Santorini im Sommer ist von Touristen überlaufen, nicht nur, wenn große Kreuzfahrtschiffe in der Caldera der griechischen Vulkaninsel liegen. Und trotzdem hält Santorini positive Überraschungen und Entdeckungen bereit, wie wir bei unserem Stopp mit der Star Clipper dort feststellen. Wenn man‘s richtig anstellt, wird auch aus diesem Hafenstopp ein erlebnisreicher Tag.
Doch bevor die Star Clipper in die Caldera von Santorini einfährt, segeln wir bei strahlendem Sonnenschein den ganzen Vormittag hindurch. Was gestern den Stopp in Mykonos vereitelt hat, nützt uns heute: Bei kräftigem Wind machen wir unter Segeln ordentlich Fahrt.

Ein paar Delphine kreuzen unseren Weg …

… und wir machen etwas, das man so nur auf den Star-Clippers-Schiffen kann: Wir klettern hinauf ins Krähennest, elf Meter über Deck, die sich allerdings noch einmal deutlich höher anfühlen.

Der Blick hinunter aufs Schiff, aber auch weit übers Meer ist großartig.




Für Santorini haben wir uns entschieden, einen Ausflug per Bus zu buchen. Das hat hier Vorteile, denn organisierte Ausflüge starten im Hafen von Athinios und nicht unterhalb von Fira an der Seilbahnstation, dem größten Nadelöhr, vor allen, wenn zwei große, andere Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig hier sind. Und bei 34 Grad ist es einfach bequem, sich zwischendurch im klimatisierten Bus abzukühlen.

Santorini ist einer der Orte, an denen Overtourismus so greifbar ist, dass man mit ihn selbst mit fest verschlossenen Augen spüren würde. Einfach an Santorini vorbeifahren, wenn ein Teil der Passagiere aus den USA und anderen fernen Ländern kommt, ist allerdings auch keine Option. Also läuft die Star Clipper die bekanntest, griechische Insel für einen langen Nachmittag eben doch an. Odyssey of the Seas und die Costa Deliziosa sind schon da, genau wie die vielen Nicht-Kreuzfahrt-Urlaubern auf der Insel – eine Garantie also für volle Gassen und Staus aus den Straßen.
Die Ausgrabungen von Akrotiri
Schonmal in Akrotiri gewesen? Dort gibt es faszinierende Ausgrabungen einer Stadt aus der Zeit von etwa 1.600 vor Christus, die bei einem gewaltigen Vulkanausbruch auf Santorini unter einer bis zu 30 Meter dicken Ascheschicht verschwand und erst in den 1970er-Jahren zufällig entdeckt wurde. Ein Teil der Stadt haben Archäologen seitdem ausgegraben und mit einem riesigen Dach überzogen, sodass man die Ausgrabungen auch an einem Sommertag besuchen kann. Es ist heiß, aber zumindest brennt die Sonne nicht direkt auf die Besucher nieder.




Akrotiri hat nicht die visuelle Faszination von Pompeji, denn im Wesentlichen sieht man hier graue Mauern und noch mehr graue Vulkanasche, die immer noch einen Teil der Stadt unter sich begräbt. Faszinierend ist aber, einen Eindruck davon zu bekommen, wie eine ganze Stadt mit mutmaßlich rund 350 Häusern unter der Asche begraben liegt und wie mühsam und aufwendig es ist, all das vorsichtig auszugraben. Die Archäologen haben auf eingestürzten Mauern auch Malereien entdeckt, die unser Führerin am Tablet zeigt, denn die Originale sind, wie Puzzle neu zusammengesetzt und restauriert, in mehreren Museen ausgestellt, unter anderem in Athen.
Oia – ebenso schön wie überlaufen
Der zweite Stopp des Ausflugs ist Oia – ein Ort, der wie Fira wie an die Steilküste geklebt wirkt, mit kitschigen, aber zugegebenermaßen sehr schönen Fotomotiven in Weiß und Blau. Die Überraschung hier: Ignoriert man die Anstehschlangen von Influencern und solchen, die es werden wollen, an den vermeintlich schönsten Selfie-Hotspots, und geht einfach immer weiter bis zu der kleinen Festung ganz im Norden der Stadt, ist man plötzlich auch an einem solchen Tag fast ganz allein.













Die Fotomotive sind hier keinesfalls unattraktiver, nur muss man sich nicht anstellen, nicht die unnatürlichen Posen und das künstliche Lächeln der Selfie-Jäger ertragen, sich keine Gedanken über die falsche Welt machen, die so bei Instagram und Tiktok entsteht.

Unvermeidlich sind auf dem Weg dorthin allerdings die Spuren des Overtourismus: Hinweisschilder, doch bitte die Katzen in Ruhe zu lassen, die ganz offensichtlich von den vielen Touristen genervt sind, oder die Anweisung an einer Stelle nicht stehen zu bleiben.




Man fragt sich: Sind die vielen Leute eigentlich hier, weil Oia so schön ist? Oder weil irgendwann einmal jemand geschrieben und gezeigt hat, wie schön es ist und die meisten heute jetzt nur noch hier herkommen, weil es so viele andere auch tun.

Noch eine positive Entdeckung: In Oia gibt es ziemlich gutes Gelato, spannenderweise aus Schafmilch, frustrierenderweise sehr teuer. Aber es lohnt sich. Und an einem so heißen Tag wie heute, bei 34 Grad, ist einem diese leckere Abkühlung auch vier Euro pro Kugel wert.


Überraschend günstig ist dafür der Frappé, den wir von Abfahrt des letzten Tenders zur Star Clipper in einer der Tavernen unten am kleinen Hafen von Fira trinken: drei Euro sind ein fairer Preis. Den Blick auf den nahenden Sonnenuntergang, die Caldera und die Schiffe dort, ist gratis inklusive.

Highlight es Tages freilich ist abends die Ausfahrt der Star Clipper aus der Caldera von Santorini bei Sonnenuntergang. Der Kapitän lässt eine junge Kadettin aus Steuerrad – für sie sicherlich ein unvergessliches Erlebnis in ihrer jungen Karriere.







Nach dem Abendessen und einem Beatles-Abend des Bord-Musikers der Star Clipper schauen wir vom obersten Deck aus in die Sterne. Auf dem Meer gibt es kaum störendes Licht und so sehe ich sehr langem wieder einmal die Milchstraße und Tausende von Sternen. Vor allem aber jetzt, Mitte August, warten wir auf Sternschnuppen aus den Perseiden – und werden nicht enttäuscht.

Ich kann mir kaum etwas Erhabeneres vorstellen, als an Deck der Star Clipper zu stehen, das Geräusch des Windes in den Segeln, das leise Plätschern der Meeres und hoch oben im Himmel schießt völlig lautlos, dafür aber umso heller eine Sternschnuppe durch den Nachthimmel. Es ist einer der Momente, in denen man gerne die Zeit anhalten möchte, um all das noch viel länger genießen zu können. Das Foto wird dem freilich nicht gerecht. Es gibt eben Dinge, die sich nicht im Bild festhalten lassen.







