beim Königskrabben-Essen in Honningsvag

Schneesturm, Königskrabben und ein außergewöhnlicher Hund

Von strahlend blauem Winterhimmel zum Schneesturm in wenigen Minuten, von sanfter Dünung bis zum wilden Wellenritt: Der Tag, an dem die Havila Capella in Honningsvag anlegt, wird abwechslungsreicher, als den meisten lieb ist. Das positive Highlight: Königskrabben, frisch aus dem Fjord.

Nordnorwegen zeigt uns heute seine beste Seite, aber auch den rauen Charakter der Region, nördlich des Polarkreises am 71. Breitengrad. Morgens um 5 Uhr legt die Havila Capella einen kurzen Zwischenstopp in Hammerfest ein. Es ist eisig kalt, ein kräftiger Wind fegt den Schnee übers Land.

Beim 15-Minuten-Stopp um 8:30 Uhr in dem kleinen Fischerdorf Havoysund fragt sich so mancher Passagier bei scharfem Wind und Schneefall, worin der Reiz liegen könnte, hier zu leben.

Havoysund
Havoysund

Gegen 11 Uhr erreicht die Havila Capella Honningsvag für einen 3,5-stündigen Aufenthalt – gerade genug Zeit für Ausflüge zum Nordkap oder für ein Festmahl mit frisch gefangenen Königskrabben. Honningsvag präsentiert sich tief verschneit …

… und fegt uns einen Schneesturm um die Ohren, sobald wir das Schiff verlassen, sodass die Mein Schiff 1, die ebenfalls heute hier angelegt hat, selbst aus der Nähe kaum noch erkennbar ist.

Kurz darauf klart es schon wieder auf, Schneesturm und Wolken sind verschwunden, nur die beißende Kälte bleibt – die eigentlich nur knapp unter Null liegt, sich aber deutlich kälter anfühlt.

beim Königskrabben-Essen in Honningsvag
bei Honningsvag

Pech haben heute die Ausflügler zum Nordkap: Ein Ausflugsbus der Mein Schiff 1 stellte sich auf der schneeglatten Straße quer. Für alle anderen war dann kein Durchkommen mehr.

Königskrabben, frisch aus dem Fjord

Wir genießen dagegen in einer nahegelegenen Bucht frisch gefangene Königskrabben, lernen etwas über Fangmethoden, Fischereikontingente, das fachgerechte Töten und Zerlegen der Krabben und wie sich die in Nordnorwegen eigentlich nicht heimischen Königskrabben von der Barentssee bis hierher ausgebreitet haben.

Guide Daniel, Königskrabbe
Guide Daniel, Königskrabbe

Obwohl die Fischer mit Fanglizenzen von bis zu 2.000 Kilogramm jährlich und einem Kilopreis von 50 bis 75 Euro viel Geld mit den riesigen Krebstieren verdienen, sind sie nicht nur glücklich darüber: Die Krabben zerstören oft ihre Netze für den Fischfang. Für die Meeresökologie der Region ist die Krabbe ohnehin eher schädlich und Norwegen versucht, ihre Ausbreitung weiter nach Süden zu verhindern.

Nur bei Gourmets ist die Königskrabbe uneingeschränkt beliebt. Guide Daniel von Destinasjon 71° Nord erklärt die seiner Überzeugung nach beste Zubereitungsart: Meerwasser aus dem Fjord aufkochen, die essbaren Teile der Krabbe, insbesondere die Beine, zugeben, noch einmal aufkochen, dann zehn Minuten ziehen lassen, anschließend so schnell wie möglich abkühlen und sofort kalt essen, mit etwas Brot, Mayonnaise und Zitrone.

beim Königskrabben-Essen in Honningsvag
beim Königskrabben-Essen in Honningsvag

Von Dünsten und warm Essen hält er nicht viel. Amerikaner würden das bevorzugen, mit zerlassener Butter. Aber kalt komme der feine Krabbengeschmack besser zur Geltung.

„Bamse“ – ein ganz und gar erstaunlicher Hund

Im Hafen von Honningsvag steht die Statue eines Hundes, die man leicht übersieht oder kaum beachtet. Doch das ist ein Fehler (Danke an den Kollegen Oliver Schmidt für den Tipp). Denn Bamse war ein ganz außergewöhnlicher Bernhardiner, dessen Geschichte nachzulesen sich lohnt. Bamse hat einen eigenen Wikipedia-Eintrag, eine kleine Ausstellung im Nordkapmuseum und eine Statue in Honningsvag, seinem Geburtsort.

Hundestatue von Bamse
Hundestatue von Bamse

Der Hund des Hafenmeisters lebte hier und auf Marineschiffen im Zweiten Weltkrieg von 1937 bis 1944 und beeindruckte mit seinen Fähigkeiten: Er betätigte sich als Streitschlichter zwischen Matrosen, rettete zwei von ihnen das Leben, sammelte betrunken Soldaten in Kneipen ein und brachte sie zurück zu ihrem Schiff, genehmigte sich aber auch selbst immer wieder einmal ein Bierchen in der Kneipe und beteiligte sich am Fußballspiel an Deck. Als er schließlich starb, wurde er mit vollen militärischen Ehren zu Grabe getragen.

Eine unruhige Nacht auf See

Dass die See in Nordnorwegen gegen Ende des Winters im März auch sehr unruhig werden kann, zeigt die Nacht auf dem Weg von Honningsvag nach Kirkenes: Windböen bis 70 Kilometer pro Stunde, die Wellen scheinen von allen Seiten zu kommen.

eine unruhige Nacht an Bord der Havila Capella
eine unruhige Nacht an Bord der Havila Capella

Pech für uns: Wegen des Sturms läuft das Schiff Mehamn nicht an. Dort wären wir eigentlich nach einer in Kjöllefjord beginnenden Schneemobil-Tour wieder an Bord gegangen. Der Kapitän winkt rechtzeitig ab, sodass wir das Schiff erst gar nicht verlassen. Denn bis zum nächsten Hafen und über Nacht wären es dann rund 200 Kilometer über Land gewesen.

Die Havila Capella hält sich unter diesen Bedingungen gut – viele der Passagiere weniger …

morgens an Deck ...
morgens an Deck …

Von dem zeitweise heftigen Schneesturm der Nacht zeugen am folgenden Morgen nur noch die Schneehaufen an Deck und die vereisten Scheiben des Restaurants.

morgens an Deck ...
morgens an Deck …

Als wir in Kirkenes einlaufen, schiebt sich die Havila Capella durch dünnes, loses Eis.

durch Eis nach Kirkenes
durch Eis nach Kirkenes

Wir sind am Wendepunkt der Postschiffroute und das Ende unserer Reise angekommen, rund drei Grad nördlich des Polarkreises, 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt.

Havila Capella in Kirkenes
Anmerkung*: Cruisetricks.de reiste mit der Havila Capella auf Einladung von Havila Voyages.
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4 Kommentare

4 Gedanken zu „Schneesturm, Königskrabben und ein außergewöhnlicher Hund“

  1. Moin,
    wir waren mit der MS 1 da und unser Ausflug Richtung Nordkapp ist leider ausgefallen. Man merkte beim Spaziergang durch H,, dass das Wetter sehr schnell wechseln kann…
    Trotzdem schön…
    Gruß Rolf

  2. Die Schiffsanläufe müssen am 12.03.22 gewesen sein.

    Ich bin vollelektrisch zum Nordkapp gefahren und hatte Glück, dass bei meinem Aufenthalt vom 09-11,03.22 kein großes Kreuzfahrtschiff in Honningsvag war. Doppeltes Glück, weil das Wetter am 10.03 auch mitspielte und wir ohne Konvoi die letzten Kilometer zum Nordkapp fahren konnten. Am Tag zu vor war es aber echt heftig auf dem Hinweg. Fahren im Konvoi bei einem Scheesturm, sodass dir LKW vor mir nach 40m Abstand verschwand. Man hat immer einen Sekundenbruchteil gewartet, bis mann den nächsten orangenen Peilstab sehen konnte.

    Habe auch schon einige Kreuzfahrten gemacht, aber ein großer Nachteil ist einfach, wenn Orte überrannt werden. Und mit dem Auto war es ein richtiges Abenteuer. Eine Kreuzfahrt dagegen echt langweilig.

  3. Frage mich gerade, warum man einige Kreuzfahrten schon gemacht hat und schreibt, dass es langweilig ist… Dann suche ich mir eben etwas anderes aus. Wir waren am 26.3. in Honnigsvag. und überlaufen war der Ort sicherlich nicht. Vielleicht ist es anders, wenn zum Kreuzfahrtschiff noch Hunderte von Autotouristen hinzukommen, die dann die eine Straße blockieren…

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