber gibt es immerhin einen kostenlosen Shuttlebus vom Hafen in die Stadt. An Bord bekommt der Passagier dagegen das komplette Paket. Inklusive sind Trinkgelder, sämtliche Getränke, Kaffee-Spezialitäten und Alkohol auch in der auf Wunsch individuell bestückten Minibar und das Essen aus dem Bordrestaurant kann man sich auch frisch und heiß Gang für Gang in der Kabine servieren lassen.

„You get what you pay for“

Eines sollte man bei „all inclusive“ nicht übersehen: Kreuzfahrtgesellschaften haben nichts zu verschenken. Leistungen, die der Passagier in Anspruch nimmt, muss er auf die eine oder andere Weise auch zahlen. Einfache Regel: Man bekommt das, was man auch bezahlt. Die Frage ist nur, auf welchem Weg man bezahlt – ob direkt oder indirekt.

Jedes All-Inklusive-Konzept basiert daher auf einer Mischkalkulation der Reederei: Alle Passagiere zahlen (über einen höheren Kreuzfahrtpreis) in einen großen Topf ein und bedienen sich anschließend wieder daraus. Wer generell eher genügsam ist, wenig Alkohol trinkt und Landausflüge ohnehin lieber günstig auf eigene Faust macht, der zahlt bei All Inclusive tendenziell drauf. Allerdings kann natürlich die Tatsache, dass man während der Reise von Bezahlvorgängen und Preisen verschont bleibt, so viel zusätzliche Erholung und Entspannung bedeuten, dass allein dies schon den höheren Kreuzfahrtpreis mehr als aufwiegt.

Ebenfalls sehr interessant ist ein Gesamtpreis-Vergleich zwischen verschiedenen Angeboten. Wie groß ist der Unterschied zwischen einem Billig-Schiff plus sämtlicher Nebenkosten und einem teureren All-inclusive-Schiff? Oft ist das Ergebnis einer solchen Rechnung überraschend. Und erwischt man ein besonders günstiges Schnäppchen bei einer Luxus-Reederei, kann selbst hier der Gesamtpreis durchaus mithalten mit einem Massenmarkt-Schiff, wenn man dort die extra zu bezahlenden Nebenkosten dazurechnet.