Am Ende eines beeindruckenden Fjords liegt Kotor in Montenegro. Die Fahrt dorthin mit der Star Clipper ist spektakulär und die Stadt bietet mit einer Festung, einer mächtigen Stadtmauer und vielen Ausflugszielen rund herum so viel, dass man trotz der Sommerhitze der Versuchung widerstehen muss, in stressigen Sightseeing-Modus zu verfallen.
Ein wenig Überwindung kostet es schon, Gewohnheiten über Bord zu werfen und auch – oder gerade –  in einem Ort wie Kotor nicht den Sightseeing-Rundgang zu absolvieren oder sich zum schweißtreibenden (und mit 15 Euro ziemlich teuren) Aufstieg zur Festung hinreißen zu lassen. Stattdessen erst einmal die Einfahrt in die Bucht von Kotor auf Deck zu genießen, mit der Star Clipper besonders eindrucksvoll, während der Lotse sich lebhaft mit dem Kapitän austauscht.







Wir passieren kleinere Waldbrände, die hier seit Tagen den Wald auffressen und dichte Rauchschwaden gen Himmel schicken …


… vorbei an Perast und den beiden vorgelagerten Inseln St. Georg und St. Marien mit Friedhof und einer Walfahrtkirche. Mit dem Bus kann man von Kotor nach Perast und dort dann mit dem Boot zur Wallfahrtsinsel hinüber fahren, aber ehrlicherweise war es uns dafür diesmal einfach zu heiß.



Die Star Clipper ankert recht weit von Kotor entfernt, gleich neben der Wind Surf, etwa 20 Minuten Tender-Fahrt von der Altstadt entfernt. Der Anleger dort ist von der Viking Sea belegt. Aber die anderen beiden Schiffe fahren schon am späten Nachmittag ab und wir haben Kotor, zumindest was Kreuzfahrtpassagiere angeht, den restlichen Abend für uns allein. Die Star Clipper bleibt bis kurz vor Mitternacht.




Zwischen den Häusern der Altstadt ist es schattig und deutlich kühler als in der Sonne. Am besten lässt man sich hier ziellos durch die Gassen treiben. Die Stadt ist so klein, dass man sich kaum verirren kann und spätestens in einer halben Stunde wieder auf einen Platz stößt, den man zuvor schon einmal gesehen hat.













Zwei bekannte Aussichtspunkte über die Bucht von Kotor gibt es: von der Festung und von der Bergstation einer Gondelbahn, beide eher schwierig zu erreichen. Aber wir finden eine gute Alternative, die noch dazu kostenlos ist: Von den Stadttoren im Süden und Norden führen jeweils Treppen hinauf auf die Stadtmauer, die man in ihrer gesamten Länge ablaufen kann. Früher kostete das offenbar Eintritt, doch die Kassenhäuschen sind verwaist.










Beim Nord-Tor führt entlang der Mauer auch ein inzwischen recht verfallener, steiler Weg etwas den Berg hinauf und der oberste Punkt bietet einen weiten Blick über die Bucht. Allerdings sollte man dort nicht zu spät am Nachmittag hinaufsteigen (und es nicht, wie ich, mit Flipflops versuchen), denn die Sonne verschwindet recht früh hinter den Bergen. Fotos von der Bucht sind viel hübscher, wenn die Sonne noch hineinscheint.

Zwei Dinge gibt es in Kotor in großer Zahl: Katzen und Eisdielen. Zuerst dachten wir, die Behauptung, es gebe hier mehr Katzen als Einwohner, sei übertrieben. Doch sobald es am späten Nachmittag etwas kühler wurde, sahen wir immer mehr von ihnen.







Eisdielen? Um jede Ecke eine neue, an manchen Plätzen gleich zwei oder drei. Alle zu testen: unmöglich. Aber viele scheiden auch schon wegen schriller Farben oder hoch aufgetürmter Eisberge aus. Zwei sehr gute und empfehlenswerte haben wir gefunden: Marshall’s Gelato und Perché Gelateria. Noch dazu hier in Montenegro zu relativ günstigen Preisen. Gerade einmal 2,80 Euro kostet eine Kugel, trotz touristischer Altstadt.



Gleich gegenüber der Perché Gelateria liegt dann auch die Bar „Club Invalida“, eine der ältesten und günstigsten Bars der Stadt. Ein 0,5-Liter-Glas einheimischen Biers kostet nur drei Euro. Hier im Freien zu sitzen und den vorbeziehenden Touristen zuzusehen, ist eine verdiente Erholung und Abkühlung.

Genauso wie ein letzter Cocktail an Bord der Star Clipper zum Ausklang eines schönen, aber anstrengend heißen Tages. Auch wenn die Ausfahrt der Star Clipper aus der Bucht von Kotor nach Mitternacht sicherlich spektakulär war – wir haben sie verschlafen.










