World Explorer in Kristiansand, Norwegen

World Explorer: Hybrid-Antrieb, Treibstoff, Technik

Die World Explorer ist mit einem hochintegrierten Antriebssystem von Rolls Royce ausgestattet. Hochintegriert bedeutet unter anderem, dass die verschiedenen Komponenten des Systems elektronisch überwacht, gesteuert und verbunden sind, sodass beim Ausfall einzelner Komponenten das gesamte System nach Behebung des Fehlers automatisch neu hochgefahren werden kann – im Vergleich zu manuell nacheinander neu gestarteten Systemen geht das deutlich schneller. Der Nachteil sind Anfangsschwierigkeiten mit der komplexen Software und Elektronik, die bei den ersten Reisen der World Explorer immer wieder Probleme verursachen.

Nicko Cruises bewirbt das Schiff mit einem Hybrid-Antrieb. Technisch ist das korrekt und durchaus spannend, bedeutet aber etwas anders als die Hybrid-Technik, die Hurtigruten auf der Roald Amundsen als Kombination aus Akkus und Dieselmaschinen einsetzt.

„Hybrid“ bedeutet auf der World Explorer, dass der Antrieb sowohl direkt als auch dieselelektrisch erfolgen kann. Die Rolls-Royce-Elektronik steuert das zudem automatisch, um den Treibstoff-Verrauch möglichst effizient einzusetzen. In einem Fahrtgeschwindigkeitsbereich von bis etwa elf Knoten, so erklärt es der Chief Engineer, erfolgt der Antrieb typischerweise dieselelektrisch (also über Elektromotoren, welche die Propeller-Wellen antreiben), bei höheren Geschwindigkeiten dagegen direkt.

Als Treibstoff kommt laut Nicko Cruises ausschließlich das recht saubere Marine Gas Oil (MGO) zum Einsatz. Außerdem verfügt die World Explorer über einen Katalysator, der die Stickoxid-Emissionen (NOx) minimiert und damit die strengen gesetzliche Vorschriften für Schiffsneubauten erfüllt.

Kapitän Amadeu Albuquerque
Kapitän Amadeu Albuquerque

Grundsätzlich ist das Antriebssystem von Rolls Royce auch in der Lage, überschüssige Energie in Akkus zu speichern und bei höherem Energiebedarf, für emissionsfreie Fahrtstrecken oder im Hafen zu nutzen. Derzeit verfügt die World Explorer aber über keine Akkus. Der Kapitän hält deren Einsatz in der Zukunft aber für möglich.

Eine weitere spannende Technik erklärt und der Kapitän auf der Brücke: Die World Explorer verfügt über eine Wärmebildkamera, um beispielsweise über Bord gegangene Menschen im Wasser leichter finden zu können oder Objekte im Wasser in Ergänzung zum Radar zuverlässiger erkennen zu können. Außerdem ist das Schiff mit einem nach vorne gerichteten Sonar ausgestattet, was beispielsweise eine Kollision mit Walen vermeiden hilft.

Neuartige Müllverwertung

Unseres Wissens erstmals auf einem Kreuzfahrtschiff setzt die World Explorer ein neuartiges System zur Müllverwertung ein. Statt einer Müllverbrennungsanlage verfügt sie über ein Micro Auto Gasification System (MAGS) des Herstellers Terragon Environmental Technologies, das jede Art von kohlenstoffbasiertem Müll unter Sauerstoffabschluss und Hitze in Gas (Syngas) umwandelt. Das vermeidet den Schadstoffausstoß konventioneller Müllverbrennung und reduziert die Restmüllmenge an Bord drastisch. Das bei dem Prozess entstehende Gas, vorwiegend Wasserstoff und Kohlenmonoxid, dient wiederum als Energiequelle für das System. Übrig bleibt etwa fünf Prozent der Müllmasse als anorganischer Rest, laut Hersteller eine Art Bio-Kohle. Mit der Anlage können beispielsweise Papier und Karton, Kunststoffe, Lebensmittel, Öle und Schlämme verwertet werden.

Expeditionsausrüstung

Die ungewöhnlichen Fahrtrouten, selten angelaufene Häfen und die Vielfalt an Destinationen sind ein wesentliches Argument für die World Explorer: Im Frühjahr und Herbst ist sie intensiv in Brasilien, aber auch mit Abstechern nach und zu den Falklandinseln/Malvinas unterwegs, im Sommer fährt sie recht ungewöhnliche Routen im westlichen Mittelmeer sowie im Nordland nach Irland, Norwegen, Spitzbergen, Island und in die selten angefahrenen Fjorde Ost-Grönlands. Im Winter fährt sie – allerdings dann für Quark Expeditions – in der Antarktis.

Meine Empfehlung für die Routen lautet allerdings auch: Ein genauer Blick auf Fahrtzeiten, Distanzen und Liegezeiten in den jeweiligen Häfen lohnt sich. Auf unserer Reise waren Liegezeiten oft recht knapp bemessen, die Fahrtstrecken zwischen den Häfen teils sehr weit – was schon bei kleinen Widrigkeiten unterwegs zu Verspätungen und in Kombination dann zu noch kürzeren Liegezeiten führen kann. Das mag bei anderen Fahrtrouten anders sein, aber eine genaue Prüfung vorab vermeidet falsche Erwartungen.

Zodiacs
Zodiacs

Mit der höchsten Eisklasse für Passagierschiffe (PC6) ist sie für polare Fahrtgebiete gerüstet, in den 18 Zodiacs haben praktisch alle Passagiere gleichzeitig Platz und auch eigene Kajaks hat die World Explorer an Bord.

Expedition Room (noch nicht eingerichtet)
Expedition Room (noch nicht eingerichtet)

Praktisch dürfte der Expedition Room in Polarregionen sein: Hier hat jeder Passagier einen Hängeschrank und Stiefel-Abstellplatz mit Kabinen-Nummerierung, sodass man Expeditionsparka und Stiefel nicht mit in die Kabine nehmen muss. Auf unserer Reise war der Expedition Room noch nicht eingerichtet, der Zweck war aber erkennbar.

Blick vom Observationdeck
Blick vom Observationdeck

Und für Expeditionen wichtig: Die World Explorer hat relativ viele Außendecks inklusive des schon erwähnten Bugbereichs und mehrere Bereiche am Heck, sodass jeder seinen Platz für Tier- und Landschaftsbeobachtung finden dürfte.

Anmerkung*: Cruisetricks.de fuhr auf der World Explorer auf Einladung von Nicko Cruises.
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Cruisetricks.de fuhr auf der World Explorer auf Einladung von Nicko Cruises.

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