Port of Miami: "Cruise Capital of the World", aber nicht Geburtsstätte der Kreuzfahrt.

US-Kreuzfahrt tastet sich an Neustart heran, sagt zugleich weitere Reisen teils längerfristig ab

Die US-Reedereien beginnen nun auch operativ mit den Vorbereitungen für einen Neustart für Kreuzfahrten ab Florida noch im Jahr 2020. Zugleich kommen aber erst einmal weitere Absagen. Zumeist werden die Reisen bis Ende November ausgesetzt, einige Reedereien jedoch geben bereits die komplette Wintersaison 2020/21 auf.

Die Kreuzfahrt-Pause der US-Reedereien geht vorerst weiter und bringt teils recht langfristige Absagen bis hinein in den März. In letzter Minute, allerdings erwartungsgemäß, hatte die US-Gesundheitsbehörde CDC am 30. September ihre „no sail order“ um einen Monat bis zum 31. Oktober verlängert. Da die Wiederinbetriebnahme eines für viele Monate aufgelegten, großen Kreuzfahrtschiffs jedoch üblicherweise acht Wochen und mehr in Anspruch nimmt, sagen viele Reedereien jetzt erst einmal die Reisen bis 30. November ab.

Zugleich wird ein Neustart in den USA realistischer. Reedereien hoffen auf einen langsamen Beginn noch in diesem Jahr. Gerüchten zufolge wird bereits verstärkt Personal rekrutiert und in Anlaufplänen beispielsweise von Miami tauchen erste, neue Anläufe von Kreuzfahrtschiffen auf.

Schrittweiser Start mit Tests ohne Passagiere

Am wahrscheinlichsten ist – ähnlich wie beim Neustart in Europa vor einigen Wochen – ein schrittweiser und vorsichtiger Beginn mit nur wenigen Schiffen. Die neuesten Konzepte der Reedereien sehen zunächst mehrstufige Erprobungsphasen ohne Passagiere vor. Stützen können sich die Reedereien dabei auf praktische Erkenntnisse aus Europa – siehe auch meine Erfahrungsberichte zu den Infektionsschutzkonzepten von MSC und Costa sowie einen Vergleich der beiden (englischsprachig) bei Cruise Critic.

Auf dem derzeit laufenden Kreuzfahrt-Kongress „Seatrade Cruise Virtual“ bezeichnete der Branchenverband Clia Coronatests für Passagiere und Crew vor dem Boarding als essenziell. Das entspricht dem Procedere der europäischen Reedereien wie TUI Cruises, Costa, MSC oder Hapag-Lloyd Cruises, die mit PCR-Tests vor der Reise beziehungsweise Antigen-Tests direkt vor dem Boarding im Terminal bislang erfolgreich sind.

Bei allem Optimismus, den die CEOs der großen Kreuzfahrt-Unternehmen derzeit auf dem Kongress demonstrieren, drängt die Zeit, wenn der Neustart noch in diesem Jahr stattfinden soll. Denn neben dem Vorbereiten der Schiffe und Rekrutieren der Crew müssen vor allem auch noch eine Vielzahl von Genehmigungen bei Behörden in den USA, Bahamas und Karibik eingeholt und Verträge zu Infektionsschutz und anderen Aspekten mit den angelaufenen Häfen verhandelt und geschlossen werden.

Ein für diese Woche geplantes Gespräch der Reedereien mit der US-Regierung wurde aufgrund der vielen Covid-19-Erkrankungen im Weißen Haus vorerst abgesagt.

Herausforderung Coronatest und Maskenpflicht

Für die Abfahrten von US-Häfen stellen sich allerdings noch Herausforderungen, zu denen die Kreuzfahrt-Reedereien ein überzeugendes Konzept präsentieren müssen. Denn anders als in den meisten europäischen Ländern steht in den USA derzeit keine gut funktionierende Infrastruktur für PCR-Tests mit schnellen Testergebnissen zur Verfügung.

Als Alternative würden Antigen-Tests vor der Einschiffung im Hafen eher im Einflussbereich der Reedereien liegen. Hier stellt sich vor allem die logistische Herausforderung, die gesamte Zahl der Passagiere am Einschiffungstag zu testen. Denn anders als in Europa ist in den USA mit Ziel Bahamas und Karibik wegen des Passenger Vessel Service Acts kein Interporting möglich – also kein Zusteigen von Passagieren in mehreren Häfen, was die Zahl der zu testenden Personen in den einzelnen Häfen reduzieren würde.

Zu Hilfe kommen könnten den Reedereien dabei die Fluggesellschaften. So gibt es beispielsweise bei United Airlines, American Airlines, Jet Blue, aber auch bei der Lufthansa und der Muttergesellschaft von British Airways Pläne für Covid-19-Tests vor Flügen, die bislang allerdings eher für Langstreckenflüge gedacht sind.

Eine weitere Herausforderung dürfte sich bei der geplanten und nötigen Maskenpflicht an Bord der Kreuzfahrtschiffe ergeben. Anders als in Europa herrscht in den USA keine grundsätzliche Einigkeit über die Wirksamkeit der Masken als Infektionsschutz. Es dürfte also deutlich schwieriger sein, Passagiere durchgängig von einer Maskenpflicht zu überzeugen und das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes an Bord durchzusetzen.

Stand der Kreuzfahrt-Absagen

Eine vollständige Liste aller aktuellen Kreuzfahrt-Absagen und explizit geplanten Neustart-Terminen finden Sie in unserer regelmäßig aktualisierten Übersicht „Coronavirus: Übersicht aktueller Kreuzfahrt-Absagen“.

Ganz aktuell wurden folgende Reisen abgesagt:

  • Norwegian Cruise Line Holdings hat für die Marken Norwegian Cruise Line, Regent Seven Seas Cruises und Oceania Cruises eine Verlängerung der Kreuzfahrt-Pause bis 30. November bekannt gegeben.
  • Längerfristig legt NCL offiziell die Norwegian Star, Norwegian Spirit und Norwegian Dawn auf, nämlich bis Ende März 2021.
  • Royal Caribbean International sowie Silversea verlängern die Pause bis 30. November
  • Azamara geht erst wieder Ende März 2021 in Europa in Dienst.
  • Celebrity Cruises sagt die komplette Wintersaison 2020/21 in Australien und Asien ab.
  • Seabourn sagt fast alle Reisen bis Mitte April ab. Lediglich die Seabourn Odyssey soll am 15. Januar wieder fahren.
  • MSC hat USA-Abfahrten bis 30. November abgesagt.
  • Carnival Cruise Line hat alle Kreuzfahrten bis Ende des Jahres abgesagt, mit Ausnahme der Kreuzfahrten von den US-Häfen Miami und Port Canaveral im Dezember 2020.

Die Australien-Saison in den Monaten um den Jahreswechsel 2020/21 haben die meisten Reedereien inzwischen abgeschrieben. Für Asien hegen einige offenbar noch Hoffnungen, viele Reisen wurden aber auch hier schon für die komplette 2020/21-Saison abgesagt. Auch Weltreisen, die in den ersten Monaten von 2021 starten sollten, haben die US-Reedereien bereits abgesagt, während MSC und Costa bislang an ihren Weltreise-Plänen festhalten.

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