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Ausblick: Kreuzfahrtjahr 2021

Die Kreuzfahrt im Februar 2021 zwischen Hoffen und Bangen: Wie geht es weiter?

Unterschiedlicher könnten die Signale aus der Kreuzfahrt derzeit kaum sein: In Europa stehen die Reedereien in den Startlöchern fürs Frühjahr, in den USA blockiert die Gesundheitsbehörde CDC und die Reedereien zeigen sich zunehmend genervt. Ein Überblick zum Stand der Dinge Anfang Februar 2021, welche Perspektiven die Kreuzfahrt kurz- und mittelfristig hat und wie sich Impfungen sowie die neuen Sars-Cov-2-Varianten auswirken.

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Naturgemäß blickt man in der Kreuzfahrt zuerst auf den mit Abstand größten Quellmarkt: Nordamerika und insbesondere die wichtigen Fahrtgebiete Bahamas, Karibik und Mittelamerika sowie Alaska und Neuengland. Doch dort waren die Kreuzfahrt-Reedereien schon im Sommer und Herbst 2020 kaltgestellt, während in Europa zeitweise mehr als 25 Kreuzfahrtschiffe fuhren. Auch für 2021 wird es in den USA wohl deutlich komplizierter, Kreuzfahrten wieder in Gang zu bringen, als das in Europa der Fall ist, wo es seit dem Neustart im Juni 2020 durchgehend zu keinem völligen Stillstand mehr gekommen ist.

In aktuellen Äußerungen von CEOs amerikanischer Reedereien klingt immer deutlicher den Unmut über die US-Gesundheitsbehörde CDC an. Die CDC hat sehr strikte Regeln für den Neustart aufgestellt. Zugleich kritisieren die Reedereien immer offener die zögerliche Haltung der Behörde bei der Umsetzung.

Aus der Risikobewertung im Geschäftsbericht von Carnival Corp. vom 26. Januar 2021: „Aus den derzeitigen Rahmenbedingungen ergeben sich zusätzliche technischen Anweisungen und Anordnungen der CDC (…), die derzeit ungewiss sind und einer weiteren Bewertung in Hinblick auf die Wiederaufnahme des Betriebs bedürfen. Die Umsetzung dieser anfänglichen und nachfolgenden Anforderungen kann (…)  Zeit kosten.“

Dennoch geht Carnival Corp. davon aus, bis Ende 2021 alle rund 90 Kreuzfahrtschiffe der verschiedenen Marken wieder in Betrieb zu haben.

US-Gesundheitsbehörde mit neuer Direktorin

Immerhin hat die neue CDC-Direktorin, Rochelle Walensky, eine Überprüfung aller bisher unter der Trump-Regierung aufgestellten Corona-Regeln und Leitlinien in Hinblick auf Wirksamkeit in Auftrag geben und mehr Transparenz versprochen. Ob das für die Kreuzfahrt und das derzeit noch bis Ende Oktober 2021 geltende Regelwerk namens „Conditional Sailing Order“ etwas Gutes bedeutet, bleibt erst einmal abzuwarten.

Norwegian Cruise Line Holdings bringt Crew zurück nach Hause

Norwegian Cruise Line Holdings hat offenbar vorerst resigniert und bringt die zunächst für den Neustart bereit gehaltene Crew wieder zurück nach Asien. Ende 2020 hatte NCL neue Crew von den Philippinen, aus Indien und Indonesien mit Kreuzfahrtschiffen abgeholt und in Vorbereitung auf einen erhofften Neustart nach Europa und in Richtung USA gebracht. Nun sind die Norwegian Joy von Aruba und die Norwegian Encore von Southampton aus wieder in die andere Richtung unterwegs, wie Crew Center berichtet. Sie sollen Indien, Indonesien und die Philippinen bis Ende März beziehungsweise Anfang April erreichen.

Offiziell hat Norwegian Cruise Line Holdings die Kreuzfahrten von NCL Oceania und Regent Seven Seas bis 30. April 2021 abgesagt, so wie beispielsweise auch die Royal Caribbean Group und größerenteils die Marken von Carnival Corp. mit Ausnahme insbesondere von AIDA und Costa.

Finanzielle Lage der großen Kreuzfahrtreedereien stabil

Eine gute Nachricht gibt es immerhin: Die großen US-Reedereien sind finanziell wohl nach wie vor so gut aufgestellt, dass sie noch lange durchhalten können. Carnival Corp. gibt an, auch ohne Kreuzfahrtbetrieb nach aktuellem Stand bis Ende 2021 liquide zu sein. Auch darüber hinaus gebe es weitere Geldquellen. Zu Beginn der Pandemie hatte Carnival von einer Durchhaltephase von rund neun Monaten gesprochen, sich seitdem aber – wie andere Reedereien auch – immer wieder neue liquide Mittel verschafft und die Kosten gesenkt.

Das Marketing vieler Reedereien konzentriert sich – anders als in Zeiten vor der Pandemie – schon recht langfristig schon auf das Jahr 2022, aber auch auf das zweite Halbjahr 2021. Ab Sommer 2021 hofft man, den Kunden halbwegs verlässlich stattfindende Reisen anbieten zu können. Die Buchungszahlen sind dem Vernehmen nach selbst im Vergleich zur Zeit vor Corona sehr positiv. Teils liegt das allerdings auch daran, das Passagiere ihre zuvor abgesagten Reisen auf einen späteren Zeitpunkt verschieben und entsprechend längerfristig umbuchen.

Vergebliche Hoffnung auf Lockerung bei Jones Act und Passenger Vessel Service Act

Wenig Hoffnung bleibt am amerikanischen Kreuzfahrtmarkt auf Erleichterungen durch eine zeitweise Lockerung amerikanischer Gesetze namens Jones Act und Passenger Vessel Service Act. Die Regierung von Joe Biden hat klargestellt, dass sie am Jones Act festhalten will. Zwar betrifft dieses Gesetz die Kreuzfahrt nicht direkt, hat aber im Passenger Vessel Service Act (PVSA) ein Äquivalent. Dass jedoch der PVSA ausgesetzt wird, während Biden den Jones Act als unantastbar betrachtet, ist unwahrscheinlich.

Würden diese Regeln gelockert, worauf die Kreuzfahrt-Reedereien hoffen, wären Alaska- und Neuengland-Kreuzfahrten 2021 noch möglichen. Ansonsten gäbe es für diese zwei wichtigen Fahrtgebiete für 2021 keine Chance mehr. Denn Kanada hat gerade beschlossen seine Gewässer und Häfen bis 28. Februar 2022 für Kreuzfahrtschiffe geschlossen zu lassen. Auch Kreuzfahrten nach Hawaii betrifft das, mit Ausnahme der unter amerikanische Flagge fahrenden Pride of America von NCL. Kanada fährt bislang eine harte Linie hat seine Häfen für Kreuzfahrtschiffe seit Beginn der Pandemie geschlossen.

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Chance für US-Reedereien mit kleinen Schiffen

Profitieren könnten von der Situation die Betreiber sehr kleiner Kreuzfahrtschiffe wie etwa Alaskan Dream Cruises oder Un-Cruise Adventures. Sie fallen nicht unter die Regeln der „Conditional Sailing Order“ der CDC, selbige nur für Passagierschiffe ab 250 Personen an Bord gilt. Zudem fahren die Schiffe dieser Reedereien unter US-amerikanischer Flagge, sodass auch der Passenger Vessel Service Act sie nicht einschränkt.

Europa deutlich im Vorteil

In Europa warten die Kreuzfahrt-Reedereien dagegen eigentlich nur noch auf Lockerungen bei den Coronabeschränkungen, um wieder fahren zu können. Im Vergleich zu den USA halten sich die Schwierigkeiten mit den Behörden in Grenzen und es existieren von beiden Seiten akzeptierte und in der Praxis erprobte Infektionsschutz-Konzepte.

Zwei deutsche Reedereien sind seit Sommer 2020 ohnehin nahezu durchgehend gefahren: TUI Cruises und Hapag-Lloyd Cruises, aktuell auf den Kanaren. Weitere Reisen und zusätzliche Schiffe sind geplant oder in Vorbereitung.

Trotz strenger Corona-Beschränkungen in Italien ist MSC mit der MSC Grandiosa am 24. Januar bereits wieder gestartet, Costa will am 13. März mit der Costa Smeralda nachziehen. Und AIDA bereitet gleich drei Schiffe für einen Start am 6. März vor: AIDAperla und AIDAmar auf den Kanaren, die AIDAstella im Mittelmeer.

Häfen in Europa bereiten sich auf Kreuzfahrtschiffe ab Frühjahr 2021 vor

Positive Signale kommen auch von vielen Kreuzfahrt-Häfen in Europa. Die Häfen in der Ostsee beispielsweise arbeiten in der Baltic Ports Organization eng zusammen, um die Kreuzfahrt in diesem Sommer unter einheitlichen Bedingungen wieder zu ermöglichen.

Die zuständigen Minister der fünf deutschen Bundesländer mit Kreuzfahrthäfen haben sich auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Gemeinsames Vorgehen und einheitliche Hygienestandards sollen die Kreuzfahrt ohne Wettbewerbsverzerrungen in Gang bringen, sobald die Corona-Beschränkungen das zulassen.

Welche Rolle wird die Corona-Impfung für die Kreuzfahrt spielen?

Viele fragen sich: Werden Reedereien nur noch geimpfte Passagiere akzeptieren? Im Beitrag „Mit Corona-Impfung bald wieder auf Kreuzfahrt?“ habe ich mir dazu bereits ausführlich Gedanken gemacht und klammere das Thema „Corona-Impfung“ deshalb hier einmal aus.

Derweil zeichnet sich ab, dass Reedereien bestrebt sind, zumindest die Crew-Mitglieder auf ihren Schiffen möglichst bald geimpft zu bekommen.  

Norwegian Cruise Line Holdings sagt dazu auf Anfrage von cruisetricks.de am 25. Januar: „Wir prüfen alle Optionen in Bezug auf Impfungen für Gäste und Besatzung und es ist unsere Absicht, dass alle Besatzungsmitglieder geimpft werden, bevor sie an Bord unserer Schiffe gehen, um ihren Dienst zu beginnen, vorbehaltlich der Verfügbarkeit des Impfstoffs.“ Letztlich wird also auch hier vieles von der Verfügbarkeit des Impfstoffs abhängen.

Die Chancen steigen derweil, dass Crewmitglieder eine Impfung bekommen. Indonesien verfolgt anders als die meisten Länder der Welt eine Strategie, bei der zunächst jüngere Menschen geimpft werden. Und Singapur gibt Seeleuten sogar Priorität bei der Impfplanung. Schon bis Ende Januar sollen dort rund 10.000 Seeleute geimpft worden sein. Das könnte Signalwirkung auch für andere Länder wie etwa die Philippinen haben, aus denen viele Seeleute stammen.

Unsicherheitsfaktor: Virus-Mutationen

Die größte Unsicherheit aber sind aktuell die Mutante des Cov-Sars-2-Virus aus Brasilien, Südafrika und Großbritannien. Diese Virus-Varianten sorgen gerade für ein März-2020-Déjà-vu: Innerhalb kürzester Zeit schließen Länder ihre Grenzen, der Reiseverkehr wird noch weiter heruntergefahren, selbst innerhalb Europas. Wie lange das anhalten wird, ist offen und hängt von der geographischen Ausbreitung der neuen Viren-Versionen, den Infektionsraten und von der Wirksamkeit der Impfstoffe gegen die neuen Corona-Varianten ab.

So schottet sich beispielsweise Deutschland mit Einreiseverboten ab, Norwegen, Finnland und Dänemark ergreifen ähnliche Maßnahmen – um nur wenige Beispiele zu nennen. Australien und Neuseeland kapseln sich ohnehin langfristig vom Rest der Welt ab.

Wie schwierig die Situation ist, zeigt das Beispiel von Ponants Le Lapérouse in Neuseeland. Eigentlich sollte das Luxus-Expeditionsschiff ab 8. Februar ausschließlich für neuseeländische Passagiere in Betrieb gehen. Die Crew ging für knapp einen Monat in Isolation, wurde mehrfach negativ getestet und Ponant hatte in Kooperation mit dem Charter-Partner im Land die Zustimmung der neuseeländischen Regierung.

Doch dann verweigerte die für Visa zuständige Behörde einem Großteil der Crewmitglieder das nötige Visum, kurz bevor die Lapérouse in Auckland ankommen sollte. 61 der Crewmitglieder, beispielsweise im Spa, Restaurant oder Kabinenservice, seien nicht essenziell für den Schiffsbetrieb und erfüllten damit nicht die Ausnahmebedingungen, unter denen Ausländer derzeit für Neuseeland ein Visum bekommen könnten.

Was braucht die Kreuzfahrt für einen Neustart in größerem Umfang?

1) niedrige Infektionszahlen

Der Sommer in Europa hat gezeigt, dass die Infektionsschutzmaßnahmen auf den über 25 großen wie kleinen Schiffen, die zeitweise wieder fuhren, ausreichen. Es gab – mit zwei Ausnahmen, in denen die Regeln grob verletzt wurden – keine nennenswerte Zahl an Covid-19-Infektionen auf Kreuzfahrtschiffen. Über 300.000 Passagiere sind weltweit seit Beginn der Pandemie wieder auf Kreuzfahrt gewesen.

2) Reisemöglichkeiten innerhalb Europas

In engem Zusammenhang mit dem Infektionsgeschehen stehen die Reisemöglichkeiten in Europa. Für die Kreuzfahrtreedereien und -passagiere sind realistische Reisemöglichkeiten innerhalb Europas Voraussetzung für den Kreuzfahrtbetrieb in größerem Umfang. Denn Quarantänevorschriften und andere gravierende Einschränkungen machen das Reisen für viele unmöglich, weil sie sich beispielsweise eine zehntägige Quarantäne bei Rückkehr nicht leisten können. Vor allem aber reduzieren die Beschränkungen die verfügbaren Flugverbindungen so stark, dass die Kreuzfahrtschiffe nur für einen eingeschränkten Kreis von Personen überhaupt sinnvoll erreichbar sind.

3) praktikable Regeln in den USA

Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat am 1. November 2020 ein Regelwerk in Kraft gesetzt, das einen Neustart für Kreuzfahrtschiffe aufgrund kaum zu erfüllender Bedingungen äußerst schwierig macht. Eine Lockerung würde einen Neustart in den USA erheblich vereinfachen, auch wenn die Reedereien nun seit vielen Wochen versuchen, selbst den aktuell übertrieben harten Anforderungen der CDC gerecht zu werden.

Wichtigstes Argument der Kreuzfahrt: erprobte und funktionierende Infektionsschutz-Konzepte

Die Kreuzfahrt hat ein starkes und funktionierendes Infektionsschutz-Konzept. Das hat sich selbst in Zeiten sehr hoher Inzidenzen im Winter auf den wenigen derzeit aktiven Kreuzfahrtschiffen bewährt. Mit Corona-Tests, Maske, Abstand, einem umfassenden Regelwerk und konsequenter Anwendung zeigt die Kreuzfahrt der gesamten Tourismus-Industrie, wie Reisen auch in Zeiten von Sars-Cov-2 funktioniert.

Eine große Herausforderung für die Reedereien ist es, diese Tatsache auch in der Politik und Gesellschaft zu vermitteln, wo sich vielfach das Vorurteil verfestigt hat, Kreuzfahrtschiffe würden ein hohes Ansteckungsrisiko bergen. Dieses Vorurteil entstand in der Zeit zu Beginn der Pandemie, als es naturgemäß keinerlei Schutzkonzept gegen das Coronavirus gab, keine Masken, kein Abstand, kaum Wissen über die Ausbreitungswege von Sars-Cov-2.

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Premiere für zahlreiche Kreuzfahrtschiffe am deutschen Markt

Läuft die Kreuzfahrt bald wieder so an, wie sich die Reedereien und ihre Kunden das wünschen, wird 2021 ein interessantes Jahr. Denn gleich mehrere Schiffe wollen in diesem Jahr Premiere am deutschen Markt feiern.

Sea Cloud Cruises stellt den lang ersehnten Neubau Sea Cloud Spirit in Dienst, Hapag-Lloyd Cruises bekommt mit der Hanseatic Spirit den dritten Expeditionsschiff-Neubau. Vorwiegend in Großbritannien, aber auch am deutschen Markt vertreten sein wird der Großsegler Golden Horizon, der 2021 in Dienst gehen soll und ursprünglich als Flying Clipper für Star Clippers geplant war.

Mit der Seaventure kehrt bei Viva Cruises die ehemalige Bremen nach Deutschland zurück. Bei Nicko Cruises soll die World Voyager endlich zum Einsatz kommen, nachdem sie das 2020 knapp verpasst hat. Und ebenfalls bei Nicko Cruises taucht auch die Vasco da Gama wieder auf, die davor nur ein kurzes Gastspiel bei Transocean gegeben hatte, bevor CMV und Transocean während der Corona-Pandemie Insolvenz anmeldeten.

Zum Ende des Jahres, wenn alles gut geht, bekommt AIDA den zweiten großen, mit LNG betriebenen Neubau, die AIDAcosma. Daneben stehen 2021 auch noch einige für den deutschen Markt relevante, internationale Kreuzfahrtschiffe mit ihrem Debüt an: Silver Dawn, Odyssey of the Seas, Rotterdam, MSC Virtuosa, MSC Seashore, Discovery Princess und Costa Toscana. Aus 2020 stammen Mardi Gras, Enchanted Princess, Silver Moon und Celebrity Apex, die allesamt aufgrund der Pandemie noch keine reguläre Kreuzfahrt mit Passagieren absolvieren konnten.

Ob es freilich so kommt, werden erst die kommenden Wochen und Monate zeigen …

4 Kommentare

4 Gedanken zu „Die Kreuzfahrt im Februar 2021 zwischen Hoffen und Bangen: Wie geht es weiter?“

  1. Das Problem hat mindestens zwei Seiten:

    Von der Faktenlage sind mit den Hygienekonzepten aktuell Kreuzfahrten wohl sicherer als zum Beispiel landbasierter Tourismus. Allerdings muss man dabei auch sagen, für wirklich naturwissenschaftlich belastbare Aussagen fahren aktuell zu wenige Schiffe und diese unter besonders intensiver Beobachtung. Und ein Fall von Fahrlässigkeit wie im vergangenen Sommer bei der bekannten norwegischen Reederei würde alle Konzepte wohl politisch schlagartig wieder beenden.

    Und da sind wir auch bei der politisch psychologischen Komponente: Kann man der allgemeinen Bevölkerung wirklich vermitteln, dass gerade der Kreuzfahrtbereich im Vergleich zum landbasierten Tourismus bevorzugt wieder öffnen darf? Im Moment ist es doch oft so, dass jede noch so begründbare Ausnahmeregelung oft zu vermehrter Fahrlässigkeit in Bereichen führt, in denen die Ausnahme eigentlich nicht greift.

    Ohne ausreichende Bereitstellung von Impfmöglichkeiten wird wohl alles weiterhin volatil bleiben. Und ob in Europa bei bestehender Knappheit Besatzungen von Kreuzfahrtschiffen ( meine jetzt nicht die Frachtschifffahrt) eine hohe Impfpriorität im Vergleich zum Beispiel vor Lehrern bekommt, möchte ich doch sehr anzweifeln. Das wird wohl kein Politiker wagen.

  2. Ich persönlich habe meine Zweifel, ob die Impfung in Bezug auf die Kreuzfahrt und v.a. für die kommenden Monate einen besonderen Unterschied machen wird (siehe mein separater Beitrag dazu). Natürlich wird die Kreuzfahrt keine Priorität vor Lehrern bekommen. Aber sind wir realistisch: Die meiste Kreuzfahrtschiff-Crew kommt nicht aus Deutschland. Und wie eben z.B. Singapur zeigt, sind die Prioritäten in anderen Ländern andere – vor allem dort, wo Seeleute eben ganz wesentlich zur Volkswirtschaft beitragen.

    Natürlich wird und sollte es auch keine Bevorzugung der Kreuzfahrt gegenüber anderem Tourismus geben. Was ich aber schon für wichtig halte ist, dass eben einheitliche Kriterien für alle gelten und wer die Kriterien erfüllt, darf den Betrieb aufnehmen. Es wäre Unsinn, nach Willkür und Vorurteilen zu entscheiden: „gute Hotels dürfen, böse Schiffe dürfen nicht“. Und wie TUI Cruises und Hapag-Lloyd auf den Kanaren zeigen, hat der deutsche Gesetzgeber ggfs. eh‘ nicht viel mitzureden, wenn die Kreuzfahrten im Ausland stattfinden.

    Bzgl. „Leichtsinn“ – ich denke, hier hat das Kreuzfahrtpublikum eben gerade bereits umfassend bewiesen, dass das Konzept eben doch funktioniert und Leichtsinn eben kein nennenswertes Thema dabei ist (über 250.000 Menschen sind statistisch dann vielleicht doch nicht so wenig).

    Ganz wichtig finde ich aber – nicht nur in Hinblick auf Kreuzfahrt und Tourismus -, dass wir nicht ständig von „Privilegien“ oder „Ausnahmen“ sprechen, wenn etwas stattfinden soll, das eigentlich ganz normal ist. Die Ausnahme ist die Pandemie und Beschränkungen bedürfen einer sehr stichhaltigen und präzisen Begründung. Nicht-Beschränkung ist der Normalzustand in einer freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft, Beschränkungen die nur in engem Rahmen auf das nötige Minimum beschränkte Ausnahme. Da müssen wir im Denken wieder hinkommen.
    Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich benutze dieses Argument nicht, um Lockerungen und Leichtsinn das Wort zu reden. Infektionsschutz ist sehr wichtig. Aber es darf nicht zu einer Neidgesellschaft und zu einem Interessengruppen-Kampf a la „wer darf was und warum?“ führen. Jeder darf (im Rahmen der Gesetze) alles, außer es gibt sehr stichhaltige Gründe dagegen. Und natürlich entscheidet trotz allem natürlich nicht jeder selbst, was er glaubt zu dürfen. Regeln, selbst wenn man sie für falsch hält, sind natürlcih einzuhalten.

  3. Ohne es selbst befürworten zu wollen, verfolgt man gerade die Nachrichten am heutigen Tag, die Frage eines Impfpasses mit entsprechenden Freiheiten nimmt an Brisanz zu. Sobald eine wirtschaftlich interessante genügend große Gruppe geimpft ist und in den nächsten Wochen (so die aktuelle Aussagen ) auch Untersuchungen dazu vorliegen, ob Geimpfte noch ansteckend sind, wird die Diskussion voll ausbrechen. Nach Aussage einiger führender Juristen zumindest in Deutschland ist eine Einschränkung der Grundrechte nur für die Personen erlaubt, welche eine Gefahr für andere Personen darstellen. Was juristisch dann nicht zu verhindern ist, wird aus wirtschaftlichen Gründen wohl auch genutzt werden.

    Bezüglich der Frage, wie belastbar aktuell die Datenlage bezüglich der Hochseekreuzfahrten ist, halte ich persönlich die Frage der Anzahl der fahrenden Schiffe für entscheidender als die Anzahl der Gäste insgesamt. Jedes Schiff stellt eigentlich für sich eine wissenschaftliche Kontrollgruppe mit je einem Hygienekonzept da, sofern das Konzept funktioniert, ist es nicht so wesentlich, wieviele Personen auf dem jeweiligen Schiff gefahren sind, da sie alle annähernd denselben Bedingungen unterworfen wurden. Die Anzahl der Gäste wäre nun dann entscheidender, wenn sie alle sich sehr unterschiedlich während der Fahrt verhalten dürften. Belastbarer wird die Datenlage dann, wenn wieder mehr und mehr Schiffe in Fahrt kommen.

    Was ich vorstehend geschrieben habe, ist mein Versuch einer rationalen Analyse. Emotional hoffe ich natürlich, dass von meinen gebuchten, dann von den Anbietern stornierten und verschobenen Reiseprojekten in 2021 möglichst viele sich verwirklichen lassen und ich als Angehöriger der Impfpräferenzgruppe drei eventuell bis dahin schon geimpft sein könnte. Auch wenn ich danach auch weiterhin alle vorgeschriebenen Hygienekonzepte befolgen werde, könnte man die Reisen dann doch noch beruhigter genießen.

  4. Da sind wir uns einig. Klar wäre eine höhere Zahl an Schiffen statistisch aussagekräftiger. Ich denke aber schon, dass die große Streuung auf ganz unterschiedliche Schiffstypen, Größen und Publikum von Luxus bis Massenmarkt, klein bis ganz groß, von rein deutsch über italienisch-international bis asiatisch schon ein recht robustes Bild abgibt. Andererseits ist natürlich auch zu berücksichtigen, dass bislang vor allem Kreuzfahrt-Fans unterwegs sind, die wissen, worauf es ankommt und die ein großes Eigeninteresse am Funktionieren der Konzepte haben. Bei mehr Schiffen werden auch mehr Passagiere wieder fahren, die keine so enge Bindung zur Kreuzfahrt haben und dann *könnte* die Disziplin nachlassen. Allerdings sollte man auch nicht unterschätzen, dass die Reedereien Regeln an Bord sehr gut durchsetzen können (und in der Vergangenheit sowohl MSC als auch TUI Cruises schon gezeigt haben, dass sie das rigoros tun und Passagiere auch man von der Reise ausschließen, wenn sie die Regeln nicht befolgen). Insofern bin ich da optimistisch, dass die bisherigen Erfahrungen eine stabile Grundlage auch für eine Ausweitung der Kreuzfahrt (und des Tourismus insgesamt, wenn die Regeln dort ähnlich sind) funktionieren wird. Besser jedenfalls als bei einer allgemeinen Öffnung der Hotellerie und der Gaststätten und Kneipen an Land …

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