Trinkgeld verweigern – warum? Ich würde es so gerne verstehen …

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Warum sind deutsche Kreuzfahrer so versessen darauf, an Bord kein Trinkgeld zu geben? Purer Geiz, vorgeschütztes Gerechtigkeitsdenken, die große Trinkgeld-Verschwörung der Reedereien? Mir fallen wenig positive Argumente ein. Eigentlich keine.

Trinkgeld: An Land ganz normal auf Kreuzfahrtschiffen ein Problem ...
Trinkgeld: An Land ganz normal, auf Kreuzfahrtschiffen ein Problem …

Vorausgeschickt: Ich halte das Trinkgeldwesen in der Kreuzfahrt für nicht mehr zeitgemäß und fehlgeleitet. Das „Serviceentgelt“ genannte Trinkgeld ist faktisch keine extra Belohnung für guten, individuellen Service. Trinkgelder sind versteckte, obligatorische Reisekosten. Es ist ein Trick der Reedereien, mit dem sie die anständige Bezahlung ihrer Mitarbeiter auf den Kunden abschieben, um die Kreuzfahrt-Preise im Katalog und in der Werbung niedrig zu halten.

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Norwegian Cruise Line und inzwischen auch Costa zeigen eindrucksvoll, dass beim Thema Trinkgeld Wettbewerbsargumente auch bei internationalen Reedereien keinen Rechtfertigungsgrund liefern. Die großen, deutschen Reedereien handhaben das ohnehin längst anders. Mehr oder weniger obligatorisches Trinkgeld hat in einer modernen Gesellschaft nichts mehr zu verloren (vergleiche: „Zwangstrinkgeld – ein Ärgernis mit langer Geschichte“).

Aber: Solange die Strukturen so sind, leidet die Crew, wenn Passagiere die Angelegenheit selbst in die Hand nehmen. Egal mit welchen guten Vorsätzen und mit welch großzügigen Beträgen manche Passagiere das Trinkgeld-Thema an der Reederei vorbei anders zu regeln versuchen: Es gibt unschuldige Opfer. Deshalb halte ich es für unabdingbar, sich an die – zweifelsfrei zweifelhaften – Vorgaben der Reedereien zu halten. Der Protest muss anders stattfinden, um die Richtigen zu treffen und etwas zu verändern.

Und das bringt mich zu meiner eigentlichen Frage: Warum sind insbesondere deutsche Kreuzfahrer so versessen darauf, die Crew um ihr Einkommen zu bringen? Lieber schlecht bezahlte Crew-Mitglieder noch schlechter wegkommen zu lassen, als die Regeln einer Reederei zu befolgen, der das aber herzlich egal ist? Warum eine gefühlte Ungerechtigkeit durch eine noch viel größere Ungerechtigkeit ersetzen?

Drückeberger oder Gerechtigkeits-Sucher?

Es gibt Menschen, die drücken sich komplett ums Trinkgeld. Einfach so. Vielleicht sogar ohne wirklichen Grund. Und es gibt Menschen, die eine andere Sichtweise als die jeweilige Reederei auf das Thema haben und Trinkgeld lieber nach eigenem Gusto verteilen wollen. Die damit ein gewisses Gerechtigskeitsgefühl zum Ausdruck bringen wollen.

Während die einen einfach nur Geizkrägen sind (die für mich wichtige Frage: was treibt sie dazu, sich so zu verhalten?), behandeln die anderen unschuldige Crewmitglieder dennoch unfair. Letzteres zwar mit ehrenwerten Absichten. Aber ist das nicht mindestens genauso schlimm?

Viele der Argumente, die ich dazu bislang gelesen und gehört habe, erinnern mich an ein kleines Kindes, das aufstampft und „aber trotzdem“ schreit.

Geizhälse und Neidhammel

Die Geizkrägen sind irgendwie einfacher: Sie wollen einfach nicht zahlen – entweder sagen sie das ehrlich und offen, oder – in der Mehrzahl der Fälle – suchen sie fadenscheinige Ausreden.

Sie verstecken sich hinter der Verschwörungstheorie, das Geld könnte bei der Crew womöglich gar nicht ankommen. Sie hätten da mal so ein Gerücht gehört. Oder ein Crewmitglied habe ihnen das mal so erzählt (wahrscheinlich, weil es mit der Mitleidsmasche mehr Trinkgeld schinden wollte). Also lieber auf einen vagen Verdacht hin nicht zahlen, auch wenn da wahrscheinlich gar nichts dran ist?

Vielleicht wollen sie aber auch nur eine teure Reise machen, die sie sich eigentlich gar nicht leisten können. Ja, jeder hat Träume, die er sich nicht leisten kann und die er trotzdem versucht, irgendwie umzusetzen. Das ist sehr positiv, jeder sollte Träume habe. Keine Lösung dafür ist aber, andere unfreiwillig bezahlen zu lassen. Reduziere ich den Reisepreis per Trinkgeld-Verweigerung, muss ein schlecht bezahltes Crew-Mitglied von den Philippinen für den vergleichsweise immer noch reichen Passagier via unfreiwilliger Gehaltskürzung mit bezahlen.

Ich habe sogar schon gesehen, dass Passagiere aus Neid kein Trinkgeld bezahlen. Das macht mich besonders fassungslos. Das Argument: In meinem Beruf schufte ich auch hart und habe trotzdem mein Lebtag lang nie Trinkgeld bekommen. Da kann ich mir einen gewissen Sarkasmus nicht verkneifen: Warum haben Sie sich diesen Beruf ausgewählt? Warum sind Sie nicht in die Gastronomie gegangen?

Vielleicht sind sogar ein paar Menschen dabei, die einfach der Ausbund von Gier und Geiz sind. Die sich schamlos auf Kosten andere bereichern und nie jemals mehr zahlen, als sie unbedingt zwingend müssen, ohne sich strafbar zu machen. Das sind dann womöglich dieselben, die sich über die moralische Verwerflichkeit der „Paradise Papers“-Unternehmen echauffieren …

Ahnungslose und Naive

Noch am ehesten zumindest nachvollziehen kann ich, wenn jemand vor sich selbst Haltung bewahren, sein Gesicht vor sich selbst oder seiner Familie wahren will. Weil er insgeheim genau weiß, dass er selbst schuld ist, weil er …

… die Reisebedingungen der Reederei oder des Veranstalters nicht genau gelesen hat, wo er lesen und damit wissen hätte können, dass Trinkgeld eben noch extra anfällt und …

… weil er auch nicht von selbst auf den eigentlich nahe liegenden Gedanken gekommen ist, dass Trinkgeld auf Kreuzfahrtschiffen genau so üblich ist wie in der Gastronomie und im Tourismus überall anders auch.

Idealisten und Träumer

Schwieriger sind die Leute, die von einer idealen Welt träumen. Ich bekenne: Bis zu einem gewissen Grad zähle ich mich selbst auch dazu. Träume – das hatte ich schon erwähnt – sind wichtig und etwas sehr Positives. Idealismus kann aber auch schief gehen. Etwa, wenn man den ersten Schritt in Richtung einer besseren Trinkgeldregelung schonmal selbst in die Hand nimmt: Standard-Trinkgelder stornieren lassen und das Geld lieber selbst und persönlich verteilen. Das ist gut gemeint, mutmaßlich stecken da viele gute Gedanken und viel Idealismus dahinter.

Trotzdem hat dieses Verhalten eine Krux: Bei den vorgegebenen System der Reedereien funktioniert das nicht. Einzelne Crew-Mitglieder, die bei diesem Vorgehen leer ausgehen, verkehren die eigentlich guten Absichten dieser Passagiere ins Gegenteil. Denn es entsteht ungewollt eine noch größere Ungerechtigkeit, als es der Passagier dem etablierten System – durchaus zu Recht – unterstellt.

Auch wenn deutsche Gerichte das mangels passender Gesetze anders beurteilen: Die Trinkgelder sind faktisch Teil des Reisepreises und von den Reedereien einkalkuliert. Die Festgehälter der Crew basieren darauf, dass zusätzlich Trinkgeld bezahlt wird, denn nur damit kommen die Crew-Mitglieder auf einen angemessen Lohn (der allzu oft, je nach Sichtweise, eh noch viel zu niedrig ist).

Je nach Reederei unterschiedlich, immer aber nach ähnlichem Prinzip werden die Trinkgelder auf unterschiedliche Crew-Mitglieder verteilt – und zwar eben auch auf Leute, die der Passagier gar nicht wahrnimmt oder nie trifft. Entsprechend kann er diesen Leuten auch nichts persönlich zustecken.

Hier verhält sich dieser Typ Passagier also unfair, weil er Leuten einen Teil ihres Gehalts entzieht – nicht aus direkter, böser Absicht, sondern weil sein einseitig veränderte System des Trinkgeld-Geben nicht mit dem Schema der Reederei zusammenpasst.

David gegen Goliath?

Langer Rede kurzer Sinn: Ich versuche zu verstehen, warum vielen Passagieren dieses Dilemma egal ist und sie wissentlich einzelne Crew-Mitglieder um ihr Gehalt bringen. Machen sie es sich einfach nur leicht, weil sie sich nicht noch intensiver mit einem leidigen Thema auseinandersetzen wollen? Gehen sie im Vergleich zu einer echten Lösung den einfacheren Weg? Denn sie könnten sich ja zumindest bei der Reederei über fast Trinkgeld-System schriftlich beschweren. Oder noch konsequenter: Bei dieser Reederei keine Reisen mehr buchen. Es gibt schließlich Alternativen.

Sagen sie: „Wie toll bin ich doch. Habe Mut bewiesen, zivilen Widerstand geleistet; Rache des kleinen Mannes; David gegen Goliath.“ Blöd nur, dass David eigentlich das um sein Gehalt betrogene Crew-Mitglied ist und die Story diesmal nicht mit einem Happy-End für David ausgeht.

Bei Geld hört die Freundschaft auf – hoffentlich nicht!

Ich weiß, bei Geld hört die Freundschaft auf. Insofern werde ich mit den provokativen Zuspitzungen und absichtlichen Übertreibungen vermutlich einige geschätzten Lesern vor den Kopf stoßen. Mein Ziel ist – das sei allen ausdrücklich versichert – nicht, jemanden für sein Verhalten anzugreifen. Das ist jedermanns Privatsache, das muss jeder mit sich selbst ausmachen und ich respektiere das Ergebnis dieser Überlegungen.

Mir geht es darum, für mich zu verstehen, warum Menschen so handeln. Ganz wissenschaftlich, sachlich, emotionslos: warum? Ich will es einfach nur verstehen und nachvollziehen können.

„Und wie willst Du das Problem lösen?“

Wer jetzt fragt: „Was schlägst Du denn vor, wie man mit dem Problem umgehen soll?“, dem antworte ich: Mit viel mehr Gelassenheit. Würde ich mich in meinem Urlaub über jede ungerechte Kleinigkeit so aufregen wie über das Trinkgeld – was wäre das noch für ein Urlaub? Also: Die Tatsache hinnehmen, dass Trinkgeld, Zwangstrinkgeld oder Servicegebühren fester Bestandteil der (Neben-)Kosten für eine Kreuzfahrt sind. Den Betrag im Budget einplanen und klaglos zahlen. So, wie ich auch den (manchmal recht hohen) Reisepreis eben zahle, weil ich diese besondere Reise machen möchte.

Wenn ich echtes Trinkgeld für besondere Leistungen geben will, weil mir mein Kellner besonders sympathisch ist oder mein Kabinensteward immer besonders schöne Handtuchtiere gefaltet hat? Dann gebe ich extra Trinkgeld, in bar, direkt in die Hand. Damit mache dem jeweiligen Crew-Mitglied eine echte Freude (und zahle nicht einfach nur sein Gehalt, auf das er angewiesen ist und das ihm ohnehin zusteht). Zugleich unterlaufe ich das ungeliebte Trinkgeld-System der Reederei damit zumindest ein wenig (Guerilla-Taktik!), schade aber niemandem.

So mache ich das. Mein persönliche Sichtweise auf die Dinge.

Eure Meinung, bitte!

Aber mich interessiert wirklich und ganz ehrlich, warum Passagiere sich trotz besseren Wissens anders verhalten und damit unschuldigen Crewmitgliedern wissentlich schaden. Warum sie diese Ungerechtigkeit in Kauf nehmen? Warum sie das Problem auf Schwächere abschieben, statt selbst Verantwortung zu übernehmen und Kompromisse zu Gunsten der Crew einzugehen?

Lasst uns aber bitte nicht die Grundsatzdiskussion über Sinn und Unsinn der Trinkgeld-Regelungen der Reedereien führen – das haben wir an anderer Stelle schon mehrfach getan. Dass die Trinkgeld-Regelungen überholt, überflüssig, abschaffungswürdig sind, darüber sind wir uns (vermutlich) einig …

Ich freue mich auf Eure Meinungen und Erklärungen dazu.

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63 Kommentare zu Trinkgeld verweigern – warum? Ich würde es so gerne verstehen …

  1. Marita Oppermann on November 19, 2017 at 11:28 am

    Wow, da hast du dich ja mal richtig wieder „ausgekotzt“. Ist aber auch ein Thema, das in der Vergangenheit, in der Gegenwart, aber sicherlich auch noch in der Zukunft eine große Rolle spiegeln wird.

    Ich kann mich noch an die Zeiten erinnern, wo das Trinkgeld am letzten Abend den entsprechenden Leuten in Voucherform übergeben wurden. Wir haben immer noch ein paar Extra Dollar und einige dankende Worte dazu geschrieben. Für uns war es immer so, dass wir auch zwischendurch getippt haben. Sei es, weil der Zimmersteward mir extra Kleiderbügel brachte. Weil er Hemden zum Waschen gab. Bei den Social Hours haben wir immer $-Scheine dabei, um zu tippen. Das sieht man mal mehr, mal weniger.

    Was mir aufgefallen ist, dass viele Amerikaner, die ja die Trinkgeldgabe gewohnt sind, sich auch immer mehr zurückhalten. Bei dem erwähnten letzten Abend war das Restaurant deutlich leerer, weil sich viele nicht dabei ertappen lassen wollten, dass sie zu geizig sind, der hart arbeitenden Crew das verdiente Trinkgeld zukommen zu lassen.

    Ich denke diese Diskussion wird es so lange geben, wie die Reedereien das „Zwangstrinkgeld“ verlangen. Sie sollten es inkludieren, wie TUI oder NCL. Und jedem Gast kann dann die Möglichkeit gegeben werden, extra zu tippen.

  2. Andreas on November 19, 2017 at 11:29 am

    Die Kreuzfahrtgesellschaften machen es einem auch wirklich nicht einfach Trinkgeld an bestimmte Servicekräfte zu geben. Diese ganzen „Dynamic Dining/Freestyle Dining“-Verfahren mit wechselnden Kellnern und wechselnden Tischen passt mir nicht, daher habe ich auf allen meinen Kreuzfahrten mich für einen festen Tisch zu fester Tischzeit mit fester Service-Mannschaft entschieden und am Ende nicht nur meinem Kabinen-Stewart sondern den beiden Servicekräften am Tisch je ein passendes Trinkgeld gegeben.
    An der Bar gibts dann ein oder zwei Dollar extra als Trinkgeld. Pro Getränk, aber ich nehme ja nur einen Dram :-)

  3. Peter Stilbach on November 19, 2017 at 11:56 am

    Hallo Franz,

    meine Ansicht zum Thema Trinkgeld. Ich habe immer persönlich und gerne an meine Stewards und Stewardessen ein Trinkgeld gegeben. Ich habe aber auch festgestellt, wenn man sich freundlich mit Gesprächen bzw. einem netten Gruß zur Besatzung verhält, dann kommt das positiv zurück. Dadurch erlebt man einen freundlichen Umgang miteinander.

    Warum viele Gäste kein (kaum) Trinkgeld geben liegt vielleicht auch daran, der Verbraucher möchte alles BILLIG haben und das in bester Qualität (besonders an Land). Da denke ich an den „blöden“ Spruch „Geiz ist Geil“. Die Deutschen sind ein jammerndes, unzufriedenes Völkchen (sorry für die Bemerkung). Viele denken nur an sich selber und ihre Vorteile.
    Auf meinen Fahrten (u. anderem „Astoria, Berlin, Color Line) konnte ich überwiegend feststellen, dass die Zusammenarbeit der Crew untereinander besser ist als an Land, unabhängig vom Trinkgeld.

  4. Franz Neumeier on November 19, 2017 at 12:26 pm

    @Marita: Ja, selbst Amerikanern wird die Höhe der erwarteten/abgebuchten Trinkgelder inzwischen oft zu viel. An Land gibt’s ja schon Restaurants, die gleich mal 20 oder sogar 25 Prozent automatisch auf die Rechnung aufschlagen. Da platzt dann selbst dem Trinkgeld-gewohnten Amerikaner der Kragen.

    @Andreas: Aber das Trinkgeld gibst Du zusätzlich zu den automatisch berechneten Servicegebühren (oder wie auch immer die jeweilige Reederei das „Zwangstrinkgeld“ nennt), oder?

    @Peter: Für „jammernd und unzufrieden“ musst Du Dich nicht entschuldigen – ich glaube, das trifft es ganz gut (auch wenn Verallgemeinerungen natürlich immer auch Falsche trifft ;-) Wir sind unseren extrem hohen Lebensstandard schon so gewohnt, dass wir es gar nicht mehr wahrnehmen und vor allem nicht wahrnehmen, dass wir es mit der Crew auf Kreuzfahrtschiffen überwiegend mit Menschen zu tun haben, deren Lebensstandard um Welten niedriger ist als unser eigener. Manchmal hilft schon, sich diese Tatsache in Erinnerung zu rufen, um plötzlich wieder sehr glücklich, zufrieden und großzügig zu sein.

  5. Andre Haller on November 19, 2017 at 1:07 pm

    Hallo.

    Man kann dich verstehen. Aber ich kenne die Zeiten des Zwangstrinkgeldes und jetzt Zeiten der freiwilligen Zahlung. Der Service war beim Zwangstrinkgeld wesentlich besser. Leider sind sogenannte Trinkgeldgempfehlungen auch um 30% gegenüber des Zwangstrinkgeldes in der Höhe gestiegen. Warum soll man für schlechteren Service mehr bezahlen?? Das macht auch niemand der nicht auf einem Kreuzfahrtschiff oder in einem Hotel Urlaub macht. Die Lösung mit includiertem Trinkgeld ist schon besser. Ich habe auch schon andere Nationen kennen gelernt, die Servicegeld komplett streichen. Also sind es nicht nur die Deutschen.

    Andre

  6. Andreas on November 19, 2017 at 1:11 pm

    Das „Zwangstrinkgeld“ zahle ich natürlich auch weil eben die Wäscherin und der Unterunterunterkoch auch was abbekommen sollen. Beides Personen die ich nie sehe, auf deren (Top-)Leistung ich aber angewiesen bin. Es ist doch allgemein bekannt, dass die Entlohnung besonders für die unteren Ränge bei so ziemlich allen Kreuzfahrtgesellschaften sehr mager ist.
    Ich habe mit dem „Zwangstrinkgeld“ auch deshalb kein Problem weil es ja bei der Reisebuchung aufgeführt wird. Letztlich zählt nur der Gesamtbetrag den ich an das Reisebüro oder die Kreuzfahrtgesellschaft zu zahlen habe. Manche Reisende geben tausende von Euros für eine Kreuzfahrt aus, knausern aber bei den 50 oder 100 Euro (Summe!) für die persönlichen Trinkgeld.

  7. Andre Haller on November 19, 2017 at 1:18 pm

    Es wäre auch Mal von Vorteil zu wissen, wie das Trinkgeld aufgeschlüsselt bzw. verteilt wird.

    Bsp. 4500 Passagiere 10€ pro Tag

    Und dann???

    Andre

  8. Franz Neumeier on November 19, 2017 at 1:23 pm

    @Andre: Mache Reedereien (z.B. Royal Caribbean, Celebity Crusies) schlüsseln das ganz transparent centgenau auf. Bei anderen ist es eher etwas vage oder pauschal formuliert. Aber Angabe, was mit dem Trinkgeld passiert, machen eigentlich alle.

  9. Wendy on November 19, 2017 at 2:06 pm

    Ich kann nur für mich und mit mir befreundete oder verwandte Menschen sprechen: das „obligatorische“ oder „empfohlene“ Trinkgeld geben wir immer, wir kreuzen immer automatische Abbuchung an. Unabhängig davon, ob ich die Praktik der Reederei für richtig oder falsch halte. In den USA nehme ich die dort übliche Trinkgeldpraktik auch hin.

    Ich betrachte das nicht als Trinkgeld im bei uns üblichen Sinn, sondern als Servicegebühr und kalkuliere das in meinen Reisepreis innerlich vorab ein.

    Echtes Trinkgeld für besonderen Service gebe ich zusätzlich an die Leute, die den Service leisten. Wenn kein besonderer Service geleistet wird bin ich damit allerdings auch knauserig. Das verteile ich nicht nach Gießkannenprinzip.

  10. Wendy on November 19, 2017 at 2:10 pm

    Für Leistungen, für die inzwischen 18-20% Servicecharge berechnet werden, muß für Trinkgeld darüber hinaus auch tatsächlich Service über normale „Lieferung“ hinaus geleistet werden.

  11. Brigitte on November 19, 2017 at 2:31 pm

    Ich glaube nicht, dass es unbedingt „Geiz“ ist. Vielleicht möchten die „Trinkgeldstreicher“ einfach selbst entscheiden und ärgern sich über die automatische Belastung des Bordkontos? Es wäre vermutlich einfacher, die „Servicegebühr“ zu inkludieren oder bei der Buchung gleich abzurechnen. Seit es die Möglichkeit der Stornierung gibt, haben wir bisher nur einmal ernsthaft darüber nachgedacht, weil uns schlechter Service und unfreundliches Personal den Urlaub wirklich „vermiest“ hatten. Wir haben dann das pauschale Trinkgeld gekürzt (nicht gestrichen) und Roomboy, Kellner etc. extra bedacht. Allerdings war das auch nicht gerecht – wie Franz Neumeier ja auch hinreichend beschrieben hat. Aber wie kann man sich gegen schlechten Service wehren? Wir hatten direkt auf dem Schiff mit Vorgesetzten gesprochen, geändert hat sich nichts. Auf unsere schriftliche Beschwerde bei der Reederei kam auch eher ein lapidare Antwort „wir bedauern … es tut uns leider, aber …“
    Ob die Servicebereitschaft nach Abschaffung des „Zwangstrinkgeldes“ generell schlechter geworden ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Die Schiffe werden immer größer, feste Tischzeiten mit dem dafür zuständigen Personal gibt es immer seltener. Vielleicht wir es aufgrund des boomenden Kreuzfahrtmarktes schwieriger, gutes Personal zu finden?

  12. Franz Neumeier on November 19, 2017 at 3:31 pm

    @Brigitte: Kein Zweifel, für die Reedereien ist es inzwischen eine große Herausforderung geworden, ausreichend (und dann auch noch gutes) Service-Personal zu finden. Manche Reedereien weichen bei der Rekrutierung inzwischen schon auf Länder aus, bei denen noch vor ein paar Jahren sagten, dort würden sie wegen der ungeeigneten Arbeitseinstellung niemals Leute anheuern – ich erwähne die Namen dieser Länder jetzt mal bewusst nicht ;-)

    Meiner Erfahrung nach hängt guter Service an Bord nicht von Service-Entgelten ab, sondern von guter Arbeitsorganisation, guter Personalführung und guten Arbeitsbedingungen (Freizeit & Landgänge, Kabinen, etc.). Also alles Dinge, die vor allem die Reederei angeht. Das Service-Entgelt hat meiner Überzeugung nach vielmehr die Service-Qualität sogar auf dem Gewissen, weil die Crew das Service-Entgelt ja nicht als Extra und Dankeschön für guten Service betrachtet, sondern als notwendigen Teil des Gehalts

    Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster un behaupte: Würden anständige Gehälter bezahlt (also inklusive der bislang ausgelagerten, separat gerechneten Servicegebühren), wären Passagiere viel eher bereit, für sehr guten Service ein „echtes“, nämlich wirklich freiwilliges Trinkgeld geben. Das ein vermutlich wirkungsvoller Ansporn für guten Service, weil es sich für jedes einzelne Crewmitglied dann eben tatsächlich lohnen würde, sich um den Gast zu kümmern. So hat Trinkgeld früher jedenfalls einmal funktioniert …

  13. Stephan on November 19, 2017 at 4:20 pm

    Ich kann mich der Meinung von Franz nur anschließen: Für mich ist das Zwangstrinkgeld ein Teil des Reisepreises und wird deshalb vor Buchung einer Reise mit in die Reisekosten eingerechnet und anschließend bezahlt, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden.

    Bezahlt habe ich die Zwangstrinkgelder immer (anders als die Unicef-Spende bei MSC – aber das ist ein anderes Thema), hatte anfangs aber auch so meine Verständnisprobleme.

    Einen anderen Blick auf das Thema habe ich erst vor Kurzem, bei meinem ersten Aufenthalt in den USA erhalten. In diesem Land wird unterschieden in „Gratuity“, dem Serviceentgeld und „Tip“, dem Trinkgeld. Diese Unterscheidung kennen wir in Europ nicht.

    Jedesmal wenn ich eine Rechnung erhielt war ich wieder auf Neue überrascht, dass es sich bei den Beträgen, welche man auf Speisekarten findet, um netto-Preise handelt. Diese werden noch um ca. 10% Steuer und 15-20% Gratuity aufgestockt. Ist man mit dem Service zufrieden gewesen, wird noch ein kleiner zusätzlicher Tip erwartet.

    Ganz im Gegensatz zur USA wird es in Europa als Frechheit angesehen, wenn ein Trinkgeldempfämger die Höhe seiner Belohnung selber festlegt. Ebenso ist es hierzulande unbekannt, dass ein Unternehmen seine Personalkosten durch Trinkgelder bestreitet.

    Ich vermute, dass es vielen deutschen Kreuzfahrern einfach nicht bewußt ist, dass das Wesen der Kreuzfahrt durch und durch amerikanisch ist.

    Für diese Kollegen verstecken MSC, Costa und andere Reedereien einen Teil des Reisepreises in diesem Zwangstrinkgeld. Man sieht sich auf der Seite des Rechts, wenn man versucht diese, in Deutschland gesetzlich verbotenen, versteckten Kosten zu bekämpfen. Ich gehe davon aus, dass vielen Gästen die amerikanischen Trinkgeldsitten wenig vertraut sind und man somit meint, das raffgierige Unternehmen, nicht aber den einzelnen Mitarbeiter zu bestrafen.

    NCL hat in meinen Augen eine ideale Regelung gefunden, indem man den europäischen und amerikanischen Kunden eine unterschiedliche Preisgestaltung anbietet, die der jeweiligen Kultur entspricht.

  14. Franz on November 19, 2017 at 4:27 pm

    @Stephan: Ich hoffe, dass Du Recht hast und die meisten schlicht mit dem „System Trinkgeld“ nicht vertraut sind. Ich hege aber den Verdacht, dass viele das eben nur als Vorwand benutzen, um zu rechtfertigen, dass sie etwas nicht bezahlen, von dem sie eigentlich genau wissen, dass sie es bezahlen sollten. Und genau da habe ich dieses große Fragezeichen im Kopf, weil ich solches Denken/Verhalten nicht nachvollziehen kann …

  15. Udo on November 19, 2017 at 6:03 pm

    SORRY, aber ich kann mich Andreas nur anschließen. Auch ich kann nicht verstehen, wie jemand mehrere Tausend Euro für eine Kreuzfahrt ausgibt und sich dann noch über das Trinkgeld aufregen kann.

    Für mich ist es selbstverständlich, dass ich auch auf Schiffen ohne Trinkgeldpflicht dieses meinen guten Geistern zukommen lasse. Diesen Menschen geht es nicht so gut wie uns. Die können sich selbst wahrscheinlich keinen großen Luxus leisten. Da ist es doch schon fast eine Pflicht, dass wir uns erkenntlich zeigen. Selbst bei einem Strandurlaub an Land machen wir das so, dass wir immer noch für guten Service extra ein Trinkgeld geben.

  16. Bernd on November 19, 2017 at 7:50 pm

    Ich bin ein großer Fan der Preistransparenz und wenn es sich dabei um das „obligatorische“ Gehalt der Crew handelt, dann gehört es auch in den ausgewiesenen Reisepreis. Der Einwand, dass man das ja vorher weiß, zieht zumindest auf dem deutschen Reisemarkt nicht. Der typische Kunde wird hier gerade nicht das „Kleingedruckte“ vor der Reise studieren, sondern nur die ausgewiesenen Preise vergleichen. Würden also alle Kunden des deutschen Marktes das „Zwangstrinkgeld“ zahlen, hätte eine solche Kreuzfahrtrederei einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Kreuzfahrtgesellschaften, welche die Personalkosten korrekt im Reisepreis ausweisen.

    Die Argumentation des Autors zum einen gegen das Zwangstrinkgeld zu sein, zum anderen aber dessen Zahlung zu fordern, ist aus meiner Sicht ziemlich naiv, weil dann würde sich ganz sicherlich nichts ändern. Auch das Crew-Personal kennt, egal aus welchem Land es stammt, seinen Arbeitsvertrag und weiß, ob das Gehalt fest vereinbart ist oder eine variable Größe X ist.

    Dass dies alles übrigens auch kein unlösbares Problem für die Kreuzfahrtgesellschaften ist, selbst wenn sie überwiegend auf dem internationalen bzw. amerikanischen Markt agieren, zeigt ja auch das positive Beispiel NCL. Hier werden die Reisen auf dem deutschsprachigen Markt, also Deutschland, Österreich und Schweiz, ohne „Zwangstrinkgeld“ vermarktet, in anderen Märkten mit.

    Um zum Abschluss zu kommen, sofern Kreuzfahrten aktiv auf dem deutschen Markt verkauft werden, würde ich ein „Zwangstrinkgeld“ immer streichen lassen! Allerdings ist die Wahrscheinlich, dass es tatsächlich dazu kommt, eher gering, da ich versuche solche Gesellschaften zu meiden, egal in welcher Branche (z.B. Rynair…).

  17. Franz on November 19, 2017 at 8:21 pm

    Ich finde es nicht naiv, sondern einfach nur fair und menschlich, wenn ich der Crew ihre Gehalt nicht willkürlich zusammenstreiche. Denn nochmal betont: Es nützt nichts, die Crew für verfehlte Politik ihres Arbeitgebers abzustrafen.

    Umgekehrt könnte es aber einen Hauch naiv sein zu glauben, dass ein Crew-Mitglied, das in Manila angeheuert wird, um den Geiz der Deutschen Bescheid weiß und außerdem genau voraus berechnen kann, wie viele Deutsche in den kommenden neun Monaten in seinem Kabinen- respektive Restaurant-Sektor sein werden (insbesondere weil er meist nicht einmal weiß, auf welchem Schiff und in welchem Fahrtgebiet er unterwegs sein wird). Selbst wenn er also den englischsprachigen Arbeitsvertrag wirklich genau liest, kann er nicht abschätzen, wie viel Trinkgeld ihm prinzipienreitende Deutsche unfairerweise vorenthalten werden.

    Dass man das Problem lösen kann, zeigen u.a. NCL und Costa – ganz richtig angemerkt. Aber dann muss ich eben konsequent auch mit diesen Reedereien fahren, wenn mir das so wichtig ist. Aber nicht trotzdem mit anderen Reedereien fahren, dort aber aus Prinzipienreiterei heraus den Crew-Mitgliedern einen Tel ihres Gehalts streichen. Wie gesagt: Die Crew kann nichts dafür, also darf und will ich sie auch nicht dafür bestrafen.

  18. Udo on November 19, 2017 at 8:24 pm

    Hallo Bernd,
    bei meiner letzten Reise waren von 750 Gäste tatsächlich 18 Deutsche.
    Glaubst du, dass sich die Amerikaner, Australier und andere nur nach uns richten?

  19. Bernd on November 19, 2017 at 9:23 pm

    @Udo

    Sofern Kreuzfahrten fast ausschließlich für internationale/amerikanische Gäste konzipiert werden und somit Gäste aus dem deutschsprachigen Raum nicht als konkrete Zielgruppe angesprochen werden bzw. nur einen Anteil von rund 1% haben, sind deine Argumente durchaus nachvollziehbar.

    @Udo + Franz

    Meine Auffassung bezog sich auf Kreuzfahrtgesellschaften, welche den deutschsprachigen (Massen-) Markt als Zielgruppe sehen. Also sie schalten Werbung in den deutschsprachigen Medien, haben deutschsprachige Werbematerialen, eine deutschsprachige Hotline und einen deutschsprachige Internetseite. Eine Kreuzfahrtgesellschaft, welche so konkret deutschsprachige Kunden als Zielgruppe bewirbt (z.B. MSC), muss es sich dann auch gefallen lassen, dass sie an den landestypischen Preisangaben gemessen wird, was ja auch mit keinen unüberbrückbaren Schwierigkeiten verbunden ist (z.B. NCL).

    Im Übrigen hat der Autor (Franz) in seinem Artikel ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es ihm nicht um eine
    Grundsatzdiskusion ging, in dem man versucht die andere Seite zu überzeugen sondern nur darum, dass man darlegt, warum man so handelt, wie man handelt. Also das habe ich nun recht ausführlich gemacht, dass ihr vermutlich an eurer Auffassung und ich an meiner festhalte, war ja nicht wirklich anders zu erwarten…

  20. Andre on November 19, 2017 at 11:24 pm

    Ich habe bislang immer die „Zwangstrinkgelder“ gezahlt und werde dies auch weiterhin tun. Ich erwarte dann aber auch, dass das Thema Trinkgeld für mich damit erledigt ist. Dennoch werden bei vielen Reedereien am letzten Tag die Briefumschläge demonstrativ in die Kabine gelegt, sowohl bei Reedereien mit und ohne inkludierten Trinkgeldern. Persönlich fühle ich mich dann genötigt ein zusätzliches Trinkgeld geben zu müssen, weil dies ja scheinbar noch erwartet wird.

  21. Wendy on November 20, 2017 at 12:08 am

    Reiserechtlich ist das Thema heikel und das wissen die Reedereien ganz genau. In der EU gilt die Endpreisverordnung, sprich: verpflichtende Preisanteile müssen in den Reisepreis eingerechnet werden und dem Kunden als Gesamtpreis mitgeteilt werden. Punkt.

    Wenn die Reedereien das – um im Wettbewerb besser dazustehen – nicht tun, brauchen sie sich nicht wundern, wenn Kunden den Reisevertrag auch so wahrnehmen, wie er von beiden Seiten abgeschlossen wurde.

    Die Reedereien bestehen ja auch auf Erfüllung des Vertrages durch den Kunden. Sowas ist keine Einbahnstraße.

    Vertragsrechtlich nach EU Recht tut der Kunde, der das Serviceentgelt streichen läßt nichts ungebührliches.

    Und machen wir uns nichts vor, in anderen Punkten passen die Reedereien die Verträge ja auch den unterschiedlichen Märkten, sowohl rechtlich als auch preislich…. In der Pflicht sehe ich die Reedereien und nicht den Kunden.

  22. Uwe on November 20, 2017 at 12:12 am

    Für mich ist das „Zwangstrinkgeld“ ein Teil des Reisepreises und müsste in den Reisepreis includiert sein. Grundsätzlich. Die Tricksereien mancher Reedereien im Wettberwerb um den niedrigsten Tagespreis an Bord sollten endlich aufhören. Ja, ich zahle das täglich abzubuchende „Trinkgeld“ als Servicepauschale bereits im Voraus, um mich dann nicht täglich über die Gpflogenheiten der Reederei ärgern zu müssen. Dass es für „die zusätzliche Meile an Bord“ natürlich wie gewohnt auch ein zusätzliches TRINKGELD (und zwar in Bar auf die Hand) gibt, ist für mich selbstverständlich.
    Es sollte endlich eine gesetzliche Regelung zu diesem leidigen Thema geben. Bis dahin zahle ich diese so genannten Servicegebühren, in dem ich sie zu Reisepreis hinzu zähle und dann genau weiss, ob ich mir diese Reise leisten kann oder nicht. Basta.

  23. Franz on November 20, 2017 at 7:18 am

    Ich komme argumentativ gerade in eine Ecke, in die ich gar nicht will, weil ich – wie deutlich geschrieben – das Serviceentgelt-System für falsch und überkommen halte (und zwar nicht nur in Hinblick auf den deutschen Markt, um das auch noch deutlich zu machen). Dennoch will ich ein paar Punkte loswerden:

    @Wendy: rein juristisch betrachtet ist das Streichen des Serviceentgelts nichts verwerfliches (wobei es im Recht ohnehin den Begriff „verwerflich“ nicht gibt, sondern nur richtig oder falsch). Aber moralisch finde ich es (und das sind wir uns ja vermutlich einig) eben doch verwerflich. Primär sehe ich da auch die Reedereien in der Pflicht, nicht den Kunden. Nur wenn selbige der (von uns eingeforderten) Pflicht nicht nachkommen? Das Problem dann zu ignorieren und trotzdem nicht zu zahlen, wäre moralisch ein wenig wie einen Sterbenden auf der Straße liegen zu lassen, weil dafür ja die Rettungssanitäter zuständig sind. (kein perfekter Vergleich, zeigt aber vielleicht durch die Übertreibung, was ich meine).

    @Bernd: So ungern ich das bei diesem Thema sage: Die Welt muss sich nicht automatisch um uns drehen. Auch nicht, wenn der Deutschen-Anteil auf einem Schiff höher als 1 Prozent ist (nicht einmal, wenn er mehr als die Hälfte wäre). Wir können uns das wünschen und als Verbraucher/Kunde unseren Wünschen gemäß handeln. Aber wenn ich – wieder ein schräger Vergleich – Pina Colada nicht mit Sahne mag, sondern nach dem Original-Rezept, dann darf ich halt nicht in die Bar gehen, die mit Sahne arbeitet und ein Gesetz fordern, das Sahne in Pina Colada verbietet. Sondern dann gehe ich halt in eine anständige Bar. Abstimmung mit den Füßen. Und wenn eine Bar es cool findet, keine Kunden mehr zu haben, dann sei es so – deren Problem.

    Aber in einem freiheitlich-demokratischen Land sollten auch Unternehmen (in gewissen Grenzen) ihr Geschäftsmodell so aufbauen dürfen, wie sie es wollen. Die Krux ist, dass wir Kunden zu wenig Rückgrat haben, falsche Modell abzustrafen. Hey, Billig-Hühnchen wird unter katastrophalen Zuchtbedingungen erzeugt, aber Bio-Huhn ist mir zu teuer. Wenn ich dann trotz gegenteiliger Überzeugung das Billig-Huhn kaufe – muss ich mich wundern, dass es weiter erfolgreich produziert wird?

    @Bernd: Bitte nicht falsch verstehen: Ich will Dich für Deinen Kommentar nicht angreifen oder gar verurteilen. Ich will nur deutlich machen, dass wir es als Verbraucher eigentlich selbst in der Hand hätten, etwas zu ändern – und diese Verantwortung in einer Demokratie auch ausüben müssen. Es ist uns aber zu mühsam, das auch wirklich zu tun (und ich schließe mich selbst damit ausdrücklich mit ein!). Vielleicht ist es uns tatsächlich einfach nicht wichtig genug, um dafür Zeit und Energie aufzuwenden …

  24. Eike on November 20, 2017 at 7:49 am

    Zugegeben, wir sind nur auf Schiffen unterwegs, auf denen der anderswo als Trinkgeld benannte Anteil des Reisepreises bereits mit eingerechnet ist, und sich die Frage, ob man etwas streichen will oder nicht, gar nicht stellt. Allerdings wäre es für uns selbstverständlich, auf Schiffen, wo es anders gehandhabt wird, die „Zwangstrinkgelder“ eben als Teil des Reisepreises zu sehen, und eben auch zu bezahlen. Muß man nicht gut finden, ist aber nun mal so. Und -da stehe ich ganz hinter Franz‘ Meinung- eine eigenmächtige Streichung, weil man mit dem Prinzip nicht zufrieden ist, trifft eindeutig die falschen.

    Das hält uns natürlich nicht davon ab, an der Bar oder im Bedienrestaurant noch ein Trinkgeld auf den Bon zu schreiben, oder denjenigen, die die Reise zu etwas Besonderem gemacht haben, am Ende der Reise noch etwas in bar persönlich in die Hand zu drücken. Im Restaurant an Land macht man das ja schließlich auch.
    Zumal wir, trotz des flexiblen Essenskonzepts unserer Stammreederei, doch meistens irgendwie versuchen, immer im gleichen Bereich des gleichen Restaurants zu sitzen, und somit auch mehr oder weniger unsere Stammkellner haben. ;-)

  25. Ulrich Scharwächter on November 21, 2017 at 11:53 am

    Sehr geehrter Herr Neumeier,

    Sie haben eigentlich mit den ersten beiden Absätzen Ihrer Abhandlung alles gesagt.
    Alles andere ist Polemik.
    Fakt ist doch: Ich entscheide mich für ein Produkt, welches mir zusagt, sei es ein Auto, ein Fernseher oder eben eine Kreuzfahrt.
    Ich prüfe das Angebot und entscheide mich dann zum Kauf (oder auch nicht)
    Wenn nun eine Reederei mir ein Angebot offeriert, dann gehe ich davon aus, das es seriös ist. Auch in Bezug auf die gerechte Bezahlung der Mitarbeiter.
    Die Qualität einer Kreuzfahrt hängt meiner Meinung zu 90 % an der Ausbildung und Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter.
    Versucht nun eine Reederei mit den bekannten „Trinkgeldtricks“ zu arbeiten, gehe ich davon aus, daß im Unternehmen einiges falsch gemacht wird.
    …oder wie es zu erklären, daß AIDA trotz „Trinkgeld inclusive“ auf der AIDAperla im ganzen Schiff Ständer mit Trinkgeldumschlägen aufgestellt hat und der Kapitän öffentlich um ein zusätzliches Trinkgeld für die Crew bettelt.Am Ende des Tages wird man sich so die dringend benötigten Stammgäste nicht erarbeiten.
    Meiner Meinung nach, stößt die Kreuzfahrtbranche,im Massenmarkt allmählich an die obere Preisgrenze, welchen die Gäste bereit sind zu zahlen. Weitere Preiserhöhungen im zweistelligen Bereich, werden meiner Meinung nach,
    in naher Zukunft nicht mehr durchzusetzen sein.
    Ich glaube, die Kreuzfahrtanbieter sollten das Trinkgeldproblem schnellstmöglich in den Griff bekommen, damit ihre Schiffe auch in naher Zukunft noch „ausgebucht“ den Hafen verlassen.

  26. Jens on November 21, 2017 at 11:58 am

    Ich habe mein Zwangstrinkgeld bis jetzt immer bezahlt.
    Die Gründe warum man das Zwangstrinkgeld streicht mag viele Gründe haben, das kann man sicher auch kritisieren. Die Antwort warum mansche das Zwangstrinkgeld steigen ist dennoch ganz einfach, weil sie es dürfen. Deshalb stellt sich doch eher die Frage warum machen die Rederein so was. Es ist immer der Arbeitgeber der für die Bezahlung für seine Mitarbeiter verantwortlich ist.
    Und wenn man Ehrlich ist, hatten nicht so viele das Zwangstrinkgeld gestrichen hatte Costa und NCL sicher nicht ihre Praxis geändert.
    Was mich stört ist das RCL früher eine Regelung hatte wo man genau wusste wer was bekommt. Und das ganze hatte dann wenn man es wollte auch noch eine Persönliche note. Das hat man aber in eine undurchsichtige Regelung geändert. Ich habe mehrmals bei RCL nachgefragt wie die Verteilung jetzt ist. Immer wieder wurden unterschiedliche aussagen gemacht. Das sorgt nicht für Vertrauen und Verständnis.
    Anmerken möchte ich auch das mansche, z.B bei TUI, das Trinkgeld missbrauchen um sich Vorteile zu anderen Gästen zu erkaufen.

  27. Franz on November 21, 2017 at 12:07 pm

    @Jens: Royal Caribbean weist die genaue Aufteilung immer noch auf deren Website exakt nach: https://www.royalcaribbean.com/faq/questions/onboard-service-gratuity-expense

    Solche Fragen sollte man allerdings tunlichst nicht an das deutsche/europäische Call Center stellen (auch wenn das natürlich fatal ist, denn wen soll der Kunde denn sonst fragen?). Denn das ist ein Dienstleister, der in solche Details nicht eingeweiht ist, oft selbst nu googelt oder aus Zeitmangel einfach irgend etwas erzählt, um die lästige Frage loszuwerden. Nicht gut, aber meine Erfahrung. Die englischsprachige RCI-Website hat dagegen für fast alle Fragen eine Antwort, wenn auch manchmal etwas schwierig zu finden ;-)

    Die Änderung der Regelungen bei NCL und Costa hängen glaube ich eher an der Einsicht der Reedereien, dass viele Deutsche mit der amerikanischen Trinkgeld-Politik nicht zurecht kommen oder sie schlicht ablehnen. Da hat man sich, wie ich finde löblicherweise, den hiesigen Marktbedingungen angepasst.

  28. Jens on November 21, 2017 at 12:16 pm

    @Franz Danke für Webseite, hatte aber auch an Bord nachgefragt und auch dort gab es keine klare aussage. Und da sollte man es doch eigentlich wissen oder?

  29. Franz on November 21, 2017 at 12:22 pm

    @Jens: Was ich an Bord von Kreuzfahrtschiffen schon an Blödsinn erzählt bekommen habe, egal welche Reederei – da gebe ich inzwischen nichts mehr drauf ;-) Nein, ernsthaft: Ich denke, das weiß an Bord im Zweifel auch nur der Zahlmeister/Purser, weil der das abwickelt und zur Auszahlung anweist. Alle anderen haben damit ja im Zweifel nichts zu tun und der einzelne Mitarbeiter sieht nur seinen individuellen Endbetrag (und die Info, welcher Gast gekürzt/erhöht/gestrichen hat).

  30. Sebastian on November 21, 2017 at 1:50 pm

    Hallo Franz,

    dass ich als fast 3-Jahrzentiger-Kreuzfahrt-Seexperte nun Dutzende Gedanken, Erinnerungen und Stories beitragen könnte, ist dir bewusst.

    An einen Punkt hast du immer in deinem Artikel erinnert… an sich geht es auch um ein persönliches Dankeschön für persönlichen Service… nicht nur um notwendiges Gehalt.
    Das hast du perfekt untermauert mit deinem PayPal-Link. Dies ist ebenso der ähnliche Wunsch wie der nach Tip eines Servicemitarbeiters.
    Und nun frage ich Dich: wie oft, von wie vielen deiner Leser hast du auf dem Wege schon ein Dankeschön erhalten?

    Liebe Grüße und Ahoi

  31. Franz on November 21, 2017 at 2:40 pm

    Lieber Sebastian,

    Du hast völlig Recht und natürlich trifft Deine Anmerkung zum Paypal-Link den Nagel auf den Kopf …

    Ich glaube, was dennoch dringend notwendig wäre bei den Reedereien, die das nicht ohnehin schon gemacht haben:

    – Eine Bezahlung der Crew, die auch ohne zusätzliche Zahlungen von Passagieren einem anständigen Gehalt entspricht.

    – oder doch zumindest eine ganz klare Trennung der Begriffe „Serviceengelt“ und „Trinkgeld“.

    „Serviceentgelt“, oder wie auch immer man diese quasi-Zwangzahlung nennt, hat nichts mit Honorierung von Service-Qualität zu tun, sondern ist eine versteckte Reisepreis-Erhöhung, verbrämt als „Trinkgeld“, unter anderem mit dem Ziel, die entsprechenden Gesetze zur Preisauszeichnung umgehen kann (und um selbst die Amerikaner, die ja angeblich so an die „Trinkgeld“-Geberei gewohnt sind, zu zwingen, diesen Gehaltsbestandteil auch wirklich zu bezahlen; die haben nämlich auch längst durchschaut, dass es beim Serviceentgelt eben gar nicht um Trinkgeld geht).

    Wäre das klargestellt, gäbe es zumindest keine Ausrede mehr, ein echtes Trinkgeld, also ein individuelles Dankeschön, zu geben. Weil ich aber nicht glaube, dass es möglich ist, diese beiden Begriffe so klar zu trennen, dass es alle Passagiere verstehen, bleibt eigentlich nur die eindeutige Variante: Weg mit dem „Serviceentgelt“ und entsprechende Erhöhung des Gehalts der Crew.

    Dann könnte man versuchen den Leuten zu erklären, wie hart die Crew arbeitet und sie sich ein nettes Dankeschön-Trinkgeld auf individueller Basis, ganz persönlich, ohne offizielle „Empfehlungen“, abhängig von Leistung, Freundlichkeit etc. verdient hat. Aber das ist natürlich eine Kultur, die man erst langsam hochpäppeln und dann sorgsam pflegen muss. Denn selbst in den USA ist diese ursprünglich mal recht positive Kultur ja schon teilweise zerstört worden.

    Oder noch einen Schritt weiter, so wie es zwei oder drei Luxus-Reedereien tun: Trinkgeld komplett abschaffen (sprich: Crew darf auch individuell nichts annehmen), dafür die Crew ordentlich und leistungsgerecht bezahlen und ein Arbeitsklima schaffen, in dem das Arbeiten wirklich Spaß macht, in dem sich die Crew wohlfühlt und dadurch automatisch auch Spaß an gutem Service hat.

    Aber wenn ich ehrlich bin, muss ich da zu mir selbst sagen: „Träum‘ weiter, Franz“ …

  32. Hans on November 22, 2017 at 4:37 pm

    Also ich muß da doch etwas widersprechen.

    Es sind nicht nur Deutsche Gäste die die Trinkgelder streichen lassen, ich habe da an Bord auch mit Gästen anderer Nationalitäten gesprochen.

    Ich selbst bin Österreicher und habe es nicht gekürzt.

    Nur Franz ich kann dir nicht zustimmen das bei Royal Carribean die Auflistung stimmt.

    Ich hatte mit dem Kabinenstewart auf der Allure gesprochen, er betreut 14 Kabinen.

    3,45 x 2 Personen mal 14 Kabinen mal 30 Tage ergibt 2898 Dollar pro Monat, dazu noch extra Trinkgeld der Gäste sodas er auf locker 3500 Dollar plus gratis Unterkunft und Verpflegung kommt.

    Ich bin überzeugt das dies nicht stimmt also das Royal nicht die Wahrheit schreibt.

    Sicher haben einige von euch die Dokumentation “ Kreuzfahrt Undercover “ gesehen.

    Auch wenn die Marke verpixelt ist erkennt man um welche Marke es sich handelt.

    Die Kellnerin servierte pro Abend etwa 100 Cocktails und da sie die Kellnerin ist müssten die 15 % pro Cocktails alleine ihr zustellen also etwa 100 Dollar pro Tag.

    Bekommen hat sie pro Monat 600 Dollar und als sie mal 3 Tage krank war überhaupt nichts.

    Im Endeffekt hat die Reederei weder das Trinkgeld pro Cocktail noch ihren Anteil am Zwangstrinkgeld bezahlt sondern sich das Geld selbst einverleibt, meiner Meinung eine Sauerei.

    Da wundert es mich nicht das einige Geld das Trinkgeld streichen ….

  33. Franz on November 22, 2017 at 7:14 pm

    Die inhaltliche Diskussion über Trinkgelder wollte ich hier eigentlich nicht führen, aber ein paar Aspekte drängen mich dann aber doch zu Anmerkungen:

    Ich habe nicht gesagt, dass die Auflistung stimmt. Ich habe nur darauf hingewiesen, dass es sie nach wie vor gibt. Allerdings, das sei hier ergänzt, habe ich auch kein ernsten Zweifel daran, dass es dennoch auch stimmt. Der Vorwurf, RCI würde blank lügen, geht mir dann doch viel weit, wenn dafür jeglicher Beweis oder zumindest sehr handfeste Anhaltspunkte fehlen. Reedereien konkurrieren inzwischen hart um gute Crew-Mitglieder – die könnten sich gar nicht leisten, ihre Mitarbeiter zu betrügen, denn dann würden die nie wieder kommen und es würde sich insbesondere in typischen Crew-Herkunftsländern wie den Philippinen auch schnell herumsprechen. Das also ist also schonmal ein starker Anhaltspunkt dafür, dass die Serviceentgelte durchaus wie angegeben ausgezahlt werden.

    Und dann gehen da zwei Dinge durcheinander, die nichts miteinander zu tun haben: Das automatisch dem Bordkonto belastete Serviceentgelt, um das es in dem angesprochenen Verteilerschlüssel von RCI geht, bezieht sich auf Restaurant-Kellner und Kabinenstewards (sowie deren Hilfskräfte). Barkellner sin davon nicht erfasst. Über die zwingenden Servicegebühren auf jeder Bar-Rechnung (übrigens bei RCI 18, nicht 15 Prozent) sagt der Verteilerschlüssel nichts aus. Wie diese 18 Prozent verteilt werden, entzieht sich meiner Kenntnis und dazu schreibt RCI auch nichts auf der Website. Aus der Aussage einer Barkellnerin zu schließen, was mit den Serviceentgelten für Kabinenstewards und Restaurantkellner passiert, macht deshalb keinen Sinn.

  34. Bernd on November 22, 2017 at 7:57 pm

    @Franz

    Du hast die Crew aus typischen Herkunftsländern wie den Philippinen hier an wie folgt beschrieben:

    Aussage 1
    „…dass ein Crew-Mitglied, das in Manila angeheuert wird, um den Geiz der Deutschen Bescheid weiß und außerdem genau voraus berechnen kann, wie viele Deutsche in den kommenden neun Monaten in seinem Kabinen- respektive Restaurant-Sektor sein werden (insbesondere weil er meist nicht einmal weiß, auf welchem Schiff und in welchem Fahrtgebiet er unterwegs sein wird). Selbst wenn er also den englischsprachigen Arbeitsvertrag wirklich genau liest, kann er nicht abschätzen, wie viel Trinkgeld ihm prinzipienreitende Deutsche unfairerweise vorenthalten werden.“

    Aussage 2
    „Reedereien konkurrieren inzwischen hart um gute Crew-Mitglieder – die könnten sich gar nicht leisten, ihre Mitarbeiter zu betrügen, denn dann würden die nie wieder kommen und es würde sich insbesondere in typischen Crew-Herkunftsländern wie den Philippinen auch schnell herumsprechen.“

    Vielleicht solltest du dich einmal entscheiden, ob die „typische Crew“ nun naiv und hilflos oder intelligent und informiert ist. Okay, ich habe das vielleicht etwas zugespitzt formuliert, aber zumindest suggerieren deine beiden Aussagen doch ein ganz unterschiedliches Bild von der „typischen Crew“.

    Ich persönlich bin mir, nach 9 Kreuzfahrten, ziemlich sicher, dass deine Aussage 2 der Realität am ehesten entspricht, also intelligent und durchaus aufgeklärt. Nur weil man aus einem armen Land kommt, ist man doch nicht automatisch dumm bzw. naiv.

  35. Franz on November 22, 2017 at 8:10 pm

    @Bernd: Dann hast Du meine erste Aussage gründlich missverstanden (und ich gebe zu, dass ich sie besser hätte formulieren müssen, damit das nicht passiert). Ich halte die Menschen keinesfalls für dumm oder auch nur naiv; ganz im Gegenteil und da sind wir uns offensichtlich auch absolut einig.

    Was ich meinte ist Folgendes: Die Recruiting-Agenturen der Reedereien sind in Manila, die Crewmitglieder kommen aus dem ganzen Land, vor allem auch aus kleinen Dörfern. Da ist so detailliertes Wissen wie „Deutsche verweigern gerne mal das Trinkgeld“ nicht verbreitet; sehr viele Crew-Mitglieder erleben Deutsche, zumindest in größeren Ansammlungen, nie, wenn sie beispielweise auf Schiffen in Alaska oder in der Karibik fahren, wo Amerikaner die deutliche Mehrheit sind. So wie wir hier vermutlich sehr wenig über die Gepflogenheiten in philippinischen Dörfern wissen. Mit Dummheit oder Naivität hat das natürlich nichts zu tun.

    Die Frage des Gehalts und wie viel Geld man insgesamt bekommt (also inkl. Trinkgelder) ist dagegen alles andere als Detailwissen, sondern natürlich essenziell und das erste, das man bei einem Arbeitsvertrag wissen will. Spätestens beim ersten Vertrag an Bord würde man merken, wenn man über den Tisch gezogen wurde und geht dann garantiert nie wieder zu dieser Reederei, sondern erkundigt sich bei Kollegen nach ihren Erfahrungen bei anderen Reedereien. Entsprechend gibt’s tatsächlich Reedereien mit hoher Fluktuation und solche, wo die Crew überwiegend sehr lange bleibt.

    Also: aus meiner Sicht kein Widerspruch, sondern nur zwei recht verschiedene Aspekte diese Themas.

  36. Hans on November 23, 2017 at 5:46 pm

    Es tut mir leid aber ich verstehe als sogenannter Ösi nicht warum ihr, unsere Lieblingsnachbarn euch so schlecht macht?
    Ich bin überzeugt das genau so viele Gäste anderer Länder auch das Serviceentgelt streichen.
    Und auch das z.b. in Italien auch in Kreuzfahrtforen über dieses Thema diskutiert wird.

    Macht euch doch nicht schlechter als die anderen !!!!

    Lieber Franz du kannst doch wirklich nicht glauben das ein Kabinenstewart bei RCCL 2898 Dollar plus zugestecktes Trinkgeld der Gäste und dazu noch Kost und Logie gratis hat??

    Die Reederei auf der Doku war nicht RCCL sondern eine der beiden italienischen Reedereien und ich persönlich glaube einer Mitarbeiterin mehr als den vollmundigen rhetorischen Sprüchen der Manager.

    Dort sind es 15% Trinkgeld und das gehört nur !!! der Kellnerin und sonst niemanden, auch kein Verteilungsschlüssel.

    Wenn ich bei uns zur Rechnung Trinkgeld gebe gehört es auch einzig und alleine der Kellnerin und das wurde ihr auf dem Schiff nicht bezahlt plus nicht ihren Anteil vom Serviceentgelt nur weil sie 3 Tage krank war.

    Die Reederein sollten besser ehrlich statt Serviceentgelt, Gehalt für das Personal schreiben mit dem Zusatz das man mit Bezahlung alles bis auf die Gehälter bezahlt hat …

    Was mich auch interessiert wie das im neuen Markt China läuft dort ist ja Trinkgeld meist unüblich.

  37. Franz Neumeier on November 23, 2017 at 6:15 pm

    @Hans: Also, in einem Punkt sind wir uns völlig einig: Die Reedereien sollten das „Trinkgeld“ als Gehalt bezahlen und in den Reisepreis einkalkulieren. Dann wäre das Thema vom Tisch.

    In einem anderen Punkt sind wir uns aber ganz und gar nicht einig: Nur, weil der Geldbetrag recht hoch klingt, neige ich nicht dazu, ohne jeden konkreten Anhaltspunkt einer Reedereien (in diesem Fall auch noch einer anderen als in der Reportage vorkommenden), illegale Machenschaften zu unterstellen. Wenn wir anfangen, andere, ob Menschen oder Unternehmen, auf Grund von „ungutem Gefühl“ zu verurteilen, dann will ich in dieser Welt nicht leben.

    Bzgl. Aussagen in einer TV-Reportage – ohne dass ich zu der konkret genannten etwas sagen will, weil ich die zwar vermutlich gesehen, mich aber nicht mehr genauer daran erinnern kann: Ich habe selbst ein gutes Jahr beim Fernsehen (öffentlich-rechtlich) gearbeitet und habe genug Erfahrung mit TV-Kollegen, dass ich solche Reportagen bestenfalls mit der Beißzange anfasse. Da wird so viel in falsche Zusammenhänge gesetzt (absichtlich, um bestimmte Aussagen zu bekommen, die man für die vorgefasste Meinung braucht, oder aus Unwissen) oder aus dem Zusammenhang gerissen, dass man solchen Aussagen nur sehr begrenzt Glauben schenken sollte. Auch wieder ohne das verallgemeinern zu wollen: Ich habe als Journalist schon so oft erlebt, dass Menschen in Interviews falsche Behauptungen aufstellen, um sich wichtig zu machen, aus Geltungssucht oder weil sie vom Reporter direkt oder indirekt dazu gedrängt wurden, dass mich auch das grundsätzlich erst einmal sehr skeptisch gegenüber solchen Interview-Aussagen macht.

    Noch einmal deutlich: Ich will weder das eine noch das andere als Tatsache behaupten, weil ich es schlicht nicht mit Sicherheit weiß. Aber ich will auch auf keinen Fall wild herum spekulieren und insbesondere einfach nur so aus der Luft gegriffen einer Reederei Straftaten vorwerfen, nur weil’s so schön in gängige Vorurteile reinpasst …

    Am chinesischen Markt, das noch angemerkt, haben die Reedereien meines Wissens ein Konzept, bei dem das Trinkgeld in den Reisepreis einkalkuliert ist. Da funktioniert’s, so wie es auch bei Costa und NCL (und am deutschen Markt mit AIDA und TUI Cruises ohnehin) ebenfalls. Also eigentlich kein Grund, es hierzulande nicht auch einzuführen :-)

  38. Hans on November 23, 2017 at 6:44 pm

    Oki :-)

    Ich hoffe auch dieses Thema hat mal ein Ende und ist dann überall integriert.

    Dann steht auch nicht mehr z.b. bei Aida oder TUI Cruises groß geschrieben das dort das Serviceentgelt inkludiert ist.

    Das steht auch bei keinem Hotel extra, das gehört dort automatisch dazu.

  39. Eike on November 24, 2017 at 8:12 am

    Was den Informationsstand der philippinischen Mitarbeiter angeht, ist der selbst „auf dem platten Land“ recht gut. Meine Erfahrung sagt, daß die Menschen dort unglaublich gut vernetzt sind, und irgendwo in der recht umfangreichen Verwandtschaft ohnehin irgendwer mindestens jemanden kennt, der schon mal den Job gemacht hat. Und aus so einer Quelle bekommt man natürlich realistischere Zahlen als von der Recruiting-Agentur, denn wer den Job schon mal gemacht hat, kann auch abschätzen, wie viel neben dem offiziellen Gehalt und dem Anteil am Serviceentgelt auch an echtem Trinkgeld im Schnitt noch rum kommt.

    Die besagte Reportage über die Kellnerin bei einer nicht genannten Reederei ist mir auch bekannt – allerdings deckt sich trotz aller Skepsis* das, was dort gezeigt wurde mit dem, was mir sowohl ein Barkeeper bei Costa als auch ein Kellner bei AIDA erzählt haben, die beide vorher für einen Vertrag bei dieser Reederei waren und unabhängig voneinander gesagt haben, daß sie nie wieder bei diesem Unternehmen arbeiten wollen, während beide bereits mehrfach auf den Schiffen von Costa und AIDA waren. Die in der Reportage geäußerten Vorwürfe scheinen also mindestens mal nicht frei erfunden zu sein.

    *)Ich komme gerade nicht auf den Titel, aber vor einer Weile habe ich bei Youtube mal eine Reportage gesehen, bei der es angeblich um einen neuen Trend in Russland gehen sollte, daß Menschen dort Ballerspiele mit echten Waffen nachspielen würden. Die Geschichte wird als extrem gut recherchierte Reportage dargestellt, inklusive eines Deutschrussen, der extra um teilzunehmen nach Russland reist und vom Kamerateam begleitet wird. Nachdem er bei einer „Spielrunde“ erschossen wird, endet die „Doku“ mit einer Aufklärung, daß alles frei erfunden ist und nicht eine Sekunde des gezeigten Videomaterials überhaupt in Russland gedreht wurde. Spätestens wenn man das gesehen hat, lernt man, Medien eine gewisse Skepsis entgegen zu bringen…

  40. Franz Neumeier on November 24, 2017 at 8:19 am

    :-) Was man in der Journalisten-Ausbildung als zwei der wichtigsten Dinge für die Recherche lernt, ist: Fakten durch mindestens zwei, wirklich voneinander unabhängigen Quellen zu prüfen; und immer nach dem Motiv von Menschen zu fragen (warum erzählt er/sie mir das? welchen Zweck verfolgt er/sie damit vielleicht? warum könnte er die Wahrheit zu seinen Gunsten verdrehen?) – In diese Richtung zu denken schadet auch im „normalen Leben“ nicht: Alles, was ich nicht direkt nachprüfen kann, erst einmal skeptisch betrachten und die Möglichkeit in Erwägung ziehen, dass es falsch sein könnte. Das meine ich nicht im Sinne von „alles anzweifeln“, „alles negativ sehen“, sondern als gesunde Vorsichtsmaßnahme, um keine falschen Rückschlüsse zu ziehen, die mir und vor allem auch anderen ungerechtfertigterweise Schaden zufügen. Deshalb und aus viel Erfahrung heraus bin ich sehr vorsichtig damit, Menschen oder Unternehmen etwas vorzuwerfen, wenn ich mir nicht sicher bin. Sicher im Sinne von: ich kann es halbwegs beweisen, nicht im Sinne von „kann ja gar nicht anders sein“ (weil’s eben sehr wohl anders sein kann – nur mein Wissensstand oder Horizont nicht ausreicht, um die anderen Möglichkeiten zu erkennen) …

  41. Rainer Buch on November 24, 2017 at 12:37 pm

    Die Trinkgeldfrage ist auch für mich immer ein Thema gewesen, auf dass ich immer wieder mal gern eingegangen bin. Das im Preis inkludierte Trinkgeld ist für mich natürlich der angenehmste Weg, wenn nicht eine Erwartungshaltung zutage tritt, die zusätzliches Trinkgeld als unerlässlich ansieht. Insofern akzeptiere ich auch die Form der täglichen Kontobelastung des Servicebeitrages. Wir stellen an das Personal keine besonderen Ansprüche und kommen in den seltensten Fällen mit Sonderwünschen. Wir mögen es selbst nicht, wenn einige Gäste das Personal gern mal und immer wieder in Beschlag nehmen und stets Sonderbehandlung glauben, beanspruchen zu können. Aber es gibt aufmerksames Personal, die sich bestimmte Gewohnheiten ihrer Gäste merken. Da ist dann zum Beispiel die Kabine nach dem Frühstücken fertig; da steht z.B. automatisch die von uns abends gewünschte Mineralwasserflasche auf unserem Essplatz. Es gibt so manches was eine Kreuzfahrt angenehm machen kann. Solche Beispiele kleiner Automatismen sind uns am Liebsten. Diese belasten niemand und das Personal spürt die Freude ihrer Gäste, die dann – wie wir – sich zwischendurch oder doch eher kurz vor Ende der Cruise, mit einem Zusatztrinkgeld ganz unauffällig bedanken. Die Variante mit großen Dankesreden, überschwänglichen Abschiedszeremonien und den zu übergebenden großen Trinkgeld Umschlägen mit welchen Inhalten auch immer, liegt uns überhaupt nicht. Service ist wichtig, guter Service kann richtig glücklich machen, besonders dann, wenn man es auch schon anders erlebt hat.

  42. Harald on November 24, 2017 at 1:08 pm

    Trinkgelder wenn der Service ok, gut oder sehr gut ist. – na klar.

    Der Bericht ist aber bereits sehr einseitig…… schade gerade bei so einem wichtigen Thema.

    1. Solange die Reedereien an Bord damit prahlen, wie schnell sich ein Megaschiff amortisiert, gehe ich davon aus, der Crew könnten angemessene Gehälter gezahlt werden.

    2. ja, auch im Urlaub ärgere ich mich über einen schlampten Service ….. dann soll ich zu dem Serviceentgeld auch noch ein Trinkgeld zahlen, das zum Ausdruck bringt „alles ok!“

    3. diese scheinheilige DepTte kann sofort beendet werden, wenn die Preise der Kreuzfahrten angehoben werden und die Gehälter vom Reisepreis bezahlt werden. Nur weil es in USA schon immer so war, werden diese Szenarien in Europa als „normal“ übernommen???

    Ich würde gerne einen etwas höheren Reisepreis bezahlen, wenn ich mit der Reise / Service zufrieden bin. Meine Ansprüche sind wahrlich nicht hoch.

    Solange ich mich nicht als Kunde wertgeschätzt fühle, werde ich ein Trinkgeld nach meiner Zufriedenheit zahlen.

    Auf einer meiner letzten Reise , prahlten im Transferbus einige Damen damit, dass sie das Servicegelder komplett storniert haben………
    meiner Meinung nach, liegt eher hier das Problem der sportlichen Stornierer, als bei den Gästen die nur max. 10 % bei unqualifizierten Services hinterlegen.

    Wie schon anfangs geschrieben, halte ich den Bericht für sehr einfach gestrickt, wenn nicht sogar sehr naiv.

  43. Franz on November 24, 2017 at 1:21 pm

    @Harald: Ich glaube, ich habe recht deutlich gemacht, dass es sich hier in keiner Weise um einen „Bericht“ handelt, sondern um meine Meinung, um einen Denkanstoß, um eine Diskussionsgrundlage. Ich würde also bitten, erstmal genau hinzusehen, bevor mit Begriffen wie „einseitig“, „einfach gestrickt“ oder gar „naiv“ um sich geworfen wird. Diesen Respekt vor meiner Arbeit erwarte ich. Mich für kostenlosen (!) Inhalt auch noch beleidigen zu lassen, nur weil jemand nicht genauer hinschaut, dazu habe ich keine Lust.

    Das Thema Trinkgeld habe ich in sachlicher, journalistischer Form an anderer Stelle schon mehrfach und sehr ausführlich in allen Facetten dargestellt und diese Beiträge in den ersten Absätzen auch entsprechend verlinkt.

  44. Peter Stilbach on November 24, 2017 at 1:52 pm

    Ich staune, dass so viele Kreuzfahrten-Fans sich hier beteiligt haben. Das zeigt wie wichtig und inressant diees Thema ist und wie unterschiedlich die Meinungen sind.
    Als ich 1990/91 im Proviant der „Berlin“ (Deilmann) tätig war, galt folgende Regelung: Eine Box stand an der Rezeption. Deren Inhalt wurde gerecht unter der Crew ausgezahlt. So bekam ich z. Beisp. von meinem Abteilungsleiter/ Vorgesetzter das anteilige Geld in die Hand. Ob Offiziere etwas erhilten habe ich nicht mitbekommen. Die Gäste haben natürlich auch extra ihren Stewards/ Stewardessen etwas gegeben.
    2013/15 fuhr ich als Gast mit der „Berlin“ (FTI Cruises) wieder mit. Selbstverständlich gab ich für die hervorragende Leitung gerne das Trinkgeld. Ich denke, auf kleineren Schiffen wird durch den persönlicheren Kontakt eher freiwillig etwas gegeben als auf den „Großen“. Dort ist allein schon durch verschiedene Restaurants der Kontakt nicht so gegeben.
    Ich finde das Thema durch Franz und seine Ansichten gut. Ich habe mich hier gerne über Pay Pal für die Podcasts beteiligt.- In 5 Wochen gehts Silvester auf die „Color Fantasy“.

  45. Hans Meixner on November 24, 2017 at 3:00 pm

    Eine, eigentlich, unnötige Diskussion: Trinkgeld ist kein Lohnersatz. Trinkgeld gibt man freiwillig für einen extra, bzw. besonderen Service; und dieser Service wird eigentlich nur von den Crewmitglieder geleistet, welche im direkten Kontakt mit den Gästen sind. Eigentlich müsste sofort diese unsinnige Serviceentgelt- bzw. Trinkgeldregelung gestrichen werden. Die Reedereien sollten dann diesen „Aufschlag“ mit in den Endpreis einrechnen (ohne extra zu erwähnen!) und so Ihre Crews gerecht bezahlen. Dann könnte man das Trinkgeld, wie früher, persönlich den „verdienten“ Crewmitgliedern geben. Ein mit den Gästen in Kontakt stehender Mitarbeiter ist maßgeblich am Gelingen einer Kreuzfahrt mitbeteiligt. Eben durch seinen persönlichen „Extraservice“ fühlt sich dann ein Gast besonders geehrt oder auch, wenn der service schlecht ist, benachteiligt und wählt dann eine andere Reederei für seine nächste Kreuzfahrt. Fazit: Trinkgeld ist und darf kein Lohnersatz sein, sondern soll eben guten bzw. Extraservice belohnen.

  46. Hans Meixner on November 24, 2017 at 3:56 pm

    @Franz Neumeier
    Die Antwort auf @Harald finde ich etwas überzogen. Im Prinzip hat er ja recht. Das Verhalten der Reedereien mit der Bezahlung ist ja „Himmelschreiend“! Das allerdings auf die Kunden abzuwälzen mit z.B. dem Hinweis „Geiz ist geil“, usw ist fragwürdig und auch falsch, da die Preise ja nicht der Kunde macht. Dann mit den sogenannten Serviceentgelt die Löhne aufzustocken, aber dem Kunden freizustellen, das Serviceentgelt eventuell zu stornieren, ist einfach eine Umgehung der Vorschrift Endpreise anzugeben. So einfach ist das. Warum soll man jetzt dem Kunden quasi einreden er würde auf Kosten der gerechten Bezahlung aller Crewmitglieder handeln, wenn er das Trinkgeld storniert und dann an die Crewmitglieder ausbezahlt, welche ihm einen guten bzw. besseren Service als üblich geboten haben?

  47. Patrick on November 24, 2017 at 4:01 pm

    Zur Zahlung oder Nichtzahlung vom Zwangstrinkgeld: „Sie verstecken sich hinter der Verschwörungstheorie, das Geld könnte bei der Crew womöglich gar nicht ankommen. Sie hätten da mal so ein Gerücht gehört.“

    Nicht nur „mal gehört“, sondern mehrfach von Crewmitgliedern so bestätigt bekommen.

    Franz Neumeier on November 19, 2017 at 1:23 pm

    @Andre: Mache Reedereien (z.B. Royal Caribbean, Celebity Crusies) schlüsseln das ganz transparent centgenau auf. Bei anderen ist es eher etwas vage oder pauschal formuliert. Aber Angabe, was mit dem Trinkgeld passiert, machen eigentlich alle.

    „machen eigentlich alle“ heißt, daß es auch welche gibt, die es nicht veröffentlichen. ;-)
    Costa als Beispiel. Da ist das ein Geheimnis.

    Zur Ausgangsfrage: Ja, ich zahlte das Zwangstrinkgeld und gab „meinen“ Stewards bei gutem Service immer etwas Extra in bar. Als mir dann die Zwangsabgabe zu hoch erschien, habe ich die Reederei gewechselt und nun fahre ich mit Gesellschaften, die das Trinkgeld sofort mit einrechnen und gebe für guten Service noch immer extra.

  48. Franz on November 24, 2017 at 4:21 pm

    @Hans Meixner: In der Sache stimmen wird da ja völlig überein. Was mich an dem Kommentar gestört hat, ist der Umgangston.

    Nochmal deutlich betont: Ich will niemandem etwas einreden. Und ich finde die Methoden einiger Reedereien wie schon ausführlich beschrieben, genau so falsch. Was ich versuche zu sagen und hoffe, vielleicht doch noch verstanden zu werden: Das einzelne Crew-Mitglied ist auf das Trinkgeld angewiesen – egal, wie falsch die Politik der Reederei ist. Das ist ein Faktum, an dem wir nichts ändern können. Also halte ich es für meine Moralvorstellungen für falsch, es an den Crew-Mitgliedern auszulassen, dass mir die Politik der Reederei nicht passt.

    Anders gesagt: Für mich persönlich kommt nicht in Frage zu sagen: „Ich lass‘ mich zwar die ganze Reise lang vorne und hinten bedienen, aber was schert mich das Schicksal der Crew? Ist doch das Problem der Reederei.“ Und der Ausgangspunkt für alles hier war, dass ich wirklich verstehen will, warum andere Menschen da anders denken. Was sie dazu bewegt, ganz absichtlich und wissentlich die Crew leiden zu lassen, weil sie aus Prinzip die Regelung der Reederei falsch finden? Nur darum geht’s mir: Zu verstehen, warum manchen Menschen das Schicksal der Crew offensichtlich egal ist.

    @Patrick: Costa macht kein Geheimnis draus, sondern formuliert nur sehr schwammig „kommt der Crew zu Gute“. Wenn man nachfragt, erfährt man, dass das Geld für alle möglichen Dinge wie Crew-Ausflüge, Crew-Parties und Ähnliches verwendet wird. Das mag man jetzt als gut oder schlecht bewerten, aber ein Geheimnis ist es nicht. Zumindest hoffe ich, dass ich das jetzt nicht komplett falsch in Erinnerung habe … ;-)

  49. Hans Meixner on November 24, 2017 at 5:07 pm

    @Franz: Ich glaube nicht, dass den Leuten das Schicksal der Crew egal ist, im Gegenteil. Man kann das ja fast mit den „Bettlerbanden“ vergleichen: Da werden die „armen“ Bettler an den Straßenecken vorgeschickt und am Abend dann von de Verantwortlichen eingesammelt, das Geld kassiert und einen geringen Teil bekommen die Bettler. Auf dem Schiff wird ein Servicegebühr erhoben, welche dann auf die Crewmember verteilt wird mit, dem Hinweis, das wäre ein Extra für die Arbeit der Crew auf dem Schiff. Im Klartext: die Reederei lässt die Kunden 2 x bezahlen, um die geringen Löhne etwas „geringer“ ausfallen zu lassen! Ich weis mein Beispiel mit den Bettlerbanden ist etwas krass, aber so sollte man das gegenüber den Reedereien argumentieren. Andernfalls wird sich da nichts ändern. Ich handhabe auf meinen Kreuzfahrten (über 20) das meistens so, dass, wenn ein Serviceentgelt (das ja gottseidank nicht überall üblich ist) vorab einbehalten wird, ich die Hälfte bezahle und dann den Restaurantkellnern (mit Helfern) und dem Kabinensteward (mit Helfer) persönlich ein Trinkgeld gebe. Das finde ich gerechter, da wie vorher bereits erwähnt, genau dies Crewmitglieder mitverantwortlich sind, ob man wieder bei dieser Reederei ein Kreuzfahrt bucht.

  50. Harald on November 24, 2017 at 9:18 pm

    @Hans Meixner
    @Franz

    vielen Dank an Hans!

    ich wollte in der Tat Franz niemals beleidigen oder den Besserwisser spielen.
    Nur der Aufhänger von dem Bericht ärgerte mich bereits.
    Es las sich für mich sehr einengend, der nur eine Mitteilung zulassen wollte, eben pro Trink- / Servicegelder.

    ich versuchte nur (mit falschen Worten) zu verdeutlichen, dass ich die sinkenden Preise für ein Problem halte, das die Crew ausbaden muss.

    Nochmals eine ehrlich gemeinte Entschuldigung an Franz, wenn ich seine Eitelkeit verletzt haben sollte, war keineswegs mein Vorhaben.

    Denke für mich ist der Zeitpunkt gekommen, direkt an Tag 1 dieses Forum bereits wieder zu verlassen.

    Wünsche den fairen und offen denkenden Leuten hier noch tolle ungefärbte Diskussionen.

  51. Franz on November 25, 2017 at 8:41 am

    @Harald, ich glaube, wir haben uns da einfach in ein großes Missverständnis hineinmanövriert. Denn wir sind ganz offensichtlich in der Sache der gleichen Auffassung: dass die Service-Entgelt-Politik der damit agierenden Reedereien verfehlt ist und geändert werden sollte.

    Um es nochmal deutlich zu sagen: Ich bin absolut nicht „pro“ Service-Entgelt als Konzept, ganz im Gegenteil. Wofür ich plädiere, ist, nicht die Crew für eine falsche Politik ihrer Bosse zu bestrafen – deshalb mein Ansatz, die Serviceentgelte zähneknirschend trotzdem zu bezahlen, weil es eben Gehalt der Crew ist, die nichts dafür kann.

    Aber auch noch einmal gesagt, weil das anscheinend im Text nicht ausreichend rüberkommt: Es handelt sich um einen Meinungs-Beitrag, um meine, persönliche Meinung, die ich zur Diskussion stelle. Und um den Versuch, die konträre Sichtweise (= Streichen des Serviceengelts auf Kosten der Crew) zu verstehen.

    Das Thema Trinkgeld habe ich oft genug fachlich, detailliert, in allen Facetten dargestellt (https://www.cruisetricks.de/trinkgeld-auf-kreuzfahrt-schiffen/ , https://www.cruisetricks.de/zwangstrinkgeld-ein-aergernis-mit-langer-geschichte/ , https://www.cruisetricks.de/trinkgeld-die-leidige-diskussion/ , https://www.cruisetricks.de/unsitte-trinkgeld-warum-vieles-nicht-so-ist-wie-es-aussieht/ , https://www.cruisetricks.de/ufaqs/muss-ich-trinkgeld-geben/ , sowie ein Gastbetrag eines ehemaligen Carnival-/Windstar-Crewmitglieds: https://www.cruisetricks.de/sind-sie-ein-trinkgeld-muffel/ ). Das hier ist jetzt eben auch mal meine persönliche Meinung dazu; nicht mehr und nicht weniger.

  52. Hans Meixner on November 25, 2017 at 12:19 pm

    @Franz: Vielleicht ist die Überschrift falsch gewählt. Es geht ja eigentlich nicht um das Trinkgeld verweigern, sondern um das „gerechte Verteilen“ des Trinkgelds. Wenn einer das Trinkgeld komplett verweigert, ist das einfach nur Geiz und Ignoranz. Aber man sollte nicht akzeptieren, dass man mehr oder weniger gezwungen wird, ein Serviceentgelt zu bezahlen, bzw. dies ja schon vorab einem auf das Bord-Konto belastet wird. Zähneknirschend das zu akzeptieren ist der falsche Weg, da ja dann die Mitarbeiter, welchen eben den „Trinkgeldwürdigen“ Service bieten, „bestraft“ werden. Warum sollen die sich dann noch extra bemühen wenn’s doch nicht mehreinbringt, bzw. der Service nicht direkt gewürdigt wird?!? Bei den Getränken wird automatisch ein (horrendes) Serviceentgelt berechnet, dem man auch nicht widersprechen kann. Wo ist da die Gerechtigkeit? Viele der im Restaurant arbeitenden Crewmembers arbeiten auch im Service an den Bars.
    Die Reedereien reiben sich die Hände, werben mit niedrigen preisen und holen dann das Geld über solche (dubiosen) „Entgelte“ wieder zurück. Sollte das Schule machen, könnten Hotels und andere Dienstleister Nachziehen.. Dann zahle ich € 40,00 für eine Übernachtung und je nach Sterne 10 – 20 Euro Serviceentgelt, was dann vorab auf die Rechnung aufgeschlagen wird. Viele Städte und Gemeinden habe das ja schon eingeführt mit der „Bettensteuer“! Hier bestraft man die Touristen, weil sie eine Stadt oder Gemeinde besuchen möchten. Aber das ist ein anderes Thema.

  53. Franz on November 25, 2017 at 1:06 pm

    @Hans:

    Hmmm – ich glaube langsam wirklich, ich habe mich total missverständlich ausgedrückt. Ich wollte – und das dachte ich, hätte ich deutlich gemacht – in diesem Beitrag eben gerade *nicht* über die Frage diskutieren, ob das Service-Entgelt-System gerecht, sinnvoll, was-auch-immer ist. Das ist ja an anderer Stelle schon mehrfach geschehen. Und wir sind uns alle einig, dass es falsch ist.

    Mir ging es wirklich explizit um die Frage, warum manche Leute das Trinkgeld eben trotz all der angeführten Argumente verweigern – ja, tatsächlich verweigern. Insofern trifft die Überschrift das Thema, wie ich mir es vorgestellt habe. Und soll natürlich auch ein wenig provozieren, keine Frage ;-)

    Aber weil wir nun schonmal auch bei anderen Aspekten des selben Themas sind:

    >Aber man sollte nicht akzeptieren, dass man mehr oder weniger gezwungen wird,
    >ein Serviceentgelt zu bezahlen, bzw. dies ja schon vorab einem auf das
    >Bord-Konto belastet wird.

    Gezwungen wird man eigentlich nicht – denn es steht mir ja völlig frei, ob ich mit dieser Reederei fahre oder nicht. Also: Wenn ich keine Pizza mag, gehe ich nicht in die Pizzeria. Wenn ich keinen Fisch mag, gehe ich nicht ins Fischrestaurant. Okay, nicht ganz das gleiche, aber wir haben halt Marktwirtschaft: Einer macht ein Angebot, der andere kann es annehmen – dann kommt ein Vertrag über das angebotene Gesamtpaket zustande. Oder der andere lehnt es ab, weil ihm die Bedingungen nicht gefallen, dann kommt kein Vertrag zustande. Dann wird der Anbieter mit unfairen, ungerechten Vertragsbestandteilen kein Geschäft mehr machen. Will keiner mehr mit einem Anbieter einen Vertrag schließen, wird der sein Angebot ändern, um wieder ins Geschäft zu kommen. Oder wie z.B. NCL schonmal proaktiv erkennen, dass „all inkl.“ am deutschen Markt attraktiv ist und es gleich so anbieten.

    Nehmen aber viele Leute den eigentlich nicht akzeptablen Vertrag an und versuchen dann, die nicht passenden Vertragsvereinbarungen (denn nichts anderes ist es letztlich) irgendwie zu umgehen und auszutricksen, dann lacht sich der Anbieter doch ins Fäustchen und denkt sich: „kann ja nicht so schlimm sein, das Geschäft läuft“. Leidtragende sind alle oder manche Crewmitglieder – und da bin ich wieder bei meinem Ausgangsargument: genau die sollte es eben nicht treffen.

    Noch eine Anmerkung, die etwas weiter vom Thema wegführt, die ich aber wichtig finde:

    >Warum sollen die sich dann noch extra bemühen wenn’s doch nicht mehr einbringt, bzw. der Service nicht direkt gewürdigt wird?

    Das ist, in meine Augen, so ein Mythos, der sich hartnäckig hält: Geld als zusätzliche Motivation (vorausgesetzt natürlich, das Grundgehalt ist fair). Geld motiviert nur in sehr begrenztem Umfang und nicht über längere Zeiträume. Insbesondere auch, weil Gewohnheitseffekte einsetzen. Die ersten drei Monate nach der Gehaltserhöhung findet man das noch toll, beim Weihnachtsgeld fällt’s nochmal deutlich positiv auf, aber danach ist man im selben Unzufriedenheits-Trott wie zuvor.

    Meine Erfahrung (gut zehn Jahre als Chefredakteur einer Redaktion mit rund 40 Mitarbeitern und davor als Redakteur, also die Sicht „von unten“) haben mir gezeigt, dass Motivation über viele andere Wege deutlich besser und nachhaltiger funktioniert als über Geld. Allerdings setzt das fähige Führungskräfte voraus, die tatsächlich motivieren wollen. Viel entscheidender sind nämlich Faktoren wie Verantwortung/eigenständiges Arbeiten, Spaß, gute Rahmenbedingungen, freundlicher/fairer Umgang mit Kollegen und Chefs und v.a. Förderung der jeweils individuellen Talente. Wenn jemand als Kellner gut ist und als Kabinensteward arbeiten muss, wird er nicht motiviert sein, um nur ein ganz triviales Beispiel zu nennen. Oder ich habe mal einen Kellner getroffen, der ein talentierter Sänger war – für die Bühne hat’s nicht gereicht (außer bei der Crew-Show), aber er wurde dann halt als Kellner in einem lockeren, kleineren Spezialitätenrestaurant eingesetzt, wo er beim Servieren der Desserts an jedem Tisch einen Song schmettern durfte – er war glücklich und die Gäste auch. Der Service war exzellent, ganz ohne Trinkgeld, ob per Zwang oder freiwillig.

    Das wirklich nur als spontanes Beispiel, warum Motivation anders besser funktioniert als über Geld. Der ständige Gedanke an Trinkgeld macht Service nicht wirklich gut. Anders herum leisten Leute exzellenten Service, wenn die zuvor genannten Aspekte passen, auch wenn sie kein Trinkgeld erwarten können – Extrembeispiel: Seadream – dort darf die Crew explizit kein Trinkgeld annehmen. Einen besseren, persönlicheren, ehrlich motivierteren Service habe ich dennoch noch nie erlebt.

  54. Hans Meixner on November 25, 2017 at 1:33 pm

    @Franz: Ist schon interessant darüber zu diskutieren. Leider sin die meisten Berufe, welche im Dienstleitungssektor beheimatet sind. abhängig vom Trinkgeld: Friseure, Kellner, Reisebusfahrer, Reiseleiter u. -führer, Hotelpersonal wie z.B. Zimmereinigung, usw.
    Um bei der Kreuzfahrt zu bleiben: früher war es so, dass man nach einer Kreuzfahrt ca. 5 % des Reisepreises auf die Kellner und dem Kabinenpersonal aufteilte. Das hat sich mit den heutigen Preisen und der stark veränderten Kreuzfahrt-Mentalität geändert.
    Die kleineren Schiffe und Reedereien, wie z.B. SeaDream, sind natürlich sehr Hochpreisig und qualitativ sehr hochwertig, gerade beim Personal. Da macht es auch noch Spaß (sofern man es sich leisten kann) ein Kreuzfahrt zu unternehmen. Das Leben da an Bord ist mehr oder weniger noch familiär und die Crew kennt die meisten Passagiere mit Namen. War gerade auf einer kleineren Motorsegeljacht mit ca. 35 pax unterwegs, ist schon etwas anderes als so ein großer „Dampfer“. Da freut man sich dann auch, wenn man am Ende der Kreuzfahrt seine Zufriedenheit mit einem Trinkgeld u. anderem zum Ausdruck bringen kann.
    Die heutigen Kreuzfahrten der großen Reedereien sind meiner Meinung nach schwimmende Resorts und ermöglichen es einen großen Kundenkreis zu Destinationen zu bringen, die sonst nicht möglich wären, was natürlich seinen Vorteil hat.
    Es wäre aber nur fair, wenn die Kreuzfahrgesellschaften das Serviceentgelt extra ausweisen würden und dann aber im Endpreis mit einkalkulieren, wie eben bei den Bar- und Getränkeserviceentgelt. Bei der Einführung dieses Serviceentgelts waren sich ja auch fast alle großen Reedereien einig.

  55. Franz on November 25, 2017 at 2:31 pm

    Dem ist nichts hinzuzufügen :-)

  56. Hans on November 26, 2017 at 11:33 pm

    Ich hatte bei meinen Kreuzfahrten das Serviceentgelt noch nie gestrichen aber ich kann schon auch verstehen warum es manche Gäste tun.

    Das Leben wird immer teurer, Miete usw. also den Leuten bleibt immer weniger Geld in der Tasche da versuchen immer mehr Gäste Geld zu sparen wo es nur geht.

    Und nochmals ich bin absolut überzeugt das es nicht nur Deutsche so oft tun.

    Es machen sich wohl so viele Sorgen über die Angestellten der Schiffe aber jeder kauft Waren hauptsache billig und macht sich sicher keine Gedanken darüber was die Leute dort in den Fabriken wie zb in Bangladesh und zu welchen Bedingungen arbeiten dazu noch zu Löhnen wo sie von den Löhnen auf Kreuzfahrtschiffen nur träumen können.

    Nebenbei hat die Produktion in diesen Billiglohnländer oder in den ehemaligen Ostblockländern auch genug Arbeitsplätze bei uns gekostet deshalb würde so gut wie keiner mehr geld freiwillig ausgeben.

    Oder es wird immer mehr bei Amazon gekauft wo man von den schlechten Arbeitsbedingungen dort weiß bzw. viele Läden schliessen müssen da sie sich nicht mehr qualifiziertes Personal leisten können.

    Ich habe manchmal das Gefühl auch in Kreuzfahrtforen überall schaut jeder wo er sparen kann nur zum Thema Zwangstrinkgeld wird auf Gentleman gemacht ….

  57. Franz Neumeier on November 27, 2017 at 7:12 am

    @Hans: Okay, so langsam dämmert mir da eine Vorstellung für das „warum“ … Vielleicht habe ich mich bislang einfach dem Grundgedanken unbewusst verweigert, dass das Problem wirklich so tief sitzt.

    Und natürlich hast Du schon Recht, dass es nicht nur die Deutschen sind. Was mir Reedereien allerdings schon immer wieder bestätigt haben ist, dass Deutsche/Österreicher da besonders auffallen. Vielleicht auch deshalb, weil sie nicht nur still streichen, sondern auch laut darüber streiten ;-)

  58. Hans Meixner on November 27, 2017 at 2:24 pm

    @Hans
    So ganz kann ich Ihre Argumentation nicht verstehen. Wenn ich mir eine Kreuzfahrt nicht leisten kann, wird’s wohl nicht am „Serviceentgelt“ liegen. Und das mit Amazon ist auch falsch. Hatte die Gelegenheit die Firma zu besuchen. Die Arbeitsbestimmungen sind dort nicht so schlecht und die meisten Angestellten beschweren sich auch nicht. Allein die Gewerkschaften organisieren die Streiks wegen einer anderen Einstufung der Arbeit, nicht wegen deren Bedingungen.
    Leider ist auch der „Service“ in vielen Geschäften nicht gerade Kundenfreundlich. Dafür ist ja Deutschland weltweit bekannt dafür, leider! Immer nur auf die Online Händler zu schimpfen ist auch keine Lösung. Mal über einen kundenfreundlichen Service nachdenken und auch praktizieren wäre weitaus sinnvoller.
    Wenn ich zum Beispiel Apple oder andere große „Brand-Name“ anschaue, die verdienen unverhältnismäßig viel, verlangen abnorm hohe Preise und lassen fast ausschließlich in Asien bzw. Billiglohnländer produzieren. Wie soll denn der Verbraucher kontrollieren, wie und was der dortige Arbeiter für das gekaufte Produkt verdient?!?
    Ich finde jedenfalls die Handhabung der Kreuzfahrtgesellschaften nicht richtig, das „Serviceentgelt“ ungefragt auf das Bordkonto zu belasten. Trinkgeld sollte immer persönlich vom Kunden den Personen übergeben werden, welche eben einen besonderen Service anbieten und das ist nicht der Koch, Bäcker, Maschinist, usw., welche nie mit dem Gast in Berührung kommen. Der macht seine Arbeit wie jeder andere in seinen Beruf. Das Serviceentgelt ist eine versteckte Preiserhöhung die nichts mit einem Trinkgeld zu tun hat. Außerdem: wie kann man kontrollieren, wenn man dieses Serviceentgelt streicht, ob der Kunde nicht doch Trinkgeld an den Kabinensteward und dem Restaurantpersonal persönlich gibt?

  59. Markus on November 29, 2017 at 1:21 pm

    Ich möchte die hier genannte NCL noch einmal aufgreifen.
    Wie kann es sein,dass auf dem deutschen Markt die Reisen wie folgt angeboten werden
    All incl, keine Tips, keine Steuer
    auf den anderen Märkten jedoch zu den includierten Getränken Tip und Steuer aufgeschlagen werden.
    Dazu noch die Service Charge…

    Das ganze dann bei sehr vergleichbaren Preisen für die identische Reise,
    Sorry, wenn der deutsche Preis, ein Preis ist bei dem NCL nichts drauflegt, hiervon gehe ich mal aus,
    verdient sich NCL an den nicht deutschen Gästen eine goldene Nase.

    In sofern sollten alle nicht in Deutschland gebuchten Gäste die Tips streichen, da der von Ihnen abverlangte Preis ja auskömmlich zu sein scheint.

  60. Franz on November 29, 2017 at 1:25 pm

    @Markus: Ein Preisvergleich ist da m.E. nur bei den Katalog-Preisen sinnvoll und da liegen die deutschen Preise deutlich höher. Die jeweiligen Tagespreise hängen von zahlreichen Faktoren ab und können deshalb in unterschiedlichen Märkten unterschiedlich stark schwanken. Was man bei internationalen Preisvergleichen auch nie übersehen darf sind unterschiedliche Gesetze, sprich: unterschiedliches Haftungsrisiko von Veranstaltern und ähnliche Einflussfaktoren. So schön es also wäre: Die Preise zwischen verschiedenen internationalen Märkten zu vergleichen ist kompliziert …

  61. Hans Meixner on November 29, 2017 at 1:47 pm

    @Markus: Die Preise (im außereuropäischen) Ausland sind für die reine Kreuzfahrt meist billiger als bei uns in D., da z.B. in den USA, zum Teil Asien, die Hafengebühren und Steuern extra berechnet werden.

  62. Markus on Dezember 1, 2017 at 2:26 pm

    ich weiss schon von was ich rede – dem finalen Endpreis, den ich für eine Reise auf dem Tisch lagen muss.
    Sorry, aber hier mit unterschiedlichen Märkten zu argumentieren geht an der Sache vorbei.

    Wer wirklich glaubt die Crew bekommt ein höheres Basisgehalt, nur weil auf diesem oder jenem Schiff der NCL
    mehr deutsche Gäste gebucht sind, glaubt auch dass Zitronenfalter Zitronen falten…

  63. Franz on Dezember 1, 2017 at 6:43 pm

    Markus: Gleich beleidigend zu werden, nur weil wir vielleicht unterschiedlicher Meinung sind, finde ich etwas fehl am Platze …

    Ich habe nicht gesagt, dass die Crew ein höheres Basisgehalt bekommt. Das Servieentgelt wird kalkulatorisch auf die Preise aufgeschlagen und der Crew ausgezahlt, so wie sie sonst das Geld auf andere Weise bekommt. Ob ich es dem Passagie gleich bei der Buchung berechne oder erst dem Bordkonto belaste, läuft aufs gleiche hinaus. Letztlich zahlt es der Passagier, egal auf welchem Weg.

    Und mit unterschiedlichen Märkten zu argumentieren, geht meiner Meinung nach überhaupt nicht am Thema vorbei. Denn der Verkauf ist bei vielen Reederei eben nunmal in unterschiedliche Märkte gegliedert und da spielt eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle bei der Preisgestaltung, beispielsweise die strategische Bedeutung eines Marktes, aber bei der Ermittlung der Tagespreise eben auch, inwieweit das geplante Kontingent an Kabinen im jeweiligen Markt auch planmäßig abverkauft wird.

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