Havila Capella in Ornes

Havila Capella: „Die Neue“ auf der norwegischen Postschiffroute

Mit Havila Kystruten fahren erstmals seit 16 Jahren wieder zwei konkurrierende Reedereien auf der legendären Postschiff-Route entlang der norwegischen Küste zwischen Bergen und Kirkenes. Auf einer Reise mit der Havila Capella Ende März 2022 haben wir uns das neue Schiff und das Konzept von Havila genau angesehen. 

Havila – das sind die „Neuen“ auf der legendären Postschiffroute entlang der norwegischen Küste. Zum ersten Mal seit 2006 gibt es entlang der norwegischen Küste zwischen Bergen und Kirkenes also wieder Konkurrenz für Hurtigruten. Als die norwegische Regierung die frühere Konkurrenz-Situation wieder herstellen wollte, schrieb sie die Lizenzen neu aus. Havila gewann einen Teil davon, sodass nun laut Lizenz sieben Hurtigruten- und vier Havila-Schiffe die Strecke bedienen.

Wegen Verzögerungen beim Bau der neuen Havila-Schiffe ist die Havila Capella im März 2022 noch als einziges bereits in Dienst. Sie fährt seit Dezember 2021. Die Havila Castor soll am 10. Mai starten, Havila Polaris und Havila Pollux am 21. September beziehungsweise 13. Dezember 2022. Letztere zwei Schiffe waren ursprünglich in der Werft Hijos de J. Barreras im spanischen Vigo Spanien in Auftrag gegeben, wo ihr Bau auch begann. Später wurden die beiden Schiffe dann in die Türkei transferiert, wo sie nun in der gleichen Werft wie die übrigen zwei Schiff fertiggestellt werden.

Havila Capella in Kirkenes
Havila Capella in Kirkenes

Mehr zur Geschichte der Linienschifffahrt entlang der norwegischen Küsten und die Hintergründe von Havila Voyages lesen Sie im Kapitel „Havila Kystruten als Konkurrenz zu den Hurtigruten-Schiffen“.

Havila Capella – kein reines Kreuzfahrtschiff

Wer eine Reise auf der norwegischen Küstenroute unternimmt, weiß in der Regel, dass sich diese Schiffsreise in einigen wesentlichen Punkten von einer Kreuzfahrt unterscheidet. Dennoch sei das an dieser Stelle noch einmal kurz erwähnt – um Missverständnisse zu vermeiden und die besonderen Vorzüge dieser ziemlich einzigartigen Art von Kreuzfahrt zu verdeutlichen.

Havila bedient gemeinsam mit Hurtigruten in einem täglichen Fähr-Service insgesamt 34 Häfen auf der Strecke zwischen Bergen und Kirkenes. Die Reederei hat dafür eine Lizenz des norwegischen Staates, erfüllt strenge Umweltauflagen und verpflichtet sich, auch ganz kleine Häfen zu bedienen, die touristisch nicht relevant sind. Für die Einheimischen jedoch ist diese Fährverbindung wichtig – sowohl für den Passagierverkehr als auch für Fracht.

Havila Capella
Havila Capella

Der Frachtraum der Havila Capella hat Platz für 130 Paletten. Sogar einige PKW kann das Schiff mitnehmen. Denn trotz längst vorhandener Straßenverbindungen zu den kleinen Orten in teils recht abgelegenen Fjorden ist diese Fährverbindung oft viel schneller als über die Straße, insbesondere im Winter bei Schnee und Eis.

Frachtbereich
Frachtbereich

Aber seit Beginn der Postschiffroute im Januar 1893 haben die Schiffe immer auch schon Touristen befördert, die wegen der spektakulären Fjordlandschaft Norwegens hierherkommen. Heute macht das touristische Kreuzfahrtgeschäft auf der Route einen wesentlichen Anteil des Geschäfts für Havila und Hurtigruten aus. Besonders bei Deutschen ist die Strecke beliebt.

Allerdings verläuft die Reise ein wenig anders als auf Kreuzfahrtschiffen. Denn das Schiff legt in den vielen kleinen Häfen und auch mal mitten in der Nacht an, meist nur für 15 oder 30 Minuten, während derer man bestenfalls für ein schnelles Foto von Bord gehen kann. Bläst der Kapitän das Schiffshorn einmal kurz, heißt das: Beine unter die Arme nehmen, sonst ist das Schiff weg. Der Fahrplan ist straff, gewartet wird nicht.

Landausflüge sind aber dennoch möglich bei mehrstündigen Stopps in größeren Häfen wie Trondheim, Alesund oder Tromsö. Oder bei einigen Gelegenheiten auch, indem man das Schiff in einem Hafen verlässt und in einem späteren Hafen am selben Tag wieder zusteigt. Letztere Variante ist allerdings nur mit von Havila organisierten Ausflügen empfehlenswert, um sicherzugehen, dass der Hafen zur Rückkehr aufs Schiff auch wirklich angelaufen wird und nicht beispielsweise wegen Sturm entfällt.

Dafür ist das Ein- und Aussteigen besonders unkompliziert: Lediglich die Bordkarte – umweltfreundlich aus Pappkarton – wird jeweils gescannt. Security-Stationen mit Scanner oder Ähnlichem wie in Kreuzfahrt-Terminals gibt es nicht.

Viel Platz auf den Außendecks

Auch wenn es in Norwegen selbst im Sommer empfindlich kalt sein kann: Viel Platz auf den Außendecks sind ein Muss für Schiffe, die sich durch die engen Fjorde schlängeln, Schären passieren, fast immer in Sichtweite zum Land fahren.

Deck 9
Deck 9

Die Havila Capella bietet ihren Passagieren großzügig Platz im Freien, sodass auch bei den spektakulärsten Stellen auf der Strecke niemand in zweite Reihe stehen muss, der die Landschaft im Freien genießen will.

Deck 8
Deck 8

An einigen Stellen finden sich Heizstrahler, sodass man sich an diesen windgeschützten Stellen auch mal zwischendurch aufwärmen kann, ohne gleich zurück ins Schiffsinnere zu gehen.

Heizstrahler auf Deck 9
Heizstrahler auf Deck 9

Spektakulär ist der Umlauf um die „Havblikk“-Aussichtslounge vorne auf Deck 9, seitlich über die Bordwand hinausgehend, mit Gitterrost-Boden und damit Blick zwischen den Füßen hindurch aufs Wasser. Nach vorne eröffnet sich der freie Blick über den Bug hinaus bis zum Horizont.

Umlauf vor der Aussichtslounge
Umlauf vor der Aussichtslounge

Nicht, dass es auf diesem Schiff einen dringenden Bedarf nach ruhigen Ecken gäbe, denn das Ambiente ist ohnehin ruhig und entspannend. Aber vom Pooldeck führt am Heck eine Treppe nach unten auf Deck 7, wohin man sich noch weiter zurückziehen und das Meer ganz für sich allein genießen kann, mit Blick über die Holzreling ins Kielwasser.

Deck 7, Heck
Deck 7, Heck

Eine überdachte Raucher-Ecke auf Deck 8 an Steuerbord ist mit mehreren Heizstrahlern ausgestattet, sodass Raucher hier auch bei unangenehmem Wetter eine halbwegs gemütliche Stelle auf den Außendecks finden, denn im Schiffsinneren gilt striktes Rauchverbot.

Raucher-Ecke, Deck 8
Raucher-Ecke, Deck 8

Zum Heck hin hat die Havila Capella auf Deck 8 zwei große, erhöht liegende und durch Glasscheiben windgeschützte Whirlpools. Die zwei Saunen liegt ganz in der Nähe und sind – für Skandinavien ungewöhnlich – nach Geschlechtern getrennt.

Eine Bar und die Freifläche davor eignen sich für gesellige Anlässe wie die Polarkreis-Taufe, die bei Havila ganz klassisch von Neptun zwar mit viel Eiswasser im Nacken und einem Schnaps, aber ansonsten ohne kitschiges Brimborium vollzogen wird. Aber auch Vorträge und Verkostungen wie etwa Miesmuscheln aus der Region wird der Bereich zwischen Whirlpools und Bar genutzt.

Bei der großen Außendeck-Fläche ist lediglich ein wenig schade, dass das Vordeck zum Bug hin kaum zugänglich ist. Nur bei besonderen Gelegenheiten, für Events oder wenn man gezielt danach fragt, öffnen sich gelegentlich die verschlossenen Türen von der Bow Lounge zum Vordeck.

Blick aufs Vordeck
Blick aufs Vordeck

Bedingt durch Wetter und Seegang wäre das Vordeck sicherlich nicht zur ständigen Öffnung geeignet, aber ein wenig öfter als fast gar nicht wäre wünschenswert. Immerhin entschädigt der Blick vom Außenbereich vor der Havblikk-Lounge auf Deck 9.

Aussichtslounge mit Glasdach

Wer beim Bestaunen der norwegischen Küstenlandschaft lieber im Warmen sitzt, findet den idealen Platz dafür in der Aussichtslounge Havblikk vorne auf Deck 9. Selbst Nordlichter kann man hier bequem vom Sessel aus, mit einem Cocktail in der Hand, genießen – wenn sie sich denn zeigen.

Die Bar im Havblikk der Havila Capella ist gut bestückt, die Getränkekarte bietet neben den – sehr gut gemixten – Standards auch einige nordische Cocktails. Und der Barkeeper versteht sein Handwerk, sodass man sich auch einmal mit einem von ihm kreierten Cocktail überraschen lassen kann. Mehr Details dazu im Kapitel „Getränkepreise und Getränkepakete bei Havila“.

Cocktails von der Havblikk-Bar
Cocktails von der Havblikk-Bar

Die Havblikk-Bar ist neben dem Getränkeservice im Restaurant und Café die einzige Bar an Bord der Havila Capella. Dennoch kann man auch in der Bow Lounge auf Deck 6 Getränke bestellen – jedenfalls, sobald das Bestellsystem per QR-Code funktioniert, das auf unserer Reise noch offline war. Dafür würde man den tischbezogenen QR-Code scannen und aus der Barkarte wählen. Der Kellner würde das Getränk dann direkt an den Tisch servieren.

Bow Lounge mit Kamin und Kinderecke

Während die Havblikk-Lounge als Aussichtslounge und Bar dient, ist die Bow Lounge auf Deck 6 ein geselliger Mittelpunkt des Schiffs.

Nach vorne ans Atrium anschließend und auf gleicher Ebene wie das Havly Café und die Restaurants gelegen, gibt es hier eine Spiel-Ecke für Kleinkinder, …

Kinderspielecke in der Bow Lounge
Kinderspielecke in der Bow Lounge

 … Brettpiele und Puzzles sowie eine „Book Exchange“-Fensterbank, wo Passagiere untereinander Bücher tauschen, indem sie ihre gelesenen dort ablegen und sich an den dort liegenden bedienen.

Bow Lounge
Bow Lounge

Bei den verschieden angeordneten Sitzgruppen findet jeder seine persönliche, gemütliche Ecke, ob in einem der Sessel am inklusive knisterndem Holzfeuergeräusch simulierten Kamin oder den Sessel direkt an den bodentiefen Panoramafenstern zur Seite.

Bow Lounge
Bow Lounge

Zur Bow Lounge gehört auch eine (kostenlose) Kaffee- und Teestation …

Kaffee-Station in der Bow Lounge
Kaffee-Station in der Bow Lounge

… sowie der Bordshop mit integriertem Ausflugsbüro. Anders als auf Hochsee-Kreuzfahrtschiffen ist der Shop tagsüber durchgehend geöffnet und nicht nur, wenn das Schiff auf See ist. Hier gibt es vor allem Souvenirs, warme Kleidung und Artikel für den täglichen Bedarf, wenn man mal etwas zu Hause vergessen hat.

Und ebenfalls im Bereich der Bow Lounge angesiedelt ist der Konferenzraum, mittig mit gläsernen Schiebetüren von der Lounge abgetrennt. Diese Anordnung ist recht geschickt in zentraler Lage gewählt: Durch die Verglasung hat man immer auch den Blick nach draußen, während der Raum zugleich für Vorträge und Präsentationen nicht verdunkelt werden muss. So hat man nicht das Gefühl, draußen etwas zu verpassen, während man sich einen Vortrag der Guides anhört.

Konferenzraum bei der Bow Lounge
Konferenzraum bei der Bow Lounge

Port-to-Port-Lounge

Für Kreuzfahrt-Passagiere der Havila Capella nicht relevant, aber erwähnenswert ist die Port-to-Port Lounge. Denn das Schiff bedient eben gemeinsam mit Hurtigruten die Route entlang der norwegischen Küste auch als Fährbetrieb, sodass neben den Kreuzfahrtpassagieren für die komplette Strecke zwischen Bergen und Kirkenes auch viele Norweger an Bord sind, die nur von einem Hafen zum nächsten oder auch einmal über Nacht einige Häfen weiter mitfahren.

Port-to-Port-Lounge
Port-to-Port-Lounge

Wer nun seine Zeit vor allem bei Übernacht-Strecken nicht in der Aussichts- oder Bow-Lounge verbringen will, kann sich für rund fünf Euro einen der 24 bequemen Liegesessel in der Port-to-Port-Lounge reservieren. Der Raum mit den Liegesesseln ist auch nur mit Reservierung zugänglich, sodass man hier als Fährpassagiere die Nacht halbwegs ungestört verbringen kann.

Anmerkung*: Cruisetricks.de reiste mit der Havila Capella auf Einladung von Havila Voyages.
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Mehr Infos und Erläuterungen zu diesem Thema finden Sie im Beitrag "Transparent und ehrlich".

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10 Kommentare

10 Gedanken zu „Havila Capella: „Die Neue“ auf der norwegischen Postschiffroute“

  1. Hallo,
    der Artikel ist eine sehr informative Beschreibung des Schiffes. Wie ist denn ihre Einschätzung, nachdem sie Havila und Hurtigruten auf dieser Strecke kennen, wer ist besser bzw. worin unterscheiden sich die beiden Produkte? Gerade wenn man von beiden Reedereien die Neuen bzw. renovierten Schiffe bei Hurtigruten vergleicht? Wer sollte mit welcher Reederei fahren?
    Viele Grüße
    Carsten

  2. @Carsten: Wie ich schon im letzten Teil der Beitragsserie ( https://www.cruisetricks.de/norwegische-kuestenroute-havila-capella/ ) geschrieben habe: Ich war zu lange nicht mehr mit den Hurtigruten-Schiffen auf dieser Route unterwegs, als dass ich das fair einschätzen könnte. Seit ich das letzte Mal an Bord war, hat sich zu viel verändert, als dass ich da ein sinnvolles Urteil abgeben könnte. Aber vielleicht liest Du die Absätze zu dem Thema dort einfach noch, dann gibt sich vielleicht ein besseres Bild ;-)

  3. Sehr geehrter Herr Neumeier
    Sie können Sich meine Vorfreude kaum vorstellen, welche Sie mir mit Ihren ausführlichen Berichten über Havilakystruten gemacht haben. Zusammen mit meinem Vater werden wir im Juni 22 von Bergen nach Kirkenes und zurück bis Trondheim auf der Havila Castor unterwegs sein.
    Ihre Fotos und ihre beschriebenen Eindrücke verstärken mein Eindruck mit Havila Voyages nicht den „falschen“ Anbieter für unsere Norwegen Reise gebucht zu haben. Ich freue mich besonders aufs ganz neue Schiff, die norwegischen „Tapas“ und das Königskrabben Essen in Kirkenes!

  4. Hallo Zusammen,
    wir waren vom 21.3. – 1.4.2022 an Bord der Havila Capella von Bergen-Kirkenes-Bergen.
    Wir kennen zwar nicht die Schiffe der Hurtigruten die diese Strecke befahren. Allerdings anhand der Bilder und
    des Preises war für uns klar das die Entscheidung auf die Havila fällt. Angefangen vom Essens-Konzept das wir als
    ausserordentlich gut finden und lecker. Die Kabine (Suite mit Balkon) ist geräumig, selbst die Aussenkabinen mit Fenster sind wesentlich komfortabler, größer und preiswerter als bei Hurtigruten. Natürlich ist bei einem neuen Schiff „alles besser“. Die Freundlichkeit der Besatzung sei auch noch erwähnt, denke das ist aber auf Hurtigruten nicht anders.
    Norweger/Innen sind halt einfach symphatisch.
    Auf jeden Fall uneingeschränkte Empfehlung zu Havila.
    Ich traf auch Franz Neumeier „zufällig“ auf dieser Reise, auf den Weg noch ein herzliches Hallo!.
    Einige Fotos auch auf meinem Blog:
    https://www.christian-wahner.de/norwegen-polarlichtreise

  5. Auf die Polarlichter bin ich jetzt mal so richtig neidisch, lieber Christian ;-) Auf der ersten Teilstrecke Bergen-Kirkenes, auf der ich an Bord war, hatten da leider Pech. Hat mich sehr gefreut, Dich auf der Havila Capella zu treffen!

  6. Ich habe auf der Havila Capella im April 2022 eine Reise gemacht und muß sagen, daß ich von dem Schiff ziemlich enttäuscht war. Im direkten Vergleich zur MS Nordlys von Hurtigruten, mit der ich die Reise Ende November 2021 gemacht habe, gab es auf der Capella mehr als nur Kinderkrankheiten (mit denen ich auch gerechnet habe).

    Hurtigruten sind hervorragend darin, den Passagieren Lust auf die Reise zu machen, die Neugierde zu wecken und das zeigt sich auch in so kleinen Dingen, wie dem (neugestalteten) Check-In in Bergen. Das Check-In-Erlebnis bei Havila war hingegen konfus und nichtmal auf dem Niveau von Fjordline, die auch das selbe Terminalgebäude benutzen. Die Kabinen sind größer auf der Capella und haben vor allen Dingen ein größeres Badezimmer (und es gibt Balkonkabinen), in meinem Badezimmer gab es allerdings weder einen Duschvorhang, noch eine Tür und der Boden hatte kein Gefälle zum Abfluss, so daß beim Duschen alles nass wurde und das Wasser den ganzen Tag auf dem Boden schwappte. Es gab zwar eine Fußbodenheizung, die war aber nur unter und hinterm WC. Die Klimaanlage schaffte es nur knapp, eine angenehme schlaftemperatur (bei mir 18-19 Grad) hinzugekommen, obwohl die Außentemperatur nachts immer unter 0 Grad war..

    Möglicherweise hätte ich bei einer höheren Kabinenkategorie diese Probleme nicht, allerdings erwies sich meine Wahl für eine normale Außenkabine als richtig, denn die weiteren Probleme betrafen alle Kabinen. Das größte Problem der Capella ist ihre Instabilität. Dieses Schiff „legt“ sich in jede auch noch so kleine Kurve und schwimmt wie ein Korken auf dem Wasser, selbst bei Seegang, der auf anderen Schiffen nichtmal bemerkbar wäre. Möglicherweise liegt das auch an den Whirlpools, die den Schwerpunkt des Schiffes nach oben bringen. Sie sehen zwar toll aus, sind aber direkt gegenüber der Bar, von allen Seiten und vom Deck 9 darüber einsehbar und zwischen den Umkleideräumen und den Pools muß man recht weit übers offene Deck laufen. Auf meiner Reise habe ich darum auch niemanden gesehen, der die Pools genutzt hat (ganz im Gegensatz zu den Whirlpools auf der Nordlys, in die selbst bei -10 Grad noch Menschen gegangen sind).

    Bedingt durch die Instabilität schwappte allerdings Wasser aus den Whirlpools, lief übers Deck und verwandelte es bei Frost in eine Eisbahn.

    Franz Neumeier hat das Restaurantkonzept ja schon sehr gut beschrieben, für mich hat es allerdings nicht funktioniert. Bei der Qualität der Gerichte reicht mein Geschmack nicht aus, um Unterschiede zwischen Havila und Hurtigruten herauszuschmecken; ich fand Geschmack und Qualität bei beiden einfach hervorragend. Ich lasse mich gerne von den vielen unterschiedlichen Dingen bei einem Frühstücksbuffet inspirieren, auf der Capella fehlte mir die Inspiration komplett; zuerst habe ich jeden Tag das gleiche gefrühstückt, irgendwann war mir das Frühstück einfach egal. Der Nachteil auf der Capella war, daß man bei allem (selbst beim Kaffee) auf die Kellnerinnen und Kellner angewiesen ist. Die waren zwar zahlreich und haben ihr Bestes gegeben, hatten aber ihre liebe Not mit ihrem Bestellsystem, was auf den Mobiltelefonen des Servicepersonals lief. Nachbestellen wäre zwar möglich, das hätte aber dazu geführt, daß man noch länger, als ohnehin mit dem Frühstück zugebracht hätte. Das Mittagessen hat sich mir nicht erschlossen; niemand hat es mir (so gut, wie Franz Neumeier) erklärt und konnte mir Vorschläge machen, was zu welchem der angebotenen Gerichte (daß es sich um Tapas handelt, wurde habe ich leider nicht erfahren) passt. Hier wären mir ein täglich wechselndes dreigängiges Menue aus der Region (Fleisch oder Fisch oder Veggie), wie es bei Hurtigruten angeboten wird, sehr viel lieber. Das Dinner beinhaltete zwar drei Gänge und war auch besser erklärt, aber wie auch beim Frühstück und Lunch dauerte es Ewigkeiten und zwischen den Gängen wartete man so lange, daß ich irgendwann an dem Punkt angelangt war, nicht mehr ins Restaurant zu gehen, auch weil ich die Atmosphäre einfach nicht mochte. Ich habe mich dort einfach nicht wohl gefühlt, was auch an der ganzen Gestaltung lag. Das reduzierte Design hatte nichts, woran die Augen der Gäste hängen bleiben, so daß sie unweigerlich auf den Tellern am Nebentisch landen und jeder jeden beobachtet.

    Die großen Fenster sind zwar schön, allerdings nur so lange, wie man einigermaßen durchblicken kann. Wenn auf ihnen eine Salzkruste liegt (was in den Breiten unvermeidlich ist) und sie auch nicht mit klarem Wasser gereinigt werden können, weil es friert (was außerhalb des Sommers oft vorkommen kann), sehen die Fenster einfach nur dreckig und unansehnlich aus.

    Das Expeditionsteam hat zwar sein bestes gegeben und war unglaublich freundlich und hilfsbereit, konnte aber nicht mit dem Expeditionsteam auf der Nordlys mithalten. Wer also etwas mehr über Land, Leute und Geschichte der Gegend, durch die man fährt, erfahren möchte, ist auf jeden Fall besser bei Hurtigruten aufgehoben. Dort waren die Vorträge und „Points of Interest“ für mich ein fester Teil des Reiseerlebnisses, auf die ich mich jeden Tag aufs Neue gefreut habe (ebenso, wie der Restaurantbesuch), auf der Capella habe ich es mir angesehen und es war mir irgendwann einfach egal.

    Wo Hurtigruten großen Verbesserungsbedarf hat, ist die Information der Passagiere. Kreuzfahrtredereien bieten dafür Apps mit unterschiedlichem Funktionsumfang an und das hat mir auf der Nordlys definitiv gefehlt. Allerdings wird auf den Monitoren in den öffentlichen Bereichen das tagesaktuelle Programm inkl. der Abfahrtzeiten des Schiffes angezeigt und wenn man davon beim Gang zum Frühstück ein Foto macht, hat man zumindest die Informationen immer dabei. Havila schafft es aktuell noch nichtmal auf dieses bescheidene Niveau und bietet stattdessen auf den Monitoren oftmals nur Informationen über ein und Auslaufzeiten von Häfen, die wir bereits vor Tagen angelaufen hatten oder das Wetter im Heimathafen der Capella (meistens allerdings nur einen Fehlerbildschirm, den auch niemanden der Crew interessiert). Hoffentlich wird das schnellstmöglich verbessert, so daß man Ortsbezogene aktuelle Informationen, Abfahrtszeiten, Zeiten von Vorträgen, das Menue im Restaurant (mit mehr Informationen, als auf den Speisekarten und vor allen Dingen Bildern) und eine Übersicht der eigenen Ausgaben an Bord in einer App hat.

    Vieles mag sich anhören, wie Klagen auf sehr hohem Niveau und ich bin mir sicher, daß Havila die o.g. Probleme lösen wird (möglicherweise auch durch aufwändige Umbauten, die dem Schiff mehrere Aufzüge und mehr und breitere Treppenhäuser verschaffen werden, anstatt eines schön anzusehenden aber absolut unpraktischen Atriums). Vielleicht braucht es einfach noch Zeit, bis die Besatzung auf der Havila nicht den Eindruck macht, daß jeder seins so gut es geht macht und Schiffsführung, Hospitality und Expeditionsteam nebeneinander her arbeiten aber nicht wirklich den Eindruck hinterlassen, daß sie auch zusammenarbeiten. Solange bietet aus meiner Sicht Hurtigruten einfach das bessere Angebot. Die Schiffe sind zwar alt (aber erst vor kurzem umfassend renoviert) aber nirgendwo fällt das Alter unangenehm auf (außer vielleicht bei der Größe der Badezimmer und den fehlenden Balkonkabinen); sie sind allerdings im Gegensatz zur Capella unglaublich durchdacht und die Wege an Deck, von wo aus man den besten Blick auf die wunderschöne Landschaft hat, sind kürzer und zumindest die Nordlys liegt wesentlich angenehmer im Wasser. Darüber hinaus hatte ich auf der Nordlys den Eindruck, daß wirklich alle Besatzungsmitglieder mit beeindruckendem Stolz auf ihr Schiff ihre Arbeit machen und dadurch das Reiseerlebnis für mich zu einem unvergesslichen wurde. Die Reise auf der Capella war hingegen eine von vielen auf einem Schiff mit Kinderkrankheiten, daß mehr sein will, als es ist und Dinge anders machen will, obwohl es dafür bereits best practices gibt.

  7. Danke, Sten, insbesondere auch für die Vergleiche zur Nordlys. Ein paar der von Dir geschilderten Dinge haben sich auf meine Reise tatsächlich anders dargestellt (z.B. Sauberkeit der Fenster, Funktion der Infos-Displays). Bzgl. Restaurant-Konzept wäre es sicherlich wünschenswert, wenn einem das am ersten Tag erklärt wird, statt dass man es sich selber erarbeiten/erraten muss ;-) Was ich ebenfalls anders erlebt habe, war das Engagement der Crew, zumal die ja nahezu alle von Hurtigruten gewechselt sind, sodass es da eigentlich keine großen Unterschiede geben sollte. Aber da die Crew ja alle zwei Reisen wechselt, ist natürlich denkbar, dass auf meiner Reise ganz andere Leute da waren als auf Deiner und das könnte diese Unterschiede dann erklären.

  8. Hallo Stern,
    der konfuse Check-in, Klimanlage und die fehlenden Apps (die es wohl bei Hurtigruten gibt) kann ich so bestätigen.
    Sie schreiben: „…Wo Hurtigruten großen Verbesserungsbedarf hat, ist die Information der Passagiere. Kreuzfahrtredereien bieten dafür Apps mit unterschiedlichem Funktionsumfang an und das hat mir auf der Nordlys definitiv gefehlt“
    Eher umgekehrt also Havila oder?? Da ist sicherlich noch „Luft nach oben“
    Den Rest, Stabilität (Windstärke 7) des Schiffes, Kabinen und vor allem das Essen (3-Gänge….bei uns waren es 5 oder mehr) kann ich so nicht nachvollziehen. Allerdings habe ich keine Vergleichsmöglichkeit zu Hurtigruten. Der Aussen-Whirlpoos stand während unserer kompletten Reise noch nicht zur Verfügung, glatt war es trotdzem teilweise, lag aber am Wetter :). Kaffee, Tee gabs ständig auf dem Schiff und in der Kabine, Wartezeiten zwischen den Menü-Gängen? bei uns Fehlanzeige bei Frühstück, Mittag- und Abendessen.
    (Unsere Buchung: Junior-Suite mit Balkon und damit automatisch Havila Gold)

  9. Hallo Christian Wahner,

    eine App habe ich im November 2021 von Hurtigruten nicht gefunden und kann somit nicht sagen, ob es sowas mittlerweile gibt. In Vorbereitung auf meine Reise Anfang April 2022 auf der Havila Capella habe ich auch hier gesucht aber auch von Havila nichts gefunden. Allerdings fand ich die App Kystruten von einem Reiseveranstalter aus Gerhardshofen sehr informativ. Sowas hätte ich mir auch von Havila (und von Hurtigruten im letzten November) gewünscht, ergänzt um aktuelle Angaben der Reise (geänderte Abfahrts- / Ankunftszeiten, tatsächlich buchbare / ausgefallene Ausflüge, Wetter- und Nordlichtvorhersagen, Menue im Restaurant) und eine Auflistung der eigenen Ausgaben an Bord. Sowohl MSC, Norwegian und Viking haben Apps, die auf der Reise unglaublich hilfreich sind; hier sollte Havila sich ein Beispiel nehmen.

    Windstärke 7 hatte ich auf der Reise zum Glück nicht (zumindest habe ich nicht davon erfahren); es fühlte ich aber recht häufig danach an und zwar auch dann, wenn man an beiden Seiten Land sehen konnte. Mittlerweile glaube ich, daß da etwas ernsthaft kaputt auf der Capella war denn ich habe noch kein Schiff dieser Größe erlebt, was so instabil und unruhig im Wasser gelegen hat. Mir macht sowas eher wenig aus, Freunde mit einem weniger stabilen Magen würde ich aber definitiv von der Capella abraten.

    Ich habe auch mit mir gerungen, ob ich nicht während der Reise auf eine höhere Kabinenkategorie upgraden sollte, alleine schon, weil in den Suiten auch Roomservice angeboten wurde und ich dadurch nicht mehr in das Restaurant gemußt hätte. Irgendwann war es mir allerdings auch egal, als ich das Schiff bereits innerlich abgeschrieben hatte. Da die Landschaft traumhaft und das Wetter für diese Jahreszeit absolut klasse war, habe ich die Reise insgesamt genossen, würde sie jederzeit wieder (auf einem anderen Schiff) machen und bin letztlich froh darüber, herausgefunden zu haben, daß die Havila Capella einfach nicht mein Schiff war. Unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche Vorlieben und da sind wir einfach nicht zusammengekommen.

  10. Ich war vom 2.4.2022 bis zum 13.4.2022 auf der MS Kong Harald von Hurtigruten. Auf Nordkurs vor Berlevag begegnete uns die MS Havila Capella auf Südkurs, bevor sie am Ende der Reise in Bergen wegen der Sanktionen erstmal stillgelegt wurde. Wir sahen die Havila Capella dann am 13.4. beim Einlaufen von Bord der Kong Harald in Bergen festgemacht noch mit Passagieren an Bord, die dann wieder abreisen mußte.

    Im Vergleich zu einer früheren Reise 2017 auf der MS Nordlys hat Hurtigruten sich sehr stark in der touristischen Betreuung verbessert, jeden Tag mehrere Vorträge zu den anstehenden Häfen. Die Kabinen sind allerdings immer noch eher zweckdienlich, aber völlig ausreichend eingerichtet, Verpflegung war sehr gut und abwechslungsreich.

    Man muss bei Hurtigruten auch berücksichtigen, dass noch sehr unterschiedliche Schiffe die Route befahren, und Frachtransport spielt immer noch eine nicht unwichtige Rolle. Da muss man halt bei der Planung der Reisetermins genauer hinschauen, welches Schiff an dem Anreisetag gerade in Bergen startet.

    Auch die Schiffe von Hurtigruten reagieren empfindlicher bei Seegang. Ich habe hierüber noch keine gesicherte Information gefunden, vermute aber, dass die Schiffe (auch die von Havila) auf der klassischen Postschiffroute zumindest keine Flügelstabilisatoren besitzen, da diese bei den häufigen kurzen Stopps beim Anlegen jedesmal eingefahren werden müßten.

    Was im Vergleich zu früher aktuell auffällt, die Pünktlichkeit hat etwas nachgelassen. Früher wurde oft erzählt, in den kleinen Häfen im Norden würden die Bewohner ihre Uhren anhand der einlaufenden Schiffe kontrollieren (wahrscheinlich aber auch eine von vielen Mythen). Und durch die verzögerte Auslieferung der Havila Schiffe (plus die erzwungene Pause für die Capella) sind Lücken im Fahrtrhythmus bemerkbar; dass jeden Tag in jedem Hafen jeweils ein Schiff auf Nord- und ein Schiff auf Südkurs einläuft bzw. man jeden Tag ab Bergen oder Kirkenes starten kann, gilt aktuell nicht.

    Was man bei der Postschiffroute auch bedenken muss, die Hurtigruten Schiffe sind darauf eingerichtet, neben den Touristen auch ein Angebot für Reisende zu bieten, die nur eine Teilstrecke mitfahren und keine Kabine bezahlen. In öffentlichen Bereichen außerhalb des Restaurants mischen sich beide Gruppen und gerade in der Nacht sind dann auch viele Sitzgelegenheiten mit Schlafenden belegt. Konflikte habe ich dabei aber bisher nicht bemerkt, nur etwas ungewohnt, falls man bisher nur mit reinen Kreuzfahrtschiffen unterwegs war.

    Was übrigens auch Vergangenheit ist, die Post wird nicht mehr auf den Schiffen befördert. Aus touristischen Gründen gibt es Schiffs-Sonderstempel-Aktionen an Bord, die Post geht dann allerdings im nächsten Hafen von Bord .

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