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Blick von einem großen Kreuzfahrtschiff bei der Einfahrt nach Venedig

Umleitung großer Kreuzfahrtschiffe von Venedig nach Marghera beschlossen

Eine knappe Mitteilung des italienischen Verkehrsministeriums könnte das Ende für große Kreuzfahrtschiffe in Venedig bedeuten. Große Kreuzfahrtschiffe werden innerhalb der Lagune von Venedig in den Industriehafen von Marghera am Festland verlegt, bis eine dauerhafte Lösung für die Kreuzfahrt in Venedig gefunden ist.

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Der gemeinsame Beschluss der Ministerien in Rom könnte der Durchbruch sein, auf den Aktivistengruppen wie „No Grandi Navi“ und „We Are Here Venice“ seit vielen Jahren hinarbeiten. Sie fordern vehement, den großen Kreuzfahrtschiffen die Anfahrt auf das Kreuzfahrt-Terminal Stazione Marittima durch den Giudecca-Kanal und vorbei am Markusplatz zu verbieten.

In einem gemeinsamen Beschluss haben sich die Ministerien für Infrastruktur, Tourismus, Kultur und Umwelt nun darauf geeinigt, die Schiffe vorübergehend von Venedig nach Marghera umzuleiten, bis eine endgültige Lösung gefunden ist. Das Ministerium für Infrastruktur und nachhaltige Mobilität hat die folgende, knappe Mitteilung veröffentlicht:  

„Um ein historisches und kulturelles Erbe nicht nur Italiens, sondern der ganzen Welt zu schützen, haben sich die Minister für den ökologischen Übergang, Roberto Cingolani, für Kultur, Dario Franceschini, für Tourismus, Massimo Garavaglia und für nachhaltige Infrastruktur und Mobilität, Enrico Giovannini, darauf geeinigt, den Verkehr der großen Schiffe von Venedig nach Marghera vorübergehend umzuleiten. Während eines Treffens, das heute per Videokonferenz stattfand, beschlossen die vier Minister außerdem, einen Ideenwettbewerb zu starten, um die Anlandungen aus der Lagune herauszunehmen und das Problem der Durchfahrt von großen Schiffen in Venedig strukturell und endgültig zu lösen.“

Update: Ein Ministerratsbeschluss vom 1. April 2021 konkretisiert, dass mit „großen Kreuzfahrtschiffen“ solche mit einer Bruttoraumzahl von mehr als 40.000 gemeint sind. Zudem legt der Ministerratsbeschluss auch fest, dass nicht nur für Kreuzfahrtschiffe, sondern auch für Containerschiffe im internationalen Frachtverkehr eine Alternative außerhalb der Lagune gefunden werden soll. Der Ideenwettbewerb soll sehr kurzfristig bis zum 31. Mai 2021 laufen.

Update: Bis der Hafen in Marghera für das Anlegen der Kreuzfahrtschiffe dort vorbereitet ist, dürfen die Schiffe wohl vorerst weiter direkt nach Venedig fahren. Wie lange Marghera für die Vorbereitungsarbeiten benötigt, ist unklar.

Die schwierige Situation mit der Kreuzfahrt in Venedig habe ich bereits ausführlich im Beitrag „Venedig und die Kreuzfahrtschiffe: Es ist kompliziert“ beschrieben.

Der neue Ministerbeschluss könnte bedeuten, dass große Kreuzfahrtschiffe nie mehr direkt nach Venedig einfahren dürfen. Ein Ideenwettbewerb soll nun also zu einer dauerhaften Lösung des Problems führen.

Was genau unter „große Kreuzfahrtschiffe“ zu verstehen ist, geht aus dem Beschluss nicht hervor. In früheren Dekreten zu diesem Thema lag die Grenze bei einer Bruttoraumzahl von 96.000, zeitweise wurde aber auch über 40.000 diskutiert.

Auf der Suche nach einer Alternative zum Stazione Marittima in Venedig

Vom Tisch ist mit dem aktuellen Beschluss wahrscheinlich die Variante, einen anderen Zufahrtskanal zum Kreuzfahrt-Terminal  auszubaggern, der nicht am Markusplatz vorbei führt. Diese Variante war von Umweltschützern wegen seiner ökologischen Folgen für die Lagune besonders heftig kritisiert worden.

Ein Teil der Venedig-Aktivisten bevorzugt eine Lösung ganz außerhalb der Lagune, wie beispielsweise das Projekt Venis 2.0. Ihnen geht die Umleitung nach Marghera nicht weit genug, weil auch dort die Schiffe in die Lagune von Venedig einfahren und Schäden in der gesamten Lagune verursacht.

Allerdings wird die Route vom Einlass in die Lagune nahe Chioggia nach Marghera mit dem Spitznamen „Canale dei Petroli“ ohnehin von zahlreichen Fracht- und Tankschiffen genutzt. Inwieweit die dauerhafte Mitnutzung des Kanals durch Kreuzfahrtschiffe eine Vertiefung oder Verbreiterung der Fahrtrinne nötig machen würde, ist umstritten.

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Aktuell ohnehin keine Kreuzfahrt-Anläufe in Venedig

Während der Corona-Pandemie hat bislang ohnehin kein einziges Kreuzfahrtschiff Venedig angesteuert. Und dass große Kreuzfahrtschiffe bald nicht mehr durch den Giudecca-Kanal fahren dürften, hatten einige Reedereien in jüngeren Entscheidungen bereits eingeplant. So hatte Royal Caribbean International beispielsweise im Frühjahr 2020 beschlossen, geplante Anläufe der Rhapsody of the Seas von Venedig nach Ravenna zu verlegen.

In den Fahrtrouten zum Neustart der Kreuzfahrt in der Corona-Pandemie hatten sowohl Costa als auch MSC mit Triest einen anderen Basishafen gewählt und Venedig nicht ins Programm genommen – sehr zum Ärger wiederum der vom Kreuzfahrthafen in Venedig abhängigen Hafenarbeiter und Dienstleister. In künftigen Fahrtrouten ist Venedig bei vielen Reedereien aktuell aber noch vorgesehen. Kleinere Kreuzfahrtschiffe sind von dem aktuellen Beschluss ohnehin nicht betroffen.

7 Kommentare

7 Gedanken zu „Umleitung großer Kreuzfahrtschiffe von Venedig nach Marghera beschlossen“

  1. Hallo,
    wir waren 2014 für 10 Tage in Punta Sabioni und sind täglich mit der Fähre nach Venedig gefahren. Außer am Wochenende, da war es nicht „zum Aushalten“. Unter der Woche, speziell ab 17:30 Uhr, wenn die ganzen Tagestouristen weg sind, war es teilweise „himmlisch“. Ansonsten hatten wir uns viel auf den umliegenden venezianischen Inseln aufgehalten, „San Marco“ und die umliegenden Nahbereiche tagsüber gemieden.

    Das Problem von Vendig ist die extrem kurze Aufenthaltsdauer aller Touristen, die im Durchschnitt so um die 3h liegt. Daran hat die Kreuzfahrt natürlich einen Anteil, wenn auch nicht den alleinigen.
    Was ich auch wahrgenommen habe, war der Sog im Kanale Giudecca, wenn ein Kreuzfahrtschiff vorbei fährt. Ich kann mich an mehrere Situationen am Ufer des Kanale erinnern, als ich erst durch die Welle auf den Kreuzfahrer aufmerksam geworden bin. Strömungstechnisch ist es ein erheblicher Unterschied zwischen einer langsam mit größerer Energie laufenden Welle von einem größeren Schiff, als ein Durcheinander-Kabbelwasser durch viele kleine ortsübliche Boote.

    Insofern ist die Maßnahme nur konsequent. Es müssen aber noch viele weitere in diese Richtung folgen, um dann die Aufenthaltsqualität und die Aufenthaltsdauer der Touristen zu erhöhen.

    Wenn der existierende Kreuzfahrthafen von Venedig mit „kleinen“ Kreuzfahrern gefüllt ist, sind dort immer noch genügend viele Gäste für Venedig möglich. Die Hafenarbeiter haben mit kleineren Schiffen ja auch mindestens genauso viel zu tun.
    Ich persönlich würde Venedig empfehlen, die Liegekosten für bis zu etwa 8h Liegedauer doppelt so hoch zu machen wie für bis zu 48h. Dann könnten mehr Touristen nach Venedig kommen, die auch an Venedig interessiert sind und in Venedig Geld für einheimische Museeen, Glaskunst in Murano oder Restaurants ausgeben. Das erhält die Stadt, die Achterbahn an Bord zerstört sie.

    Schöne Grüße
    Ronald

  2. Eine hässliche Hafenstadt.
    Aber vielleicht hat es den Vorteil das die größeren und interessanteren Schiffe die zur Zeit nur im westlichen Mittelmeer unterwegs auch ins östliche Mittelmeer kommen.

  3. So sehr ich es begrüße,das nicht mehr tausende Riesenpötte mitten durch die Stadt fahren, so sehr werden sich alle mit dem Thema beschäftigten Personen wundern,das das die Probleme der Stadt nicht löst.
    Denn diese Schiffe sind nur für einen Bruchteil der Touristen,für einen kleinen Teil der Umweltverschmutzung und nicht für den Hauptteil der Gebäudeschäden verantwortlich.
    Ja,wenn die Schiffe woanders anlegen, wird die Situation definitiv besser.Aber bei weitem nicht so viel besser wie es sich viele erhoffen oder glauben.

  4. Die ganze Sache ist doch ziemlich dämlich. Erst passiert Jahre lang gar nicht, obwohl die Diskussion ja nicht erst gestern begonnen hat. Nun beschließt man völlig übereilt, die großen Schiffe auszusperren und sie provisorisch in einen Industriehafen zu verlegen, bevor eine endgültige Lösung gefunden ist. Warum hat man sich nicht schon längst um den Neubau eines Terminals gekümmert. Ich meine, die Debatte ist ja nicht wirklich neu.

    Und warum beginnt man nicht erst mit dem Neubau eines Terminals und behält den Status Quo bei, bis der Neubau fertiggestellt ist und kein nur „vorübergehende Lösung mehr erforderlich ist?

  5. @Henry: Es lohnt sich durchaus, sich mit der komplexen Situation in Venedig etwas genauer zu befassen. Von „übereilt“ kann keine Rede sein, denn das Problem und Lösungsversuch gibt es seit deutlich mehr als zehn Jahren. Und warum man den Status-Quo nicht beibehält, bis es eine Lösung gibt, ist eigentlich ziemlich klar: In all den Jahren kam es eben zu keiner Lösung, aber die ökologischen Schäden in der Lagune von Venedig durch große Schiffe warten in ihren Auswirkungen eben auch nicht darauf, dass sie die Politik vielleicht, irgendwann, eventuell mal auf etwas einigt …

  6. Ja klar, im Grundsatz kann ich die Entscheidung ja auch nachvollziehen. Ich finde es aber etwas merkwürdig, dass man erst jetzt über den Neubau eines Terminals außerhalb der Lagune nachdenkt. Ich meine, dass der Tag irgendwann kommt, müsste doch allen klar gewesen sein. Die Entscheidung als solches finde ich richtig.

  7. Genug Zeit hätten mal jedenfalls gehabt, sich über Alternativen Gedanken zu machen. Gerade die Tatsache, dass die Thematik nicht neu ist und in der Zeit nichts passiert ist, lässt die jetzige Entscheidung etwas schräg erscheinen. Wie viele Jahre hatte man jetzt Zeit? Wieso hat man sich in der Zeit keine Gedanken über eine echte Alternative gemacht, sondern nur einen Industriehafen „auserkoren“?

    Die jetzt getroffene Entscheidung als solches ist sicher richtig.

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