Queen Mary 2

Mit der Queen Mary 2 von Southampton über den Atlantik nach New York

Die Transatlantik-Route ist legendär, das Schiff ein Klassiker: mit der Queen Mary 2 von Southampton nach New York. Der Ocean Liner von Cunard Line wird uns in sechs Tagen über den Atlantik bringen. Mein Reise-Tagebuch und ein ausführliches Schiffsportrait der Queen Mary 2 fidnen Sie in dieser Beitragsserie.

Die täglichen Blogbeiträge erzählen auf dieser Reise mit der Queen Mary 2 aber nicht nur vom Alltag am Schiff und den Besonderheiten einer Transatlantik-Passage. Sie blicken auch zurück auf die Zeit der Auswanderer-Schiffe und der großen Ocean Liner. Anhand von Zitaten aus historischen Tagebüchern und Briefen vergleiche ich die heutige Reise über den Atlantik mit den Erlebnissen von Menschen vor 75, 100 oder 150 Jahren auf der gleichen Route.

Schon so viele Menschen sind diese Reise angetreten, in unterschiedlichen Zeitepochen und in verschiedenen Lebenssituationen – ob als Auswanderer, mangels Flugzeugen aus Notwendigkeit oder aus purem Vergnügen. Faszinierend ist dabei vor allem die unterschiedliche Wahrnehmung einer solchen Seereise und oft findet man ganz Überraschendes in den Geschichten dieser Menschen: vom mürrischen, mäkelnden Charles Dickens über die beiden feinsinnig humorvollen Autoren Mark Twain und René Goscinny bis zum Auswanderer Christian Fredericksen, den mit seiner positiven Grundhaltung offenbar nichts so schnell erschüttern konnte.

Von Isabella L. Bird bis Thomas Mann …

Thomas Mann (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-H28795 / CC-BY-SA 3.0)
Thomas Mann (Bundesarchiv, Bild 183-H28795 / CC-BY-SA 3.0)

Eine Kostprobe: Während Thomas Mann 1938 vor seiner ersten Transatlantik-Reise ebenso feinsinnig wie illusionslos philosophiert: „Wir werden tagelang im Kosmisch-Leeren (wenn auch erstklassig versorgt) zwischen den Kontinenten schweben. Nun gut, ich glaube nicht, dass die Mehrzahl unserer Mitreisenden sich irgendetwas, nämlich ebendies, dabei denkt“, …

Isabella Lucy Bird (Bild: Internet Archive Book Images)
Isabella Lucy Bird (Bild: Internet Archive Book Images)

… blickt die britische Reiseschriftstellerin Isabella L. Bird ganz pragmatisch auf ihre Reise 1854 auf dem Raddampfer Canada: „Die Cunard-Dampfer sind kraftvoll, pünktlich und sicher, ihre Küche ausgezeichnet, ihre Arrangements bewundernswert.“

Ich nehme erst einmal an, dass beides auch heute noch zutrifft, 81 beziehungsweise 165 Jahre später.

Das Schiff: Queen Mary 2

Wir hatten einst einen schlechten Start, die Queen Mary 2 und ich. Aber das ist viele Jahre her und ich bin guter Dinge, dass wir auf dieser Reise nun doch noch Freunde werden. Unsere erste Begegnung stand einfach unter schlechten Vorzeichen: Kurzreise von Southampton nach Hamburg, sehr günstiges Angebot inklusive Flug – entsprechend war das Publikum. Und die Crew war deshalb mutmaßlich genauso genervt wie wir. Das haken wir ab und fangen noch einmal neu an, auf der Paradestrecke der Queen Mary 2 von Southampton nach New York.

Queen Mary 2 in Hamburg (Archivbild)
Queen Mary 2 in Hamburg (Archivbild)

Für diese Route ist die Queen Mary 2 geschaffen worden: Schnittig, robust und speziell für den Nordatlantik konstruiert, unterscheidet sie sich in der Schiffsarchitektur deutlich von Kreuzfahrtschiffen. Bei Chantiers de l’Atlantique im französischen Saint-Nazaire gebaut und im Januar 2004 in Dienst gestellt ist sie für ihre Tonnage von 149.215 BRZ beeindruckend lang: mit 345 Metern ist sie nur 16 Meter kürzer als das weltgrößte Kreuzfahrtschiff, die Symphony of the Seas, die eine mehr als 50 Prozent höherer Tonnage (BRZ 228.081) aufweist und mehr Kabinen hat (2.579) als die Queen Mary 2 Passagiere (2.695).

2016 wurde die Queen Mary 2 umfassend renoviert und um 50 Kabinen erweitert, inklusive 15 Kabinen für Alleinreisende – und zehn zusätzliche Hundezwinger. Denn die Queen Mary 2 ist das einzige große Passagierschiff, auf dem – zumindest auf der Transatlantik-Strecke – Hunde (und Katzen) mitfahren dürfen. Sie haben auf dem obersten Deck eigene Unterkünfte und Betreuer, in der Küche werden für sie sogar spezielle Kekse als Leckerli gebacken.

Seit Außerdienststellung der Queen Elizabeth 2 im Jahr 2008 ist die „QM2“ der einzige Ocean Liner auf der Transatlantik-Route, die sie regelmäßig, wenn auch nicht ausschließlich befährt. Und natürlich ist niemand geringeres als Queen Elizabeth II. die Taufpatin des Schiffs.

Die Zitatgeber: historischen Protagonisten meiner Reise

Mein Protagonisten und Zitatgeber für meine historischen Rückblicke während der Reise sind zumeist bekannte Persönlichkeiten. Über deren Reisen ist viel bekannt, ihre Texte sind leicht zugänglich und ihr Schreibstil zumeist amüsant und ausgefeilt. Aber auch ein gänzlich unprominenter, deshalb aber nicht weniger spannender, dänischer Auswanderer kommt mit Zitaten aus seinem Tagebuch zu Wort. Das sind also meine Protagonisten, die in Zitaten immer wieder vorkommen werden:

Isabella Lucy Bird

1831 – 1904, britische Reiseschriftstellerin und erstes weibliches Mitglied der Royal Geographical Society

Isabella Lucy Bird (Bild: Internet Archive Book Images)
Isabella Lucy Bird (Bild: Internet Archive Book Images)

Isabella L. Bird begann ihre Reisen nach einer teilweise fehlgeschlagenen Tumor-Operation an der Wirbelsäule, infolge derer sie unter Depressionen und Schlaflosigkeit litt. Ihr Arzt empfahl Reisen als Therapie, worauf ihr Vater sie großzügig mit Geld ausstattete und ihr erlaubt zu reisen, wohin auch immer sie wollte. Das war der Beginn einer großen Karriere als Reiseschriftstellerin.

Ihre erste Reise führte sie nach Nordamerika, als den Briefen, die sie in dieser Zeit an ihre Schwester schrieb, wurde später ihr erstes Buch, „The Englishwoman in America“. Von dieser Reise, die 1854 in Liverpool auf dem hochseetauglichen Cunard-Schaufelraddampfer „Canada“ mit gerade einmal 168 Passagieren begann, berichtet sie auch recht ausführlich von ihren Erlebnissen an Bord.

Samuel L. Clemens aka Mark Twain

1835 – 1910, amerikanischer Journalist und Schriftsteller

Samuel Landhorne Clemens aka Mark Twain (Bild: Library of Congess)
Samuel Landhorne Clemens aka Mark Twain (Bild: Library of Congress)

Mark Twain ist unter anderem bekannt durch Tom Sawyer und Huckleberry Finn, aber auch durch das Buch „Leben auf dem Mississippi“, in dem er über seine Zeit als Lotse auf Mississippi-Raddampfer berichtet und durch das wunderbare Essay „Die schreckliche deutsche Sprache“, in dem er die Eigenheiten der deutschen Sprache humorvoll auf die Schippe nimmt.

In „The Innocents Abroad“ (publiziert 1869; deutscher Titel: „Die Arglosen im Ausland“) berichtet er von einer Pilger-Seereise auf dem hochseetauglichen Schiff mit Segeln und Seitenschaufelrädern namens „Quaker City“, die ihn von Juni bis November 1867 von New York ins Mittelmeer, ins Schwarze Meer und insbesondere ins Heilige Land führte. Heute würde man eine solche Reise vermutlich Themen-Kreuzfahrt nennen.

Winston Churchill

1874 bis 1965, zweimaliger britischer Premierminister (1940-45 und 1952-55), Nobelpreis für Literatur (1953)

Winston Churchill (Bild: Wikipedia)
Winston Churchill (Bild: Wikipedia)

Churchill gilt als der bedeutendste britische Staatsmann des 20. Jahrhunderts. Er war Stammgast auf der Queen Mary und ist im Laufe der Jahre insgesamt auf mindestens 15 verschiedenen Ocean Linern unterwegs gewesen.

Zum ersten Mal fuhr er im November 1895 an Bord von Cunards „Etruria“ nach New York. Von seinen Seereisen gibt es Briefe und Tagebuchaufzeichnungen.

Charles Dickens

1812 bis 1870, englischer Schriftsteller

Charles Dickens (Bild: Llyfrgell Genedlaethol Cymru – The National Library of Wales)
Charles Dickens (Bild: Llyfrgell Genedlaethol Cymru – The National Library of Wales)

Charles Dickens ist unter anderem durch die Bücher „David Copperfield“, „Oliver Twist“ und „Bleak House“ bekannt.

Er reiste im Juli 1842 mit seiner Frau von Liverpool nach Boston auf der Britannia der British and North American Royal Mail Steam Packet Company, der die späteren Cunard Steamship Company. In seinen „American Notes“ berichtet er nicht gerade enthusiastisch über diese Transatlantik-Reise, zumal er wohl die meiste Zeit seekrank war.

Christian Fredericksen

1874 bis 1912, dänischer Fotograf und Amerika-Auswanderer

Christian Fredericksen (Bild: privat/Familien-Archiv)
Christian Fredericksen (Bild: privat/Familien-Archiv)

1907 ging Christian Fredericksen in Liverpool an Bord der Lusitania mit Fahrtziel nach New York, um nach Amerika zu emigrieren. Sein Enkel Rick Fredericksen veröffentlichte 2015 dessen Tagebuch der Reise, 100 Jahre nachdem die Lusitania von einem deutschen Torpedo versenkt wurde und annähernd 1.200 Menschen in den Tod riss. Der Journalist Rick Fredericksen hatte das dünne Tagebuch nach dem Tod seiner Mutter 2004 zwischen alten Postkarten, Zeitungsauschnitten und Fotos gefunden.

„Lusitania Diary“ gibt einen etwas anderen Einblick in eine Transatlantik-Reise aus Sicht eines Emigranten, nicht eines Luxus-Reisenden und ist sehr lesenswert (0,99 Euro bei Amazon.de als eBook: „Lusitania Diary).

René Goscinny

1926 bis 1977, französischer Autor

René Goscinny (Bild: Nationaal Archief / Attribution-ShareAlike 3.0 Netherlands (CC BY-SA 3.0 NL)
René Goscinny (Bild: Nationaal Archief / Attribution-ShareAlike 3.0 Netherlands – CC BY-SA 3.0 NL)

Der in Buenos Aires aufgewachsene, französische Autor René Goscinny ist vor allem durch die unsterblichen Asterix-Comics bekannt, die er zusammen mit dem Zeichner Alberto Uderzo erschaffen hat. Er war aber auch Autor der Lucky-Luke-Comics und der Geschichten des „Kleinen Nick“. Goscinny war viel auf Ozeandampfern unterwegs zwischen Argentinien und Europa, später zwischen New York und Europa und lernte auf dem Dampfer „Antilles“ auch seine Frau Gilberte kennen.

Seine Seereise-Erlebnisse hat René Goscinny mit einem wunderbaren Humor in dem Buch „Eine Kreuzfahrt, die ist lustig“ zusammengefasst (deutsche Übersetzung: Hans Georg Lenzen).

Egon Erwin Kisch

1885 bis 1948, österreichischer, später tschechoslowakischer Schriftsteller, Reporter, Journalist

Egon Erwin Kisch (Bild: Sam Hood)
Egon Erwin Kisch (Bild: Sam Hood)

Egon Erwin Kisch ist einer der bedeutendsten Reporter des deutschsprachigen Journalismus, auch wenn er es mit den Fakten nicht immer ganz genau nahm. Er war ein begnadeter Erzähler und prägte mit seinem Spitznamen den Begriff „Der rasende Reporter“. 1928/29 unternahm er eine mehrmonatige Amerika-Reise und publizierte 1930 in Berlin die ausführliche Reisereportage unter dem ironisch gemeinten Titel „Paradies Amerika“. Als strammer Kommunist benutzte er für die Veröffentlichung des Buchs sicherheitshalber das Pseudonym „Dr. Becker“. Gleich zu Beginn des Buchs beschreibt er die Überfahrt nach Amerika auf einem englischen Passagierdampfer.

„Paradies America“ gibt’s beispielsweise im Sammelband „Egon Erwin Kisch – Gesammelte Werke“ bei Amazon.

Thomas Mann

1875 bis 1955, einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, Nobelpreis für Literatur (1929)

Thomas Mann (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-H28795 / CC-BY-SA 3.0)
Thomas Mann (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-H28795 / CC-BY-SA 3.0)

Der deutsche Schriftsteller Thomas Mann ist unter anderem bekannt durch die Buddenbrooks, Der Tod in Venedig, Der Zauberberg. Den Nobelpreis für Literatur erhielt Thomas Mann 1929 für die Buddenbrooks. Mann emigrierte zur Nazizeit in die Schweiz und weiter in die USA.

In dem Buch „Meerfahrt mit Don Quijote“ berichtet Thomas Mann von seiner ersten Atlantiküberquerung im Mai 1934 mit der Volendam von Holland America Line von Rotterdam nach New York. Das Tagebuch verbindet Beobachtungen des Schiffsalltags an Bord mit Abhandlungen über seine Reiselektüre, Cervantes‘ Roman „Don Quijote“.

Außerdem gibt es von Thomas Mann Briefe unter anderem von seiner Reise mit der Queen Mary im Februar 1938, als er nach Amerika emigrierte.

Anmerkung*: Cruisetricks.de fährt auf der Queen Mary 2 auf Einladung von Cunard Line.
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1 Kommentar

1 Kommentar zu “Mit der Queen Mary 2 von Southampton über den Atlantik nach New York

  1. Liebeserklärung an ein Schiff: „Na, eeendlich!“ …schoss es mir gestern Abend durch den Kopf, als ich im ICE erfreut zur Kenntnis nahm, dass sich Franz, Cruisetricks und bald sicher auch Jérôme der legendäre Transatlantik-Passage mit Cunards „Queen Mary 2“ widmen. Als ich im Jahr 2013 meine „Kreuzfahrerkarriere“ begann, war die Queen Mary 2 mein erstes Schiff. Es ging von Hamburg entlang der norwegischen Küste bis Honningsvåg / Nordkap und zurück in 12 Nächten. Ich war begeistert und arbeitete mit Urlaubsplanung und Beobachtung der Preisentwicklung auf die Transatlantikpassage hin. Im August 2014 war es dann soweit: von Hamburg über Southampton nach New York! Was für ein Erlebnis!

    Das Bordleben gestaltete sich zu meiner Überraschung während der ersten zwei Tage extrem hektisch, denn die kurze Fahrt von Hamburg nach Southampton war als „Schnupperkreuzfahrt“ in Deutschland vermarktet worden, un etwa 1.500 Personen hatten diesen Kurztrip gebucht. So wundert es nicht, dass diese Passagiere versuchten, quasi an einem einzigen Seetag „alles“ zu erleben, was das Schiff zu bieten hatte. Zahlreiche Pensionäre in Multifunktionswesten hetzten über die Decks, die Kamera im Anschlag und es boten sich mir Konversationen wie „So, jetzt nach mal im Profil, Hannelore, dreh Dich mal noch ein bisschen nach links!“ – „Och, Werner, ich möchte jetzt wirklich zu diesem englischen Tee gehen.“ – „Ja, gleich Hannelore, nur noch ein Foto.“ – – Vor dem Queens Room warteten Hunderte, bevor dieser zum British High Tea überhaupt geöffnet wurde und wer einen Sitzplatz ergatterte, der blieb da sitzen, bis alle Sandwiches und Scones bis zum letzten Krümel verzehrt waren und die Veranstaltung endete. In Southampton dann entspannte sich die Situation: die Deutschen stiegen aus, internationales Publikum stieg ein und die Hektik wich einer lässig-eleganten Entspanntheit, Kultiviertheit und dem Sichhingeben eines süßen Müßiggangs.

    Das Schiff ist komplett anders als alles, was sich Kreuzfahrtschiff nennt, denn Queen Mary 2 ist ein „Ocean Liner“. Der schwarze Rumpf höher und verstärkt, um dem rauhen Nordatlantik Stand zu halten, die unteren Balkonkabinen somit metallummantelt. Die Aufbauten entsprechend schmaler und weniger hoch, Platz bietend für ein wundervoll geräumiges umlaufendes Promenadendeck (Deck 7), von dem man direkt zum Buffetrestaurant kommt, während dieses bei den meisten anderen Schiffen ganz oben ist. Reist man von Ost nach West und erwacht somit täglich ein Stündchen „früher“, kann man sich mit einer Tasse Tee gemütlich auf dieses Promenadendeck begeben und den Sonnenaufgang bewundern. Hinten verlaufen die Aufbauten terrassenförmig abwärts und bieten am Heck großzügige Bereiche mit Whirlpools, selbst am Bug gibt es Zugang für Passagiere, vorbei an den beeindruckenden hochglänzenden Propellerblättern, die dort ersatzweise bereitgehalten und wie moderne Skulpturen bestaunt werden. Der schöne gedrungene Schornstein in Schwarz-Rot (auch zu dieser Farbe gibt es Histörchen!), die Höhe begrenzt durch die Verrazano Narrows Bridge in New York, unter der das Schiff „hindurch passen“ muss… Das Schiff ist eine Schönheit!

    Das Crew-Pax-Verhältnis sowie das Raum-Pax-Verhältnis sind extrem günstig. Trägt ein von der Größe vergleichbares Schiff locker 4.200 Passagiere, sind es eben auf der Queen Mary 2 nur knapp 2.700 – ein unvergleichliches Raumgefühl durch Öffentliche Bereiche mit einem britischen knallroten Briefkasten, kunstvollen Reliefs – die imposanten Veranstaltungssäle „Royal Theatre“ und „Illuminations“ mit dem Planetarium – gleich zwei theatergroße Einrichtungen finden sich hier. Der Queens Room – der größte Ballsaal zur See! Das Stichwort Zeitvertreib fiel bereits: es reisen Lektoren mit, die interessante Vorträge halten. Dieses sind meistens hochkarätige Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wirtschaft, meistens pensioniert, wie eine ehemalige US-Präsidentenberäterin in Energiefragen, dem Ex-Boss der Bank of England, ein Flugkapitän, auch Hellmuth Karasek war einst untwergs mit einigen Lesungen. Dazu zählte ich über 30 sehr gute Musiker an Bord. Live-Musik ist der herausragende Bestandteil des Cunard-Erlebnisses, im Theater zu den hervorragenden Shows, im Queens Room zum Tee, im Foyer als Streichquartett beispielsweise, in den Lounges zur Unterhaltung… Langeweile muss niemand erleiden. Überall an Bord gibt es viel zu entdecken, allein die vielen Aushänge und Bebilderungen aus der 180-Jährigen Cunard-Geschichte!

    Der gigantische Speisesaal, das „Britannia Restaurant“ – das muss man gesehen haben. Was für ein riesiger offener Raum, mit mehreren Etagen und einem textilen Kunstwerk als Hauptblickfang. Über das Essen wird sicher im Podcast noch ausgiebig berichtet werden, um es kurz zu machen: es war immer köstlich. Natürlich muss man wissen, dass Suitengäste (Princess Grill bzw. Queens Grill) besondere Restaurants haben mit höherem Qualitätsniveau, aber ob man 1.500 oder 12.000 EUR und mehr pro Person bezahlt, das sollte dann auch beim Essen einen Unterschied machen, denke ich.

    Ja, und es gibt formelle Abende, bei denen zumindest ein dunkles Sakko, dunkle Hose und Krawatte erwartet werden. Anzug? Fein! Smoking? Sehr gerne, aber kein muss. Nein, man muss sich keinen Smoking zulegen für eine Reise mit Cunard, die lockeren Sitten kehren auch hier ein, zum Glück etwas langsamer als im Rest der Branche. Immer wieder kommentierte man meine Reiseberichte despektierlich mit „Stock im Arsch“, wenn es um elegante Abende ging. Du meine Güte, gibt es denn in unserer Gesellschaft nur noch zwei Kategorien „Flodder“ und „Bayreuther Festspiel“ und gefühlt nichts mehr dazwischen? Nein, wer mit Schlabbershorts, Flipflops und Schalke-Trikot auf Queen Mary 2 zum Abendessen kommt, fängt sich eventuell einen Spruch vom Maitre’D ein, ganz sicher aber einiges an Kopfschütteln seitens der Mitreisenden. Aber es gibt auch für Flodders einen Trost: das Buffetrestaurant.

    Die Abfahrten: aus Hamburg heraus, das ist durch nichts zu toppen. Zahlreiche Crewmitglieder standen mit offenem Mund an Deck und starrten auf das, was ihnen am Elbeufer geboten wurde. Hunderte versammelten sich am Kai der Hafen City, an den Landungsbrücken und winkten, die britische Union Flag wurde geschwenkt und Royalisten ließen sogar ein kleines Feuerwerk steigen! So etwas gibt es nur in Hamburg, und als das deutsche Cunard-Büro damals nervte und drängelte, dass man doch Hamburg-Anfahrten planen sollte, wenigstens zwei oder drei im Jahr, konnte sich bei Carnival niemand vorstellen, dass daraus ein Erfolg werden könnte. Von wegen. Der Erfolg war beispiellos, die Hamburger haben die Queen Mary 2 als „ihr Schiff“ adoptiert! And the love goes on!

    Heißt es dann „Leinen Los!“ in Southampton und die legendäre Transatlantik Passage beginnt, die über Jahrhunderte von Auswanderern unter großen Entbehrungen und Gefahren auf sich genommen wurde, dann findet an Land so gut wie nichts statt, bis vielleicht hie und da mal ein Schiffsfan oder Angler, der freundlich zurückwinkt; Southampton ist mehr oder weniger ein Industriehafen, wo reichlich KFZ-Transporter anlegen und ihre Automobile aus Deutschland und Japan ausspucken. An Bord jedoch werden Fähnchen gereicht und Sekt, die Band spielt „Rule, Britannia, Britannia rule the waves, Britains never, never, never shall be slaves“ und „God Save Out Gracious Queen“. Für die Empfänglichen: DAS wäre ein Gänsehautmoment, der den Namen verdient *lg*

    Das frühe Aufstehen, wie erwähnt, ist wegen der von Southampton aus 5fach „gewonnenen“ Stunde kein Problem, und so sind die Außendecks am sehr frühen Morgen noch bei Dunkelheit bevölkert, wenn das Schiff langsam und majestätisch in New York einfährt, die Verrazano Narrows Bridge unterquert, vorbei an der Freiheitsstatue („Wo ist die denn? Ach, daaaa? Soo klein?“) um dann in Brooklyn oder Manhattan anzulegen. Es gibt keinen stilvolleren Weg nach Amerika! Und wer noch niemals in New York war, findet hier natürlich ausreichend Aufregendes, Lautes und Trubeliges, um die gemächliche Passage auszugleichen, wenn es ihm denn danach gelüstet.

    Cunard ist die Reederei, dessen Flotte ich „durch“ habe – na gut, bei drei Schiffen ist das leicht zu schaffen. Immer war es ein stilvolles und angenehmes Erlebnis, tolle Bekanntschaften ergaben sich mit freundlichen, kultivierten und gebildeten Menschen – aber nein, hier ist man nicht „abgehoben“. Die kleineren Queens Victoria und Elizabeth sind öfter auch im Mittelmeer unterwegs, zwischen Barcelona und Civitavecchia beispielsweise. Wer also meint, er würde bei 5 Seetagen den Tod durch Langeweile sterben, kann hier einmal das Cunard-Erlebnis „risikofrei“ ausprobieren.

    Die Qualität der Schiffe, des Produktes, das Raumgefühl, der Stil, die grandiose Geschichte, die Traditionen wie das Mittagsläuten um 12 Uhr mit der Durchsage „Good Afternoon, Ladies and Gentlemen, this is the Commodore speaking…“ Oder Kapitän, der Commodore ist der Flottenchef. …all das macht Cunard einzigartig und es kann sich niemand eine Meinung darüber leisten, der es wenigstens nicht einmal probierte. Die Kurzfahrten von HAM nach SOU oder retour bieten sich an, man muss aber bedenken, dass hier die Schnupper-Hektik das Geschehen bestimmt, die auf der Passage nach New York wie erwähnt komplett verschwindet. Zum Schiffbesichtigen ist es allemal eine gute Gelegenheit. Meine Kreuzfahrerkarriere mit der Queen Mary 2 zu beginnen, das war sehr schön, aber auch fatal, denn sogleich war ich verwöhnt oder gar „verdorben“, denn alles was folgte, maß ich natürlich an diesen Standards.

    Medial wird im Netz massenhaft etwas geboten zu Cunard, zunächst möchte ich auf den Youtube-Kanal „Cunard Line“ verweisen, der einige nette PR-Videos zu bieten hat, wie auch dieses: „We are Cunard“ https://youtu.be/1m6gpY8dWvY
    Im Video „Happy Birthday Queen Mary 2“ zum 10. Geburtstag berichtet Naval Architect Dr. Stephen Payne OBE (Order of the British Empire) von der Konstruktion und dem Bau. Herrlich und „very british“ erzählt!

    Auch nach numehr 45 Kreuzfahrten seit 2013 verspüre ich den unwiderstehlichen Drang, eine Transatlantik-Passage wieder zu unternehmen. Im Jahr 2022 soll nun die Nummer Vier kommen, noch namenlos, mit 113.000 BRZ und für 3.000 Passagiere. Wir sehen: das Raumgefühl der QM2 wird hier sicher nicht zu erspüren sein in dieser Intensität. Ich hoffe aber, dass es gelingt, mit diesem Fincantieri-Neubau dem Cunard-Style einigermaßen treu zu bleiben. Für den Namen hätte ich einen Vorschlag: „Queen Mum“!

    Multivision Hamburg Film hat eine sensationelle Produktion in Form eines kleinen Spielfilms im Auftrag von Cunard produziert, den es auf dem etwas „edleren“ Portal Vimeo zu schauen gibt. „Die Reise“ erzählt eine kleine Geschichte zweier ungleicher Paare: der etwas spröde Verlobte lädt seine lebenslustige Freudin auf die Reise ein, um ihr den Heiratsantrag zu machen und braucht mehrere Anläufe dafür. Der gealterte Vater und Business Man überredete seine störrische Tochter, die mit gelber Rettungsweste antritt, zu dieser Passage, wohl um seine häufige Abwesenheit während ihrer Kindheit zu „heilen“. Im Mittelpunkt steht, was so eine Transatlantik-Passage mit Menschen „machen“ kann – professionell gespielt und natürlich auch eine Video-Besichtigung der Queen Mary 2: https://vimeo.com/36904749

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