Ist LNG (Liquid Natural Gas) der Schiffstreibstoff der Zukunft?

LNG gilt als sauberster, fossiler Treibstoff, weil bei dessen Verbrennung weder Schwefeldioxide (SOx) noch Ruß-Partikel und Feinstaub entstehen. Der Ausstoß von Stickoxiden (NOx) reduziert sich um bis zu 80 Prozent, von CO2 – zumindest theoretisch – immerhin noch um etwa 20 Prozent. Ganz problemlos ist jedoch auch LNG nicht.

Bei der Förderung von LNG entstehen unter Umständen große Umweltschäden, Stichwort „Fracking“. Eine Studie der Nasa deutet stark darauf hin, dass etwa 40 Prozent des weltweiten Methan-Ausstoßes ungewollt beim Fracking passiert – allerdings stark abhängig davon, wo und wie das Gas gefördert wird. In Europa stammt das Gas überwiegend aus russischer Förderung ohne Fracking.

Bei der Betankung und im Betrieb können geringe Mengen Methan austreten und in die Atmosphäre gelangen. Da Methan um ein Vielfaches klimaschädlicher ist als CO2, hält sich der Vorteil von LNG in Hinblick auf klimawirksame Gase daher sehr in Grenzen oder wird sogar gänzlich aufgezehrt.

Mit „Power to Gas“-Technik lässt sich Gas als Treibstoff auch auf regenerative Weise erzeugen.

Mittelfristig ist LNG sicherlich ein großer Fortschritt und deutlich besser als Schweröl und Marinediesel. Langfristig sollten jedoch erneuerbare Energieformen zum Einsatz kommen, beispielsweise Wasserstoff oder Methanol in Brennstoffzellen, elektrische Energie aus erneuerbaren Quellen oder auch umweltfreundliche Energie aus Technologien wie Power-to-Gas. Bis diese Techniken auf Kreuzfahrtschiffen einsatzfähig und betriebssicher genug sind, wird LNG als Übergangstechnologie gute Dienste leisten können.

Aktuell ist LNG noch längst nicht überall verfügbar. Schiffe, die ausschließlich mit LNG fahren, sind in ihrem Bewegungsradius und in den befahrbaren Gebieten daher eingeschränkt. Expeditionsschiffe und kleinere Schiffe mit exotischen Fahrtrouten werden daher in absehbarer Zeit vermutlich weiterhin mit Treibstoffen fahren müssen, die aus Rohöl gewonnen werden – also insbesondere Schweröl, MGO und MDO.

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