Die Star Clipper segelt wirklich, die Segel sind nicht nur Dekoration. Aber nicht nur deshalb herrscht an Bord eine ganz andere Atmosphäre als auf anderen Kreuzfahrtschiffen, selbst auf solchen mit ähnlich geringer Passagierzahl. Die Crew, das besondere Flair des Großseglers und das außergewöhnliche Routing zieht auch einen ganz eigenen Schlag von Passagieren an. Warum fühlen sie sich gerade auf der Star Clipper so wohl?
Durch den Vorhang vor dem Bullauge der Kabine drängt sich das Licht schon vor Sonnenaufgang sanft herein, holt mich sanft aus einem wohligen, von dem leichten Schaukeln des Schiffs begleiteten Schlaf. Noch einmal umdrehen? Oder schnell in die kurze Hose und das T-Shirt schlüpfen und in Flipflops die paar Schritte von der Kabine aufs offene Deck gehen?

Eigentlich könnte ich mir diese Diskussion mit mir selbst sparen. Denn der Drang aufzustehen, ist viel zu stark. Schnell an der Getränkestation in der Pianobar vorbei und eine Tasse heißen Tee mitnehmen, dann nach vorne bis ans Bugspriet-Netz, unter die leise rauschenden Segel, an die Reling.

Diese friedliche Ruhe bei oft spiegelglattem Meer spüren, in der Karibik eine paar ganz tief über die Wasseroberfläche gleitende Pelikane beobachten, oder Fregattvögel mit ihren majestätischen Flugmanövern ganz nahe an den Segeln und dem Tauwerk des Schiffs vorbei, oder im Mittelmeer ein paar Delphine rund ums Schiff – diese innere Ruhe, die mich dabei erfasst, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Es sind diese wenigen Momente im Jahr, in denen die Zeit einfach stehen bleiben könnte und es würde mich kein bisschen stören. Ich würde es gar nicht merken.

Am Horizont steigt langsam die gelb-orange Sonne aus dem Meer. Nach und nach erwacht das Schiff. Crew setzt zusätzliche Segel, Mitreisende schlurfen übers Deck, auch mit einer Tasse Kaffee oder Tee in der Hand, machen es sich auf der Bank hinter dem großen, hölzernen Steuerrad bequem, beginnen ein erstes Schwätzchen mit dem Offizier auf der offenen Brücke. Ein Deck tiefer am Rauchertisch neben der Tropical Bar treffen sich die üblichen Gäste zu einer ersten, gemeinsamen Morgenzigarette.

Selten erlebt man auf einem Kreuzfahrtschiff ein solches unausgesprochene Gemeinschaftsgefühl wie auf der Star Clipper. Dieses Band der Zusammengehörigkeit trotz unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Gewohnheiten, verschiedenen Temperaments. Selbst wenn dann später am liebsten jeder zuerst in das erste Tenderboot an Land möchte, bleibt diese Grundstimmung. Keiner übertreibt es beim Drängeln, man bleibt höflich bis freundlich, jedenfalls die allermeisten. Und wenn nicht, reicht schon ein kurzer Blick der Mitreisenden untereinander, um sich unausgesprochen zuzuflüstern: „Was für ein seltsamer Kauz.“
Video: Star Clipper – Für mich die schönste Art, auf Kreuzfahrt zu gehen
Meine persönliche Liebe zur Star Clipper habe ich ja schon vor einigen Jahren erklärt: „Welches ist Dein Lieblingsschiff? Star Clipper – eine Liebeserklärung“ Und Details zu den Nebenkosten auf der Star Clipper finden Sie aktualisiert unter „Star Clippers: Getränkepreise, Trinkgelder, Nebenkosten“. Ein detailliertes Schiffsportrait mit allen Details finden Sie außerdem in Carmens Cruisediary.de: „Mit der Star Clipper von Athen nach Venedig“.
Video: Warum die Star Clipper kein normales Kreuzfahrtschiff ist
In diesem Beitrag möchte ich ausführlicher darauf eingehen, was auf der Star Clipper anders ist als auf anderen Kreuzfahrten; anders, als man es von anderen Schiffen gewohnt ist und was eine Reise auf der Star Clipper so außergewöhnlich macht. Und natürlich gibt’s auch ein paar Infos und Tipps für die Vorbereitung auf eine Reise mit der Star Clipper.
Wer sind die Passagiere auf der Star Clipper?
Das schon beschriebene Gemeinschaftsgefühl, diese familiäre Atmosphäre, bei der man am Ende der Reise fast jeden an Bord irgendwie kennt, entsteht auch durch den besonderen Typ von Menschen, den man auf der Star Clipper trifft: leger und entspannt, freundlich und kommunikativ – jedenfalls die meisten. Es ist eher der Typ „Soft-Abenteurer“, der die Dinge unaufgeregt und positiv auf sich zukommen lässt, ohne diesen oft schon verbissenen Expeditions-Ehrgeiz, aber voll Vorfreude auf das, was die Reise bringen wird. Die Passagiere stammen aus aller Welt, von Australien bis Kanada, Frankreich bis USA und typischerweise auch immer einige Deutsche.

Die familiäre Atmosphäre ergibt sich auch daraus, dass man sich relativ wenig in der Kabine aufhält und auf den offenen Decks die Mitreisenden ständig trifft. Man steht an der Tropical Bar nebeneinander, man holt sich morgens an der Kaffee- und Tee-Station seine erste Tasse …

… und trifft dort und an Deck immer die gleichen, wenigen Leute, steht nebeneinander nahe der Brücke beim Auslaufen, sitzt bei freier Tischwahl immer wieder einmal mit anderen gemeinsam beim Essen.

Da kommt man schnell und leicht ins Gespräch und mangels Ablenkung unterhält man sich dann eben auch einmal etwa länger; teilt Erlebnisse beim Landgang, macht sich gegenseitig auf Delfine aufmerksam, die man gerade sieht, oder fachsimpelt darüber, wie wohl die Vögel heißen, die schon seit einer Weile das Schiff begleiten.

Flipflops an Deck – aber auch zum Dinner?
Die legere Stimmung gilt auch für die „Kleiderordnung“, oder das Fehlen einer solchen, jedenfalls fast. Nicht wenige Passagiere sind den ganzen Tag im Bikini oder T-Shirt und Badehose an Deck und an der Tropical Bar, barfuß (was inzwischen nicht mehr so gerne gesehen wird, wegen der Verletzungsgefahr) oder in Flipflops.

Nur abends gibt es ein paar Minimal-Regeln: lange Hose, keine ärmellosen Shirts und bitte keine Flipflops im Restaurant – also ein hübsches Sommerkleid, Polo-Shirt oder Hemd plus lange Hose und geschlossene Schuhe. Vereinzelte Ausreißer, die mit Plastiksandalen zum Dinner erscheinen, gibt es – und alle nehmen es locker, ignorieren den kleinen Faux-Pas einfach. Sakko oder gar Krawatte sowie feinere Abendkleider kann man getrost zu Hause lassen, man braucht sie wirklich nicht.
Gefühl wie ein Gast auf einer privaten Yacht?
Wie als Gast auf einer privaten Segelyacht, so sollen sich die Passagiere auf der Star Clipper fühlen, wenn es nach der Idee des schwedischen Reeders Michael Krafft geht. Bei 100 bis 160 Passagieren ist es wohl eher eine Mischung aus Kreuzfahrt-Passagier und Yacht-Gast, aber mit etwas gutem Willen stellt sich dieses Feeling schon ein.

Sehr angenehm ist dabei, dass es keinerlei Druck gibt, an Bord etwas zu kaufen. Weder an der Tropical Bar noch im Restaurant drängten Kellner einen zum Konsum, kein Kellner kommt übers Pooldeck, um den Sonnenanbetern dort nahezulegen, jetzt doch mal einen Cocktail zu bestellen, wie man das vor allem von größeren Kreuzfahrtschiffen kennt.

Um Landausflüge zu buchen, muss man regelrecht selbst aktiv werden, die Ausflugsliste liegt lediglich in der Bibliothek zum Eintragen aus, aktiv beworben werden die Ausflüge kaum. Je nach Gegebenheiten und behördlicher Genehmigung, gibt’s (kostenlos) Wassersport-Angebote direkt vom Schiff aus oder von einem nahegelegenen Strand: Kajak, Einhandsegler, Stand-up-Paddling, Wakeboarding, Schnorcheln.

Massagen werden im den Spa-Zelt am obersten Deck angeboten, aber auch hier gilt: Wenn man sich nicht aktiv darum kümmert, nimmt man das kaum wahr. Wenn man die Zeit hat, sollte man sich übrigens eine Massage gönnen: 60 Euro für eine Stunde sind geradezu ein Schnäppchen für eine gute Massage, noch dazu in dieser Atmosphäre.

Mit morgendliche Yoga-Stunden am Achterdeck zum Sonnenaufgang haben auf meiner Reise von Piräus nach Venedig für eine entspannte Grundstimmung für den ganzen Tag gesorgt. Immer wieder sind auf den Star-Clippers-Reisen Yoga-Trainer an Bord, so wie auf unserer Reise Svia Rothstein, und die Kurse sind kostenfrei. Was für ein Start in den Tag.

Trinkgelder für die Crew werden zwar erwartet, sind aber moderat: Die Empfehlung mit zehn Euro pro Tag bei weniger als der Hälfte vieler anderer Reedereien. An der Bar wird keine automatische Servicegebühr aufgeschlagen, hier gibt man echtes Trinkgeld freiwillig, viele auch erst am Ende der Reise einmalig etwas großzügiger.
Und die Crew?
Viele Crew-Mitglieder sind schon sehr viele Jahre bei Star Clippers. Stammgäste kennen die Crew und die Crew kennt diese Passagiere, schon bei der Einschiffung fühlt es sich ein wenig wie „nach Hause kommen“ an.

Die Crew ist herzlich, sehr aufmerksam und der Service ist ziemlich individuell, beispielsweise von unserem Kellner, der beim Frühstück schon am zweiten Tag automatisch den richtigen Tee bringt – und mir, anders als anderen Passagieren, in einer ziemlich großen Kanne, weil ich am ersten Tag eigentlich nur nebenbei angemerkt habe, dass ich morgens sehr viel Tee trinke.



Und dann gibt es noch diese Momente, die man kaum glauben kann, wenn man größere Kreuzfahrtschiffe mit vergleichsweise anonymer Atmosphäre gewohnt ist. Ich komme vom Vordeck und quere auf dem Weg zur Tropical Bar die offene Brücke. Der Kapitän kommt von der Seite – und lässt mir ausdrücklich den Vortritt. Obwohl ich natürlich sofort stehen geblieben bin, aus Respekt vor dem Kapitän und weil ich ja schließlich in seinem Terrain unterwegs bin.

Auch beim Segel setzen und einholen ist man als Passagier ganz selbstverständlich mittendrin (wenn man möchte beim Auslaufen auch mal mit anpackend), nur das Vordeck wird gelegentlich abgesperrt, zum Segelsetzen oder wenn ein Lotsen an Bord. Die Deck-Crew gibt sich große Mühe, die Passagiere „möglichst wenig zu stören“, wenngleich es doch eher andersherum ist, nämlich dass die Passagiere die Crew bei der Arbeit stören. Manchmal ist einem dann schon etwas peinlich, wenn man zu spät merkt, dass man schlicht im Weg steht. Und dennoch erntet man dafür eher ein Lächeln als einen bösen Blick.

Es ist ein freundliches und respektvolles Miteinander und die Passagiere können bei allen Manövern und Aktionen so nahe dran sein, wie es eben möglich ist, ohne in Gefahr zu sein – denn trotz allem ist die Star Clipper ein Segelschiff, bei dem eben alle Arbeiten mitten am Hauptdeck stattfinden, das Deck übersäht ist mit Winden und anderen Gerätschaften, Tauwerk („Seile“) überall quer verlaufen, sodass man aufmerksam sein muss, um nicht zu stolpern oder irgendwo in das Tauwerk hineinzulaufen.
Kapitän und Offizieren auf der offenen Brücke über die Schulter schauen
Die Brücke liegt mitten am Hauptdeck und ist grundsätzlich frei zugänglich – außer in schwierigeren Navigationssituationen, wenn ein Lotse an Bord ist oder beim An- und Ablegen. Da kommt man auch schnell und gerne mit den Offizieren und dem Kapitän ins Gespräch.

Der Kapitän ist so präsent wie auf keinem anderen Kreuzfahrtschiff (außer auf anderen, kleineren Segelschiffen und -yachten), einfach weil er ja auch mittendrin steht. Wer besonders nett fragt, darf da auch schonmal das Steuerrad für eine Weile halten.

Echte Segel-Abenteuer: Mastklettern und das Bugspriet-Netz
Zwei Besonderheiten bietet die Star Clipper, die es sonst nirgendwo in dieser Form gibt: Mastklettern und das Bugspriet-Netz.
Eigentlich liegt die erste Plattform am vorderen Mast der Star Clipper nur 18 Meter über dem Meeresspiegel, elf Meter über dem Deck – insgesamt ist der Mast dreimal so hoch. Doch ist man erst einmal gut gesichert dort hinaufgestiegen, fühlen sich 18 Meter schon sehr hoch an. Es ist ein großartiges Erlebnis, einen Blick aufs Schiff von oben zu werfen und den Blick in die Ferne übers Meer schweifen zu lassen, während einem der Wind kräftig um die Nase weht.







Viel gemütlicher, aber nicht weniger spektakulär geht es im Bugspriet-Netz zu. Zwar sollte man bei einem der Offiziere oder dem Kapitän auf der Brücke immer kurz nachfragen, ob das Netz gerade zugänglich ist. Aber das ist bei Tageslicht fast immer der Fall. Bei unserer Griechenland-Reise im August 2026 führte die Brücke erstmals Buch über die Passagier im Netz. Man meldet sich dort also ganz unkompliziert an und ab.




Es ist ein faszinierender Moment, wenn man bei voller Fahrt vorne über den Bug hinausklettert und sich in das Netz unter den vordersten Segeln legt, unter sich nur das das Meer und mit Glück ein paar Delfine, die sich dort ein Rennen mit dem Schiff liefern.

Fast schon kitschig schön wird es im Netz zum Sonnenauf- oder -untergang. Vor allem zum Sonnenaufgang genießt man das schonmal ganz allein, weil viele Mitreisende noch schlafen.
Keine Kabine ist auf der Star Clipper wie die andere
Wer größere Kreuzfahrtschiffe gewohnt ist, muss sich auf der Star Clipper ein wenig umstellen: Jede Kabine ist hier anders, standardisierte Kabinendesign vom Fließband gibt es auf einem Großsegler nicht. Durch die geschwungene Rumpfform des Schiffs hat jeder Raum einen leicht anderen Zuschnitt. Deshalb sind unsere Fotos von den Kabinen auch nur Beispiele und zeigen, wie eben genau diese bestimmten Kabinen aussehen.

Grundsätzlich jedoch entsprechen die Kabinen dem, was man von anderen Kreuzfahrtschiffen gewohnt ist, je nach Kategorie aber etwas kleiner. Vor allem in kleineren Kabinen sind große Schalenkoffer eher unpraktisch, weil es keinen Stauraum gibt, um sie irgendwo zu verstecken. Wenn man Glück hat, passt ein Koffer unters Bett. Aber mit einer Reisetasche oder einen großen Rucksack ist man flexibler.
Die Steuerung der Klimaanlage mutet auf den ersten Blick etwas altmodisch an, ist aber ganz praktisch: Man regelt nämlich nicht die Temperatur, sondern die Menge der einströmenden, kühlen Luft. Das funktioniert tendenziell sogar besser als viele moderne Steuerungen.

Ein Kabinentyp, den ich persönlich sehr mag, der auf modernen Schiffen aber nahezu nicht mehr zu finden ist: Die Kabinen der Kategorie 1 haben eine zum Hauptdeck öffnende Tür, direkt ins Freie. Und wer sich wie der Besitzer einer großen Segelyacht fühlen will, bucht die Owners Suite ganz hinten am Heck.

Schiffsbewegungen und stabilisierende Wirkung der Segel
Nicht ganz zufällig kommt das Kapitel „Schiffsbewegungen“ direkt nach den Fotos der Owners Suite … Viele Kreuzfahrt-Fans lieben es, am Abend von sanften Schaukelbewegungen des Schiffs in den Schlaf gewiegt zu werden. Auf der Star Clipper ist das fast garantiert. Am untersten Deck, wo die Kabinennummern mit einer „1“ beginnen, kommen die plätschernden Geräusche des Meeres an der Bordwand hinzu, die bei Seegang auch mal etwas lauter sein können. Zwar wirken die großen Segel im Wind auf einem Segelschiff durchaus stabilisierend, allein durch die geringe Schiffsgröße ergeben sich aber nahezu immer leichte Schiffsbewegungen.
Stabilisierung ist da nicht im Sinne von „Stillstand“ zu verstehen, sondern führt zu gleichmäßigeren, ruhigeren Schiffsbewegungen, an die sich der Gleichgewichtssinn leichter gewöhnen kann.

Wer in dieser Hinsicht empfindlich ist, sollte einerseits beispielsweise mit einem Seekrankheitspflaster vorsorgen oder entsprechende Medikamente dabeihaben. Und andererseits eine Kabine möglichst in der Schiffsmitte wählen. Denn auf der Star Clipper wirken sich Schiffsbewegungen vorne und hinten am Schiff besonders stark aus, weswegen die ganz am Heck gelegene Owners Suite auch eher nur für seefeste Passagiere empfehlenswert ist.
Das Essen auf der Star Clipper: sehr leckere Nebensache
Etwas despektierlich habe ich das Essen in meiner eingangs schon erwähnten Liebeserklärung zur Star Clipper als eher nebensächlich abgetan. Tatsächlich sind die anderen Eindrücke auf einem Segelschiff so stark, dass Restaurant und Essen eine geringere Bedeutung haben als auf anderen Kreuzfahrtschiffen. Wichtig ist es dennoch.

Vor allem auch für die geringe Passagierzahl ist die Auswahl bei allen Mahlzeiten beeindruckend groß und vielfältig. Das beginnt mit einem sehr umfangreichen Frühstücksbuffet unter anderem mit Obst, Birchermüsli, warmen Gerichten, einer Omelett-Station, Käse, Wurst, Fisch und einigen mehr, verschiedenen Brotsorten und – für viele essenziell: Nutella. Die nachfolgenden Speisekarten und Essensbilder (Dinner) stammen von meiner Star-Clipper-Reise im August 2026.













































Beim Mittagsbuffet gibt es mehrere Gerichte zur Auswahl, viel Salat und immer eine Station beispielsweise mit einem ganzen Lachs oder einem Spanferkel sowie vier oder fünf Desserts. Abends, mit Service am Tisch, umfasst due Auswahl zwei Vorspeisen, ein Salat, eine Suppe, ein Sorbet, vier Hauptgänge, Käse und drei Desserts. Relativ neu gibt es auch vegane Gerichte, bei denen man allerdings den Kellner fragen muss, ob sie wirklich vegan oder nur vegetarisch sind. Und am Gala-Abend gibt’s dann schonmal Languste und Chateaubriand.
Fazit: Gibt‘s denn gar nichts zu kritisieren?
Es fällt mir in der Tat schwer, etwas zu finden, das zu kritisieren wäre. Ein paar Kleinigkeiten. Die Cocktails an der Tropical Bar sind solide, können aber in Modernität und Vielfalt nicht mit dem mithalten, was hippe Bars auf größeren Kreuzfahrtschiffen heutzutage bieten. Aber darauf liegt bei einer Segelkreuzfahrt auch nicht wirklich der Schwerpunkt. Dafür gibt’s aber schonmal lokales Bier aus der Fahrtregion.

Wie viel segelt die Star Clipper tatsächlich? Keine Kritik, nur eine sachliche Feststellung: Das hängt vom Wind ab. Die Star-Clippers-Schiffe haben eine feste Route mit festen Ankunfts- und Abfahrtszeiten. In diesem Punkt sind sie wie ganz normale Kreuzfahrtschiffe. Auf den meisten Routen ist auch tagsüber Zeit auf See eingeplant, idealerweise unter Segeln.

Auf unserer Reise von Piräus nach Venedig im August 2026 hatten wir Glück: Der Wind stand die meiste Zeit günstig, ein paar Segel waren fast immer oben, auch nachts übrigens. Denn die Segel sind keine Dekoration oder nur Nostalgie, sie sparen viel Treibstoff und damit Emissionen, wenn der Wind günstig steht.
Auch wenn Entschleunigung und Entspannung zum Kern des Segelerlebnisses gehört: Für heutige Zeiten ist der Internet-Zugang an Bord sehr teuer, obwohl die Schiffe inzwischen mit Starlink ausgestattet sind. 50 Euro für gerade einmal drei GByte Daten ist schon happig und soll wohl ehr bezwecken, die Passagiere zu eine digitalen Detox zu nötigen (weitere Pakete: 1 GByte für 18 Euro, 5 GByte für 80 Euro).

Auf unserer Route von Piräus nach Venedig im August 2026 fuhr die Star Clipper allerdings meist so nahe an der Küste entlang, dass man fast immer Landnetz-Empfang hatte.

Das ist aber auch schon alles, was ich als kritikwürdig empfunden habe. Der Rest ist eher das Gegenteil von Kritik, aber doch wichtige Hinweise, für wen eine Reise auf der Star Clipper so traumhaft ist, wie es das für mich persönlich ist – und für wen möglicherweise nicht.
Denn auf eines sollte man bei Buchung einer Reise auf der Star Clipper achten: Diese Art zu Reisen ist nicht für jeden etwas. Zunächst: Die Star Clipper verlangt von seinen Passagieren eine gewisse Mobilität, denn sie hat keine Aufzüge, die Treppen sind relativ steil und auf den Außendecks muss man sich ein wenig in Acht nehmen vor Beschlägen am Boden und Tauwerk, das sich immer wieder einmal quer durch den Laufweg ziehen.

Wer gerne nach Haaren in der Suppe sucht, wird auf der Star Clipper möglicherweise fündig, im übertragenen Sinne, nicht im Essen. Das Schiff wurde 1992 in Dienst gestellt, ist also 34 Jahre alt. Da ist nicht mehr alles so perfekt in Schuss wie am ersten Tag, obwohl die Crew ständig mit Instandhaltungs- und Reparatur-Arbeiten beschäftigt ist. So ein Segelschiff ist eine kleine Diva: Ist man am einen Ende fertig, kann man am anderen wieder von vorne anfangen. Im Oktober 2026 geht die Star Clipper übrigens für vier Wochen in die Werft, was dort genau gemacht wird, ist aber nicht bekannt.

Entscheidend aus meiner Beobachtung heraus aber ist: Das Schiffs ist in einem guten, technischen Zustand. Kleinere Mängel sind eher kosmetischer Natur und beeinträchtigen nicht nennenswert. Da muss jeder für sich die Entscheidung treffen: Lasse ich mich von ein paar Macken so sehr stören, dass ich lieber nicht auf einem so einzigartigen Schiffe fahre? Oder sehe ich großzügig darüber hinweg, nehme es gelassen und sehe es als Teil des Nostalgie-Erlebnisses „Großsegler-Kreuzfahrt“?

Großes Entertainment mit Las-Vegas-Shows, zehn verschiedene Restaurants und mindestens ebenso viele Bars, Fitness-Studio und Pool-Animation sucht man auf der Star Clipper vergeblich. Wer das will, ist hier ebenso falsch wie jemand, der sich abgeschottet und möglichst anonym mit wenig Kontakt zu anderen Passagieren reisen will.

Denn die Stärke der Star Clipper ist in weiten Bereichen eben genau das Gegenmodell zu großen Massenmarkt-Kreuzfahrtschiffen. Was hier zählt, ist das hautnahe Segel- und Meer-Erlebnis, die ruhige, gelassene und familiäre Atmosphäre an Bord und Fahrtrouten mit kleinen Häfen und Buchten, die großen Schiffe nicht anlaufen können.
Star Clipper: erfreulich zeitlos
Ein Aspekt ist mir erst auf meiner jüngsten Reise mit der Star Clipper richtig bewusst geworden: Wenn ich lese, was ich vor vielen Jahren über die Star Flyer und Star Clipper geschrieben habe, dann trifft all das heute noch genau so zu wie damals. Es ist wohltuend, wenn ein Unternehmen Gutes nicht durch den ständigen Drang verschlimmbessert, nur im auf Prinzip etwas Neues machen zu wollen. Warum etwas verändern, das einfach gut ist? Klar gibt es kleine Anpassungen bei Essen, Single-use-Plastik wurde nach und nach reduziert und Ähnliches, aber die Grundidee ist gleich geblieben. Es ist einfach schön, in dieser irren, sich ständig veränderten Welt auf Reisen mit der Star Clipper etwas Vertrautes wiederzufinden.

Wenn Sie’s noch nicht getan haben, schauen Sie in meine Youtube-Videos zur Star Clipper „Schiffsportrait Star Clipper: Für mich die schönste Art, auf Kreuzfahrt zu gehen“ und „Warum die Star Clipper kein normales Kreuzfahrtschiff ist“ hinein. Dort bekommen Sie einen noch besseren Eindruck davon, wie sich eine Kreuzfahrt auf der Star Clipper anfühlt …
















