Crew

US-Gesundheitsbehörde CDC und Kreuzfahrt-Reedereien streiten um Rückführung von Crewmitgliedern

Die Tageszeitung Miami Herald ist derzeit die Bühne für einen offenen Streit zwischen der US-Gesundheitsbehörde CDC und mehreren Kreuzfahrt-Reedereien über die Rückführung von Crewmitgliedern in ihre Heimatländer. Die CDC besteht nach eigenen Angaben lediglich auf weitreichende Zusicherungen der Reedereien bei der Beförderung der Crewmitglieder. Währenddessen sagen die Reedereien, die CDC würde die Rückführung faktisch nicht zulassen. Was davon jeweils der Wahrheit entspricht, ist aktuell kaum festzustellen.

Vor der Küste Floridas sowie in den Bahamas liegen zahlreiche Kreuzfahrtschiffe vor Anker, auf denen Zehntausende von Crewmitgliedern in der Hoffnung auf eine baldige Heimreise ausharren. Auf einigen, aber längst nicht allen dieser Schiffe gibt es Coronavirus-Infektionen.

Klar scheint zu sein: Die Rückführung gesunder Crewmitglieder scheitert bislang – zumindest auch – daran, dass die Reedereien eine von der US-Gesundheitsbehörde CDC verlangte Erklärung nicht unterschreiben. Die Sichtweisen, warum das so ist, gingen tagelang weit auseinander. Inzwischen scheint klar zu sein, dass die Reedereien vor allem deshalb Bedenken gegenüber der Erklärung haben, weil sie persönliche, strafrechtliche Konsequenzen für die Führungsebene der Reedereien beinhaltet, wenn einzelne Crewmitglieder auf ihrem Heimweg gegen Vorgaben und Beschränkungen verstoßen sollten.

Derweil sind viele Kreuzfahrt-Reedereien bereits dabei oder planen für die kommenden Tage, Zehntausende von Crewmitgliedern per Kreuzfahrtschiff in die ganze Welt nach Hause zu bringen – Carnival Cruise Line allein mit neun Schiffen von den Bahamas aus.

Update 4.5.: Inzwischen haben sich laut Miami Herald Celebrity Cruises und Royal Caribbean International bereit erklärt, die CDC-Vereinbarungen trotz ihrer Bedenken zu unterschreiben, um die Crew der Schiffe bald ach Hause bringen zu können. Bislang war dies bei allen beteiligten Reedereien nur in wenigen Einzelfällen geschehen, die die Zeitung ebenfalls berichtet.

Zu hohe Kosten oder unrealistische Bedingungen?

Der Miami Herald schreibt, Reedereivertreter hätten mehrfach gesagt, dass der Transport der Crewmitglieder in der von der CDC verlangten Form zu teuer sei. Carnival Corp und Royal Caribbean bestreiten das, Norwegian Cruise Line äußert sich bislang nicht. Der Miami Herald zitiert zudem mehrere Kapitäne von Royal-Caribbean-Schiffen mit Aussagen, dass die Weigerung, die Vereinbarung der CDC zu unterschreiben, absolut nichts mit Kosten zu tun habe. Angeführt werden stattdessen juristische Gründe.

Es steht Aussage gegen Aussage. Die Hintergründe und Abläufe sind derzeit von außen nicht genau zu erkennen. Inzwischen hat die CDC die Erklärung veröffentlicht, die sie von den Reedereien verlangt. Sie sieht unter anderem vor, dass die gesamte Führungsriege der Kreuzfahrtunternehmen unter Androhung auch strafrechtlicher Konsequenzen bei Verstößen sicherstellen müssen, dass nach Hause reisende Crewmitglieder …

  • nicht in einem Hotel oder einem anderen Ort übernachten, bevor sie ihr endgültiges Reiseziel erreicht haben,
  • keine Zwischenaufenthalte länger als acht Stunden haben,
  • nach ihrem ursprünglichen Charterflug nicht mit einem Linienflug weiterreisen,
  • während ihrer gesamten Heimreise keinerlei Interaktion im öffentlichen Raum haben („Mietwagen, Restaurants, andere öffentliche Bereiche etc.“).

Mutmaßlich gehen den Reedereien einige dieser Forderungen zu weit, weil sie dies bei Zehntausenden von Crewmitgliedern nicht für jeden einzelnen für die gesamte Heimreise absolut sicherstellen können mit all den Schwierigkeiten und unvorhersehbaren Hindernissen dieser Zeit, zugleich aber strafrechtlich belangt werden könnten. Wie schnell dies passieren kann, zeigt die überraschende Schließung der Flughäfen auf den Philippinen am 3. Mai, offenbar weil dort die Quarantäne-Kapazitäten für Heimkehrer erschöpft sind.

Der Miami Herald berichtet, dass Crewmitgliedern mehrfach eine Heimreise avisiert worden war, diese dann aber wieder abgeblasen wurde mit der Begründung, die CDC habe die Genehmigung nicht erteilt.

Vorausgegangener Streit um „no sail order“ der CDC

Die Situation ist auch vor dem Hintergrund zu betrachten, dass es bereits zuvor heftige Diskrepanzen zwischen Kreuzfahrt-Reedereien und CDC gab. Anlass dazu war die ausführliche Begründung der CDC am 15. April für 100 Tage bis zum 23. Juli verlängerte „no sail order“ für Kreuzfahrtschiffe. Darin hatte die CDC Kreuzfahrtschiffe als einen der wesentlichen Infektionsherde bei der Ausbreitung des Coronavirus in den USA bezeichnet.

Der Kreuzfahrt-Interessenverband Clia widerspricht dieser Darstellung ungewohnt deutlich. Die Kreuzfahrt sei weder die Quelle oder Ursache des Virus noch für dessen Verbreitung. Die CDC mache es sich zu einfach, indem sie die Kreuzfahrt an den Pranger stelle, nur weil sie hohe, öffentliche Aufmerksamkeit erziele. Es sei falsch, aus der größeren, öffentlichen Sichtbarkeit von Meldungen über Infektionen in der Kreuzfahrt abzuleiten, dass dies gleichbedeutend mit einer höheren Infektionsrate in der Kreuzfahrt sei.

2 Kommentare

2 Kommentare zu “US-Gesundheitsbehörde CDC und Kreuzfahrt-Reedereien streiten um Rückführung von Crewmitgliedern

  1. Warum verlangt die US-Behörde denn solche Zusicherungen. Damit lässt man das Ausreiden faktisch nicht zu und setzt Menschenleben auds Spiel.

  2. @Henry: vermutlich aus dem gleichen Grund, warum die meisten Länder der Welt derzeit überhaupt keine Ausländer ins Land lassen – a) weil sie es tun können, b) weil sie auch nicht das allerkleinste Risiko eingehen wollen, dass vielleicht doch jemand an Land von einem Crewmitglied angesteckt werden könnte. Ziemlich traurig, aber tatsächlich sogar mehr, als die misten Länder der Welt derzeit zulassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.