Die Eurodam ist weder das modernste, noch grƶĆte, noch spektakulƤrste Schiff ā aber genau darin liegt ihre heimliche StƤrke. Das 2.100-Passagiere-Schiff von Holland America Line hat den Charme eines klassischen Kreuzfahrtschiffs mit gediegenem und zugleich ungezwungenem Flair. Ihre GrƶĆe ist genau richtig, um auch kleiner HƤfen anzulaufen. Und Sie bietet genug Abwechslung für lƤngere Reisen. Wir haben uns die Eurodam genau angesehen.
Bei Portraits von Kreuzfahrtschiffen stehen oft Superlative im Vordergrund. Es geht um mƶglichst viel Neues und Innovatives, um grƶĆer, hƶher, schneller, weiter. Der Reiz der Eurodam, und von Holland America Line insgesamt, ist beinahe schon das Gegenteil: BewƤhrtes, Traditionelles, Liebgewonnenes.

Mit rund 2.100 Passagieren ist die Eurodam groà genug für eine angenehme Reise auch noch bei etwas Seegang. Sie bietet eine gewisse Auswahl an Bars mit Livemusik und eine Handvoll Restaurants. Sie ist mit ihren Sonnendecks und Pools flexibel bei gutem und weniger gutem Wetter und hat einen klassischen Heck-Pool inklusive Teakholz-Boden.
Und sie hat ein umlaufendes Promenadendeck, ebenfalls mit Teakholz-Boden und teils klassischen Deck-Chairs. Das erinnert ein wenig an die frühe Zeit der Oceanliner, deren Tradition Holland America Line im vergangenen Jahr mit seinem JubilƤum āSailing 150 Yearsā gefeiert hat.

Zugleich ist sie klein genug auch für lƤngere Entdecker-Reisen mit HƤfen, die für groĆe Schiffe ungeeignet sind. An besonderen Stellen wie die Fahrt durch den Panamakanal sind AuĆenbereiche auf den Decks 5, 6 und 7 mit freiem Blick nach vorne zugƤnglich, auf Deck 5 sogar mit einem Sonnenschutz-Zelt und einer kleinen Bar.
Kurz: Die Eurodam hat eigentlich alles, was man für eine klassische Kreuzfahrt braucht und wenn man auf steifen Kleidungsstil verzichten kann.
Einen schnellen Ćberblick zur Eurodam bekommen Sie auch in unserem Schiffsportrait-Video bei Youtube ā¦
⦠und in der umfassenden Bildergalerie der Eurodam mit allen Details:
Themen in diesem Beitrag:
Eurodam wurde 2023 renoviert
WƤhrend eines grƶĆeren Werftaufenthalts hat Holland America Line die Eurodam Anfang 2023 umfangreich renoviert. Vor allem die Kabinen haben ein grƶĆeres Make-over bekommen. Die Shops wirken einladender und moderner. Und das Schiff hat etwas, das überall anders eher abgeschafft wird: eine Bibliothek mit echten Büchern und gemütlichen Lese-Sesseln mit Meerblick ā für die man freilich schnell sein muss, denn viele davon gibt es nicht.

Gleiches gilt für die Liegesessel in der Aussichtslounge Crownās Nest der Eurodam. Wenn man einen der Sessel ergattert, hat man freien Blick aufs Meer, ein Deck oberhalb der Brücke.

Schade ist lediglich, dass Holland America Line vor einiger Zeit die Waschsalons zur Selbstbedienung abgeschafft hat, die auf lƤngeren Reisen praktisch sind.
Umlaufendes Promenadendeck mit Teak-Boden
Eine besondere Freude sind auf klassischen Kreuzfahrtschiffen ganz besonders zwei Dinge: ein breites, umlaufendes Promenadendeck mit Deck-Chairs und ein Pool am Heck des Schiffs ā beides idealerweise mit Teakholz-Boden. Mit beidem kann die Eurodam dienen.




Bei ein paar Runden am Promenadendeck im strammen Schritt die Pfunde aus den Restaurants bekƤmpfen und dabei stƤndig den Wind in den Haaren, das Meer im Blick und immer wieder grƶĆere Schulen von Delfinen im Wasser ā das gehƶrt für mich persƶnlich zu den schƶnsten Momenten einer Kreuzfahrt. Am Seetag anschlieĆend die Stunden in einem Deck Chair bei einem Buch verbummeln oder vor sich hin dƶsen, ist der Inbegriff von Kreuzfahrt. Die Eurodam ist dafür perfekt.

Im Bug-Bereich führt die Promenade allerdings nicht nach vorne an den Bug ins Freie, sondern verläuft entlang einer Stahlwand. Drei Bereiche am Bug auf den Decks 5, 6 und 7 hat HAL aber zumindest während der Fahrt durch den Panamakanal geöffnet, sodass man von dort den freien Blick nach vorne hatte. Anzunehmen ist, dass diese Bereiche beispielsweise auch in Alaska in Glacier Bay und an ähnlich spektakulären Orten geöffnet wird.
Klassischer Pool am Heck, Lido-Pool mit Glasdach
Teakholz-Boden hat die Eurodam auch an ihren klassischen Pool am Heck. Wer Sonnenbaden will, ist an diesem āSea View Poolā richtig. Liegen im Schatten gibt es hier nƤmlich keine.

Am Sea View Pool inklusive zweier Whirlpools gibt es eine Bar und die Pizzeria, zudem grenzt das Pooldeck direkt ans Buffetrestaurant an. Teils unter freiem Himmel, teils unter einem Zeltdach gibt es hier Tische zum Essen im Freien ā besonders zum Frühstück eine schƶne Alternative.
Mit einem zurückfahrbaren Glasdach wetterunabhängig und flexibel ist der Lido-Pool mittschiffs, mit drei zusätzlichen Whirlpools. Für mehr Privatsphäre kann man sich hier auch eine der seitlichen Cabanas mieten.

Ein nostalgisches Highlight sind die Barstühle an der Lido Bar: Hier sitzt man auf der Schwanzflosse eines Delfins.

Neben der Bar gibt es im āDive-inā ziemlich gute Burger und Hotdogs und die Tische seitlich des Pools werden auch für das angrenzende Buffetrestaurant mitgenutzt.
Ein ganzer Zoo mit Handtuch-Tieren
Eine rührende Ćberraschung gab es am letzten Seetag der Reise: Als wir morgens auf dem Weg zum Buffet am Lido-Pool vorbeikamen, saĆen überall rund um den Pool Handtuchtiere. Die Crew hatte einen regelrechten Zoo aus zahllosen, verschiedenen Tieren aufgebaut.







Am Bett in der Kabine fanden wir Handtuchtiere auf der Eurodam an den drei besonderen Abenden ā den zwei āDressy Nightsā sowie dem āOrangeā-Abend.
The Retreat
Wer es gerne etwas exklusiver hat, mietet sich in āThe Retreatā ein (abhƤngig von der Mietdauer um die 50 bis 70 Dollar pro Tag für eine Zweier-Cabana). The Retreat ist ein exklusiver Bereich oberhalb des Lido-Pools mit eigener Bar, vor allem aber privaten Cabanas.

Allerdings ist dieser Bereich ein wenig windanfƤllig und bei weniger gutem Wetter fƤllt der Blick der meisten Cabanas auf das geschlossene Glasdach des Pools.
Restaurants und Essen
Der Schwerpunkt beim Abendessen liegt bei Holland America Line auf dem āDining Roomā, dem groĆen Hauptrestaurant auf zwei Ebenen am Heck des Schiffs. Wahlweise hat man hier einen festen Tisch mit Tischzeit oder variable Dinner-Zeit mit entsprechend wechselnden PlƤtzen, je nachdem, wo eben gerade ein Platz frei ist. Vor allem, wenn man gerne jeden Abend neue Mitreisende kennenlernen will, sind die grƶĆeren Sechser-Tische dafür gut geeignet. Aber es gibt auch Zweier-Tische, wenn man mal für sich allein sein will.




Die Auswahl der Speisen aus den Menükarten ist eher konservativ, man findet wenig āfancyā Gerichte. Aber alles, was wir auf unserer Reise gegessen haben, war exzellent zubereitet, Fisch und Fleisch auf den Punkt gegart. Einzig das Wiener Schnitzel war etwas hell und fettig, das Fleisch aber immerhin zart.















Für mich als Teetrinker eine groĆe Freude: Beim Frühstück im Hauptrestaurant gibt’s richtig groĆe Teekannen, nicht nur wir sonst oft kleine Kaffeetassen, die nach zwei Schluck leer sind, der Teebeutel aber eigentlich für fünf Tassen reichen würde.

Durchgehend kulinarisch exzellent sind die SpezialitƤtenrestaurants: Tamarind, Pinnacle Grill und Canaletto. So kann man gegen Aufpreis eigene Highlights wƤhrend der Reise setzen. An Seetagen sollte man allerdings rechtzeitig reservieren, wƤhrend man an Hafentagen oft spontan noch einen Platz bekommt.
AuffƤllig: Anders als beispielsweise bei Royal Caribbean gibt es Hummer generell nur noch gegen einen Aufpreis von 19 Dollar (Canaletto, Pinnacle Grill) oder 28 Dollar (Pinnacle Grill) sowie als Surf-and-Turf-ErgƤnzung im Pinnacle Grill für zehn Dollar. Im Hauptrestaurant stehen āMorimoto Epice Lobster Tailsā für 25 Dollar als Hauptgang-Option auf der Speisekarte.
āLido Marketplaceā-Buffet
Auf den ersten Blick wirkt die Auswahl am Buffet im Lido Marketplace tƤglich recht Ƥhnlich. Allerdings findet man bei genauerem Hinsehen durchaus Abwechslung und Besonderheiten, die man bei anderen Reedereien meist vergeblich sucht: lokale SpezialitƤten, etwa frisch am Markt besorgte, lokale Früchte, Wurst, KƤse und Ćhnliches.

Nicht ganz logisch erscheint die Verteilung der Speisen am Buffet. Obst zum Frühstück findet man beispielsweise an vier verschiedenen Stellen, die Mango ist gut versteckt in der Kühltheke der Müsli-Station. Dort muss man sie erst einmal finden. Auch wenn man sich etwa einen Bagel mit Cream Cheese und Lachs machen will, stellt man sich an zwei verschiedenen Stationen an, um die drei Zitaten zu bekommen.

Der grƶĆte Teil der Speisen am Buffet liegt nicht zur Selbstbedienung aus. Das ist deutlich hygienischer, aber mitunter unpraktisch. LƤngere Wartezeiten haben wir auf unserer Reise aber nicht erlebt, das Buffet hat genug Personal.

Ein Vorteil der Bedienung am Buffet: Pancakes beim Frühstück liegen beispielsweise nur als Show-Stücke aus. Ordert man Pancakes kommen sie aus einem Warmhalteschrank unter dem Buffet-Tresen frisch, warm und fluffig. So gute Pancakes habe ich sonst an einem Buffet noch nicht bekommen.

Besonders positiv fƤllt im Buffet-Restaurant auf, wenn man sich an einen Tisch im Buffet setzt: (Kostenloses) Eiswasser, Eistee oder Lemonade schenken die Kellner typischerweise nach weniger als einer Minute ein und auch andere GetrƤnkebestellungen kommen schnell.

Direkt hinter dem Buffet-Restaurant auf Deck 9 folgt der Sea View Pool ā und ein teilweise überdachter Bereich mit Tischen im Freien. PlƤtze im Freien, je nach Wetterlage unte Gladach oder Open-Air, gibt es am anderen Ende des Buffets am Lido Pool.
New York Pizza & Dive-in Burger
Neben einer Bar gibt im AuĆenbereich des Buffets am Sea View pool auch die Pizzeria āNew York Pizzaā mit ziemlich guter Pizza. Sie ist, anders als der Name der Pizzeria suggeriert, italienisch, also mit dünnem Boden und fluffigem Rand. Bestellen kann man die Pizza sogar über die āNavigatorā-App von Holland America Line, über die man benachrichtigt wird, wenn die Pizza abholbereit ist.

Per App bestellen kann man auch Burger und Hotdogs vom āDive-inā am Lido-Pool. Auch hier ist die QualitƤt sehr gut, die Burger sind richtig lecker. Sowohl Pizza als auch Burger und Hotdogs sind kostenfrei.

Neben Hauptrestaurant, Buffet, Pizzeria und Burger-Stand gibt es aber auf der Eurodam auch vier SpezialitƤtenrestaurants: das italienische Canaletto, das Steakhaus Pinnacle Grill und der Asiate Tamarind sowie Nami Sushi.
Italienische SpezialitƤten im Canaletto
Das Canaletto ist Teil des Buffet-Restaurants, allerdings mit halbdurchsichtigen, mit Italien-Motiven verzierten Glasscheiben abgetrennt. Tagsüber dient es als Teil des Lido Marketplaces, abends wird es mit zum italienischen Spezialitätenrestaurant.

Im Vergleich zu meinem letzten Besuch im Canaletto (Zaandam, 2017) hat sich das Restaurant deutlich zum Besseren gewandelt und ist zu einem ziemlich guten Italiener geworden. Amerikanisch-italienische Gerichte wie āSpaghetti with Meatballsā, stehen nicht mehr auf der Speisekarte. Stattdessen gibt es wirklich italienische Gerichte und hausgemachte Pasta.



Beispiele: Spaghetti with Clams and Clams, Casarecce Pesto Genovese, Italian Sausage Pacceheri als Pastagerichte, Chianti-braised Beef Short Rib, Grilled Scampi oder frischer Fisch des Tages. Und das Tiramisu zum Dessert ist zwar nicht das beste, das ich je gegessen habe, aber doch ziemlich lecker.

Der Aufpreis für das Dinner im Canaletto kostet moderate 25 Dollar (plus 18 Prozent Servicegebühr) und ist daher mit den nun recht authentisch italienischen Gerichten seinen Preise wert.
Pinnacle Grill
Der Pinnacle Grill ist ein klassisches, amerikanisches Steakhaus. Besonders stechen hier die beiden Specials von David Burke heraus: Mit Honig kandierte Bacon-Streifen zur Vorspeise und das Beef Tenderloin with Lobster Dumplings.






Insgesamt sind die Gerichte sehr hübsch und modern angerichtet. Der Gargrad des Fleischs war ā einem guten Steakhaus angemessen ā perfekt. Sehr angenehm war auch der Service mit gutem Timing für Show-Zeit im Theater.

Der Aufpreis für das Spezialitätenrestaurant fällt mit 45 Dollar (plus 18 Prozent Servicegebühr) im Vergleich zu anderen Reedereien recht moderat aus. Für 20 Dollar gibt es hier übrigens eine im Vergleich zu Einzelgläsern sehr günstige Weinbegleitung mit drei guten Weinen.

Tipp: Mittags ist die Speisekarte zwar etwas eingeschränkt, der Preis dafür mit 19 Dollar auch deutlich niedriger. Ein Blick in die Mittagskarte lohnt, um festzustellen, ob man vielleicht ohnehin nur eines dieser Gericht bestellen würde und daher mittags günstiger fährt.
Tamarind und Nami Sushi
Mein persƶnlicher Favorit unter den SpezialitƤtenrestaurants ist das Tamarind. Das asiatische Restaurant ist Holland America Lines Master Chef Rudi Sodamins heimliches Spitzenrestaurant, in das er viele Jahre lang sein Herzblut gesteckt hat ā und das merkt man den Gerichten auch an.

Authentische Gerichte aus verschiedenen Regionen spielen mit und vielschichtiger Aromatik und feiner SchƤrfe ā Sie merken, mir hat es dort ausnehmend gut geschmeckt. Selbst bei den Desserts, sonst oft eine SchwƤche asiatischer Restaurants, kommt man in Versuchung, mehr als nur ein Gericht zu bestellen.





Im Tamarind rƤumlich integriert, aber mit separater Reservierung, liegt das Nami Sushi, wo es ā wie der Name schon sagt ā Sushi & Co gibt. Ausprobiert haben wir es auf dieser Reise allerdings nicht.

Das Tamarind ist abends geöffnet und kostet 35 Dollar (plus 18 Prozent Servicegebühr). Das Nami Sushi hat A-la-carte-Preise mit relativ moderaten Preisen, etwa fünf Dollar für California Roll oder drei Dollar für Sashimi oder Nigiri (zwei Stück).
āPort to Tableā ā frische und lokale Zutaten

Ein recht neues Konzept bei Holland America Line ist āPort to Tableā. Die Idee dahinter ist, im Hauptrestaurant sowohl lokale Gerichte des jeweiligen Fahrtgebiets auf die Karte zu nehmen, als auch die Zutaten ā insbesondere auch Fisch ā frisch und lokal einzukaufen. Im Hauptrestaurant stand auf der Eurodam denn auch jeden Tag eine Vorspeise und ein Hauptgericht unter dem āPort-to-Tableā-Motto auf der Speisekarte.
Holland America Line hat in diesem Zusammenhang auch ein umfassendes Programm, das āGlobal Fresh Fish Programā, gestartet und dafür ein weltweites Netzwerk von 60 HƤfen gewƤhlt, wo insgesamt rund 80 Arten von frischem Fisch beschafft werden und in allen Restaurants an Bord in weniger als 48 Stunden am Teller landen sollen. Kürzlich bekam HAL auch das MSC-Zertifikat des Marine Stewardship Council und das ASC-Zertifikat des Aquaculture Stewardship Council.
āMorimoto by Seaā
Das neue Pop-up-Restaurant āMorimoto by Seaā haben wir leider knapp verpasst: Am Tag nach unserer Ausschiffung war es auf der Eurodam erstmals im Programm. Konzipiert vom japanischen Chefkoch Masahura Morimoto, unter anderem bekannt aus der TV-Show āIron Chef Americaā, soll es hier Seafood-Spitzenküche geben, ebenfalls mit jeweils lokal eingekauftem Fisch.
Auf der Eurodam (und den übrigen HAL-Schiffen) wird das Tamarind (oder Pinnacle Grill) dann zum āMorimoto by Seaā, der Aufpreis betrƤgt 55 Dollar plus 18 Prozent Servicegebühr. Daneben gibt es im Hauptrestaurant optional zwei Morimoto-Fischgerichte für 25 Dollar Aufpreis: Heilbut und Jakobsmuschel mit XO-Sauce sowie āMorimoto Epice Lobster Tailsā.
Entertainment
Auf den Pinnacle-Class-Schiffen von Holland America Line ā Koningsdam, Nieuw Statendam und Rotterdam ā spielt Livemusik eine groĆe Rolle. Auf der Eurodam ist das weniger ausgeprƤgt, aber dennoch eine StƤrke. Was allerdings neuerdings fehlt, ist klassische Musik: Die Kooperation mit dem New Yorker Lincoln Center hat die Reederei beendet. Und so wird die bisherige Lincoln Center Stage auf der Eurodam nun mit der Explorerās Lounge zusammengelegt und beispielsweise für Kunstauktionen. Auf den Pinnacle-Class-Schiffen gibt es klassische Musik dagegen weiterhin, aber nicht mehr als Kooperation mit Lincoln Center.

Hier finden aber auch die spannenden und unterhaltsamen āTalks with Chrisā statt: Jeden Morgen plaudert der Cruise Director mit einem anderen Gast ā beispielsweise dem Umweltoffizier, Crew Purser oder Food & Beverage Manager ā und beantwortet Publikumsfragen. WƤhrend unserer Reise wurde der Talk so beliebt, dass man 20 Minuten vor Beginn da sein musste, um noch einen Platz zu bekommen.
Rolling Stone Lounge
Die stƤrkste Livemusik-Bühne ist Rolling Stone Lounge mit einer fünfkƶpfigen Band plus zwei SƤngerinnen, die in einer Nachtclub-artigen AtmosphƤre mit TanzflƤche dreimal abends je eine dreiviertel Stunde verschiedenen Musikrichtungen spielen, von Rock ānā Roll bis 70er-Jahre-Discomusik.

Die Rolling Stone Lounge ist wurde auf der Eurodam neu als Nachfolger des B. B. King Clubs eingeführt. Die Musiker sind ähnlich gut wie zuvor.

Auf den Vista-Class-Schiffen Noordam, Oosterdam, Westerdam und Zuiderdam gibt es die Rolling Stone Lounge schon lƤnger. Am āMusic Walkā der Koningsdam, Nieuw Statendam und Rotterdam gibt es dagegen weiterhin den B. B. King Club.
Billboard Onboard
āBillboard Onboardā ist eine groĆe Pianobar mit zwei Pianisten und SƤngern/innen, unterhaltsam mit Billboard-Hits, teil mit Themenabenden oder auch Musikwünschen aus dem Publikum.

Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist die Lage der Bar direkt gegenüber des Spielkasinos, nur durch einen Laufweg getrennt. Da klingelt schonmal der Jackpot-Sound eines Spielautomaten herüber.
Ocean Bar
Live-Musik gibt es auch in der Ocean Bar. Passend zur geiegenen Atmosphäre der Martini-Bar spielt hier ein Jazz-Trio, die Fläche vor der Bühne lädt zum Tanzen ein.


Die Ocean Bar ist der richtige Ort, wenn man bei nicht zu lauter Musik einen Cocktail genieĆe und sich ein wenig unterhalten mƶchte. Am Bartresen kommt man schnell ins GesprƤch mit Mitreisenden.
World Stage Theater
Im āWorld Stageā-Theater gibt es sowohl Production-Shows als auch Einzelkünstler ā auf unserer Reise ein erstklassiger Comedian und Bauchredner (Mike Robinson), den witzigen Comedian Johnny Cardinale, eine eher wenig begeisternde Comedian (Alycia Cooper), ein unterhaltsamer Show-Pianist (Hyperion Knight) sowie der brasilianische Weltklasse-Gitarrist Diego Figueiredo.


Drei Production-Shows sind komplett neu und debütierten erst kürzlich auf der Eurodam: jeweils eine Kombination aus Tanz und (Live-)Gesang mit Playback-Musik. Die Shows sind solide und dank der beweglichen LED-Videowände mit lebendigem Bühnenbild. Bei den Shows hat uns ein wenig der rote Faden gefehlt und Interpretationen einige Lieder empfanden wir als nicht sonderlich geglückt.




Dennoch sind die Shows gut und unterhaltsam ā was Konkurrenz wie NCL, Royal Caribbean oder Carnival auf die Bühnen ihrer Schiffe bringen, bietet inzwischen nur einfach noch mehr. Im Grunde passt das Entertainment auf der Eurodam gut zum Gesamtpaket: stilvoll, gute QualitƤt, nett anzusehen, aber nicht wetteifernd um Platz 1.
Bars und Lounges
Die gediegene Ocean Bar, das lebhafte Billboard Onboard und die rockige Show-Lounge Rolling Stone habe ich schon erwähnt. Darüber hinaus gibt es aber zwei weitere Bars, die sich während unserer Reise zunehmend Lieblingsplätzen entwickelt haben.







Vor allem die Tamarind Bar liegt mittschiffe ganz oben auf Deck 11 etwas abseits, sodass die Passagiere sie erst nach und nach entdecken. Geheimtipp also: Hier am besten die ersten Abende verbringen, solange man dort noch leichter einen Platz findet. Zum Sonnenuntergang ist es hier mit Blick übers Pooldeck aufs Meer besonders schön.







Die Cocktail- und Kaffee-Bar im Crowās Nest vorne auf Deck 11 ist dagegen von Anfang an ein beliebter Treffpunkt den ganzen Tag über. Am ehesten ist das Crowās Nest mit einem lebhaften Kaffeehaus vergleichbar. Die Passagiere kommen hierher für den ersten Kaffee-Latte am Morgen, treffen sich untertags für Gesellschaftsspiele, ziehen sich zum Lesen in einen der ā allerdings heiĆbegehrten ā Liegesessel mit Aussicht ganz vorne zurück und genieĆen einen Cocktail vor dem Abendessen.
Im Crowās Nest befindet sich auch das Ausflugsbüro. Und das Art Studio mit teils kostenfreien, teils kostenpflichtigen Handarbeits- und Bastelkursen findet sich hier in einem optisch abgetrennten Nebenraum. Wer unterwegs die Finger nicht vom Laptop lassen kann oder will, findet im Crowās Nest auch zahlreiche grƶĆere und kleinere Tische, an denen es sich recht bequem arbeiten lƤsst.
Gute Cocktails zu fairen Preisen
Eine der StƤrken von Holland America Line sind Cocktails. Anders als auf den Massenmarktschiffen gibt es hier gute Barkeeper, die ihr Handwerk wirklich verstehen und Cocktails vor allem auch in genauen MengenverhƤltnissen mixen ā was für den Geschmack einen groĆen Unterschied macht.

Klassische Cocktails, auch solche, die nicht auf der Karte stehen, gibt es auf der Eurodam in allen Bars. Jede der Bars hat aber auch einige spezielle Cocktails, die es jeweils nur dort gibt. Meine persƶnlichen Favoriten sind der āShiso Sourā in der Tamarind Bar (Buffalo Trace Bourbon, Sauvignon Blanc, Mango, Shiso-BlƤtter) ā¦

⦠und der gewaltige, selbst für zwei Personen groĆe ā18th Century Pirates Punchā ā der beste Rum Punch, den ich bislang getrunken habe. Zwei gute, jamaikanische Rum-Marken hat die Ocean Bar ausschlieĆlich für diesen Drink auf Lager, Smith & Cross und Xaymaca.

Die Auswahl an alkoholfreien Cocktails ist nicht sehr groĆ, die angebotenen sind aber lecker und kreativ und gehen weit über die langweiligen Standards hinaus.
Insgesamt fallen angesichts der hohen QualitƤt der Cocktails die relativ günstigen Preisen auf. So kommt in den Margarita für elf Dollar beispielsweise der hochwertige Cazadores Blanco Tequila. Der Shiso Sour kostet ebenfalls elf Dollar, der ā18th Century Pirates Punchā kommt auf 19 Dollar für zwei Personen, jeweils zuzüglich der obligatorischen 18 Prozent Servicegebühr.
Kabinenausstattung
Unsere Kabine auf der Eurodam, 5177 nahe am Heck, fƤllt vor allem durch einige Details positiv auf.

Dazu gehören auf einer Reise mit vielen Seetagen vor allem die recht komfortablen Sonnenstühle auf dem Balkon. Deren Rückenlehne ist verstellbar und zusammen mit der breiten Beinstütze fast wie eine Sonnenliege nutzbar. Das ist auf Balkonen von Standardkabinen auf Kreuzfahrtschiffen inzwischen eher die Ausnahme.

Der Couch-Tisch ist einerseits hƶhenverstellbar, andererseits auch leicht genug, dass man ihn zum Frühstück nach drauĆen auf den Balkon heben kann. Zusammen mit dem kostenfreien Room-Service bei Holland America Line kann man dieses Highlight einer Kreuzfahrt, das Frühstück am Kabinenbalkon, bequem genieĆen.

Der Schrankplatz in der Kabine ist nicht üppig, aber zumindest für eine Sieben-Nächte-Reise gut ausreichend. Zwei der drei Schränke sind durch wegklappbare Einlegeböden wahlweise auch in Hängeschränke umwandelbar und damit sehr flexibel.



Neben den Betten finden sich ā lƤngst auch keine SelbstverstƤndlichkeit auf neueren Schiffen mehr ā vollwertige NachtkƤstchen. Und auch eine Ladebuchse findet sich auf beiden Bettseiten.
Bei der Steckdosenversorgung wird die Eurodam wird ihrem Namen gerecht und hat am Schreibtisch immerhin zwei Schuko-Steckdosen mit 220 Volt, neben jeweils einer Steckdose nach US-Norm und 115 Volt.

Sehr angenehm ist auch der groĆe Schreibtisch, auf dem man bequem das Laptop aufklappen kann, wenn man das auf Reisen denn muss oder will.
Das Badezimmer ist etwas grƶĆer als von neueren Schiffen gewohnt, hat aber dennoch nur ein einzelnes Waschbecken. Die Dusche ist ā auch dem Alter des Schiffs geschuldet ā noch mit einem Duschvorhang ausgestattet. Selbiger funktioniert allerdings sehr gut und lƤsst kein Wasser in den Rest des Bades flieĆen.

Kosmetik in Nachfüllflaschen gibtās von Elemis: Conditioner, Shampoo und Duschgel in der Dusche sowie Flüssigseife und Feuchtigkeitscreme am Waschbecken.
Stil und Dress Code: entspannt bis ādressyā
Formelle Abende heiĆen bei Holland America Line āDressyā. Davon gibt es je nach ReiselƤnge ein oder zwei pro Reise. Formelle Kleidung ist aber selbst an diesen Abenden nicht zwingend. Wer mƶchte, findet aber beispielsweise in der Ocean Bar oder Tamarind Bar eine gediegene Umgebung für einen Pre-Dinner-Cocktail in dunklem Anzug und Abendkleid.

Auf unserer Reise nahmen die Mitreisenden den formellen Dresscode recht locker: wenig dunkle Anzüge, noch weniger Krawatten, auch hatten lƤngst nicht alle Herren Sakkos an, aber immerhin Hemden und lange Hosen. Ćquivalent bei den Damen.
Noch legerer, wenn auch fast durchgehend still voll, geht es an den übrigen Abenden zu. Da kann man auch als Mann an einem heiĆen Tag mal mit (hochwertigen und stilvollen) Flipflops und langen Hosen ins Hauptrestaurant gehen. Mit kurzen Hosen wird man nicht abgewiesen, würde damit aber dann doch ein wenig unangenehm auffallen.
Eine Besonderheit bei Holland America Line ist die āOrange Nightā, bei der nahegelegt wird, etwas Orangefarbenes zu tragen ā vom T-Shirt bis zur orangefarbenen Krawatte oder ein Partyhütchen. Auch an diesem Abend kleideten sich die Mitreisenden leger und jedenfalls nicht formell. Etwa zwei Drittel der Passagiere kommt in Orange.
Familien und Kinder
Die Eurodam ist kein Kreuzfahrtschiff mit besonderer Ausrichtung auf Familien mit Kindern. Auf unserer Reise waren offiziell 19 Kinder und Teenager an Bord. Die aber durchaus vorhandenen Kids- und Teens-Clubs sind hübsch, aber nicht sonderlich ausgeprägt.

Immerhin gibt es im Buffet-Restaurant eine eigene kleine Theke für Kinder mit entsprechenden Gerichten. Der Seaview Pool am Heck der Eurodam ist explizit āadults onlyā.
Service und Crew
Eine groĆe StƤrke von Holland America Line ist die exzellente, freundliche und trotz der SchiffsgrƶĆe beinahe familiƤre Crew. HAL ist bekannt dafür, besonders gut mit ihren Mitarbeitern umzugehen und nennt sie offiziell sogar āTeam Memberā, nicht Crew. Das führt zu einer positiven Grundstimmung, die man überall am Schiff spürt.

Kellner in den Restaurants wirken selten einmal gehetzt, haben fast immer Zeit für ein paar nette Worte. Unser Kabinensteward erinnerte mich mit seiner liebenswerten und hilfsbereiten Art mehr an einen Butler als einen Kabinensteward ā auch wenn man natürlich nicht die gleichen Ansprüche wie an einem Butler stellen kann.
Und dann gibt es da auf der Eurodam noch die vielen, unauffƤlligen, aber praktischen Details – etwa, dass an manchen Stellen im Aufzugsbereich am Tag vor der Abreise Kofferwaagen bereitstehen.

Mein persƶnliches Fazit
Insgesamt bietet Holland America Line und die Eurodam ein gute Preis-Leistungsverhältnis, zumal man die Nebenkosten vergleichsweise geringhalten kann und an Bord kein Verkaufsdruck zu spüren ist. Will man im Restaurant neben Eiswasser oder Eistee ein kostenpflichtiges Getränk, Wein oder Bier bestellen, muss man sich darum sogar eher aktiv darum bemühen.

Das von HAL für 45 Dollar pro Tag angebotene āHave -it-allā-Paket beinhaltet unter anderem das Signature-GetrƤnkepaket, Internet-Zugang, die tƤgliche Servicegebühren, SpezialitƤtenrestaurant und Guthaben für Landausflüge zu einem deutlich niedrigeren Preis als bei Einzelberechnung. Die Preise der SpezialitƤtenrestaurants sind im Branchenvergleich sehr fair und auch die GetrƤnkepreise bewegen sich im Vergleich zu anderen Premium-Reedereien unterhalb des Durchschnitts. Und hat man ein GetrƤnkepaket, zahlt man bei teureren GetrƤnken auch nur die Preisdifferenz.
Cocktails kosten zumeist zumeist elf Dollar, Weine ab 9,50 Dollar pro Glas und 38 Dollar pro Flasche, Bier ist mit 6,75 Dollar international üblich relativ teuer. Für Details siehe unsere Ćbersichten āGetrƤnkepreise bei Holland America Lineā und āGetrƤnkepakete bei Holland America Lineā.

Die Eurodam ist im besten Sinne āklassischā, man kƶnnte auch sagen: ein wenig altmodisch. Mir persƶnlich gefƤllt dieser Stil gut, auch wenn einige wenige Elemente durch das Alter des Schiffs ein wenig aus der Zeit gefallen wirken, etwa der groĆe Deckenleuchter im Atrium.

Viele Design-Elemente und Kunstwerke an Bord der Eurodam nehmen Bezug auf den hollƤndischen Ursprung und Seefahrertradition der Reederei. GemƤlde erinnern an Rembrandt & Co, Schwarz-WeiĆ-Fotos zeigen die Kreuzfahrtschiffe und Ocean Liner aus der Geschichte von Holland America Line.

In Kombination mit dem recht legeren Dresscode ergibt sich eine lockere und ungezwungene AtmosphƤre, die an einem besonders warmen Tag auch mal erlaubt, mit (eleganten) Flipflops ins Restaurant zu gehen, ohne dass man damit aneckt. Lange Hose ist freilich angebracht, aber das sollte sich ohnehin von selbst verstehen.

Für mich persƶnlich ist die groĆartige Stimmung unter der Crew und die familiƤre Freundlichkeit gegenüber den Passagieren der wichtigste Grund, warum ich mich bei Holland America Line ā und nun auch wieder auf der Eurodam ā sehr wohl fühle.
Daten und Zahlen: Eurodam
- Reederei: Holland America Line
- Taufpatin: Kƶnigin Beatrix der Niederlande
- Baujahr: 2008, zuletzt renoviert: 2023
- Bauwerft: Fincantieri, Marghera
- Flagge: Niederlande
- Schiffsklasse: Signature Class, Weiterentwicklung von Carnivals Vista Class
- Tonnage: BRZ 86.273
- Abmessungen: 285,43 Meter lang, 32,26 Meter breit
- Kabinen: 1.052
- Passagiere: 2.104 (bei Doppelbelegung der Kabinen), maximal 2.671
- Crew: 834
- Passagierdecks: 11




