Ein Jäger begleitet uns heute bei einer Kajak-Tour zum Meereis in Qaanaaq und erklärt uns die Narwal-Jagd. Wir tauchen tief in die traditionelle Lebensweise der Inuit ein und lernen zu verstehen, warum die Jagd bis heute überlebenswichtig ist.
Qaanaaq ist eine für Grönland recht ungewöhnliche Stadt, denn sie wurde erst 1953 neu gebaut. Die Straßen sind schachbrettartig angelegt, wie man es sonst von Städten in den USA kennt. Ungefähr 130 Einwohner wurden damals vom früheren Uummannaq bei der heutigen US-Militärbasis in Pituffik 100 Kilometer nördlich nach Qaanaaq zwangsumgesiedelt.

Heute leben hier knapp 600 Menschen und der Ort ist im Vergleich zu den kleinen Siedlungen der Region recht modern ausgestattet, etwa mit Kanalisation und fließendem Wasser (das teils durch Abschmelzen von Eisbergen gewonnen wird) in den meisten Häusern. Sogar einen Geldautomaten und einen recht großen Supermarkt gibt es hier.







Viel ihrer traditionellen Lebensweise haben die Inuit bei ihrer Umsiedelung in Qaanaaq mitgebracht und beibehalten. Und auch wenn die Stadt relativ groß ist, liegt sie doch sehr weit im Norden und muss sich größerenteils selbst versorgen. Entsprechend werden auch hier Wale und Robben gejagt. Vor allem Narwale gibt es offenbar recht viele. Walkarkassen am Strand zeugen von kürzlichen Jagderfolgen.

Als wir mit der Fridtjof Nansen ankommen, sind einige Jäger in Kajaks in der Distanz am Wasser zu sehen, die morgens zur Narwal-Jagd aufgebrochen sind. Um sie dabei nicht zu stören, führt uns unser Kajak-Ausflug in die andere Richtung zu einem Feld aus Eisbergen und Meereis.

Begleitet werden wir von einem lokalen Jäger, der uns erklärt, wie Narwale gejagt werden. Dazu gehört vor allem auch, sich mit dem Kajak geräuschlos auf wenige Meter an den Wal anzuschleichen – weswegen wir auch keinen Narwal zu Gesicht bekommen, unsere Paddel sind im Wasser viel zu laut.







Wir dürfen ausprobieren, wie mal die traditionelle Harpune wirft, die eher einem Wurfspeer ähnelt. Natürlich könnte aber unsere Anfänger-Wurftechnik einem Wal ohnehin nicht gefährlich werden.



Später zeigen uns Jäger in der Sporthalle von Qaanaaq noch genauer, wie die auch für den Jäger nicht ganz ungefährliche Narwal-Jagd abläuft. Dabei kommt auch eine aufgeblasene Boje aus Robbenhaut zum Einsatz, die das Absinken des Wals verhindert; und ein an einem Seil befestigtes Holzbrett, das den Wal bei der Flucht bremst, nachdem er harpuniert wurde.

Es ist keine schöne Vorstellung, aber für die Inuit ist diese (mit Lizenzen und strengen Quoten regulierte) Jagd auch heute noch überlebenswichtig.
Mit den umgesiedelten Bewohnern des früheren Uummannaq wurde auch das 1910 gebaute, frühere Haus des Polar-Abenteurers Knud Rasmussen demontiert und in Qaanaaq wieder aufgebaut. Es dient seit 1987 als Museum.



Ein Nachfahre des Abenteurers Robert Peary, der in den 1890er-Jahren mehrere lange Grönland-Expeditionen unternahm und dabei zeitweise auch einen Inuit-Frau hatte, erzählt heute fast schon bizarr anmutende Geschichten aus dieser rauen Zeit. Ein Stück des Meteoriten, der einst in dieser Region einschlug und als Quelle für Metallwerkzeuge der Inuit diente, ist hier ebenfalls ausgestellt.

Während Peary nicht ganz Unrecht vorgeworfen wird, dass er das größte Stück des Meteoriten damals den Inuit wegnahm und nach New York mitnahm, will sein Nachfahre das differenzierter verstanden wissen: Peary habe den Meteroriten zwar quasi gestohlen, den Inuit dafür aber viele lebenswichtige Güter gebracht, vor allem auch Holz zum Bauen von Häusern und Hundeschlitten. Auch daran, dass Peary sich eine eigentlich bereits mit einem Inuit verheiratete Frau nahm, findet er einen positiven Aspekt: Es habe frisches Blut in die sehr kleine Gemeinschaft gebracht, damals einfach eine Notwendigkeit.

Solche bizarren Geschichten sind aus moderner Sicht kaum noch zu verstehen. Mit den Erklärungen vor Ort und den auch heute noch schwierigen Lebensbedingungen im Norden Grönlands sind sie zumindest etwas besser nachvollziehbar.




