Privatinseln und Strand-Resorts in der Karibik sind für Kreuzfahrt-Reedereien mehr als nur Badestopps, sie sind strategische Investitionen. Unter den großen Kreuzfahrt-Unternehmen läuft ein rasantes Wettrennen um die attraktivsten Angebote. Was hinter dieser Entwicklung steckt und warum eigene Destinationen für die Reedereien so wichtig sind, zeigt unsere Analyse.
Was 1977 als beschaulicher Badestopp auf einer der Bahamas Out Islands begann, hat sich für die Kreuzfahrt-Reedereien zu wichtigen, strategischen Investitionen entwickelt: Privatinseln und eigene Destinationen.

20 bis 25 Prozent der Hafenstopps bei Karibik-Kreuzfahrten finden heute auf Privatinseln oder an Privatresorts statt. Bei Royal Caribbean International liegt im Jahr 2026 für über 70 Prozent der Karibik-Passagiere ein Privatinsel-Stopp auf der Fahrtroute.

Die Bedeutung der eigenen Destinationen spiegelt sich auch in den Formulierungen der Reedereien etwa in ihren Geschäftsberichten wider. Am offensivsten geht Royal Caribbean aktuell mit diesem Thema um. In ihrer Mitteilung an die Aktionäre zur Hauptversammlung 2026 bezieht Royal Caribbean sie erstmals direkt in die Unternehmensbeschreibung ein: „Wir sind ein weltweit führendes Reiseunternehmen, dessen Angebot Kreuzfahrten, exklusive Reiseziele und Urlaubserlebnisse an Land umfasst.“
Themen in diesem Beitrag:
- Warum haben eigene Destinationen für die Reedereien eine so große Bedeutung?
- Privatinseln und Privatresorts der Kreuzfahrt-Reedereien heute
- Milliarden Dollar für eigene Destinationen
- Eine Idee, die anfangs niemand übernehmen wollte
- Was hat sich seitdem so grundlegend geändert?
- Privat-Destinationen bringen den Reedereien vor allem: Kontrolle
- Gut für die lokale Wirtschaft, ohne die Nachteile des Overtourismus
- Kritische Aspekte: Umwelt- und Naturschutz, Wetter, Sicherheit
Warum haben eigene Destinationen für die Reedereien eine so große Bedeutung?
Die größten Kreuzfahrtschiffe stoßen an die Grenzen dessen, was die touristische Infrastruktur an Land aufnehmen kann. Vor allem dann, wenn die Zahl dieser Megaschiffe in Zukunft weiter steigen soll. Deshalb brauchen die Reedereien mehr Kontrolle über den landseitigen Teil von Kreuzfahrten, für Planungssicherheit und für weiteres Wachstumspotenzial.

Die absoluten Zahlen sind deutlich: Rund zwölf Millionen Passagierbesuche verzeichneten die Privatinseln und -resorts der Reedereien im Jahr 2025. Das entspricht Cruisetricks.de-Berechnungen zufolge bis zu einem Viertel aller Hafenstopps in der Karibik. Dieser Wert lässt sich zwar nicht exakt bestimmen, weil keine präzisen Statistiken zu den Hafenstopps in der Karibik insgesamt vorliegen. Aber die Dimensionen werden damit dennoch klar.
16,27 Millionen Passagiere unternahmen laut Branchenvereinigung Clia im Jahr 2025 eine Kreuzfahrt in der Karibik. Unsere Hochrechnungen aus den Passagierzahlen der einzelnen Häfen lassen auf insgesamt mindestens 48 Millionen Hafenstopps schließen, und davon entfallen etwa zwölf Millionen auf Privatinseln und -resorts.
Privatinseln und Privatresorts der Kreuzfahrt-Reedereien heute
Der Begriff „Privatinseln“ umfasst in dieser Analyse auch Privatstrände und exklusive Privat-Resorts mit eigener Pier.
Bei den Zahlen und Übersichten unberücksichtigt bleiben Reederei-eigene Hafenanlagen oder Piers wie beispielsweise Carnivals Puerto Maya in Cozumel und Grand Turk Cruise Center, die allerdings ebenfalls einige Vorteile der privaten Destinationen mit sich bringen. Die Bedeutung dieser Anlagen ist nicht zu unterschätzen, bringen sie dem jeweiligen Unternehmen wegen des bevorzugten Zugriffs auf die Liegeplätze doch zumindest Vorteile in der Routenplanung.
Einen Teil dieser Vorteile bieten auch exklusive Beach Clubs als alternatives Landprogramm in besonders überlaufenen Häfen. Die Beach Clubs bleiben in der Analyse aber wegen etwas anderen Rolle dennoch unberücksichtigt.

Die folgende Liste gibt einen Überblick über die derzeit bestehenden Privatinseln und Privatresorts der Kreuzfahrt-Unternehmen:
- Grand Bahama Island: Celebration Key (Carnival Corp)
- Bahamas Out Islands:
- Castaway Cay (Disney)
- Lookout Cay (Disney)
- Great Stirrup Cay (NCLH)
- Little Stirrup Cay / Coco Cay (Royal Caribbean Group)
- Princess Cays (Carnival Corp)
- Half Moon Cay (Carnival Corp)
- Ocean Cay (MSC Cruises)
- Dominikanische Republik:
- Amber Cove (Carnival Corp)
- Catalina Island (über die Jahre von verschiedenen Reedereien genutzt; bei MSC bald als „Sugar Beach“)
- Haiti: Labadee (Royal Caribbean Group), zurzeit ungenutzt
- Belize: Harvest Caye (NCLH)
- Honduras: Mahogany Bay / Isla Tropicale (Carnival Corp)
Milliarden Dollar für eigene Destinationen
Mindestens 2,3 Milliarden Dollar haben die großen Kreuzfahrt-Unternehmen nach Cruisetricks.de-Recherchen in den vergangenen 15 Jahren allein in Privat-Inseln und Hafen-Resorts investiert.
Noch nicht mitgezählt sind dabei die projektierten Kosten für das vorerst gescheiterte „Perfect Day Mexico“, das nach Angaben der mexikanischen Regierung aber an einem anderen Standort realisiert werden könnte. Über eine Milliarde Dollar wollte die Reederei dafür insgesamt ausgeben; den Hafen Costa Maya und angrenzendes Land hat Royal Caribbean dafür bereits für 292 Millionen Dollar gekauft. Auch die nicht bezifferten Kosten für den Bau von Sandy Cay durch MSC Cruises als Nachbarinsel zu Ocean Cay sind da noch nicht enthalten.

In Coco Cay hat Royal Caribbean beispielsweise in die große Ausbaustufe von 2019 rund 250 Millionen Dollar investiert. Norwegian Cruise Line Holdings hat in Great Stirrup Cay in den vergangenen 15 Jahren mindestens 400 Millionen Dollar gesteckt. In Celebration Key auf Grand Bahama Island hat Carnival wohl etwa 600 Millionen Dollar investiert, in Half Moon Cay noch einmal 80 Millionen Dollar.
Das Privat-Resort Celebration Key hat Carnival erst am 19. Juli 2025 eröffnet und bereits im ersten Jahr rund 2,5 Millionen Passagiere dorthin gebracht. Für 2027 plant Carnival schon rund 3,5 Millionen Passagiere für Celebration Key. Bis zu vier Schiffe mit rund 13.000 Passagieren gleichzeitig können dort inzwischen nach einer Pier-Erweiterung im September 2026 anlegen. Dazu gehören auch solche von AIDA und Princess Cruises.

Und auch wenn es keine Investition direkt in eine Kreuzfahrt-Destination ist: Die vereinbarte Übernahme von 50 Prozent der Sandals Resorts International durch die Royal Caribbean Group für drei Milliarden Dollar ist ebenfalls in diesem Zusammenhang zu sehen. Denn Sandals hat insgesamt 22 Resorts in Antigua, Bahamas, Barbados, Curaçao, Jamaika, Grenada, Saint Lucia, St. Vincent und Turks & Caicos, die sich auf die eine oder andere Weise als Kreuzfahrt-Destination mitnutzen lassen könnten.
Eine Idee, die anfangs niemand übernehmen wollte
Als NCL 1977 als erste Reederei die Privatinsel-Idee entwickelte, zog das bei den übrigen Reedereien nicht, wie Privatinsel-Pionier Bruce Nierenberg erinnert. Er schickte damals bei NCL als Executive Vice President die ersten Schiffe nach Great Stirrup Cay. Das Interesse an der Idee hielt sich bei der Konkurrenz in Grenzen, sagt Nierenberg, weil sie Einbußen bei den Casino- und Getränkeumsätzen befürchteten, wenn sie einen Inselstopp statt eines Seetags einlegten.

Erst sechs Jahre später zog die Konkurrenz langsam nach, unter anderem Eastern Cruise Lines, deren Nachfolgerin Admiral Cruises 1988 an Royal Caribbean ging, mit der Nachbarinsel Little Stirrup Cay, dem heutigen „Perfect Day Coco Cay“.
Was hat sich seitdem so grundlegend geändert?
Der entscheidende Unterschied zu den Anfangsjahren der Privatinseln ist die enorme Größe moderner Kreuzfahrtschiffe. Brachte NCL 1977 mit der „Sunward II“ gerade einmal rund 700 Passagiere nach Great Stirrup Cay, haben Megaschiffe wie die Icon of the Seas heute über 6.000 Passagiere – und mit zunehmender Zahl so großer Schiffe wird es schwieriger, dafür ausreichend geeignete Häfen zu finden.

„Private Destinationen werden überproportional häufig von den größten Kreuzfahrtmarken und deren größten Schiffen angelaufen“, sagt Larry Pimentel, früher CEO von Seadream, Seabourn, Cunard, Azamara und heute an der Florida International University tätig, gegenüber Cruisetricks.de. Deshalb seien „einige der strategisch wichtigsten Investitionen der Kreuzfahrtbranche nicht mehr die Schiffe selbst, sondern die in Destinationen.“
Es überrascht nicht, dass Royal Caribbean in der rasanten Entwicklung seit einigen Jahren der Vorreiter geworden ist. Denn die Reederei hat mit der Oasis- und Icon-Class auch die meisten der ganz großen Kreuzfahrtschiffe.
Privat-Destinationen bringen den Reedereien vor allem: Kontrolle
Wenn Reedereien eigene Terminals und Piers, Beach Clubs, Privatinseln und -resorts entwickeln, geht es im Wettbewerb untereinander und mit anderen Urlaubsformen vor allem um eines: Kontrolle.
Wenn Liegeplätze rar werden, Destinationen aus Umweltschutz- oder Overtourismus-Gründen die Zahl von Passagieren und Schiffen in ihren Häfen limitieren, die Kreuzfahrt insbesondere auch bei den ganz großen Schiffen aber weiter wächst, brauchen Reedereien Planungssicherheit. Und die bekommen sie, wenn kritische Infrastruktur in ihren eigenen Händen liegt.

Daneben haben die privaten Destinationen weitere, wichtige Vorteile, die teils mit dem Hauptaspekt „Kontrolle“ zusammenhängen:
- Privatinseln nehmen Urlauber auf, ohne die an Land häufig auftretenden Overtourismus-Probleme zu verursachen.
- Eine geostrategisch günstige Lage solcher Privatdestinationen spart den Reedereien Geld, denn sie verkürzt die Fahrtstrecken, ermöglicht reduzierte Fahrtgeschwindigkeiten und verringert damit deutlich den Treibstoffverbrauch, einen der größten Kostenfaktoren in der Kreuzfahrt.
- Auch operativ sind Privatinseln für die Reedereien wertvoll: Benötigt man beispielsweise wegen schlechter Wetterbedingungen einen Ausweichhafen, ist das mit selbst kontrollierten Häfen deutlich unkomplizierter zu organisieren.
- Privatinseln sind so konzipiert, dass sie auch bei den größten Schiffen für diese Passagierzahlen ausreichende Infrastruktur an Land bereithalten.
- Auf Privatinseln haben die Reedereien volle Kontrolle über das Erlebnis und können es exakt auf ihre Marken und Kunden zuschneiden, auf den Inseln und in den Resorts das gleiche Ambiente, die gleichen Features anbieten wie auf den Schiffen.
- Privat-Destinationen sind ein wichtiger Wettbewerbsvorteil, denn sie sind exklusiv. Wer sie besuchen will, hat nicht die Wahl zwischen verschiedenen Anbietern.
- Und, aus Sicht der Passagiere das Wichtigste: Sie sind beliebt und erhalten nach Angaben der Reedereien in deren Zufriedenheitsbefragungen die besten Bewertungen.
Die Privatinseln und -resorts sind bei den Passagieren so beliebt, dass beispielsweise Carnival Cruise Line oder Princess Cruises auf vielen drei- oder viertägigen Kurzkreuzfahrten ab Florida neben dem obligatorischen Nassau ausschließlich Privatinseln anlaufen. Selbst bei einigen Sieben-Nächte-Kreuzfahrten beinhalten die Fahrtrouten gleich zwei oder gar drei dieser privaten Destinationen.
Gut für die lokale Wirtschaft, ohne die Nachteile des Overtourismus
Ein weiterer Faktor spielt den Reedereien bei der schnellen Entwicklung der Privat-Destinationen in die Hände, vor allem auf den Bahamas: Die Projekte schaffen lokale Arbeitsplätze im Tourismus, aber auch in der Baubranche, sie bringen zusätzliche Einnahmen für die lokale Wirtschaft und den Staat – und das alles ohne die negativen Folgen von Overtourismus, die in immer mehr regulären Kreuzfahrt-Destinationen auftreten, von Juneau in Alaska bis Barcelona in Spanien.
Ganz ohne Widerspruch der Bevölkerung geht es zwar auch auf den Bahamas nicht. Aber die Vorteile auch für die lokale Bevölkerung überwiegen zumeist deutlich. Simon Wilson, als Financial Secretary ranghöchster Beamter im Finanzministerium der Bahamas, sprach im August 2025 im Rotary Club of West Nassau über das „vielleicht stärkste Wirtschaftswachstum, das die Bahamas in zwei Jahrzehnten erlebten“ und führte das vor allem auf einen starken Anstieg des Kreuzfahrttourismus und die damit verbundenen Investitionen zurück. Vor allem Ocean Cay, Half Moon Cay, Great Stirrup Cay und weitere private Destinationen hätten das Wachstum bei Investitionen und im Bauwesen vorangetrieben, und das werde sich fortsetzen.

Bestärkt durch einen Report des Internationalen Währungsfonds (IWF) sehen die Bahamas die Kreuzfahrt zunehmend als starken Wirtschaftsfaktor. Das hätten die Bahamas zuvor unterschätzt, stellte der IWF fest.
Seit 2024 ist auf den Bahamas auch schon eine Ausnahmeregelung weggefallen, die Kreuzfahrt-Reedereien von der Mehrwertsteuer befreit hatte. Auch müssen Crew-Mitglieder, die auf den Privatinseln arbeiten, eine Arbeitserlaubnis vorweisen und die Reederei muss für sie eine Gebühr an die Einwanderungsbehörde zahlen. Das soll mehr Arbeitsplätze für Einheimische schaffen.
Und die Reedereien bezahlen auch für das Anlegen an ihren Privatinseln Gebühren – etwas vergünstigt, wenn sie zusätzlich einen regulären Bahamas-Hafen wie Nassau oder Freeport anlaufen.
Eine Studie der Florida-Caribbean Cruise Association (FCCA) reklamiert für 2023/24 knapp 14.000 direkte und indirekte Jobs und eine jährliche Gehaltssumme von zusammen 250 Millionen Dollar in Zusammenhang mit der Kreuzfahrt auf den Bahamas. Und allein die Passagiere gaben im selben Jahreszeitraum auf den Bahamas demnach 473 Millionen Dollar an Land aus. 21,2 Millionen kamen von Crew-Mitgliedern und 160 Millionen laut FCCA-Studie von den Reedereien, beispielsweise über Hafengebühren.
Kritische Aspekte: Umwelt- und Naturschutz, Wetter, Sicherheit
Ein kompletter Selbstläufer sind die Privat-Destinationen dennoch nicht. Und je mehr die Reedereien die Entwicklung vorantreiben und immer neue Projekte starten, desto aufmerksamer schauen ihnen Regierungen, NGOs und die lokale Bevölkerung auf die Finger. Auch die Abhängigkeit von lokalen Lieferketten nennen Reedereien inzwischen als Risikofaktoren in ihren Geschäftsberichten.
Widerstand gab es zuletzt beispielsweise von Umweltschützern bei Disneys „Lookout Cay at Lighthouse Point“. In Mexiko hat Druck aus der Bevölkerung sogar dazu geführt, dass die Regierung die Genehmigungen für das milliardenschwere Projekt „Perfect Day Mexico“ von Royal Caribbean in Costa Maya vorerst verweigert hat.
Wenig Erfahrung haben Reedereien zudem mit Risiken, die sie mit ihren Schiffen elegant umgehen können: Hurrikans haben in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, wie verletzlich Karibik-Destinationen sind. Und die politische Lage auf Haiti macht es Royal Caribbean seit 2024 und mindestens noch bis Juni 2027 unmöglich, den Privatstrand Labadee zu nutzen.
Der Vorteil der Schiffe, bei Störungen sehr flexibel reagieren zu können, entfällt bei den Inseln und Resorts. Denn anders als bei den Kreuzfahrtschiffen können die Reedereien sie nicht kurzerhand aus der Gefahrenzone heraus verlegen.
