Mundschutz gegen Viren-Infektion (Bild: Esparta Palma, CC BY 2.0)

Schutz vor dem Corona-Virus auf Kreuzfahrt: Was Sie tun können und was die Reedereien unternehmen

Nach den ersten Coronavirus-Verdachtsfällen und inzwischen auch ersten nachgewiesenen Infektionen auf Kreuzfahrtschiffen verschärfen immer mehr Reedereien ihre Schutzmaßnahmen. Neben Kreuzfahrt-Absagen in China dürfen Passagiere nicht mehr an Bord, die sich kürzlich in China aufgehalten haben. Passagiere machen sich Gedanken, wie sie sich auch individuell vor dem Coronavirus (und anderen Infektionskrankheiten) schützen können.

Der erste Corona-Verdachtsfall auf der Costa Smeralda im Mittelmeer bestätigte sich letztlich nicht. Die betroffene Passagierin war aber offenbar mit Influenza infiziert. Sehr unangenehm ist die Situation dagegen für Passagiere der Diamond Princess in Japan: Die einem Passagier wurde einige Tage nach der Kreuzfahrt eine Corona-Infektion festgestellt, das Schiff wurde unter Quarantäne gestellt, inzwischen wurden auch zahlreiche Corona-Fälle an Bord nachgewiesen. In Hong Kong wurde die World Dream vorsorglich unter Quarantäne gestellt. Dort sind drei Passagiere vorausgegangenen Reise mit Corona infiziert.

Zuvor hatten einige Reedereien bereits Kreuzfahrten in China komplett abgesagt, die vorwiegend oder ausschließlich am chinesischen Markt verkauft worden waren. Für weitere Kreuzfahrten mit Hafenstopps in China haben viele Reedereien ihre Routen geändert, beispielsweise für die AIDAvita.

Grund zur Sorge oder gar Panik besteht derzeit beim Corona-Virus in Europa nicht. Die Fälle von Infektionen sind aktuell (Stand: 2. Februar 2020) äußerst gering und sind nahezu alle durch direkten Kontakt mit infizierten Personen aus China entstanden. Andere Infektionskrankheiten wie die echte Grippe (Influenza) stellen im Vergleich ein viel größeres Risiko dar.

Vorsichtsmaßnahmen von Häfen und Reedereien wegen Corona-Virus

Derweil entschließen sich immer mehr Kreuzfahrt-Reedereien, das Infektionsrisiko mit Corona an Bord ihrer Schiffe weiter zu minimieren. Disney Cruise Line, MSC, Norwegian Cruise Line, Regent Seven Seas Cruises beispielsweise verweigert Passagieren die Einschiffung, wenn sie sich in den vergangenen 30 Tage in China aufgehalten haben. Bei AIDA und Costa beträgt diese Frist 14 Tage. Royal Caribbean und Celebrity Cruises haben eine 15 Tage-Frist und akzeptieren auch keine Flug-Anreise via Hongkong. Der Branchenverband Clia definiert eine 14-Tage-Frist.

Außerdem verlangen die Reedereien wieder vermehrt Gesundheitserklärungen beziehungsweise ergänzen bereits vorhandene Erklärungen. Darin müssen alle Passagiere bei der Einschiffung schriftlich bestätigen, dass sie frei von bestimmten Krankheitssymptomen sind. Die meisten Reedereien setzen solche Formulare bereits zur Vermeidung von Magen-Darm-Infektionen ein und ergänzen das jetzt mit der Abfrage von Symptomen für das Corona-Virus.

Die Reedereien unterziehen ihre Besatzung einer Untersuchung auf Coronaviren oder darauf hindeutende Symptome. So soll vermieden werden, dass infizierte Crew-Mitglieder an Bord die Passagiere anstecken. Beispielsweise bei MSC kommen auch berührungslose Systeme zur Bestimmung der Körpertemperatur von einschiffenden Passagieren zum Einsatz.

Einzelne Häfen reagieren ebenfalls bereits mit Restriktionen. Die Bahamas beispielsweise verweigern die Einreise für Besucher, die in den vergangenen 20 Tagen in China waren. Zwei Häfen auf den nahe Neuseeland gelegenen Loyalty Islands im Südpazifik haben den Anlauf von Kreuzfahrtschiffen vorerst komplett gestoppt.

Hinweis: Die genannten Maßnahmen sind als Beispiele zu verstehen. Passagiere, die demnächst eine Kreuzfahrt in Asien gebucht haben, sollten sich direkt bei der Reederei über die jeweils aktuellen Einschränkungen und Bedingungen erkundigen.

So schützt man sich auf Kreuzfahrt selbst vor dem Corona-Virus

Der Corona-Virus überträgt sich nach dem derzeitigen Kenntnisstand ähnlich wie Erkältungs- und Grippe-Viren. Wichtige Vorbeugemaßnahmen sollten daher ein regelmäßiges, ausgiebiges Händewaschen sein, insbesondere vor dem Essen.

Vermeiden sollte man, sich mit den Händen an Mund oder Nase zu berühren. Denn so könnten sich Corona-Viren von den Händen auf die Schleimhäute übertragen. Vermeiden sollte man Orte, an denen man sich besonders wahrscheinlich mit dem Virus kontaminieren könnte: Treppengeländer, Aufzugsknöpfe, öffentliche Toiletten. Aber auch im Buffet-Restaurant könnten sich Viren über das Vorlege-Besteck von Passagier zu Passagier übertragen.

Insgesamt gelten sehr ähnliche Empfehlungen wie zur Vermeidung von Infektion mit Magen-Darm-Erkrankungen wie Noro. Auf ihrer Website gibt die Weltgesundheitsorganisation WHO weitere Verhaltens-Tipps (englisch), um bei sich selbst und bei anderen eine Ansteckung mit dem Corona-Virus zu vermeiden.

11 Kommentare

11 Kommentare zu “Schutz vor dem Corona-Virus auf Kreuzfahrt: Was Sie tun können und was die Reedereien unternehmen

  1. Ich seh schon, dass sich vor den Desinfektionsautomaten vor dem Restaurant lange Schlangen bilden – zumindest an den ersten beiden Tagen. Das Berühren von Aufzugsknöpfen wird sich dagegen nicht ganz vermeiden lassen, es sei denn, die installieren bald eine Sprachsteuerung. Und wenn tausende Menschen auf engem Raum intensiven Kontakt miteinander haben, dann ist das für ein Virus natürlich ideal. So viele Hygienemaßnahmen kann man gar nicht ergreifen.

  2. Naja, die Alternative zu den Aufzugsknöpfen wäre, die Treppe zu benutzen ;-) Und die Knöpfe kann man natürlich auch mit dem Ellenbogen drücken, sodass man die Knöpfe nicht mit den Fingern berühren muss. Buffet kann man komplett vermeiden, indem man die Bedien-Restaurants nutzt. Bei erhöhter Infektionsgefahr stellen die Reedereien typischerweise Crew-Mitglieder mit Sprühflaschen an den Eingang der Restaurants. Schlangen bilden sich da nicht. Und auch ohne Corona sollte die Desinfektion eigentlich für jeden selbstverständlich sein. Wer das nicht tut, nimmt latent in Kauf, vermehrt Viren und Bakterien ins Restaurant zu tragen und Mitreisende ggfs. anzustecken. Vor allem bei den netten Zeitgenossen, die direkt vorher nochmal auf die Toilette gehen und sich danach die Hände nicht waschen …

    Aber insgesamt sollte man bei dem Thema glaube ich auch nicht zu heftig reagieren. Corona erregt gerade hohe Aufmerksamkeit, aber zahlreiche andere Infektionskrankheiten von einfachen, viralen Infekten über Grippe bis Noro sind zumindest aktuell noch viel wahrscheinlicher als Corona. Und auch davor sollte und könnte man sich mit gen beschriebenen Maßnahmen ohnehin im Alltag schützen, nicht nur am Schiff, auch wenn dort durch die Dichte der Menschen das Risiko natürlich etwas höher ist – andererseits aber auch viel besser unter Kontrolle und mit viel mehr vorbeugenden Hygienemaßnahmen als beispielsweise in der U-Bahn jeder beliebigen Großstadt, im Supermarkt oder einem Restaurant an Land.

  3. Laienhaft nehme ich an, das das Coronavirus kaum gefährlicher ist als die „normale“ echte Grippe – das besorgniserregende ist halt, daß es derzeit keinen Impfstoff dagegen gibt.

    Wer sich allerdings gerne der Panikmache mancher Medien anschließen will, sollte zunächst sicherstellen, daß er/sie sich schon gegen die normale Grippe hat impfen lassen. Deren Verlauf und Sterblichkeitsrate ist – was die bekannten Zahlen angeht – erheblich schlimmer.

    Wenn ich die Zahlen aus dem Jahr 2018 lese – da gab es 334.000 im Labor bestätigte Grippeerkrankungen registriert, mit 1.665 Todesfällen. Die Dunkelziffer dürfte noch höher gewesen sein, weil nicht jede Grippe abgeklärt wird. Zudem geht nicht jeder Patient zum Arzt. In der Saison 2017/2018 war die starke Grippewelle nach Angaben des RKI sogar für schätzungsweise 25.100 Tote verantwortlich – das sei die höchste Zahl an Todesfällen durch Influenza in den vergangenen 30 Jahren.

    Trotzdem läßt sich nur ein Bruchteil derer, denen eine Impfung ausdrücklich angeraten wird, impfen.

    Impfmüdigkeit ist weit verbreitet – aber kaum kommt was „exotisches“ daher, steigen alle voll drauf ein. Ich bin ziemlich sicher, daß mehr „normale Influenza-Infizierte“ im persönlichen Umfeld sind als Corona-Verdächtige.
    Trotzdem wird die Gefährdungslage wieder mal ganz anders subjektiv wahrgenommen.

    Wenn nur alle, die bei der Berichterstattung schaudern, mal ihr Impfbuch zur Hand nähmen und überprüfen würden, wie denn der Impfstatus zu Tetanus, Masern, Keuchhusten etc. aussieht……

  4. @Wendy: Bisher sieht es so aus, als sei die Sterblichkeitsrate deutlich niedriger als bei Sars oder Mers und etwa auf dem Niveau der Influenza. Allerdings basiert das bisher nicht auf eine sonderlich soliden Datenbasis bzgl. Corona, das kann sich also noch ändern.
    Ich glaube, entscheidend bei all dem ist, sich durch Statistiken nicht verrückt machen zu lassen. Die allermeisten Sterbefälle bei solchen Infektionen betreffen – so schlimm wie es ist – typischerweise Menschen mit Vorerkrankungen und/oder deutlich geschwächtem Immunsystem, oft sehr alte Menschen. Kurz: Wenn man all diese Fälle aus der Statistik herausrechnet, weil man selbst relativ jung, gesund und robust beieinander ist, sinkt das Risiko au feinen so niedrigen Wert, dass es für einen selbst kaum noch relevant ist.

  5. Ein Informant (Bruder) hat bestätigt dass die AIDAperla auf ihrer Karibik-Tour ab Barbados bisher 2 Inseln nicht anlaufen durfte Port Castries (St. Lucia) / Kleine Antillen und Roseau (Dominica) / Kleine Antillen
    Grund ist, dass seit einiger Zeit mehrere Menschen (70) an normaler Grippe erkrankt sind. Jetzt sollen es noch um die 20 sein, das Schiff liegt momentan in Guadeloupe. So schnell kommt man in eine handfeste Krise hinein.

  6. Aktuelle Asien-Kreuzfahrten mit der Celebrity Millennium wurden/werden komplett umgeroutet.
    Wir sind auch betroffen. Unsere Kreuzfahrt am 29.2. endet nun nicht wie geplant in HKG, sondern in Tokio. Overnight in Bangkok wurde gestrichen, Hong Kong wird komplett vermieden. Dafür sind einige Häfen in Japan dazu gekommen. Das stellte uns kurz vor einige logistische Herausforderungen, war aber alles lösbar.
    Die Passagiere der aktuellen Kreuzfahrt hat es schwerer getroffen. Sie haben erst in Singapur von den Planänderungen erfahren. Einige von Celebrity organisierte Flüge hatten Stops in HKG. Die Passagiere erfuhren erst nach ihrer Ankunft, dass sie nicht an Bord durften.

  7. Auf der Westerdam läuft aktuell alles normal an Bord aber die laufende Kreuzfahrt wird beendet und die nächste ist abgesagt. Aktuell wird ein Ausschiffungshafen gesucht, nachdem Japan heute Morgen alle Häfen gesperrt hat.

  8. Vielleicht zwingt die Situation die Reedereien zum Umdenken. Wer gibt bei der einschiffung schon zu, das er eine Erkältung hat. Ist ja nur Papier. Hat auch später keine Konsequenzen. Und ein Separieren an Bord erfolgt auch nicht. Man bekommt nicht mal eine Warnung, wenn man zusteigt. Könnte man eigentlich selbst wissen, aber nach einem Nachtflug sind Gehirnzellen nicht mehr so fix

  9. Ich denke, Corona hat gerade einfach eine sehr hohe Aufmerksamkeit, wohingegen sich niemand in ähnlicher Weise über vergleichbare Infektionsrisiken wie beispielsweise Influenza beschäftigt. Schutzmaßnahmen sind für solche Infektionskrankheiten immer ähnlich und man kann selbst sehr viel tun, um sich zu schützen. Eine absolute Sicherheit gäbe es nur, indem man jeglichen Kontakt zu anderen Menschen vermeidet. Das können Reedereien logischerweise ebenso wenig leisten wie das gesamte andere, öffentliche Leben. Selbst die extrem radikalen Maßnahmen, in China gleich ganze Landstriche unter Quarantäne zu stellen, ist offenbar kein ausreichender Schutz …

  10. Moin zusammen! Wir sollten uns immer der Tatsache bewusst sein, dass wir einer verzerrten Risikowahrnehmung unterliegen. Mutter Natur hat uns so konstruiert, dass wir Gesehenes als nah empfinden, dann über Jahrmillionen war das so. Die Erfindung von Foto, Film, Fernsehen (ja… Fern-Sehen,) und Internet hat daran nichts ändern können, so dass wir uns von den Dingen persönlich bedroht fühlen, die uns massiv medial erreichen. Dazu kommt immer eine gewisse redaktionelle Filterung dazu. Wieso regt uns z.B. Der Amoklauf in Thailand mit 26 Toten und 57 Verletzten weniger auf als einer in den USA?

    Wegen eines kleinen Haushaltsunfalls bin ich bis Mitte März beruflich außer Gefecht und hatte erwogen, eine sehr günstige Tour ab Singapur zu buchen, die für Touristiker günstig angeboten wurde. Natürlich nahm ich davon Abstand, obwohl auch die Flugzeuge ziemlich leer sind. Nicht weil ich vor dem Virus Angst hätte, sondern weil ich absolut keine Lust gehabt hätte, bei ausbrechender „Vorsorgemaßnahmen“ vierzehn Tage in meiner Kabine zuzubringen. Vielleicht werden es jetzt acht Tage Madeira, mal sehen.

    Mein Unfall zeigte mir: die Gefahren lauern im Haushalt, im Alltag, und jetzt wäre wohl sinnvoll, nicht mit dem Auto über Alleen zu fahren, weil Sturmtief Sabine zu sehr an den Bäumen ruckelt. Grundsätzlich rate ich dazu, den Bauch eher abzuschalten und den Gesunden Menschenverstand in Betrieb zu nehmen, vor allem im Umgang mit plötzlich anschwellender Berichterstattung. Berichtet werden muss es, denn wenn man es nicht täte, kämen gleich die Vorwürfe, dass die „Lügenpresse“ schlechte Nachrichten unterdrücke. Nur muss jeder wissen, dass nach zwanzig Sondersendungen die Gefahr nicht 20fach gewachsen ist.

  11. Lieber Volker, Du beschreibst das Thema wie so oft sehr treffsicher; volle Zustimmung dazu. Nur in einem sehe ich es etwas anders: Nicht, weil irgendjemand „Lügenpresse“ schreien könnte, muss berichtet werden (auch wenn das vielleicht, neben Online-Klick-Gier, für viele Redaktionen ein wichtiger Grund ist). Berichtet werden muss, weil es ein wichtiges Thema ist. Entscheidend finde ich aber das „Wie“ der Berichterstattung – und da liegt das eigentliche Problem: Die meisten Medien überstürzen sich damit, die Angelegenheit zu dramatisieren, zu personalisieren (damit es emotional berührt) und vergessen dabei die vernünftige und sachliche Einordnung, die Relativierung, die Einschätzung durch echte Experten. Sobald in welchem Zusammenhang auch immer das Wort „Corona“ auch nur am Rande auftaucht, macht man gleich eine dramatische Schlagzeile, völlig unabhängig davon, wie relevant es eigentlich ist. Nach dem Prinzip: Eine möglicherweise infizierte Taube fliegt über Augsburg, für eine Münchner Zeitung ist das schon nahe genug an München, sodass sie titeln kann: „Müssen wir jetzt alle sterben?“ (etwas überspitzt, aber Du weißt, was ich meine). Wir Journalisten und Medienbetriebe sollten nicht in die Hysterie verfallen, die wir eigentlich bei unseren Lesern/Zuschauern durch sachliche und einordnende Berichterstattung verhindern sollten. Auch wenn wir dabei nicht die Million zusätzlicher Online-Klicks mitnehmen können, die eine solche Schlagzeile zweifelsohne hervorruft. Verantwortung sollte vor Geldgier gehen.

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