Die GrĂśnland-Expedition mit der Ocean Albatros war meine erste Reise auf einem Expeditionsschiff mit X-Bow. Diese futuristisch wirkende Bugform verspricht mehr Komfort fĂźr die Passagiere. Das habe ich getestet â mit Ăźberraschendem Ergebnis. Aber auch alle anderen Details zur Ocean Albatros habe ich mir auf dieser Kreuzfahrt genau angesehen.
Elf Tage war ich mit der Ocean Albatros auf Expeditionsreise: âIn GrĂśnland auf der Suche nach Polarlichternâ. Obwohl ich dabei auch erstmals mit Albatros Expeditions unterwegs war, konzentriere ich mich im Beitrag allein auf das Schiff. Der Grund: Der Arktis-Spezialist Albatros Expeditions und der Antarktis-Veranstalter Polar Latitudes sowie die australische Chimu Adventures schlieĂen sich gerade zur neuen Expeditionsreederei âPolar Latitudes Expeditionsâ zusammen.
Wie ich die Reederei auf meiner Reise erlebt habe, wird also schon in wenigen Wochen Vergangenheit sein, zugunsten von voraussichtlich deutlichen, positiven Veränderungen, beispielsweise einem Wechsel des Caterers zu Sea Chefs. Eigentßmer der neuen Reederei ist ßbrigens ein deutsches Unternehmen. Mehr zu diesem Thema lesen Sie demnächst in meinem Interview mit dem neuen CEO Patrick Shaw.
Themen in diesem Beittag:
- Was die Ocean Albatros besonders macht
- X-Bow: Vor- und Nachteile der ungewĂśhnlichen Bugform
- Lounges, Bars, Innenräume
- Zeitweise âOpen Bridgeâ
- AuĂendecks
- Restaurants
- Bars und Getränkepreise
- Kabine
- Sauna, Spa, Fitness-Studio
- Expeditionsausstattung
- Worauf man bei der Buchung einer Expeditionsreise mit Polar Latitudes Expeditions achten sollte
- Fazit: Besondere Erlebnisse statt Statussymbol âDiskobuchtâ
- Fakten und Daten: Ocean Albatros
Was die Ocean Albatros besonders macht
Die Ocean Albatros ist ein robustes Expeditionskreuzfahrtschiff mit einem groĂen Expeditionsteam. Das Schiff erfĂźllt die Bedingungen fĂźr Polar Code 6, verfĂźgt Ăźber einen bereits erwähnten X-Bow, hat laut Reederei einen sehr geringen Treibstoffverbrauch und ist im Betrieb sehr leise. Letzteres konnten wir auf der GrĂśnland-Reise gleich zweimal eindrucksvoll erleben, als wie sehr nahe an Buckel- und Finnwale herankamen, ohne dass sich die Tiere gestĂśrt fĂźhlten.

Ein Highlight der Ocean Albatros sind die groĂen AuĂendecks mit Blick nach vorne, sogar direkt vor der BrĂźcke, sowie zur Seite. Wer lieber im Warmen sitzt oder steht, bekommt das in der Observation Lounge âKnud Rasmussenâ auf Deck 8 und durch Fenster ganz vorne im Bug auf Deck 5.

AuĂergewĂśhnlich sind die beiden relativ groĂen, ausklappbaren Aussichts-Balkone ganz vorne am Bug auf HĂśne von Deck 5. Während nebenan der X-Bow durchs Wasser pflĂźgt, steht man dort im Freien ein paar Meter Ăźber dem Wasser. Näher kann man Walen oder Delfinen kaum kommen, auch wenn es dort, nachvollziehbarerweise, recht windig sein kann.




X-Bow: Vor- und Nachteile der ungewĂśhnlichen Bugform
Was hat es nun mit dem X-Bow auf sich? Entworfen hat diese spezielle Bugform das norwegische Unternehmen Ulstein, ursprĂźnglich fĂźr den rauen Einsatz von Offshore-Schiffen, die auch bei den schlechtesten Wetter- und Seebedingungen fahren mĂźssen.

Der groĂe Vorteil des X-Bow: Er schneidet auch bei mehr Seegang durch die Wellen, statt hart aufzuschlagen. Das spart zum einen Treibstoff. Es reduziert aber auch die wellenbedingten Vibrationen erheblich. Denn statt mit dem Bug auf anrollende Wellen aufzuschlagen und diese unangenehmen ErschĂźtterungen durchs ganze Schiff zu schicken, taucht dieser Bug quasi in die Welle ein und leistet weniger Widerstand.

Das fĂźhrt zu einer gleichmäĂigeren, erschĂźtterungsarmen Stampfbewegung. Nachteil: Der Bug taucht tiefer ein. Vor allem, wenn man eine Kabine weit vorne oder hinten hat, macht sich das durch eine stärkere Auf- und Ab-Bewegung bemerkbar. Letztlich hängt es also vom persĂśnlichen Empfinden ab, ob einem mit Blick auf Seekrankheit die Vibrationen durch den Aufschlag des Bugs auf die Wellen oder das weiche, aber tiefere Eintauchen des Bugs besser bekommt.

Technisch hat der X-Bow aber vor allem Vorteile: Die Materialbelastung fßr den Rumpf ist geringer, das Schiff kommt mit schweren Seeverhältnissen besser zurecht und, wie schon erwähnt, sinkt der Treibstoffverbrauch und tendenziell sind bei Seegang hÜhere Fahrtgeschwindigkeiten mÜglich.

Mein persĂśnliches Empfinden auf der Ocean Albatros war gemischt: Mit einer Kabine auf Deck 6 vorne konnte ich in einer Nacht mit rund vier Meter WellenhĂśhe und einer ungĂźnstigen Wellenlänge kaum geschlafen, weil sich die Auf- und Ab-Bewegungen wie ein kontinuierlicher Parabelflug anfĂźhlten. Mal hebt es einen fast aus dem Bett, dann drĂźckt es einen wieder fest in die Matratze, und das im Zehn-Sekunden-Rhythmus. Wer da empfindlich ist, sollte also eine Kabine weiter unten und in Schiffsmitte buchen â aber das gilt letztlich fĂźr alle kleineren Schiffe.
Lounges, Bars, Innenräume
Die Innenräume der Ocean Albatros folgen einer gewohnten Aufteilung bei Expeditionskreuzfahrtschiffen. Vorne oben gibt es eine Observation Lounge mit vorgelagertem AuĂenbereich auf dem obersten Deck 8, inklusive Bar und 24-Stunden-Kaffee-/Teestation. Ein kĂźnstliches Kaminfeuer in der Mitte sorgt abends fĂźr GemĂźtlichkeit. Auch zwei Ferngläser auf Stativ (Marke Celestron) stehen hier bereit.




Weiter unten auf Deck 5 vorne liegt die âVitus Bering Lecture Loungeâ, die vor allem fĂźr Vorträge genutzt wird. Die Vorderseite der Lounge besteht durchgehend aus groĂflächigen Bildschirmen, sodass man von allen Plätzen den Vorträgen gut folgen kann â selbige aber auch Ăźber Bord-TV in die Kabinen Ăźbertragen werden.




Grundsätzlich ist die Bordsprache der Ocean Albatros Englisch. Die Vortrags-Lounge verfĂźgt aber Ăźber ein Simultan-Ăbersetzungssystem, sodass beispielsweise bei meiner Reise fĂźr eine grĂśĂere Reisegruppe aus China ein Mitglied des Expeditionsteams alle Vorträge eine via OhrhĂśrer verfĂźgbare, chinesische SimultanĂźbersetzung anbot. Auch wichtig Durchsagen wurden auf Chinesisch wiederholt.

Positiv fällt die groĂe Zahl an Universal-Steckdosen auf, sodass man an vielen Sitzgruppen in der Lounge beispielsweise das Handy zum Laden oder auch mal das Laptop zum Arbeiten einstecken kann.
Direkt vorgelagert ist die âRoald Amundsen Bar and Loungeâ, quasi als gesellschaftlicher Mittelpunkt der Ocean Albatros inklusive kĂźnstlichem Feuer im simulierten Kamin. Hier steht ein Piano, das von Gästen bespielt werden darf, wo am Nachmittag und Abend aber auch ein Mitglied des Expeditionsteams fĂźr ein wenig Unterhaltung inklusive Karaoke und Mitsingen sorgt.




Gleich nebenan, durch eine GlastĂźr abgetrennt, liegt die âPeter Freuchen Libraryâ â ein ruhiger Nebenraum mit Computer-Arbeitsplatz und eine kleine Bibliothek (englischsprachig) sowie ein Regal mit Brettspiele.

In der Nähe der Bar und der Bibliothek befindet sich auch die Rezeption und die Aushänge beispielsweise mit dem Tagesprogramm und der Einteilung der Gruppen fßr die Zodiac-Fahrten.

In beiden Lounges, Lecture und Observation, gibt es rund um die Uhr Tee und Kaffee, auch Kaffeespezialitäten, aus WMF-Maschinen.
Zeitweise âOpen Bridgeâ
Albatros Expeditions bietet zwar keine durchgängig fĂźr Passagiere geĂśffnete BrĂźcke. Doch der Kapitän â der Schwede Johan Bernekorn â hat während meiner Reise die BrĂźcke bei vielen Gelegenheiten fĂźr Besucher geĂśffnet, sodass man reichlich Gelegenheit hat, die BrĂźcke anzusehen und mit dem Kapitän zu plaudern.

Eine fĂźr die Reederei teure, aber fĂźr Expeditionen sehr nĂźtzliche Sonderausstattung ist ein Sonarsystem, das von senkrecht nach unten bis zu 400 Meter voraus ausrichtbar ist. Ergänzt wird das mit einem mobilen Sonar, das auch von einem Zodiac aus einsetzbar ist, um unkartierte Stellen zu erfassen. Auf unserer Reise erkundete der Kapitän damit eine Bucht, um eine geschĂźtzte Ankerstelle nahe groĂer Eisberge fĂźr einen Ausflug der Passagiere mit Zodiacs zu diesen Eisbergen zu ermĂśglichen.

Die damit erfassten Daten werden in ein Chart-System eingespeist, in dem sich alle beteiligten Schiffe, auch Fischerboote, die neu erfassten Kartendaten teilen.
AuĂendecks
Von der Observation Lounge fĂźhren zwei seitliche TĂźren zu einer vorgelagerten Terrasse mit klassischer Reling ohne hochgezogene Verglasung. Niedrige Verglasung und der Mangel weiterer Windabweiser machen es hier mitunter sehr windig.

Seitliche Treppen fßhren von hier ein Deck tiefer zur Brßcke mit einer weiteren, frei zugänglichen Terrasse mit Blick nach vorne und zur Seite.

Vom Observationdeck fĂźhren auf beiden Seiten schmale AuĂenpromenaden nach hinten zum AuĂenbereich des oberen Restaurants und von dort per Treppe auf das Pooldeck.

FĂźr Expeditionsreisen in polare Gebiete ist dieses Pooldeck nicht optimal â was die Reederei auch erkannt hat und Ăźber Veränderungen nachdenkt. Insbesondere der eigentlich sehr schĂśne Infinity-Pool ist bei Seegang kaum nutzbar und kĂśnnte bei nächster Gelegenheit umgebaut beziehungsweise ersetzt werden.

Sehr schĂśn sind aber die zwei Whirlpools, erhĂśht gelegen, mit Blick aufs Wasser und auch nachts geĂśffnet, sodass man Polarlichter aus dem Whirlpool beobachten kann.

Ein am Deckplan mittschiffs auf Deck 9 als âViewing Platformâ eingezeichneter Bereich ist gewĂśhnlich Crew-Bereich, wird aber gelegentlich fĂźr Passagiere geĂśffnet, insbesondere nachts bei Nordlicht-Sichtungen.
Restaurants
Das Hauptrestaurant âJens Munkâ auf Deck 5 hinten ist ein klassisches Hauptrestaurant mit einem Buffet zum FrĂźhstĂźck und Lunch, jedoch mit Bedienung am Platz abends. Der groĂe, hintere Teil ist angenehm vom Buffet abgeteilt, sodass man hier die typische Restaurantatmosphäre bekommt.




Ein halb abgeteilter Nebenraum gleich nach dem Eingang war frĂźher ein Sushi-Restaurant und ist jetzt ein heimeliger Teil des Hauptrestaurants, wenn es mal etwas ruhiger sein soll.

Das zweite Restaurant âFridtjof Nansenâ oben auf Deck 8 war aus meiner Reise abends noch ein Hot-Stone-Spezialitätenrestaurant. Es soll demnächst aber in ein rund um die Uhr geĂśffnetes Bistro umgewandelt werden.
Auch wenn bei niedrigen Temperaturen nur im warmen Anorak nutzbar, bietet der recht groĂzĂźgige AuĂenbereich dieses Restaurants eine reizvolle Open-Air-Alternative.




Bars und Getränkepreise
Gesellschaftlicher Mittelpunkt der Ocean Albatros ist die eigentlich relativ kleine, aber zentral zwischen Rezeption und Lecture Lounge gelegene Roald-Amundsen-Bar inklusive Barservice fĂźr die Lecture Lounge.

Wer sich eher zurĂźckziehen und die Aussicht genieĂen will, wählt die Observation Lounge auf Deck 8, wo die Bar hier allerdings deutlich beschränktere Ăffnungszeiten hat als die Bar unten auf Deck 5. Kaffee und Tee gibt es hier dennoch durchgehend.
Auf vielen Reise, so auch auf dieser, war im Reisepreis das Dinner-Getränkepaket inklusive â also wechselnde WeiĂ-/Rot-/RosĂŠ-Weine inklusive, ebenso Becks-Bier und Softdrinks.
Die Preise fĂźr Bier und Wein sind relativ hoch: Das Glas Hauswein kostet 8,35 Dollar, Biere zwischen 6,35 und 8,40 Dollar, alkoholfreies Bier 5,75 Dollar. Cocktails sind dagegen mit 7,80 Dollar relativ gĂźnstig, der âDrink of the Dayâ ist sogar fĂźr 5 Dollar zu haben. Softdrinks in der Dose (Coca-Cola-Marken) kosten 2,60 Dollar.
Kabine
Meine Kabine, Balkonkabine Nr. 611, ist hell und modern gestaltet, und wird dominiert von einem groĂformatigen Pinguin-Foto Ăźber dem Bett.

Der Wohnbereich ist mit zwei bequemen Sesseln und einem kleinen Tisch sowie einem groĂer Frisier-/Schreibtisch inklusive VergrĂśĂerungsspiegel ausgestattet. Auch Ăźber einen Minibar-KĂźhlschrank verfĂźgt die Kabine.

Mehrere Universalsteckdosen sowie USB-A-Ladebuchsen an den Leseleuchten Ăźber dem Nachttisch sparen das Mitbringen von Steckeradaptern.
Der Schrankplatz fĂźr Kleidung in der Kabine ist ausreichend, aber nicht Ăźppig. Was wirklich stĂśrt ist das gänzliche Fehlen eines Hängebereichs fĂźr Hosen. DafĂźr bieten mehrere Regale viel Platz fĂźr Kleinteile, FotoausrĂźstung und Ăhnliches. Angenehm sind auch die beiden vollwertigen Nachtkästchen mit jeweils zwei Schubladen.

Mangels MĂśglichkeit, bei LandausflĂźgen feucht gewordene Kleidung zum Trocknen aufzuhängen, ist es ganz praktisch, dass man behelfsmäĂig KleiderbĂźgel an die quadratische Klimaanlagenabdeckung hängen kann.

Am relativ groĂen Balkon stehen zwei Sesseln, ein kleiner Tisch sowie eine Sonnenliege.


Das Badezimmer ist zwar klein, durch geschickte Raumaufteilung aber nicht eng. Komfortabel vor allem nach einem frostigen Landausflug ist die FuĂbodenheizung. Die Duschkabine verfĂźgt Ăźber keine TĂźr, ist durch eine Milchglasscheide aber so geschickt vom Waschbeckenbereich abgetrennt, dass kaum Wasser aus dem Duschbereich herausspritzt. Ein Rasier-/VergrĂśĂerungsspiegel fehlt im Bad, ist aber im Wohnbereich am Frisiertisch vorhanden.




Wiederverwendbare Trinkflaschen gibt es bei Albatros Expeditions Ăźbrigens nicht â was durchaus positiv zu sehen ist, weil diese Flaschen häufig nur fĂźr eine Resie und danach nie wieder benutzt werden. Jeder kann seine Trinkflasche selbst mitbringen, notfalls im Bordshop kaufen. Wer Ăśfter reist, hat ohnehin mehr als genug Trinkflaschen und braucht keine weitere.
AuffĂźllen lassen sich mitgebrachte Flaschen an Wasserspender Ăźberall am Schiff, insbesondere auch in jedem Kabinengang.
Sauna, Spa, Fitness-Studio
Die Ocean Albatros hat ein kleines Spa, vor allem aber eine frei zugängliche Sauna mit Panoramafenster und ein allerdings eher kleines Fitness-Studio.




Expeditionsausstattung
Mit einem groĂen Expeditionsteam und vielen Zodiac-Schlauchbooten hat die Ocean Albatros die Kapazität, alle Passagier gleichzeitig auf Zodiac-AusflĂźge zu nehmen. Kajak-AusflĂźge werden – relativ teuer â ebenfalls angeboten.
Die Ausschiffung ins Zodiac erfolgt auf der Ocean Albatros typischerweise direkt vom Schiff durch Ausstiege seitlich ohne ausklappbare Plattform oder Gangway. Das beschleunigt den Ausschiffungsprozess.

Zwar gibt es auch eine kleine Marina am Heck, die auf unserer Reise aber nur fĂźr den Polar Plunge genutzt wurde.

Wie bei Expeditionskreuzfahrten Ăźblich, verleiht die Reederei fĂźr die Dauer der Reise kostenlos gut isolierte und auch fĂźr längere Wanderungen sehr bequeme Stiefel der fĂźr diese Zwecke hervorragenden Marke âMuckâ.

Polar-Parka gab es bislang nur bei Antarktis-Reisen gestellt, fßr Arktis-Expeditionen mussten die Passagiere ihre eigenen, wind- und wasserdichten, warmen Jacken mitbringen. Das soll sich kßnftig aber ändern.
Worauf man bei der Buchung einer Expeditionsreise mit Polar Latitudes Expeditions achten sollte
Ich habe es bereits angesprochen: Bei der Reederei, die kĂźnftig Polar Latitudes Expeditions heiĂt, wird sich einiges verändern. Zu diesen Aspekten kann ich daher keine Einschätzung aus eigener Erfahrung abgeben. Insgesamt klingen die Planungen aber recht vielversprechend, vor allem der Ansatz, sich auf intensives Expeditionserlebnis zu konzentrieren und den Schwerpunkt auf diesen Aspekt statt auf Luxus zu legen.

Neben bereits erwähnten Veränderungen bei Caterer (kßnftig: Sea Chefs) und den Polararkas, empfehle ich, die folgenden Punkte vor einer Buchung mit dem Reisebßro oder direkt mit der Reederei abzuklären, sofern einem diese Aspekte wichtig sind.
Geplant ist ein flexiblerer Umgang mit Durchsagen an Bord beziehungsweise eine technische LĂśsung, die Passagiere selektiv beispielsweise Ăźber nächtliche Ereignisse wie Polarlicht-Sichtungen zu informieren. Aktuell ist es nur mĂśglich, Durchsagen fĂźr alle direkt in die Kabinen zu machen. Wer also, obwohl er eine Themenreise âAurora Explorerâ gebucht hat, die Nordlichter lieber verschlafen wollte, wurde von den Durchsagen dennoch geweckt.

Die Internet-Verbindung an Bord war, trotz grundsätzlich vorhandenem Starlink, extrem langsam â eine der Aspekte, die Polar Latitudes Expeditions schnellstens ändern will. Limitierender Faktor bleibt hier allerdings, wie immer bei Polarexpeditionen, die Satellitenabdeckung in den Fahrtgebieten, hohe Berge, enge Fjorde sowie speziell in GrĂśnland derzeit auch Regularien, die eine direkte Starlink-Nutzung zum Schutz des eigenen Telekommunikationsunternehmens verbieten.
Fazit: Besondere Erlebnisse statt Statussymbol âDiskobuchtâ
Auch wenn es sich nicht lohnt, zum Betrieb an Bord viel zu sagen, weil sich viele davon schon in wenigen Wochen verändern wird, sei doch die groĂartige Crew erwähnt, sehr persĂśnlich und aufmerksam und mit groĂartigem Service.

Gleiches gilt fĂźr das Expeditionsteam um Expeditionsleiter Mark Jansen â mit dem ich Ăźbrigens schon einmal vor drei Jahren unterwegs war, damals auf der World Navigator durch die Kanarischen Inseln.

Was mich sehr ßberzeugt hat, ist die Fahrtroute, die Albatros Expeditions fßr die Ocean Albatros geplant hat. Der bewusste Verzicht auf die ebenso populäre wie touristisch fast schon ßberlaufene Diskobucht hat fßr die elftägige Route einige schÜne Anlandungen ermÜglicht, die zeitlich bei einem Umweg von Kangerlussuaq nÜrdlich in die Diskobucht zeitlich nicht machbar gewesen wären.

Die Reise hat eine schĂśne Mischung aus Natur und Kultur geboten, vor allem auch durch gut gepflegte Beziehungen zu den kleinen, grĂśnländischen DĂśrfern, was gerade in diesem Fahrtgebiet viele TĂźren fĂźr die Passagiere Ăśffnet, die sonst verschlossen bleiben. Hinzu kamen unerwartet skurrile und faszinierende Orte wie frĂźhere US-Airbase in Ikateq, das fantastische Ărtchen Aappillatoq, plus glĂźcklicher FĂźgung mit Walbegegnungen, fĂźr die der Routenplan aber genug Pufferzeit enthielt, um an einem solchen Ort auch mal eine Stunde ungeplant zu verweilen.

Letztlich entscheidet Ăźber das Erlebnis einer Expeditionskreuzfahrt vor allem eine so gute Routenplanung, die nur mit Erfahrung und einer engen Beziehung zu lokalen Communities umsetzbar ist. Bucket-List-Ziele wie die Diskobucht sind weniger entscheidend als das Wissen um lokale Gegebenheiten und MĂśglichkeiten.

Und dann bekommt man eben dennoch auch das groĂartige Erlebnis, mit dem Zodiac zwischen riesigen Eisbergen zu kreuzen, an einem letztlich schĂśneren, weil unberĂźhrten und untouristischen Ort wie dem Sermilik-Fjord in OstgrĂśnland und wird zu Kaffee und Kuchen ins Wohnzimmer einer grĂśnländischen Familie in dem kleinen Ort Kuummiit eingeladen. Solche Erinnerungen Ăźberwiegen bei weitem das touristische Status-Symbol âDiskobuchtâ.
Fakten und Daten: Ocean Albatros

- Bauwerft: China Merchants Heavy Industry
- Baujahr: 2023
- Flagge: Portugal
- Tonnage: BRZ 8.181
- Länge: 104,40 Meter
- Breite: 18,40 Meter
- HĂśhe Ăźber dem Wasserspiegel: 30,13 Meter
- Tiefgang: 5,30 Meter
- Eisklasse: PC6
- Passagierdecks: 6
- Kabinen: 94 (davon (10 Einzelkabinen, 2 Dreierkabinen, 12 Suiten)
- Passagiere: 184
- Crew: 120 (davon 20 Expeditionsteam)





SchĂśn, daĂ es noch solche „kleinen“ Schiffe gibt. Man lernt sich an Bord kennen, kann sich aber auch nicht aus dem Weg gehen. Der Kontakt zur Crew ist intensiver, die Ziele sind individueller und es kommt schon mal vor, daĂ ein anvisiertes Ziel ausfällt oder einfach ein spontaner Zwischenstop eingelegt wird. Es ist im Gegensatz zu den Massenveranstaltungen so einiges an Improvisation mĂśglich. Der Fahrplan ist mehr ein grober Rahmen als eine festgelegte Route zu fixen Terminen. Ich hatte so ein Erlebnis mal auf der „BREMEN“ während einer TA: in der geografischen Mitte nach GPS stoppte der Captain auf dem Atlantik und lies die Zodiacs zu Wasser in den Sonnenuntergang.
Interessantes Hull-Konzept, daà da aufgelegt wurde. Was das wirklich spßrbar @Franz? Wenn man aus dem Prins-Christian-Sund raus in den Nordatlantik fährt, kann es schon mal ordentlich zur Sache gehen.
@Werner: Ja, die andere Bugform ist schon deutlich spĂźrbar, hab‘ ich im Text oben ja beschrieben. Der Bug taucht tiefer ein, dafĂźr entstehen kaum oder keine ErschĂźtterungen beim (eben nicht vorhandenen) Aufschlag des Bugs auf die Wellen.