Die Fridtjof Nansen hat unter den Expeditions-Kreuzfahrtschiffen eine Sonderstellung: Wie ihre Schwester Roald Amundsen ist sie mit bis zu 490 Passagieren deutlich größer als alle anderen. Warum das für viele ein Vorteil sein kann, und was HX Expeditions auch sonst auf der Fridtjof Nansen anders macht, lesen Sie im ausführlichen Schiffsportrait.
Sieben Jahre sind die Fridtjof Nansen und ihre Schwester Roald Amundsen nun schon in Dienst, nach der Abspaltung des Expeditionsgeschäfts von Hurtigruten Anfang 2025 heute bei HX Expeditions. Jetzt habe ich es endlich geschafft, mir die Fridtjof Nansen während einer zweiwöchigen Grönland-Expeditionskreuzfahrt genau anzusehen.
Was macht HX Expeditions auf der Fridtjof Nansen (und ihrem Schwesterschiff Roald Amundsen) anders? Da ist zunächst einmal die Schiffsgröße: Mit bis zu 490 Passagieren hat sie etwas mehr als doppelt so viele Kabinen wie die meisten anderen Expeditionsschiffe. Warum das kein Nachteil sein muss, sehen wir später noch.
Das Restaurant-Konzept ist in mancher Hinsicht flexibler, verlangt aber auch öfter eine (kostenlose) Reservierung. Das Pooldeck ist mit einem recht großen Infinity-Pool und zwei großen Whirlpools recht ausgeprägt, obwohl das Schiff weitgehend in polaren Gewässern unterwegs ist. Am Bug gibt’s eine außergewöhnliche Aussichtsplattform im Freien, durch Verglasung jedoch wind- und wettergeschützt.
Und die Fridtjof Nansen ist Vorreiter bei der Umwelttechnik: Sie war eines der ersten Kreuzfahrtschiffe mit Akkus an Bord und ist bis heute eines der wenigen geblieben, die diese Technik zur Emissionsreduzierung einsetzen. Sie unterstützt außerdem die Forschung mehr als einige andere mit zahlreichen Programmen, bei denen auch die Passagiere mitarbeiten können.
Sehen wir uns die Fridtjof Nansen im Detail an …
Themen in diesem Beitrag:
- Verglastes Observation-Deck im Bug und viel Außenfläche
- Explorer Lounge & Bar
- Nansen Science Center
- LED-Screen im Atrium
- Pooldeck mit Infinity-Pool
- Sauna, Spa und Fitness-Center
- Kabinen & Suiten
- Drei Restaurants, Take-away und Grab & Go
- All-inklusive mit kleinen Einschränkungen
- Die neue HX-App
- Hybrid-Technik, Umwelttechnik und Nachhaltigkeit
- Wie funktioniert die Hybrid-Technik?
- Ungewöhnliche Optik: der „Wave Piercing Bow“
- Fakten und Daten: Fridtjof Nansen
- Wer war Fridtjof Nansen?
- Mein persönliches Fazit
Verglastes Observation-Deck im Bug und viel Außenfläche
Auf Deck 6 hat das Schiff direkt im Bug einen nach vorne und zur Seite verglasten Aussichtsbereich, der zwar nicht beheizt ist, aber einen windgeschützten Blick aufs Meer nach vorne und zur Seite bietet.

Die Fridtjof Nansen und ihre Schwester sind nicht mehr die einzigen Expeditionskreuzfahrtschiffe mit einer solchen, eigentlich naheliegenden Variante einer geschützten Aussichtsplattform ganz vorne am Bug. Auch auf Sunstones Infinity-Class-Schiffen gibt es Ähnliches, allerdings deutlich kleiner, etwa auf der Ocean Albatros von Polar Latitudes Expeditions.




Eine Treppe führt von dort hinauf auf Deck 7 zu einem offenen Bereich unterhalb der Brücke bis ganz vorne an den Bug. Das ist der beste Platz für Tierbeobachtungen. Aber auch wenn das Schiff mal ins Eis fährt oder einfach nur, um die morgendliche Stille zu genießen, wenn das Schiff ganz leise in einen Fjord einfährt.

Denn eines kann die Fridtjof Nansen besonders gut: Sich sehr leise fortbewegen. Wenn es darauf ankommt, kann sie mit Akku-Energie bis zu 30 Minuten die Dieselmotoren komplett abschalten. Aber auch im normalen Fahrtbetrieb ist sie auf möglichst geräuscharmen Betrieb optimiert, was besonders bei Annäherung an Tiere wie Wale oder Eisbären ein großer Vorteil ist, auch wenn natürlich die vorgeschriebenen Mindestabstände gelten.

Eine ebenfalls als „Observation Decks“ bezeichnete Außenflächen gibt es außerdem auf Deck 11 vorne und zum Heck hin, die Flächen rund um den Pool auf Deck 10 mit Blick zu den Seiten und nach hinten sowie kleinere Außenbereiche auf Deck 6 seitlich. Die Fridtjof Nansen hat also viel Platz im Freien, was für ein Expeditionsschiff besonders wichtig ist.
Explorer Lounge & Bar
Gesellschaftliches Zentrum der Fridtjof Nansen ist die Explorer Lounge: Aussichtslounge, Bar und Vortragsraum in einem, oben auf Deck 10 vorne.

Am Eingang fällt sofort die langgezogene, künstliche Feuerstelle inklusive des knisternden Geräuschs von brennenden Holzscheiten auf. In diesem hinteren Bereich der Lounge gibt es mehrere große Displays, sodass man von allen Plätzen aus zumindest die Präsentation von Vorträgen sehen kann. Die Sicht zum Vortragsstehpult vor dem großen Display ist dagegen teils durch die hochgezogenen Rücklehnen von Sitzbänken versperrt.

Der vordere Teil der Lounge ist durch die Bar etwas abgetrennt und bietet sowohl Sitzgruppen als auch Stühle an einem Bartressen, einzelne Sessel und Lounger direkt unter der abgeschrägten Fensterfront nach vorne sowie ein Piano mit dezenter Live-Musik zu bestimmten Zeiten nachmittags und abends.

Die Lautsprecheranlage lässt sich für den vorderen und hinteren Teil separat steuern und Vorträge sind üblicherweise im ruhigeren Bereich vorne nicht zu hören. Das ist insofern wichtig, als die Explorer Lounge abgesehen von den Restaurants der einzige, große und gemütliche Aufenthaltsraum des Schiffs ist.




Die Aussicht nach vorne hält sich hier allerdings in Grenzen, weil das Dach der Brücke davor liegt und auch einige der schrägen Fenster in Laufe der Jahre etwas gelitten haben und sich zwischen den Scheibenschichten Kondenswassertropfen angesammelt haben – das sollte HX sinnvollerweise beim nächsten Werftaufenthalt beheben.

Für mich persönlich und durchaus auch einige andere Passagiere sehr hilfreich: An den meisten Sitzplätzen in der Explorer Lounge gibt es Steckdosen, sodass man zum Arbeiten oder Bilder sortieren das Laptop anschließen oder das Handy laden kann.
Nansen Science Center
Das Nansen Science Center vorne auf Deck 6 ist ein Wissenschaftsbereich, der sowohl mit Mikroskopen ausgestattet ist, als auch mit einem Touch-Screen-Tisch und einigen Video-Bildschirmen.

Mit bodentiefen, beweglichen Video-Displays lässt sich der anschließende, große Vortragsraum flexibel in zwei kleinere Räume unterteilen oder ganz offen gestalten.

Vorträge und Live-Videos per Streaming können von der hochauflösenden Außenkamera und aus den Vortragsräumen auf den TV-Bildschirmen in die Kabine gestreamt oder später als Aufzeichnung angesehen werden.
Bordsprachen sind übrigens Englisch und Deutsch mit Simultanübersetzung ins Deutsche bei englischsprachigen Vorträgen. Einige der Expeditionsguides sind aber auch Deutsche oder sprechen gut Deutsch, sodass es die meisten Vorträge sowohl in Englisch als auch Deutsch gibt.
Unterwasser-Drohne und starke Zoom-Außenkamera
Mit viel Technik sollen die Passagiere möglichst flexibel und umfassend die Fahrtgebiete erleben können, in denen das Schiff unterwegs ist: das große Wissenschaftslabor, LED-Videowände, Streaming-Technik. Dazu gehören auch die Bilder einer Unterwasser-Drohne (auf unserer Grönlandreise mangels Einsatzmöglichkeiten allerdings nicht aktiv), die Live-Übertragung einer hochauflösende 360-Grad-Kamera am Schiffsmast (auf unserer Reise außer Betrieb) und eine mit Gyroskop stabilisierte Kamera mit extremem Zoom für Video-Bilder für Tierbeobachtung von Schiff aus.







Letztere kam beispielsweise bei Eisbärensichtungen an der Eisgrenze zum Einsatz, um die Eisbären formatfüllend auf den bodentiefen Displays im Science Center den Passagieren live zu zeigen, die sich nicht draußen in den eisigen Wind wagen wollten.
Mehr als nur Mikroskopieren für Passagiere
Auf das Science Center der Roald Amundsen und Fridtjof Nansen ist Hurtigruten besonders stolz. Denn dabei geht es nicht nur um ein wenig Mikroskopieren von Algen oder Plankton für die Passagiere. Vielmehr unterstützt Hurtigruten mit dem Labor und Messgeräten an Bord einige Forschungseinrichtungen an Land, quasi eine Art schwimmende Außenstelle für Universitäten zu sein.
Denn Expeditionskreuzfahrtschiffe fahren regelmäßig in Gebieten, zu denen die Wissenschaftler keinen regelmäßigen Zugang haben. Proben und Beobachtungen von solchen Orten sind für die daher besonders wertvoll, insbesondere denn Schiffe diese Gebiete über die Jahre hinweg immer wieder befahren und kontinuierliche Messwerte liefern.
HX Expeditions ist nicht die einzige Expeditionskreuzfahrt-Reederei, die Wissenschaftler unterstützt, tut dies aber recht umfangreich und stellt sogar kostenlose Kabinen für Wissenschaftler für ihre Forschungsarbeit zur Verfügung.

Auf unserer Reise war beispielsweise Dr. Tamara Russell vom Scripps Institution of Oceanography der University of California San Diego an Bord, die einerseits gemeinsam mit Passagieren im „Science Boat“ Daten sammelt und andererseits das Expeditionsteam von HX Expeditions trainiert, auf späteren Reisen eigenständig und gemeinsam mit Passagieren das gleiche zu tun.

Mit weltweit 31 Forschungsinstitutionen arbeitet HX Expeditions dafür eigenen Angaben zufolge zusammen, seit 2024 beispielsweise mit der Innovationsplattform SOOP der Helmholtz-Institute Geomar, Hereon und dem Alfred-Wegener-Institut. Gemeinsam mit den Passagieren liefert HX außerdem Daten für Citizen-Science-Programme wie Happy Whale und Nasa Cloud Observer.
LED-Screen im Atrium
Ein optisches Highlight der Hybrid-Schiffe von Hurtigruten ist der sieben Decks hohe, hochauflösende LED-Bildschirm im Atrium. 17,5 Meter hoch und 6,5 Meter breit erstreckt er sich von Deck vier bis zehn und hat eine Auflösung von 6720 mal 2496 Bildpunkten ohne störende Kanten im Bild, wie sonst typischerweise bei Großbildschirmen.

Zu sehen sind auf diesem LED-Screen beispielsweise Landschaftsaufnahmen des jeweiligen Fahrtgebiets. Eine besondere Funktion hatte der Screen auf unserer Reise aber ansonsten nicht.
Pooldeck mit Infinity-Pool
Eher unerwartet kommt auf einem Expeditions-Kreuzfahrtschiff ein Sonnendeck mit Bar, zwei Whirlpools und einem relativ großen, beheizten Infinity-Pool.




Ein Deck höher haben Roald Amundsen und Fridtjof Nansen eine Joggingbahn samt Outdoor-Gym seitlich des Schornsteins – wobei dieses Deck auch als Aussichtsplattform in alle Richtungen genutzt werden wird.

Sauna, Spa und Fitness-Center
Erwähnt sei auch das Fitness-Studio und ein kleines Spa auf Deck 7 …

… sowie nahe dem Pool seitlich eine große, kostenlos nutzbare Sauna mit Panorama-Fenstern (Nutzung gemischtgeschlechtlich, daher angesichts des internationalen Publikums mit Badekleidung).

Kabinen & Suiten
Etwas andere Wege geht HX Expeditions auch bei den Kabinen. Auffälligstes Merkmal: Statt des üblichen Sofabetts hat die Fridtjof Nansen zwei sehr bequeme Sessel, die sich auch in eine leichte Liegeposition bringen lassen. Das hat nebenbei auch den Effekt, dass die Kabine großzügiger wirkt und mehr freier Raum vorhanden ist. Und wenn man keine Lust hat, in den Vortragsraum zu gehen, kann man alle Vorträge hier sehr bequem im Livestream am TV ansehen.

Insgesamt gibt es 252 Kabinen, alle zumindest mit Fenster, etwa die Hälfte mit Balkon. Nicht ganz günstig, aber mit einem Balkon sowohl seitlich als auch zum Heck hin mit privatem Whirlpool sind die Eck-Suiten für ein Expeditions-Kreuzfahrtschiff eher ungewöhnlich.
Auf meiner Grönland-Expedition habe ich in der Balkonkabine 811 (Kategorie XT) gewohnt, in den zwei Nächten der Kurzreise von Hamburg nach Helgoland in der Suite 576 „Hjalmar Frederik Johansen“ (Kategorie MB).

Eine ausführliche Beschreibung der Suite finden Sie in Carmens Cruisediary. Die grundsätzliche Ausstattung ist mit Ausnahme der Suiten-spezifischen Aspekte in der Balkonkabine die gleiche. Ungewöhnlich ist lediglich, dass es in den gewöhnlichen Kabinen im Bad keine Kosmetiktücher gibt. HX nennt dafür Umweltschutzgründe. Wer welche braucht, sollte sie sich daher selbst mitbringen.

Gemeinsam mit den Suiten hatte meine Balkonkabine, dass die Fenster zwar eine Gardine sowie einen blickdichten Vorhang haben, die Blende oben jedoch zu schmal ist, um das einfallende Licht komplett zu blocken. Jenseits des Polarkreises, wenn es nachts nicht dunkel wird, ist das nicht optimal für Menschen, die gerne bei wirklicher Dunkelheit schlafen (und sich nicht mit einer störenden Schlafmaske behelfen wollen).

Insgesamt jedoch ist die Suite eine der praktischsten, die ich bislang auf einem Kreuzfahrtschiff gesehen habe. In der Balkonkabine ist lediglich etwas ungewohnt, dass die Kleider im Hängebereich des Schranks parallel zur Tür und nicht nebeneinander im 90-Grad-Winkel hängen.


Sehr angenehm: Das Badezimmer hat eine eigene, separat von der Klimaanlage steuerbare Heizung, sodass man beispielsweise die Kabine zum Schlafen kühl stellen und dennoch ein angenehm warmes Badezimmer haben kann. Das lässt sich gut auch zum Trocknen von feuchter Expeditionskleidung über Nacht nutzen. Denn einen eigenen „Mud Room“ zum Aufhängen und Lagern von Stiefeln und Expeditionsjacke, wie auf anderen Expeditionsschiffen eher üblich, gibt es au der Fridtjof Nansen nicht.

Besonders erwähnenswert ist Kabine Nr. 428, oder „1896“: Über diese derzeit wohl ungewöhnlichste Kabine auf einem Kreuzfahrtschiff habe ich bereits einen eigenen Beitrag geschrieben.
Drei Restaurants, Take-away und Grab & Go
Die Fridtjof Nansen hat drei Restaurants, von denen eines im Wesentlichen den Passagieren der Suiten vorbehalten ist. Kritik aus der Anfangszeit des Schiffs, das Hauptrestaurant Aune sei zu klein für die Passagierzahl, hat sich inzwischen gelegt, auch weil HX einige Änderungen vorgenommen hat, die den Andrang besser verteilen.

Wer zu Stoßzeiten ins Aune zum Essen gehen will, sollte aber rechtzeitig über die HX-App einen Platz reservieren, was sogar für die komplette Reise möglich ist. Dringend empfohlen wird von HX eine Reservierung generell für Lunch und Dinner. Aber auch ohne Reservierung bekam man auf unserer Reise (mit 310 Passagieren nicht ausgebucht) immer einen Platz.

Entspannt hat HX die Situation durch die Reservierungen, aber auch durch einen Take-away-Service im Fredheim-Restaurant, insbesondere mit Burgern, auch vegan. Im „Fredheim“ gibt es außerdem jeden Tag einen Themenabend.
Und beim Science Center gibt es sowohl eine Kaffee-/Tee-Station als auch zwei „Grab & Go“-Kühlschränke mit kleinen Gerichten und Obst zum Mitnehmen.



Praktisch: In der HX-App kann man sich die Speisekarten der Restaurants bereits am Vorabend ansehen und passende Reservierungen direkt über die App machen.
Hauptrestaurant Aune
Das Hauptrestaurant Aune ist benannt nach einem bedeutenden, norwegischen Schiffsausrüster namens Tinus Aune aus Tromsö. Hier gibt es abends Bedienung am Platz, zum Frühstück und Mittagessen Buffet. Das Aune bietet jeden Tag auch regionale Gerichte sowie vegetarische und vegane Speisen, die Auswahl ist für die relativ geringe Schiffsgröße recht umfangreich.




Das Restaurant liegt auf Deck 6 am Heck, ganz ähnlich wie beispielsweise auf der Fram. Geöffnet ist das Aune, abhängig vom Expeditionsplan, etwa von 7:30 bis 9:30 Uhr, 12 bis 14 Uhr und 18 bis 21 Uhr.
Fredheim und Themen-Dinner
Das Restaurant Fredheim liegt auf Deck 6 seitlich an Backbord, nahe am Hauptrestaurant. Benannt es nach der Villa Fredheim im Tempelfjord auf Svalbard, einer bekannten Jagdhütte aus den 1920er-Jahren.

In gewisser Weise ist das Fredheim das Äquivalent zur Cafeteria der Fram und ebenfalls im Reisepreis inkludiert, allerdings mit anderem Konzept als die Cafeteria: kontinentales Early-Bird-Frühstück (eine Stunde vor Öffnung des Aune), Burger und Hot Dogs mittags bis in den späten Nachmittag hinein, und der Take-away-Service.

Was mir persönlich besonders gut gefällt sind die Themen-Dinner im Fredheim mit sehr feinen Menüs abwechselnd im Fahrtgebiet Grönland von einem exzellenten, grönländischen Küchenchef mit moderner, arktischer Küche, aber auch elegantes Tex-Mex, philippinisches und indisches Essen.
























Die Themen-Dinner beginnen jeweils um 18:30 Uhr, sind im Reisepreis inkludiert, aber wegen der begrenzten Plätze von knapp 60 nur mit Reservierung. Spontan bekommt man hier eher selten einen Platz.
Die destinationsbezogenen Themenabende mit lokalen Küchenchefs gibt es derzeit nur auf den Grönland-Expeditionen, da allerdings in exzellenter Qualität.






Entwickelt hat dieses Menü der renommierte grönländische Küchenchef Inunnguaq Hegelund („New Artic Kitchen“), der auch gemeinsam mit dem grönländischen Küchenchef Laasi Biilmann an Bord war. Beide stehen für eine neue und innovative Interpretation grönländischer Küche mit regionalen Zutaten lokaler Produzenten und haben ein Menü geschaffen, das durchaus in der gehobenen Gastronomie nahe an der Sterneküche zu verorten ist.
Meine persönlichen Highligths bei dem Menü: Schneekrabbe und leicht geräucherte, grönländische Jakobsmuscheln. Wer mich besser kennt, weiß, dass es ein großes Wort für mich ist zu sagen, dass ausgerechnet Jakobsmuscheln zu meinem Lieblingsgericht an Bord zählten, die ich (wegen einst schlechter Erfahrung) eigentlich gar nicht esse.
Suiten-Restaurant Lindstrøm
Außerdem gibt es auf der Friedjof Nansen auf Deck 9 seitlich ein Spezialitäten-Restaurant namens Lindstrøm: norwegisches „Fine Dining“ gegen Aufpreis (Frühstück 15 Euro, Lunch 25 Euro, Dinner 35 Euro) beziehungsweise kostenfrei für Suiten-Passagiere.






Namensgeber für das Restaurant ist Adolf Henrik Lindstrøm, der als Koch unter anderem mit Roald Amundsen durch die Nordwest-Passage fuhr und auch bei dessen Südpol-Expedition dabei war.
All-inklusive mit kleinen Einschränkungen
HX Expeditions hat auf ihren Expeditionskreuzfahrten grundsätzlich ein All-inklusive-Konzept. Dennoch muss man – wie auch bei anderen All-inklusive-Reedereien – genauer hinsehen, welche Leistungen tatsächlich im Reisepreis inklusive sind und welche dennoch separat zu bezahlen sind.
An- und Abreise-Arrangements sind teils inklusive, in Grönland beispielsweise der Flug von Kopenhagen nach Nuuk und zurück sowie nötige Hotel-Aufenthalte vor und nach der Reise in Kopenhagen.

Servicegebühren sind im Reisepreis enthalten, darüber hinausgehende Trinkgelder sind völlig freiwillig.
Inklusive ist auch Internet-Zugang über das Bord-Wlan mit recht schneller Starlink-Verbindung, allerdings ohne Streaming. Und auch VPN-Verbindungen sind standardmäßig blockiert.

Wie bei Expeditionsreisen üblich gibt es kostenlose Expeditionsjacken, die bei HX Expeditions wind- und wetterfest, aber nicht wärmend sind. Die Jacken haben große Taschen mit sehr praktischen Magnetverschlüssen.

Kostenfrei ist die Nutzung der Sauna, eine ziemlich gute, wiederverwendbare Trinkflasche im HX-Design, leihweise Polar-Gummistiefel für nasse Anlandungen sowie auf Nachfrage an der Rezeption Ausleihe von Ferngläsern. Und einige Wochen nach der Reise gibt es ein Video des Bordfotografen mit den Highlights der Reise.
Essen und Restaurants
Für Suiten-Passagiere sind alle Restaurants inklusive, für die übrigen Passagiere fallen lediglich bei Reservierung des Suiten-Restaurants Lindstrøm zusätzliche Kosten an (siehe oben). Take-away, Grab & Go und auch die Themen-Dinner im Fredheim sind aber ebenfalls für alle Passagiere inklusive.
Getränkepaket, Wasser, Tee und Kaffee
Auf Expeditionsreisen ist ein Getränkepaket inklusive, das unter anderem Softdrinks, guten Tischwein, lokales Bier sowie in den Bars auch Cocktails, einige Spirituosen sowie Kaffeespezialitäten enthält. Signature- und Premium-Cocktails kosten extra, sind mit 14 Euro aber relativ günstig und sehr gut.

Rund um die Uhr sind die Tee-/Kaffee-Stationen in der Explorer Lounge und im Science Center verfügbar und auf allen Decks gibt es im Bereich der Aufzüge in der Schiffsmitte Wasserspender zum Auffüllen von Trinkflaschen.
Landgänge und Ausflüge
Expeditionstypische Landgänge, als Anlandungen mit Tenderboot oder Zodiac-Schlauchboot, sind inklusive, ebenso wie einige geführte Landausflüge (in Ilulissat beispielsweise eine geführte Wanderung zum Eisfjord). Daneben gibt es aber – je nach lokalen Gegebenheiten – weitere, kostenpflichtige Ausflugsangebote (in Ilulissat beispielsweise eine Bootsfahrt durch den Eisfjord).

Generell inklusive ist das Wissenschaftsprogramm an Bord und auch die wissenschaftlichen Exkursionen im „Science Boat“, bei denen man gemeinsam mit einem Wissenschaftler etwa Wasserproben nimmt.

Daneben werden geführte Ausflüge in Sea Kayaks sowie freies Kayaken in schlauchbootartigen Discovery-Kayaks gegen Aufpreis (69 Euro) angeboten.
Extras für Suiten-Passagiere
Für Suite-Passagiere ist neben dem Lindstrøm-Restaurant der Wäscheservice eine Flasche Champagner und das tägliche Nachfüllen der Minibar inklusive.
Die neue HX-App
Eine wichtige Rolle an Bord der Fridtjof Nansen spielt die seit Juli 2026 neue HX-Smartphone-App. Sie ist quasi die Informationszentrale für alles am Schiff, inklusive individuellem Tagesprogramm. Die App war auf unserer Reise erst wenige Wochen alt und lief daher noch nicht perfekt rund. Allerdings dürften sich die Kinderkrankheiten auch bald erledigt haben.

Vor allem auf Expeditionskreuzfahrten ist es ein großer Vorteil, wenn sich das Tagesprogramm über die App aktualisieren lässt, denn auf Expedition kommt eben immer mal etwas dazwischen, Zeiten oder Routen ändern sich, sodass man hier idealerweise alle Infos immer aktuell zur Hand hat.
Daneben findet man in der App auch Standards wie den aktuellen Stand des Bordkontos oder Öffnungszeiten der Restaurants inklusive der aktuellen Speisekarten und die wichtige Funktion zum Reservieren von Restaurant-Plätzen und Ausflügen.
Hybrid-Technik, Umwelttechnik und Nachhaltigkeit
Eine wesentliche Besonderheit der Fridtjof Nansen ist unter Emissions- und Nachhaltigkeitsaspekten ihr hybrides Energiesystem. Die Fridtjof Nansen war nach der Roald Amundsen bei Indienststellung das weltweit zweite Kreuzfahrtschiff überhaupt mit einer Kombination aus elektrischer Energie aus Akkus und relativ sauberem MGO (Marine Gas Oil). Inzwischen ist diese Technik auch auf anderen, aber immer noch recht wenigen Schiffen angekommen.

Bislang ist etwa 20 Prozent des für Akkus vorgesehen Platzes tatsächlich bestückt. Ein reiner Akku-Fahrtbetrieb ist damit für 20 bis 40 Minuten möglich. Wegen der enorm schnellen Entwicklung in der Akku-Technik will die Reederei weitere Akkus erst später nachrüsten, um die zwei Batterie-Räume nicht mit Akkus einer früheren und damit weniger leistungsfähigen Generation auszustatten. Für den derzeitigen Einsatzzweck ist die vorhandene Akkukapazität ohnehin ausreichend.
Wie funktioniert die Hybrid-Technik?
Aber wie funktioniert eigentlich das Aufladen der Akkus? Auf den ersten Blick entsteht dabei nur eine zeitliche und gegebenenfalls örtliche Verlagerung des Treibstoffverbrauchs und Schadstoffausstoßes.
Optimiere Technik trägt zum geringeren Energie-Bedarf auf herkömmliche Weise einige bei, etwa beim Rumpf-Design, Azimuth-Propeller mit Permanentmagnet-Motoren, die bei Indienststellung des Schiffs neueste Generation von Dieselgeneratoren mit niedrigen Stickoxid-Werten (NOx) und Einsparungen im Hotelbereich.
Die Hybrid-Technik selbst hat jedoch spezifische Vorteile, die für den wesentlichen Teil der Verbesserungen verantwortlich sind – abgesehen davon, dass die Akkus, wo immer möglich, auch über Landstrom geladen werden können:
1. Peak Shaving
Die Akkus werden immer dann aufgeladen, wenn die Generatoren bei optimaler Drehzahl und damit optimalem Wirkungsgrad mehr Energie bereitstellen, als für den Schiffsbetrieb nötig. Andersherum steuern sie zusätzliche Energie bei, wenn sie benötigt wird, ohne dass eine zusätzliche Maschine aktiviert oder die laufenden Maschinen schneller drehen und damit ineffizienter arbeiten müssten. Dadurch sinkt im Durchschnitt der Gesamtverbrauch an Treibstoff um bis zu 20 Prozent, weil die Maschinen immer im optimalen Drehzahlbereich arbeiten können.
2. Akku als Energie-Reserve
Bei schwierigen Manövern, etwa bei engen Passagen, Navigation im Hafen oder beim Halten einer Position läuft auf Schiffen typischerweise ein Generator auf Standby, um sofort zusätzliche Energie bereitzustellen, wenn nötig. Im Stand-by-Betrieb ist der Wirkungsgrad bei Dieselmotoren besonders schlecht, der Verbrauch also übermäßig hoch. Mit einem aufgeladenen Akku im Hintergrund kann dieser Generator jedoch abgeschaltet werden, weil stattdessen die Akkus entsprechende Energie kurzfristig bereitstellen können.
3. Landstrom-Nutzung
Die Akkus per Landstrom aufzuladen, war bei Indienststellung vor sieben Jahren eher selten möglich, wird inzwischen aber immer relevanter, weil – auch angestoßen durch die Landstrompflicht https://www.cruisetricks.de/eu-beschliesst-landstrompflicht-in-der-schifffahrt-und-forciert-einsatz-nicht-fossiler-kraftstoffe/ für Schiffe und Häfen in der EU ab 2030 – immer mehr Häfen Landstrom bereitstellen.
Die Akkus nutzt die Fridtjof Nansen aktuell vor allem dazu, die Generatoren mit optimalem Wirkungsgrad laufen zu lassen und Lastspitzen, für die ein zusätzlicher Generator nötig wäre, mit Energie aus den Akkus auszugleichen.
Ungewöhnliche Optik: der „Wave Piercing Bow“
Eine der äußerlichen Auffälligkeiten der Fridtjof Nansen ist die damals bei ihrer Indienststellung neue Bugform mit einem nahezu senkrechten Steven und einem integrierten, angedeuteten Bugwulst.
Bei der Fridtjof Nansen und ihrem Schwesterschiff hat die Reederei eng mit Rolls-Royce zusammengearbeitet. Nahezu das gesamte technische Schiffsdesign stammt von Rolls-Royce Commercial Maritime. Die ungewöhnliche Bugform lag dort als Patent bereits eine Weile in der Schublade und kam bei den HX-Neubauten erstmals zum Einsatz.

Diese „Wave Piercing Bow“ genannte Bugform hat Vorteile für Komfort und Energieeffizienz: Der Bug schneidet quasi durch die Wellen und verursacht bei Seegang weniger Erschütterungen. Und er reduziert den Reibungswiderstand des Wassers und damit den Kraftstoffverbrauch.
Sie zahlt sich besonders bei niedrigeren Fahrtgeschwindigkeiten aus, weshalb man ähnliche Bugformen heute nicht nur immer häufiger im Expeditionsbereich sieht, sondern auch bei sehr großen Kreuzfahrtschiffen bis hin zur Icon-Class von Royal Caribbean. Das erste Hochseekreuzfahrtschiff mit einem solchen senkrechten Steven war schon 2016 die AIDAprima. Denn neuere Kreuzfahrtschiffe sind meist auf niedrigere Geschwindigkeiten optimiert, um sowohl die Treibstoffkosten als auch die Emissionen deutlich zu senken, die bei zunehmender Geschwindigkeit exponentiell steigen.
Fakten und Daten: Fridtjof Nansen
- Baujahr: 2019
- Bauwerft: Kleven Yards, Norwegen
- Flagge: Norwegen
- Tonnage: BRZ 21.765
- Länge: 140 Meter
- Breite: 23,6 Meter
- Tiefgang: 5,5 Meter
- Kabinen: 252
- Passagierkapazität: 490
- Crew: 170
- Besonderheiten: Akkus, Polar Code 6
- Expeditionsausrüstung: Sea-Kajaks, Discovery-Kajaks, 17 Zodiacs
- Haupt-Maschinen: vier Bergen B33:45 von Rolls Royce, je 3.600 kW
- Akku-Kapazität: 2 x 627 kWh (ausreichend für 20 bis 40 Minuten rein elektrischen Schiffsbetrieb)

Wer war Fridtjof Nansen?
Mit einer Sache kämpfe ich immer noch: der Schreibweise des Schiffsnamens. Ständig rutscht mit ein „Friedtjof“ mit „ie“ durch. Aber der norwegische Entdecker, nachdem das Schiff benannt ist, hieß mit Vornamen eben „Fridtjof“, ohne „e“.
Fridtjof Nansen war ein norwegischer Entdecker, Wissenschaftler und überraschenderweise auch Friedensnobelpreisträgers, nämlich 1922 für seinen Einsatz in der Flüchtlingshilfe. Nansen leitete unter anderem die erste Durchquerung Grönlands auf Skiern. Er ist aber vor allem für seinen Versuch bekannt, im Zuge der Fram-Expedition (1893–1896) den geografischen Nordpol zu erreichen.
Mein persönliches Fazit
Eine Antwort bin ich noch schuldig: Warum ist die Schiffsgröße und höhere Passagierzahl der Fridtjof Nansen ein Vorteil? Denn es gibt ja einen Grund, warum alle anderen Expeditionskreuzfahrtschiffe deutlich weniger Passagiere an Bord haben. Und Expeditions-Puristen werden mein Argument womöglich nicht akzeptieren.
Die Kehrseite von wenigen Passagieren ist, dass eine Expeditionskreuzfahrt ziemlich anstrengend sein kann. Bei nur einer oder zwei Gruppen á 100 Passagiere, die in den meisten Polarregionen maximal gleichzeitig an Land dürfen, gibt es wenig Ruhepausen zwischen Landgängen. Klar, so erlebt und sieht man mehr. Aber für viele Menschen gibt es eine Grenze, was sie überhaupt noch aufnehmen können, und bezüglich der körperlichen Belastbarkeit.

Gerade auf längeren Expeditionsreisen werden viele bevorzugen, zwischendurch längere Pausen und Erholungsphasen zu haben. Für diese Passagiere ist ein Schiff in der Größe der Fridtjof Nansen gut geeignet. Statt nasse Kleider zum Trocknen aufhängen, in die nächste Ausrüstung schlüpfen und schon wieder zum nächsten Landgang hetzen, bleibt hier auch mal Zeit für einen Nachmittagsschlaf oder ein Mittagessen ohne Zeitdruck, weil die nächste Anlandung schon kurz bevorsteht.
Der Zodiac- oder Tender-Betrieb läuft auf der Fridtjof Nansen äußerst effizient, was viel Zeit spart. An der seitlichen, ausklappbaren Plattform können immer zwei Boote gleichzeitig anlegen, sodass die Passagiere ziemlich schnell von Bord und zurückkommen.

Es ist also vor allem eine persönliche Entscheidung, welche Variante einem mehr liegt. Auf Routen und Eisgängigkeit hat die Schiffsgröße jedenfalls keinen Einfluss, denn mit Polarcode 6 und einer autonomen Reichweite von etwa 30 Tagen kann die Fridtjof Nansen auch entlegene Gebiete wie die Nordwestpassage oder wie auf unserer Reise in die abgelegene Thule-Region Grönlands befahren.
Noch ein gewisser Vorteil der Schiffsgröße: Bei Seegang fällt die Schiffsbewegung geringer aus als bei kleineren Schiffen. Der fast senkrechte Steven der Fridtjof Nansen allerdings vermeidet zwar, wie bei allen Expeditionsschiffen mit diesem Feature, das hart Aufschlagen des Bugs auf Wellen, weil der Bug sie quasi durschneidet. Das führt aber auch zu einem tieferen Eintauchen und damit stärkeren Stampfbewegungen.
Positiv überrascht von Service und Gastronomie
Auf der Hotelseite hat mich sowohl das sehr gute und vielfältig Essen positiv überrascht, insbesondere auch die moderne Interpretation der Gerichte bei den Themenabenden im Fredheim und dem Hochgenuss des grönländischen Dinners.

Und auch die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Service-Crew hat bei mir einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Besonders beeindruckt hat mich, dass mich Kellner vor allem in den Restaurants schon vom zweiten oder dritten Tag an persönlich mit Namen ansprachen – für ein Schiff dieser Größe keine Selbstverständlichkeit.












