Authentisch und traditionell: Ein Abstecher ins Emirat Ras Al Khaimah

(aktualisiert) von Franz
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Die Glitzerwelt von Dubai ist faszinierend, wird aber auch schnell zu viel. Kulturelles und landschaftliches Kontrastprogramm bietet das Nachbar-Emirat Ras Al Khaimah, nur eine Autostunde entfernt. Für Dubai-Kreuzfahrer ein Geheimtipp.

Blick auf die Küste von Ras Al Khaimah vom Fort Dhayah
Blick auf die Küste von Ras Al Khaimah vom Fort Dhayah

Im September habe ich in München ein Interview über Ras Al Khaimah mit Haitham Mattar geführt. Er schwärmte von diesem eher traditionellen Emirat – klar, das ist sein Job als CEO der Ras Al Khaimah Tourism Development Authority. Aber das Interview hat mich neugierig gemacht. Also haben wir uns am Hafen abholen und diese noch relativ unbekannte Ecke der Vereinigten Arabischen Emirate zeigen lassen.

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Um ein kleines Fazit schonmal vorweg zu nehmen: Ras Al Khaimah ist ein Geheimtipp für Menschen, die ein Land gerne erleben, bevor es von der Tourismusindustrie durchorganisiert und blank poliert wird. Und wer sehen will, wie die Menschen in den Emiraten außerhalb der schicken Hochhausviertel leben, sieht hier viel vom Alltag abseits der Touristen-Hotspots.

Verlassenes Fischerdorf Jazirat Al Hamra

Eine typische Attraktion für Ras Al Khaimah ist das verlassenes Fischerdorf Jazirat Al Hamra: nicht künstlich aufpoliert und auf Freilicht-Museum getrimmt, sondern tatsächlich ein teils verfallenes Dorf im traditionellen Baustil, so wie es in den 1960er-Jahren verlassen wurde.


Nichts ist hier glamourös, aber mit etwas Abenteuerlust und Neugier entdeckt man beispielsweise große Muscheln und Korallen in den halb verfallen Hauswänden, die hier als Baumaterial verwendet wurden.

Nationalmuseum von Ras Al Khaimah

Ansprechend und lebensnah aufbereitet ist der traditionelle Lebensstil der Emirati in dem kleinen Nationalmuseum von Ras Al Khaimah. Der Hauptturm war früher Wohnhaus und Sitz des Emirs von Ras Al Khaimah.


Die recht einfachen Verhältnisse von damals, lassen sich hier gut nachempfinden, als Perlentauchen noch die wesentliche Einnahmequelle der Region war.

Moschee Masjid Muhammad Bin Salim Al Qasimi

Masjid Muhamad Bin Salim Al Quasimi Moschee
Masjid Muhamad Bin Salim Al Quasimi Moschee

Am Weg liegt die Moschee Masjid Muhammad Bin Salim Al Qasimi. Sie gilt als älteste noch benutzte Moschee der Vereinigten Arabischen Emirate. Sie stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, möglicherweise sogar aus dem 15. Jahrhundert. Das heutige Gebäude ist allerdings nur etwa 100 Jahre alt, denn die ursprüngliche Moschee wurde zwischenzeitlich zerstört, aber wieder aufgebaut. Zu besichtigen ist die Moschee von außen. Sie ist auch deshalb interessant, weil sie ohne Minarett auskommt. Die Dörfer waren früher einfach so klein, dass ein etwas erhöhtes Podest reichte, um die Gläubigen zum Gebet zu rufen.

Fort Dhayah und Datteln direkt von der Plantage

Ras Al Khaimah
Ras Al Khaimah

Auf dem Web zum Fort Dhayah zeigt sich dieser liebenswerte Kontrast aus traditionell und modern besonders anschaulich: Entlang der staubigen Straßen sehen wir Ziegen, die Blätter aus den Sträuchern am Straßenrand knabbern – direkt neben prächtige, moderne Villen.

Dhayah Fort
Dhayah Fort

Das Fort Dhayah ist schon aus der Ferne gut zu sehen – es liegt auf einem kegelförmigen Hügel. Die heutige, kleine Festung wurde Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut, aber schon 1819 von den Briten wieder zerstört. Die Fundamente des Forts stammen von einer Befestigungsanlage aus dem 16. Jahrhundert. 2001 wurde es nach umfangreicher Renovierung für Besucher geöffnet, der Eintritt ist frei. Es ist das einzige erhaltene Fort auf einer Bergkuppe in den Vereinigten Arabischen Emiraten.


Die zehn Minuten Aufstieg zu dem kleinen Fort lohnen sich aber nicht nur wegen der beiden Wehrtürme und dem alten Gemäuer. Vom Fort aus bietet sich auch ein weiter Blick auf die bis zu 1.900 Meter hohen Berge auf der einen Seite und dem Küstenstreifen mit kleinen Ortschaften, Mangroven und Dattelpalmen-Plantagen auf der anderen.

360-Grad-Panorama am Fort Dhayah

(Vollbild-Modus lässt sich mit dem Button rechts unten aktivieren/deaktivieren. Die Vorschau-Bilder blenden mit dem Button links daneben ein/aus.)

Gleich unterhalb des Forts direkt am Parkplatz liegt ebenfalls eine kleine Dattelpalmen-Plantage. Was man wissen muss, weil nicht einmal ein Schild dafür wirbt: Hinter einer unscheinbaren Tür verbirgt sich ein kleiner Laden. Hier gibt es Datteln direkt von der Farm zu einem sagenhaft günstigen Preis und die verschiedene Sorten wie Lulu oder Fard kann man natürlich vorher probieren. Das Kilogramm Datteln kostet zehn Dirham (2,50 Euro).


In dem Duty-Free-Shop am Kreuzfahrthafen von Dubai kostet ähnliche Qualität mindestens das Achtfache. Und ein paar Streuner-Katzen gibt’s vor der Dattel-Plantage auf Fotomotiv gratis dazu.

Mittagessen mit Emirati-Spezialitäten

Am frühen Nachmittag führt unsere Begleitung uns zum Mittagessen in ein Restaurant mit typischen Gerichten aus den Emiraten aus. Das „Al Fanar“ ist eine kleine, aber feine Kette aus Restaurants, die auch Lokale in Dubai, Jumeirah, Abu Dhabi und Al Ain betreibt. Hier sollen sich die Gäste wie in den Emiraten der 1960er-Jahre fühlen und authentische Gerichte der Region genießen.

Mittagessen im Restaurant Al Fanar
Mittagessen im Restaurant Al Fanar

Wir sind augenscheinlich die einzigen Touristen in dem Restaurant. Und genießen das leckere Essen. Als Appetizer gibt es Datteln mit Erdnusssauce. Das klingt auf den ersten Blick seltsam, schmeckt aber hervorragend.


Unsere Guides bestellen eine Auswahl von mehreren Gerichten für uns. Denn die Speisekarte ist umfangreich und ein Gericht sieht verlockender aus als da andere: gegrilltes Stubenküken, um ganzen gegrillter Fisch, marinierte Garnelen und Hühnchen-Kebab duften um die Wette. Dazu gibt’s viel Reis und Fladenbrot.

Kamelmilch-Eiscreme
Kamelmilch-Eiscreme

Wir trinken arabischen Tee und zum Dessert probieren wir Eis aus Kamelmilch: Die Milch schmeckt im Eis nicht sonderlich anders als Kuhmilch, soll aber etwas süßlicher sein. Wir können uns nicht einigen, welche Sorte uns am besten schmeckt: Dattel, Safran oder Rose-Pistazie. Leer sind die Eis-Gläser letztlich alle, und zwar ziemlich schnell. Eine dieser positiven Überraschungen dieser Reise: Mit äußerst feiner Eiscreme hätte ich auf einer Orient-Reise nicht gerechnet.

Nach dem späten Mittagessen haben wir es eilig, nach Dubai zurück zu fahren. Wir wollen noch rechtzeitig vor dem großen Silvester-Stau wieder auf der MSC Fantasia zu sein. Unser Guide erzählt die Anekdote eines Hotelgastes, der einmal am Silvesterabend zum Feuerwerk am Burj Khalifa wollte – und erfahren musste, dass er da schon Stunden früher hätte aufbrechen müssen. Denn an diesem Abend erstickt die Stadt offenbar regelrecht im Verkehr.

Wie kommt man nun nach Ras Al Khaimah?

Ras Al Khaimah
Ras Al Khaimah

Leider ist Ras Al Khaimah während einer Kreuzfahrt gar nicht so einfach zu erreichen. Das Emirat hat zwar ein eigenes Kreuzfahrt-Terminal, das in der Saison 2011/2012 beispielsweise für MSC als Ausweichhafen diente, als Bahrain wegen politischer Unruhen nicht angelaufen werden konnte. Aktuell versucht Ras Al Khaimah, Reederei wieder dazu zu bewegen, hier Hafenstopps in die Fahrtrouten einzuplanen einzulegen.

Aber bis dahin ist Eigeninitiative gefragt. Ras Al Khaimah lässt sich gut per Mietwagen von Dubai aus erkunden. Oder man organisiert einen privaten Guide für eine individuelle Tour, der einen aus Dubai abholt. Einige Anbieter listet die Ras Al Khaimah Tourism Development Authority auf ihrer Website auf.


Auch für einen Vor- oder Nach-Aufenthalt zu einer Kreuzfahrt abseits des Dubai-Glitzers eignet sich Ras Al Khaimah sehr gut. Schöne und exklusive Hotelanlagen sind vorhanden, die Preise liegen deutlich unter denen von Abu Dhabi oder Dubai.

Silvester auf See mit der MSC Fantasia

Skyline von Dubai
Skyline von Dubai

Zurück zu unserer Reise auf der MSC Fantasia, die sich dem Ende zuneigt … Wir fahren um 23 Uhr in Dubai ab – ausgerechnet eine Stunde vor dem spektakulären Feuerwerk am Burj Khalifa. Aber unsere Ausschiffung am nächsten Morgen in Abu Dhabi ist um 5:30 Uhr, der Flieger soll bereits um 9:15 Uhr starten. Warten auf das Feuerwerk ist für den Kapitän daher keine Option.

Queen Elizabeth 2 in Port Rashid, Dubai
Queen Elizabeth 2 in Port Rashid, Dubai

Wir verabschieden uns von Dubai und werfen einen letzten Blick auf eine große, alte Dame der Ocean Liner: Die Queen Elizabeth 2 liegt seit Jahren hier in Port Rashid und hofft auf eine Zukunft.

Letztlich sehen wir das riesige Feuerwerk dann aber doch – zum Fotografieren ist die Entfernung allerdings zu groß. Wir haben Glück und der Nebel kommt an diesem Abend nicht zurück, wie sonst so oft auf dieser Reise.

Die Skyline von Dubai in der Silvesternacht 2016/2017.
Die Skyline von Dubai in der Silvesternacht 2016/2017.

So fahren wir mit 20 Knoten ins neue Jahr hinein und freue uns über das Feuerwerk-Spektakel in der Entfernung. Das Krachen der Böller und das Pfeifen der Raketen dringen nicht bis aufs Meer hinaus. Für uns beginnt das neue Jahr dafür mit dem sanften Rauschen des Meeres am Heck der MSC Fantasia.

Anmerkung*: Cruisetricks.de reiste auf der MSC Fantasia auf Einladung von MSC und besuchte Ras Al Khaimah auf Einladung der Ras Al Khaimah Tourism Development Authority.

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