World Explorer in Kristiansand, Norwegen

World Explorer: Warum sich ein Blick auf die Details lohnt

Selten war ich beim Schreiben eines Schiffsportraits so zwiespältig wie bei der World Explorer. Einerseits gefällt mir das Schiff sehr gut, die Kabinen sind erstklassig, die Service-Crew liebenswert, herzlich, exzellent ausgebildet, schnell und zuverlässig, Getränke günstig, Cocktails sehr gut gemixt.

Update: Mein persönlicher und direkter Eindruck vom Schiff steht in einigem Widerspruch zu Passagier-Aussagen von einer anderen Reise. Hauptgrund dafür dürfte der nicht erfüllte „5 Sterne“-Anspruch der Reederei sein. – Details dazu im Beitragsteil „Fazit zur World Explorer.“

Es gibt aber auch Aspekte, die das Erlebnis an Bord trüben können – je nach persönlichen Vorlieben und Ansprüchen aber nicht unbedingt relevant sind. Die anfänglichen Probleme, weil das Schiff in der Werft nicht rechtzeitig fertig geworden ist, blende ich bei dieser Betrachtung zunächst einmal aus, weil diese Mängel wohl innerhalb der nächsten Wochen wahrscheinlich behoben sein werden, insbesondere bei einem geplanten, kurzen Werftaufenthalt im Oktober 2019. Weiter unten gehe ich aber natürlich auch auf die aktuellen Mängel genauer ein.

Ich empfehle deshalb, bei der World Explorer genau auf die Details zu achten. Denn das Schiff kann, wenn es zu den eigenen Vorstellungen passt, ein sehr schönes, kleines Schiff sein, mit dem man in familiärem und herzlichem Ambiente besondere Routen und kleine Häfen sehr individuell und abseits des Massentourismus erkunden kann.

Die World Explorer beeindruckt durch helles, stilsicheres und elegantes Design. Eine durchgehende Handschrift der Innenarchitektin ist deutlich erkennbar. Restaurant, Lounges und Kabinen sind gestalterisch aus einem Guss und wirken sehr großzügig, fast schon luxuriös.

Observation Lounge
Observation Lounge

Eine bebilderte Deck-fürDeck-Beschreibung der World Explorer finden Sie auf unserem Schwesterblog Cruisediary.de im Beitrag „Mit der World Explorer von Reykjavik nach Hamburg“ und bei cruisetricks.de gibt es natürlich eine umfassende Bildergalerie zur World Explorer.

Nebenbei bemerkt: Im Sprachgebrauch von Nicko Cruises wird der Schiffsname mit einem männlichen Artikel verwendet, also: „der World Explorer“. Ich erlaube mir die Freiheit, beim traditionell weiblichen Artikel für Schiffe zu bleiben, also: „die World Explorer“.

Exzellente Crew und guter Service

Was mir besonders positiv auffällt, ist die Crew: freundlich, aufmerksam, gut ausgebildet, liebenswert, hilfsbereit, mit relativ guten Deutschkenntnissen – kurz: exzellent. Die Service-Abläufe sind eingespielt und klappen reibungslos, der Service ist schnell und zuverlässig.

Restaurantleiter, Hoteldirektor, Kellner und Reiseleiter in eher ungewohntem Outfit beim Frühschoppen
Restaurantleiter, Hoteldirektor, Kellner und Reiseleiter in eher ungewohntem Outfit beim Frühschoppen

Das ist für ein neu eingeführtes Schiff, noch dazu als erstes Hochseeschiff einer Reederei und mit einem neuen Schiffstyp durchaus bemerkenswert und längst nicht überall so, auch nicht bei den ganz großen, erfahrenen Reedereien.

Deck 4: Main Lounge, Rezeption, Shop, Casino

Ein großer Teil des aktiven Bordlebens spielt sich auf Deck 4 ab. Hier befindet sich mittig die Rezeption und das Ausflugsdesk, ein Internet-Café mit mehreren Computerplätzen, ein kleines Spielkasino und ein Card Room für Gesellschaftsspiele, ein kleiner Shop, die Cigar Lounge für Raucher sowie zum Bug hin das Auditorium und die Main Lounge mit Bar und am Heck das Restaurant inklusive Außenbereich.

Rezeption
Rezeption

In der Main Lounge steht ein Piano und es gibt eine kleine Tanzfläche, was die Main Lounge abends zu einer lebendigen Bar mit Live-Musik macht, während die Observation Lounge oben auf Deck 7 vorne eine weitgehend ruhige Bar für stille Genießer ist.

Main Lounge
Main Lounge

Große Displays mit halbdurchlässigen Spiegeln fungieren in der Main Lounge als Raumtrenner. Auf den Displays sind während unserer Reise Destinationen-Videoclips zu sehen. In den Bereichen ohne Video oder wenn gerade kein Video läuft, wirken diese Displays wie Spiegel. Das vermittelt einen großzügigen Eindruck des Raums und wirkt sehr modern.

Auditorium
Auditorium

An die Main Lounge schließt sich zum Bug hin das Auditorium an. Dieser fensterlose Raum dient den Lektoren für Vorträge sowie als Kino, hat eine kleine Bühne mit Leinwand, Beamer und eine guter Sound-Anlage. Die relativ steil ansteigende Theaterbestuhlung mit Leder-Klappsesseln ermöglicht einen guten Blick von allen Plätzen aus. Bei Seegang schaukelt es hier vorne, nahe dem Bug, allerdings besonders stark.

Mein Lieblingsplatz: Observationdeck am Bug

Mein Lieblingsplatz und ein echtes Highlight auf der World Explorer ist das Observationdeck ganz vorne am Bug auf Deck 5. Es gibt einige kleinere Schiffe, bei denen der Bugbereich für Passagiere auf ähnliche Weise zugänglich ist. Auf der World Explorer ist das jedoch besonders attraktiv. Denn rundum gibt es dort Sitzbänke, sodass man beispielsweise Hafeneinfahrten von hier aus genießen oder unterwegs Wale ganz nah beobachten kann.

Observationdeck am Bug
Observationdeck am Bug

Die schulterhohe Rückenlehne schützt auch ein wenig vor Wind und die Sitzfläche aus Holzimitat speichert etwas Wärme, sodass der Aufenthalt auf dem Observationdeck besonders angenehm ist – vorausgesetzt natürlich, der Wind ist nicht zu stark. Bei stärkerem Wind ist die Observation Lounge auf Deck 7 der bessere Platz und auch dort gibt es einen Außenbereich.

Observationdeck am Bug
Observationdeck am Bug

Ein wenig unklar ist, ob die Reederei beim Bau der World Explorer den Freidecks am Heck eine bestimmte Rolle zugedacht hat. Zumindest Liegestühle wären hier wünschenswert.

Aussendeck am Heck
Aussendeck am Heck

Jedenfalls gibt es jeweils am Ende des Kabinengangs auf den Decks 5 und 6 ein größtenteils überdachtes Außendeck am Heck des Schiffs mit entsprechend freiem Blick aufs Meers, wenig genutzt, aber durchaus attraktiv.

Observation Lounge

Wohnzimmer-Gemütlichkeit strahlt die Observation Lounge und Bar vorne auf Deck 7 aus. Die Sitzgruppen sind in einer Weise angeordnet, dass man von jedem Platz einen mindestens passablen Blick nach draußen hat. Zwei richtig wohnzimmerartig eingerichtete Ecken links und rechts der Bar beherbergen eine kleine Bibliothek. Vor oder zum Nachmittagscafé gibt es hier Livemusik mit Gitarre und Gesang, ansonsten geht es in der Observation Bar eher ruhig zu.

Observation Lounge
Observation Lounge

Eine Besonderheit der Observation Lounge ist eine Glaskuppel in der Mitte, der von oben Tageslicht in die Lounge fallen lässt. Direkt darunter ist ein riesiges Display angeordnet, auf dem Live-Bilder einer nach vorne gerichtete Unterwasser-Kamera übertragen werden. Die Idee ist spannend, allerdings war zumindest auf unserer Reise nichts zu sehen außer gelegentlich durchhuschenden Schatten. Möglicherweise ist das in Fahrtgebieten mit klarem Wasser anders – vielleicht mit vorbeischwimmenden Pinguinen in der Antarktis?

Observation Lounge
Observation Lounge

Seitlich und vorderhalb der Observation Lounge gibt es ein Außendeck mit Sesseln. Das Deck ist über zwei seitliche Glastüren direkt erreichbar – einem schnellen Foto steht also nichts im Wege.

Observationdeck auf Deck 7
Observationdeck auf Deck 7

Zurück kommt man allerdings nur über einen kleinen Umweg, denn die eigentlich vor allem als Fluchtwege gedachten Türen öffnen sich nur von innen nach außen, aber nicht umgekehrt. Immerhin verhindert das zu viel Unruhe durch ständigen Publikumsverkehr.

Pool und Whirlpools

Auf unserer Reise waren die zwei Whirlpools und der Pool noch nicht benutzbar, weil nicht komplett fertiggestellt. Grundsätzlich wirkt das Pooldeck in der Schiffsmitte wie die Miniaturausführung eines Pooldecks größerer Kreuzfahrtschiffe, durch den erhöhten Pool aber ein wenig beengt: Liegestühle mit weichen Polsterauflagen, Bar und ein kleines Buffet samt Tischen zum Essen unter freiem Himmel – wenn das Wetter es zulässt.

Pooldeck
Pooldeck

Auf unserer Reise fehlten vor allem Geländer um den erhöhten Poolbereich sowie Treppen in die Pools hinein. Und offenbar waren Zu- oder Ableitungsrohre undicht. Bei den Whirlpools war laut Chief Engineer die Wasseraufbereitung noch nicht funktionsfähig. Pool und Whirlpools sollen spätestens bei einem kurzen Werftaufenthalt in Portugal im Oktober in Ordnung gebracht werden, bevor die World Explorer über den Atlantik nach Brasilien und anschließend zu ihrer Antarktis-Saison aufbricht.

Pooldeck
Pooldeck

Der Pool ist grundsätzlich ganz gut gedacht: Erhöht auf dem Pooldeck angesiedelt, ist er relativ tief und hat an den Längsseiten jeweils Sitzbänke im Wasser. Die Größe des Pools führt allerdings schon bei recht leichtem Seegang dazu, dass das Wasser überschwappt – hier ist die Reederei nach eigenen Angaben auf der Suche nach einer Lösung.

Die zwei Whirlpools direkt neben dem Pool sind rechteckig statt sonst rund und bieten damit definierte Plätze für sechs Personen bieten, ohne dass man sich in der Mitte mit den Füßen in die Quere kommt.

Wie das Pooldeck letztlich aussehen wird, lässt sich nach unserer Reise noch nicht abschließend beurteilen, weil viel davon abhängt, wie die Geländer rund um den erhöhten Pool gestaltet sein werden.

Spa, Sauna, Fitness-Center

Die kostenfrei nutzbare Sauna ist sehr klein geraten, bietet Platz für drei, maximal vier Personen. Außer der Sauna selbst gibt es dort nur eine Dusche, aber keinen Ruheraum oder Ähnliches. Für Spa-Behandlungen stehen nebenan zwei Behandlungsräume zur Verfügung, auch hier gibt es keinen Ruheraum oder Ähnliches.

Spa - Sauna
Sauna

Der Fitness-Raum ist da vergleichsweise groß und hat Panorama-Fenster zum Außendeck. Die Geräte – Laufbänder, Crosstrainer, Spinning-Fahrräder – erfüllen ihren Zweck, sind aber von eher einfacher Ausführung, also mit LED-Anzeige statt Touchscreens.

Sonnendeck
Sonnendeck

Am Sonnendeck gibt es außerdem eine dedizierte Joggingbahn, die angenehmerweise nicht von Sonnenstühlen verstellt ist und daher ganztags als Joggingbahn nutzbar ist.

interaktive Panorama-Bilder: World Explorer

Vollbild-Modus (empfehlenswert): Panorama-Bilder der World Explorer - Blickrichtung verändern: ins Bild klicken, Maustaste halten und Maus bewegen - weitere Panorama-Szenen ansehen: Pfeil-Button links und rechts.
Anmerkung*: Cruisetricks.de fuhr auf der World Explorer auf Einladung von Nicko Cruises.
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10 Kommentare

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10 Kommentare zu “World Explorer: Warum sich ein Blick auf die Details lohnt

  1. Es ist ärgerlich,wenn Veranstalter Reisen absagen müssen, es ist aber noch ärgerlicher, wenn im Gegensatz zu Ihnen, zahlende Passagiere mit einem so unfertigen Produkt auf die Reise geschickt werden. Dies geht einfach nicht! . Es ist auch entschuldbar! Punkt aus! Ich erwarte von Ihnen, auch wenn sie gerne umsonst durch die Weltreisen, soviel Rückgrat dies der Reederei klar mitzuteilen und keinen Reisebericht zu verfassen der absolut konträr zu denen zahlreicher zahlender Gäste auf entsprechenden Bewertungsportalen ist. Mit solchem Gefälligkeitsjournalismus opfern ihre gesamte Glaubwürdigkeit und damit ihre Geschäftsgrundlage.

  2. @Hensel: Ich möchte noch einmal ganz deutlich klarstellen und betonen: Ich habe in meinem Bericht exakt geschildert, wie ich das Schiff, den Service etc. auf dieser konkreten Reise von Reykjavik nach Hamburg erlebt und gesehen habe. Ich habe in dem Beitrag genau beschrieben, was noch nicht fertig ist und wo Mängel sind und dass Nicko Cruises einen Fehler macht, das Schiff mit „5-Sterne-Niveau“ zu bewerben, weil es diesem Anspruch nicht gerecht wird. Von „Gefällgikeitsjournalismus“ kann doch da gar nicht die Rede sein.

    Sobald ich die teils heftigen Kritiken von Passagieren *auf einer anderen Reise* (!) des Schiffs gelesen habe und – wie man das journalistisch korrekt tut – eine Stellungnahme von Nicko Cruises dazu eingeholt hatte, habe ich den Beitrag ergänzt um den Hinweis, dass es auf anderen Reisen andere Erfahrungen gab.

    Sie haben vollkommen Recht: Durch Gefälligkeitsjournalismus würde ich meine Geschäftsgrundlage gefährden und deshalb tue ich das auch nicht. Ich werde aber auch nicht umgekehrt so tun, als hätte ich all das, was ich auf meiner konkreten Reise gesehen und erlebt habe, nicht gesehen und erlebt. Es war so. Und wenn Leser mir das nicht glauben wollen, oder nicht wahrhaben wollen, dass auf unterschiedlichen Reisen mit unterschiedlichen Destinationen und sehr unterschiedlichem Wetter auch unterschiedliche Eindrücke entstehen können, dann kann ich daran leider nichts ändern. Ich weiß, was ich gesehen habe. Das steht teils in Widerspruch zu dem, was ich von Passagieren einer späteren Reise (auch persönlich am Telefon) gehört habe. Deshalb habe ich den Beitrag ja auch entsprechend ergänzt.

    Ich finde es traurig, dass man sich für einen differenzierten, sehr detaillierten Bericht rechtfertigen muss, nur weil man nicht lediglich in paar groben Worten pauschale Urteile fällt, wie manche das offenbar gerne hätten. Bitte lesen Sie mein mehrteiliges Schiffsportrait noch einmal genau, denn werden Sie sehen, dass ich nicht hinter dem Busch halte beim Ansprechen von Schwächen und Mängeln.

  3. @ Neumeier, als Vielkreuzfahrer ( alleine fünf in diesem Jahr) orientiere ich mich bei der Wahl mir unbekannten Schiffe gerne auf Erfahrungsbericht ( Vlogs) u.a. von Mathias Morr, SuK, Kreuzfahrturlauber u.v.a. zurück. Ich muss mit bei den jeweiligen Personen eine gewisse Objektive und Unabhängigkeit erwarten. Das heißt man kann eine Kabine mit den von Ihnen dokumentierten Mängeln nicht als erstklassig bezeichnen. Die Passagiere der World Explorer bezahlen auf deren Expeditionskreuzfahrten durchschnittlich einen vierstelligen Tagespreise, hierfür darf man ein mängelfreies Schiff mit absolutem Topservice erwarten. Dieser Tagespreis ist die eigene Messlatte der Reederei, die sie zu erfüllen hat und die einer objektiven Bewertung zu Grunde liegen sollte. Wer aber unzufriedenen Gästen mit Anwälten zu droht, um sie Mundtot zumachen, der hat das Geschäft nicht verstanden oder auf gut Deutsch „den Knall nicht gehört“. Hätten sie, wie Herr Morr auf eine Reisebeschreibung, bzw. Schiffsrundgang bewusst verzichtet, wären sie sich nicht in den von Ihnen selbst beschrieben Zwiespalt gekommen.

  4. @Hensel: Ich habe mich entschieden, den Zwiespalt zu schildern; andere haben sich anders entschieden – beides ist keine optimale Lösung, denn eine solche gibt es in solchen Situationen nicht. Ich hielt und halte es für wichtig, meinen Lesern zu beschreiben, was ich gesehen und erlebt habe. Ich habe es so detailreich gemacht, wie ich es für sinnvoll hielt, um meinen Lesern alle Informationen zu liefern, die es ermöglichen, sich ein eigenes Bild zu machen. Ich habe deutlich auf die Diskrepanz zwischen dem 5-Sterne-Anspruch der Reederei und der Realität hingewiesen. (nebenbei bemerkt: der Durchschnittspreis – auf alle Reisen gerechnet – liegt bei der World Explorer bei etwa 500 Euro pro Tag; teuer genug, aber ein signifikanter Unterschied zu „vierstellig“; zur korrekten Einordnung: Bremen 613 Euro, Europa 786 Euro, Fram 771 Euro, Sea Spirit 1080 Euro, die neueren Ponant-Schiffe wie Le Laperouse 779 Euro – lt. Kreuzfahrt Guide 2019).

    Auf die unglückliche Situation, dass die nachfolgende Reise offenbar sehr problematisch verlaufen ist, es große Probleme in allen Bereichen gab, hatte ich keinen Einfluss und habe ich auch erst nach Veröffentlichung meines Beitrags so richtig wahrgenommen, weil ich direkt nach meiner Reise mit der World Explorer noch auf einem anderen Schiff unterwegs war und daher etwas im medialen „Off“ war. Letztlich ändert das aber nichts an dem, was ich an Bord gesehen und erlebt habe und das ich ehrlich und aufrichtig geschildert habe.

    Für das Verhalten von Nicko Cruises nach besagter Reise, auf der ich, noch einmal betont, nicht war, kann ich nichts; habe ich zu wenig gesicherte Detailkenntnis zu den damit verbundenen Vorkommnissen; und will mich auch zu irgendwelchen Streitigkeiten von anderen mit Nicko nicht äußern; das ist schlicht nicht meine Baustelle und hat auch nur äußerst bedingt etwas mit dem Schiff als solchem zu tun, um das es in meinem Beitrag geht.

    Noch einmal: Ich sehe meine Aufgabe darin, meinen Lesern Informationen zu liefern, die dabei helfen, sich ein eigenes Bild zu machen. Wer auf 5-Sterne-Qualität nach deutschem Standard Wert legt, hat in meinem Beitrag die klare Information bekommen, dass dieser Standard nicht erfüllt wird.

    Ich gestehe Ihnen zu, dass unter den Gegebenheiten, die nach meiner Reise entfaltet haben, die Bezeichnung „erstklassig“ für die Kabinen etwas unglücklich ist – allerdings bitte ich auch hier wieder wahrzunehmen, dass ich diesen Begriff nicht für sich allein stehen habe, sondern im Beitrag erkläre und relativiere, insbesondere in Hinblick auf die noch zu behebenden Mängel. Ich erwarte von meinen Lesern, dass sie nicht nur einzelne Wörter aus dem Zusammenhang picken, sondern im Rahmen der Gesamteinschätzung wahrnehmen (ist das möglicherweise zu viel verlangt/erwartet?).

    Noch ein letzter Punkt: Kern von cruisetricks.de und meiner journalistischen Arbeit außerhalb des Blogs in Zeitungen und Zeitschriften war und ist es immer, mich auf meine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse zu stützen. Ich gewichte das, was ich selbst gesehen habe, höher als das, was mir erzählt wird oder was ich irgendwo lese – auch weil diese Quellen sehr schwer einschätzbar sind (damit will ich diese Quellen keinesfalls diskreditieren; nur sagen, dass ich sie nicht gut genug einschätzen kann). Wenn sie mir einen Strick daraus drehen wollen, dass ich mich lieber auf mich selbst als auf andere verlasse, dann tun Sie das, daran kann ich dann nichts ändern. Meine fundamentale Überzeugung und Berufsauffassung, das selbst gesehenes und erlebtes das einzig wirklich Verlässliche ist, werde ich deshalb nicht aufgeben.

  5. @ Neumeyer Vielen Dank für Ihre ausführliche und teilweise auch plausible Antwort. Bei den Preisen sprach ich explizit die Expeditionskreuzfahrten an. Hier liegen die Preise für jeweils 12 Nächte „Unter dem Nordlicht“ bei AB 13.899 € und „Oslo -Spitzbergen“ bei AB 12.499 € inkl. Anreise,

  6. @Hensel: Okay, speziell für die Arktis-/Antarktis-Reisen habe ich keine direkten Vergleichszahlen vorliegen, weil sich die von mir genannten Durchschnittspreise auf real bei einem großen Reisebüro gebuchte Preise beziehen und nicht auf den Katalog; insofern sind die Preise nicht direkt vergleichbar, aber natürlich ein klarer Indikator, dass sie in Polar-Regionen deutlich höher liegen.

  7. Hallo,
    das eigentliche jetzt hochkochende Problem resultiert m.E. nicht aus der Berichterstattung über die dritte Reise, sondern aus der Vorgeschichte der Martkeinführung der MS World Explorer.

    Nicko Cruises sprach im ersten Katalog schon fettgedruckt vom „5 Sterne Niveau“ , um dann in der deutlich kleiner gedrucken Fußnote zu erwähnen, dies sei nur nach eigener Einschätzung gemeint. Vielfahrer im Hochseekreuzfahrtbereich verbinden mit Sternen aber die Wertung von Douglas Ward und damit war eine sehr hohe Erwartungshaltung geweckt, die nicht erfüllt wird, wie ja auch der vorliegende Bericht erwähnt.

    Schon die erste für November 2018 im Katalog angekündigte Reise fiel aus (die Antarktis-Saison wurde ebenfalls vom amerikanischen Charterer storniert), weil das Schiff nicht fertig war, damit haben aber aktuell viele Reedereien zu kämpfen.

    Als nun ein halbes Jahr später für Anfang April 2019 die Schiffstaufe angekündigt wurde, erweckte dies die Hoffnung, dass zumindest die Reisen ab Anfang Mai durchgeführt würden. Die Taufe wurden dann auch tatsächlich mit großen Showaufwand durchgeführt, aber die Berichterstattung offenbarte dann sehr schnell, dass eine „Baustelle“ getauft worden war. Diese Vorgehensweise war schon etwas merkwürdig, aber letztlich durch Mystic Cruises verantwortet. Alle ausgeschriebenen Fahrten im Mittelmeer wurde dann auch abgesagt.

    Im Juni und Juli gab es dann ein Wechselspiel von nicko-Zusagen gegenüber Reisebüros und Kunden, die Reisen ab einem genannten Datum würden sicher stattfinden, die Halbwertzeiten bis zur nachfolgende Reiseabsage wurde aber immer kürzer. Nicht wenige verhinderte oder noch hoffende Kunden lernten dann mit Schiffortungsportale umzugehen, die immer recht zuverlässsig den Standort des Schiffes verrieten, nämlich die Werft. Auch Apps zur Berechnung der Seeroutenlänge zwischen Werft und angekündigtem Abfahrtort der nächsten Reise wurden interessant,

    Die Begründung der zuletzt extrem kurzfristigen Absagen waren alternierend gleich, entweder noch Änderungen im Bereich der Antriebstechnik oder noch letzte Arbeiten an der Innenausstattung. Wer technisch etwas Ahnung hatte, bekam schon Zweifel, ob die beschriebene Umrüstung auf getrennte Motor-Kühlsysteme wirklich so schnell machbar sein sollte wie durch nicko cruises in seiner Nichtabsagepolitik von Reisen suggeriert wurde.

    Gleichzeitig tauchten erste Youtube-Videos auf, die wohl von Werftmitarbeitern im Schiffsinneren aufgenommen waren und nicht zu der Berichterstattung bezüglich dem Innenausbaustand von nicko cruises zu passen schienen, die Hoffnung der gebuchten Reisenden war, dass sie schon älteren Aufnahmedatums waren.

    Auch Reisende der ersten tatsächlich stattfindenden Reise ab Reykjavik zweifelten fast bis zum Abreisetag, ob nicht doch noch eine weitere Absage käme. Die Reise des Schiffs von der Werft nach Reyjavik wurde auf den Ortungsportalen mehrmals täglich verfolgt, die mögliche Ankunftszeit vorausberechnet und ausgetauscht. Ich habe keine Ahnung, ob es dies vorher bei einem neuen Schiff schon einmal gab.

    Der Schock war dann für nicht wenige Reisenden die erste Begegnung mit dem Schiff in Reyjavik, selbst nicko cruises räumt ja unterdessen ein, dass bezüglich der Innenausstattung das Schiff in vielen Bereichen noch nicht fertigestellt war.
    Einige Reisende reisten sofort wieder ab.

    Die Berichte über die Stimmung an Bord waren dann zwiespältig. Der angekündigte Preisnachlass von 80% versöhnte wohl einige Reisende mit der Situation, andere fühlten sich maßlos getäuscht. Zudem wurde mehrfach von Antriebsproblemen berichtet, welche den Reiseablauf nicht unwesentlich veränderten.

    Das Echo in den Bewertungsportalen und Foren nach den ersten beiden Reisen blieb dann durchgehend negativ.

    Die dritte Reise (die Berichtsreise) war damit schon emotional extrem vorbelastet, eine Berichterstattung in dieser Situation damit sicher auch mit vielen Erwartungen in divergierende Richtungen verknüpft, die nicht alle erfüllbar waren.

    Da ich selbst am 4.Oktober als gebuchter Gast auf das Schiff gehen will (auf die Reiseunterlagen warte ich aktuell noch, was nach der Vorgeschichte schon wieder Zweifel aufkommen lässt), werde ich mir dann ein eigenes Bild machen können, so war meine Reisebuchung beim Erscheinen des Kataloges auch gemeint, Neugier auf ein neues Angebot.

    Was ich bisher aus den Berichten nur mittelbar herauslesen kann;

    Die Markteinführung und die Transparenz über den Schiffszustand von nicko cruises gegenüber gebuchten zahlenden Kunden erscheint mir in den Beweggründen immer weniger nachvollziehbar. Mit Abmahnversuchen (die nur die öffentliche Aufmerksamkeit negativ steigern) gewinnt man keine neuen Kunden, sondern katapultiert nur seine Kritiker in den digitalen Suchmaschinen an die Spitze.

    Nach den zahlreichen Fotos des Reiseberichtes glaube ich (wie ja auch im Reisebericht beschrieben) nicht daran, dass die World Explorer bei Douglas Ward in der 5-Sterne-Kategorie ( in welcher ich schon einige Reisen unternommen habe) landen wird. Ich kann bisher guten nicko – Flussschiffstandard erkennen (wenn alles fertig ist) , der ja auch nicht im Luxussegment einzuordnen ist, wie ich bisher auf zwei nicko-Reisen feststellen konnte. Dort machte ich eine interessante Beobachtung (meine Reisen waren auf ehemaligen Deilmannschiffen). Ehemalige Deilmann Reisende ( zu denen ich auch gehöre) fanden schnell im Vergleich zu früher etwas zu bemängeln, Stammkunden von nicko hingegen fanden die Schiffe toll.

    Bleibt zu hoffen, dass nicko cruises es schafft, die auch durch den missglückten Griff nach unerreichbaren Sternen hochgekochte Situation wieder abzukühlen, indem man die World Explorer für den geeigneten Kundenkreis bewirbt.
    Man kann auch unterhalb des 5-Sterne-Bereichs wirtschaftlich recht erfolgreich sein.

  8. @Gerd Habersack: Vielen Dank für diese ausführliche Zusammenstellung der Entwicklung. Ich denke, das trifft die Sache sehr gut. Ganz viel steht und fällt mit der von Nicko Cruises selbst verschuldeten, falschen Einstufung des Schiffs, die sehr hohe Erwartungen und damit vorhersehbare Enttäuschung ausgelöst hat.

    Meine persönliche Fehleinschätzung war, wie ernst offenbar sehr viele Menschen diese (wie ich fand und ehrlich gesagt immer noch finde) leicht zu durchschauende und deshalb nicht ernstzunehmenden 5 Sterne genommen haben. Leicht zu durchschauen deshalb, weil es sich offensichtlich die Übernahme der 5-Sterne/Wellensymbol-Wertung vom Fluss handelt und das dort, wie Sie ganz richtig anmerken, natürlich eine andere, nämlich niedrigere Qualitätsaussage hat als in der Hochsee.

    Ich würde mein Schiffsportrait im Wesentlichen mit heutigem Erkenntnisstand nicht wesentlich anders schreiben, würde nur sehr viel deutlicher machen, dass ich diese 5-Sterne-Selbsteinschätzung gar nicht als Maßstab ansetze, weil sie eben von Anfang an Quatsch war.

    Mir war und ist wichtig, das Schiff so zu schildern, wie ich es erlebt habe, unabhängig von irgendwelchem Marketing-Blabla, so wie ich das sonst in solchen Zusammenhängen auch tue. Es ist in meinen Augen wenig sinnvoll, unter der unsinnigen 5-Sterne-Vorgabe einfach nur „alles Mist“ zu schreiben (und ich verstehe, wenn jemand das anders sehen will; es ist einfach ein anderer Ansatz). Das Schiff wird letztlich eine Zielgruppe finden, für die es genau das richtige ist. Ich habe schon mein ganzes Journalisten-Berufsleben an die Idee geglaubt, dass es wenig bringt, bei Produkten oder Dienstleistungen zu betonen, für wenn etwas NICHT geeignet ist (denn das bringt auch diesen Leuten keine Antwort auf die Frage, was denn nun für sie das richtige ist), sondern herauszustellen, für wen etwas GEEIGNET ist – beziehungsweise die Fakten zu liefern, die jedem ermöglichen, diese Entscheidung für sich selbst zu treffen.

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