Filippos Venetopoulos, General Manager Marine at Intrepid Group

„Wir wollen Marktführer bei Small Ship Adventure Cruising werden.“

Intrepid Travel ist zwar erst seit 2017 im Kreuzfahrtgeschäft, an Land aber ein großes und erfahrenes Reiseunternehmen, das seit 1989 aktiv ist. In Australien beheimatet stehen bei Intrepid Aspekte wie Nachhaltigkeit, sanfter Tourismus, Kontakt zu Einheimischen und authentisches Erleben für die Reisenden im Vordergrund.

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Auf der „Adventure Cruise“ mit der Segelyacht Panorama nach Island von Reykjavik nach Akureyri entlang der Nordost-Küste und zu den Westfjorden habe ich mich ausführlich mit dem General Manager Marine der Intrepid Group, Filippos Venetopoulos, über das Konzept und die Strategie von Intrepid Travel in der Kreuzfahrt unterhalten.

Interessanter Randaspekt: Filippos Venetopoulos ist der Sohn des Eigners von Variety Cruises, Lakis Venetopoulos, bringt also viel Erfahrung aus dem elterlichen Kreuzfahrt-Geschäft mit. 2017 ist er von Griechenland nach Melbourne in Australien umgezogen, um das „Adventure Cruising“ bei Intrepid Travel einzuführen und weiter zu entwickeln.

Was unterscheidet „Small Ship Adventure Cruising” bei Intrepid Travel von anderen Kreuzfahrten auf kleinen Schiffen?

Für uns geht es bei Adventure Cruising ums Entdecken und Erkunden neuer Orte, um Aktivitäten an Orten, die man sonst auch auf Reisen mit kleinen Schiffen nicht wahrnimmt.

Zum Beispiel: Freizeit für eigenes Erkunden zu haben, also die Häfen wirklich selbständig erkunden, Dinge aus einem persönlichen Blickwinkel heraus sehen und auf eine Weise, wie Du selbst es erleben willst.

„Wir lassen unseren Reisenden auch sehr viel individuelle Zeit.”

Im Gegensatz dazu sehen wir andere Kreuzfahrten mit kleinen Schiffen eher so, dass da vorgegebene Ausflüge und Aktivitäten im Vordergrund stehen. Die Reedereien bringen Dich an einen Ort, Du schaust Dir das an und gehst wieder, rein und wieder raus, auf eine recht schnelle Weise. Während wir unseren Reisenden auch sehr viel individuelle Zeit lassen.

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Ein weiterer Unterschied zwischen Small Ship Cruising und unserem Adventure-Travel-Konzept sind bei uns die inkludierten Aktivitäten. Bei „Adventure Cruising“ hast Du ja während der Reise in dieser Woche gesehen, dass jeden Tag eine besondere Aktivität oder ein Ausflug im Reisepaket inkludiert war. Statt unsere Passagiere jede einzelne Leistung separat bezahlen zu lassen und Landausflüge an Bord zu verkaufen und Trinkgelder für die Crew zu verlangen, sind bei uns alle Aktivitäten inklusive. Wir wollen den Reisenden ein ganzheitliches „Adventure Cruising“-Erlebnis bieten.

Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Teil der Intrepid-Travel-Philosophie. Wie viel davon funktioniert auf Kreuzfahrtschiffen generell und wie viel davon nimmt der Passagier direkt an Bord wahr?

Wir sind überzeugt, dass Nachhaltigkeit ein wichtiger Aspekt bei allen Anbietern sein sollte, nicht nur bei Intrepid Travel. Aber für Intrepid Travel ist es eine der Kernideen. Es ist uns wirklich wichtig voranzutreiben, was wir bei „Adventure Cruising“ auch schon tun: Dass die Reiseleiter, die mit uns reisen, aus der jeweiligen Region stammen, damit unsere Gäste viel von deren Kultur erfahren, von deren Erfahrung profitieren und die Highlights der jeweiligen Destination authentisch erleben.

„Nachhaltigkeit sollte ein wichtiger Aspekt bei allen Anbietern sein.”

Aber wir sind auch noch nicht im Ziel angekommen und arbeiten ständig an Verbesserungen. Wir haben beispielsweise kürzlich alle Wegwerfplastik-Produkte von unseren Schiffen verbannt, wir kompensieren den CO2-Austoß unserer Reisen finanziell, wie engagieren lokale Tourguides. Mit unseren Charterern arbeiten wir eng zusammen, um beim Provisioning lokal und lokale Produkte einzukaufen – der Fisch, den wir auf dieser Reise gegessen haben, stammt aus der Region. Wir besuchen und unterstützen lokale Familien. Für den Transport an Land beschäftigen wir lokale Familien und lokale Unternehmen.

Filippos Venetopoulos beim Angeln direkt vom Schiff (er war sehr erfolgreich)
Filippos Venetopoulos beim Angeln direkt vom Schiff (er war sehr erfolgreich)

Unser Ziel ist also, die regionale Wirtschaft der jeweiligen Region zu unterstützen, in der wir unterwegs sind, sowohl seitens Intrepid, als auch seitens unserer Gäste. Auf dieser Reise hast Du ja gesehen, dass wir Halbpension anbieten, sodass eine Mahlzeit pro Tag nicht am Schiff, sondern an Land eingenommen wird. Das machen wir, damit unsere Gäste die lokale Küche erfahren, aber auch, um dort, wo wir anlegen, lokale Restaurants und Geschäfte zu unterstützen.

Reiseleiter und auch die lokalen Tourguide bekommen bei Intrepid Travel ein eigenes Training?

Richtig. Bei Intrepid Travel haben wir weltweit 26 DMC-Büros. DMC ist die Abkürzung für „destination managemenr company“. Reiseleiter sind also bei uns angestellt, wir schulen sie vor jeder Saison, wir feiern jedes Jahr am Ende der Saison große Partys, zu denen sich alle Reiseleiter der Region treffen, die Erfahrungen aus der Saison austauschen, und über Verbesserungsmöglichkeiten beraten. Das ist also ein konstanter Entwicklungs- und Optimierungsprozess, sowohl was die Reisorganisation angeht, als auch bezüglich der Destinationen und Reiserouten.

Welches Publikum spricht Intrepid Travel an? Sind das vor allem Stammkunden? Oder eher Kreuzfahrt-erfahrene Reisende, die ein intensiveres Reiseerlebnis suchen? Wer ist der typische „Adventure Cruising“-Kunde?

96 Prozent der Reisenden, die unsere Kreuzfahrten buchen, sind für uns Neukunden. Sie sind also zuvor noch nie mit Intrepid Travel gereist. Unsere Kunden erkennen und wertschätzen die Vorteile dieser Art zu reisen. Ein paar Statistiken: 60 Prozent unserer Kunden sind Frauen, 40 Prozent Männer. Der Altersdurchschnitt liegt bei 65 Jahren und wir versuchen, das auf 55 Jahre zu senken, das ist unser Ziel. 60 Prozent der Reisenden kommen aus der Apac-Region, vor allem aus Australien, 20 Prozent sind aus Europa, vor allem Deutschland und Großbritannien und wir haben auch 20 Prozent aus Nordamerika.

Wichtiger Nebenaspekt: Intrepid geht ganz anders als sonst mit Alleinreisenden um, richtig?

Auf unseren Schiffen sind 30 Prozent Alleinreisende. Wenn jemand auf einem kleinen Schiff allein reisen will, muss er zwangsläufig einen Einzelkabinenzuschlag zahlen. Bei unserem „Adventure Cruising“ bieten wir die Option, eine Kabine mit einem anderen Reisenden zu teilen. Natürlich mit einem gleichgeschlechtlichen Kabinen-Partner, als männlich-männlich und weiblich-weiblich. Wer möchte, hat aber gegen Aufpreis auch die Möglichkeit, eine Kabine für sich allein zu buchen.

Was passiert, wenn man mit dem zugeordneten Kabinengenossen einfach nicht klarkommt?

In solchen Fällen suchen wir natürlich nach einer Lösung, denn wir wollen unseren Reisenden ja ein bestmögliches Erlebnis bieten. Wenn es am Schiff freie Kabinen gibt, ist das einfach zu lösen. unsere Anderenfalls ist vielleicht ein Tausch mit Kabinen-Partnern in anderen Alleinreisenden-Kabinen möglich. Aber Du bist halt auf einem Schiff mit maximal 25 Kabinen – unsere „Adventure Cruising“-Schiffe beginnen bei 9 Kabinen und reichen bis 25.

Aber unsere Reisenden wissen gewöhnlich sehr gut, was sie an Bord erwartet, sodass Probleme eher selten sind. Sie wissen ungefähr, mit wem sie verreisen, die Altersgruppe, dass es sich um reiseerfahrene Mitreisende handelt. Aber bei schwerwiegenden Problemen organisieren wir natürlich an Bord eine Lösung.

Die derzeitigen Schiffe sind alle gechartert –was sind die Zukunftspläne? Wird es Neubauten geben? Gegebenenfalls: In welchem Umfang?

Aktuell arbeiten wir mit mehreren Schiffseignern zusammen, mit unserem eigenen Team und wir haben die Schiffe sorgfältig ausgewählt. Wir haben noch keine eigenen Schiffe, weswegen wir sie für einzelne Reisen chartern, beispielsweise in Kroatien, wo wir das Schiff bei einem ortsansässigen Familienunternehmen chartern, die es in enger Zusammenarbeit mit uns betreiben. In Kroatien haben wir das Schiff für die ganze Saison, sodass wir unsere Vorstellungen besonders gut umsetzen können. In anderen Regionen wie Island oder Griechenland chartern wir Schiffe für einige Reisen pro Jahr und arbeiten eng mit den Betreibern zusammen, um für unsere Gäste genau das Erlebnis bieten zu können, das wir wollen.

Die "Panorama" im Hafen von Reykjavik
Die „Panorama“ im Hafen von Reykjavik

Aber das Ziel für „Adventure Cruising“ ist, eigene Schiffe zu besitzen oder Charterverträge über mehrere Jahre hinweg abzuschließen, um alles vom Kapitän bis hin zu jedem einzelnen Crewmitglied an Bord selbst auswählen zu können, den Trainingsprozess für die Crew zu steuern , um die Werte von Intrepid Travel umfassend umzusetzen, ein nachhaltiges und verantwortungsvolles Geschäft zu betreiben und sowohl an Bord als auch an Land für unsere Gäste ein authentisches, regionales Erlebnis zu generieren.

Gibt es Pläne, das Kreuzfahrt-Programm weiter auszubauen? Und gibt es Pläne für neue Schiffe, Neubauten?

„Adventure Cruising“ ist einer der größten Wachstumsbereiche für Intrepid Travel. 2017 haben wir mir nur sieben Abfahrten begonnen, für 2020 haben wir bereits 100 Abfahrten fest geplant. Was Destinationen angeht, haben wir mit Kroatien angefangen. Dieses Jahr, 2018, haben wir zusätzlich Griechenland, Spanien, Portugal, Marokko und Island. 2018/19 expandieren wir mit „Adventure Cruising“ enorm in Südost-Asien, wo wir 26 Abfahrten mit dem Schwesterschiff der Panorama haben, nämlich der Panorama II, mit genau dem gleichen Ambiente.

„Wir streben 60 kleine, neue Schiffe an, die uns gehören und die wir als Intrepid Travel selbst betreiben.”

Unser Ziel ist es, Marktführer beim Small Ship Adventure Cruising zu werden. Wir streben 60 kleine, neue Schiffe an, die uns gehören und die wir als Intrepid Travel selbst betreiben. Wenn man „60 Schiffe“ hört, könnte man meinen, das sei ein zu hoch gegriffenes Ziel. Aber wenn wir uns den aktuellen Kreuzfahrtmarkt genau ansehen, dann wollen wir davon gerade einmal ein Prozent haben. Wir haben eine 40-Milliarden-Dollar-Industrie. Ein Prozent davon bedeuten rund 150.000 Reisende. Und 150.000 Reisende auf Schiffen dieser Größe erfordern 60 Schiffe. Unser Ziel ist also wirklich, weltweit 60 Schiffe zu besitzen und zu betreiben.

Bei zukünftigen Fahrtgebieten planen wir gerade mit Alaska, mit der Kimberley-Region im Nordwesten Australiens, wir schauen uns Japan, Ägypten und Jordanien genauer an. Bereits im Katalog haben wir zusätzlich zu den bereits erwähnten für 2019 auch zwei Abfahrten in West-Afrika, wo wir von Dakar aus nach Gambia und auf dem Gambia River fahren. Außerdem haben wir die Seychellen als Fahrtgebiet in den Katalog aufgenommen.

Anmerkung*: Cruisetricks.de reist auf der Panorama auf Einladung von Intrepid Travel.

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